Lesepredigt zum Erntedankfest

Predigt zum Erntedankfest
über 5.Mose 8,7-14.17.18

Predigttext: Denn der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Brunnen und Seen sind, die an den Bergen und in den Auen fließen, ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt, ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo dir nichts mangelt, ein Land, in dessen Steinen Eisen ist, wo du Kupfererz aus den Bergen haust.

Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den HERRN, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat. So hüte dich nun davor, den HERRN, deinen Gott, zu vergessen, sodass du seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, nicht hältst. Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst und deine Rinder und Schafe und Silber und Gold und alles, was du hast, sich mehrt, dann hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergisst, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft,

Du könntest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir diesen Reichtum gewonnen. Sondern gedenke an den HERRN, deinen Gott; denn er ists, der dir Kräfte gibt, Reichtum zu gewinnen, auf dass er hielte seinen Bund, den er deinen Vätern geschworen hat, so wie es heute ist.

Liebe Gemeinde, im Namen Jesu Christi!

Gott der HERR hatte sein Volk durch seinen Knecht Mose aus der Sklaverei Ägyptens geführt.

Nun waren sie fast an ihrem Ziel angekommen, denn sie standen an der Grenze zu dem Land, das Gott ihnen zugesagt hatte, Kanaan.

Warum hatte die Reise vierzig Jahre gedauert. Warum so lange?

Um ihres Ungehorsams willen sollte die Generation, die damals in Ägypten aufgebrochen war, nicht in das Land Kanaan hineinkommen, auch Mose nicht.

Er wusste, dass er bald sterben würde.

So nahm er Abschied und ermahnte das Volk, wenn sie nun das gute und fruchtbare Land einnehmen würden, sollten sie ja nicht den HERRn vergessen und all das Gute nicht der eigenen Mühe zuschreiben.

Eben das aber liegt im Menschen: Hochmut und Undank gegenüber seinem Gott!

Christus spricht: „Von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus böse Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft” (Mk. 7,21-22) – auch der Undank!

Neben aller irdischen Not, die den Menschen trifft, ist diese innere, diese geistliche Not die weitaus schlimmere.

Darin liegt der Mensch von Natur aus gebunden und begraben.

Obwohl alle Menschen, die den Erlöser von Sünden im Glauben angenommen haben, Vergebung ihrer Sünden genießen, haben sie doch immer noch täglich mit dieser bösen Saat in ihren Herzen zu kämpfen.

Der Teufel will seine alte Herrschaft über sie zurückerobern.

Er sät unentwegt Gedanken der Bosheit, Arglist, der Unzucht, des Hochmutes und eben auch des Undanks in ihre Herzen.

Aus diesem Grund ermahnte Mose das Volk: „Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den HERRN, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat. So hüte dich nun davor, den HERRN, deinen Gott, zu vergessen…”.

Indem Gott Israel die vorhin verlesenen Worte durch Mose zurufen lässt, warnt er auch uns. Wovor?

Vor der großen Undankbarkeit des menschlichen Herzens gegenüber Gott

Und wir wollen hören: 1. Worin sie besteht und 2. wie man von ihr geheilt wird.

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1. Worin besteht die große Undankbarkeit des menschlichen Herzens gegenüber Gott?

Mose hatte ja folgende Worte zum Volk gesprochen: „Denn der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Brunnen und Seen sind, die an den Bergen und in den Auen fließen, ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt… So hüte dich nun davor, den HERRN, deinen Gott, zu vergessen… Du könntest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir diesen Reichtum gewonnen”.

Die große Undankbarkeit des menschlichen Herzens gegenüber Gott besteht also zuerst im Vergessen, zweitens im Schweigen und drittens in der Verweigerung und viertens im Missbrauch.

Die Wohltaten, die ein Mensch von Gott empfangen hat und fort und fort empfängt, sind nicht zu zählen.

Unser ganzes Dasein, unsere Seele mit allen ihren Kräften und unser Körper mit allen seinen Gliedmaßen ist eine Gabe und Wohltat Gottes.

Jeder Augenblick, den wir verleben, jeder Gedanke, jeder Atemzug, den wir tun, jeder Pulsschlag, die Speise, die wir zu uns nehmen, jeder Schlaf, der uns erquickt, die Kraft zur Arbeit, die Konzentration zum Lernen, alles Gut, das wir besitzen, jede Freude, die wir genießen, jede Rettung oder Heilung, die wir erfahren – dies alles sind Gaben der Liebe und Güte Gottes.

Und schauen wir uns um:

Nach Jahrhunderten, in denen in Europa ständig wieder Kriege aufflammten, leben wir schon Jahrzehnte im Frieden und guter Nachbarschaft mit anderen Völkern.

Gott der HERR hat uns nach Kriegen und unsagbarem Leid ruhige Jahre in Frieden und Wohlstand geschenkt.

Er hat auch jeden Einzelnen unter uns mit irdischen Gaben versorgt, von denen eine Generation vor uns die Menschen nur träumen konnten.

Auch im verflossenen Jahr hat er seinen Segen auf unser Land gelegt, hat uns Nahrung gegeben, vor landesweiten Katastrophen bewahrt.

Gott der HERR hat Handel und Industrie im harten Kampf der Weltwirtschaft nicht untergehen lassen.

Er hat auch denen, die keine Arbeit finden konnten, durch die Vorsorge der Regierenden Hilfen erwachsen lassen, die es in anderen Ländern gar nicht gibt.

Wir alle konnten als Christen unter unserer Regierung „ein ruhiges und stilles Leben führen in Frömmigkeit und Ehrbarkeit“ (1.Tim. 2,2).

Wenn jeder von uns in sein eigenes Leben hineinschaut, dann wird er wieder und wieder Beweise der Freundlichkeit und Güte Gottes finden – wenn es auch hin und wieder schwere Tage, Kreuz und Trübsal gegeben hat.

Aber auch Kreuz und Trübsal haben uns zum Besten gedient, zum Heil unserer Seele – wie Gottes Wort spricht: „Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen“ (Apg. 14,22), „wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“ (Röm 8,28).

Kurz: Es vergeht kein Tag, keine Stunde, ja kein Augenblick, wo wir nicht Tausende von Wohltaten Gottes empfangen.

Wo wir gehen, stehen, sitzen, liegen – überall sind wir von Gottes Gaben und Wohltaten umgeben wie von der Luft, die wir atmen.

Würde Gott der HERR uns Menschen, den Ungläubigen und den Gläubigen, nicht zahllose Wohltaten wie in Strömen zufließen lassen, so könnten wir keinen Augenblick leben.

Und würde Gott seine gütige Hand zurückziehen, so würden wir nichts empfinden als Unglück, Hölle und Sterben.

Und all die Wohltaten, die Gott der HERR uns in geistlicher Hinsicht erweist!

  • wie er seinen eingeborenen Sohn zur Erlösung der in Sünde gebundenen Welt geopfert – eben auch für dich und mich!

  • und wie er allen Sündern durch sein Wort Vergebung der Sündenschuld anbietet – eben auch dir und mir, damit wir Ruhe finden in Herz und Gewissen und selig werden!

  • wie der Heilige Geist mit Gottes Wort an der Herzenstür des Menschen anklopft – und auch dich und mich zum Glauben an den Erlöser geführt hat!

  • und wie alles, selbst das Unglück im Leben uns zur Seligkeit dient: Wer könnte Worte finden, für all die Erweise seiner Barmherzigkeit und Güte, die ein jeder Mensch tagtäglich erfährt?

Aber die meisten erkennen nicht einmal oder wollen auch nicht glauben, dass alles, was sie sind und haben, eine Wohltat Gottes ist.

Sie schwimmen im Meer der Wohltaten Gottes und lästern: Es gibt keinen Gott. Es ist alles Natur und kommt aus eigener Mühe.

Andere wissen, dass es einen Gott gibt und denken auch, wenn sie etwas Gutes empfangen, dass Gott es gegeben hat.

Doch kaum haben sie es empfangen, vergessen sie Gott schon wieder.

Die Undankbarkeit des menschlichen Herzens gegenüber Gott besteht also zuerst im Vergessen der unzähligen Wohltaten, die jeder Mensch in jedem Augenblick seines Lebens empfängt.

Neben das Vergessen tritt das Schweigen.

Gottes Wort spricht: „Denn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt…” (Röm 1,21).

Und doch: Sogar Menschen, die ihr Leben lang nicht viel mit Gott im Sinn haben, wenden sich mitunter an ihn.

Bricht große Not über sie herein, so fangen sie an zu beten.

Dann soll Gott auch gleich helfen.

Hat Gott geholfen, so findet kaum noch einer dazu, ihm auch zu danken.

Die Undankbarkeit des menschlichen Herzens gegenüber Gott besteht im Vergessen seiner Wohltaten und im Schweigen, dass man ihm nicht dankt.

Dazu kommt das Verweigern.

Demjenigen nun, der Hilfe von Gott erfahren hat, legt Gott folgende Worte in den Mund: „Wie soll ich dem HERRN vergelten all seine Wohltat, die er an mir tut?” (Ps 116,12).

So soll jeder Mensch fragen, denn jeder Mensch ist in jedem Augenblick von Gottes Wohltaten umgeben und jeder Mensch müsste vergehen und verkümmern, würde Gott seine gütige Hand abziehen.

Aber der Mensch vergisst nicht nur Gottes Güte, schweigt nicht nur gegenüber seinem Wohltäter, sondern verweigert sich ihm auch.

In der Not versprechen viele, wenn ihnen geholfen wird, dass sie dann ganz anders leben, ja dass sie ganz andere Menschen werden wollten.

So könnte mache Not und Gottes Hilfe darin dem Menschen ein Wegweiser zur Rettung seiner Seele werden, ein Wegweiser zur Seligkeit.

Gott will nämlich, dass wir jede Gelegenheit in unserem Leben nutzen, zu ihm zurückzukehren, damit er uns auch sein Wort hören lassen kann.

Denn durch sein Wort will er uns aus dem größten Elend aus Sünde und drohender Verdammnis helfen.

Darum erwartet Gott, dass der Mensch nach ihm fragt.

Da lesen wir in der Bibel: „Der HERR schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage” (Ps 14,2).

Denn der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt” (Klgl. 3,25).

Wie eng das ewig Heil des Menschen mit Dank oder Undank und Behalten oder Vergessen zusammenhängt, zeigt das folgende Gotteswort: „Begreift es doch, die ihr Gott vergesset, damit ich nicht hinraffe, und kein Retter ist da! Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes” (Ps. 50,22-23).

Die Undankbarkeit des menschlichen Herzens gegenüber Gott besteht zuerst im Vergessen seiner unzähligen Wohltaten, im Schweigen, dass man ihm nicht dankt und in der Verweigerung, dass man nicht weiter nach ihm fragt, sich nicht aus der Not der Sünde helfen lassen will.

Dazu kommt der Missbrauch der Wohltaten Gottes.

Statt den Schöpfer zu ehren und nach ihm zu fragen, dienen die Menschen dem Irdischen, verehren die Gaben statt den Geber.

Was Gott ihnen geschenkt hat, veranlasst sie nicht, nach ihm zu fragen, sondern seine Gaben in Habgier und Geiz, Neid und Missgunst zu missbrauchen.

Und wie eingangs bereits gesagt, dies betrifft nicht ausnahmslos die ungläubigen Menschen; dieser böse Wurm nagt auch unentwegt an den Christenherzen.

Auch sie schreiben sich oft selbst und ihrer Kraft das zu, was doch Gott der HERR ihnen durch ihre Arbeit oder auch sonst geschenkt hat.

Und nicht selten stehen die Christen durch die Verführung des Teufels in der Gefahr, Gottes gute Gaben zu missbrauchen, nämlich um der Gaben willen Gottes Wort, den Gottesdienst oder die Bibelstunden zu versäumen, andere um ihr Hab und Gut zu beneiden, fremdes Eigentum zu begehren oder irdisches Gut zum Unrecht zu gebrauchen.

Darin besteht die große Undankbarkeit des menschlichen Herzens gegenüber Gott

Aber wir wollen auch hören:

2. Wie man von ihr geheilt wird

Wir erfahren die Antwort aus dem Evangelium von den zehn Aussätzigen, die der HERR Christus durch ein Wunder geheilt hatte.

Nur ein einziger kehrte um, fiel vor Jesus nieder und dankte ihm.

Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde? Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen” (Luk. 17,17-19).

Der Glaube war das Mittel, durch das diesem Menschen geholfen wurde und er nicht nur körperlich, sondern vor allem auch geistlich geheilt worden war.

Durch den Glauben an den Heiland und Erlöser aller Sünder hatte er auch ein dankbares Herz bekommen.

Denn als dieser Mann sehnsüchtig auf Jesus schaute und ihn mit seinem gläubigen Herzen bat, erflehte er Heilung – nicht nur leibliche, sondern auch für seine Seele, Friede für sein Gewissen.

Dies bestätigt Jesus mit den Worten: „Dein Glaube hat dir geholfen”.

Denn der Mensch, zu dem der Sohn Gottes das sagt, dem ist nicht nur leiblich geholfen, sondern ein solcher Mensch ist ein mit Gott versöhnter Sünder, ein Kind Gottes, einer, der zum Frieden mit Gott gekommen ist, einer, den der gute Hirte aus den Dornen gezogen und auf seinen Schultern heimgetragen hat.

So ist ein sicheres Kennzeichen für einen Menschen, der im Glauben steht, dass sein Herz gleichsam überfließt vom Dank gegen seinen Gott und Heiland.

Eine schnell vorübergehende Regung des Dankes zu Gott kann es freilich auch in einem ungläubigen Menschen geben, aber ein Zustand, eine Gesinnung, in dem ein Mensch seinem Gott für alles dankt, was er ist und was er hat, diesen Zustand wirkt allein der rechte Glaube.

Zu einem solchen Glauben aber kann sich der Mensch nicht selber bringen.

Niemand anders kann einen solchen Glauben im Menschenherzen hervorbringen als der Heilige Geist; und er wirkt ihn durch Gottes Wort.

Das erste, wozu der Heilige Geist einen Menschen zu bringen sucht, ist, dass sich der Mensch als einen armen, elenden und überaus großen Sünder erkennt, der seinen Gott durch Sünde unzählige Male beleidigt hat und aller Wohltaten Gottes nicht würdig ist.

Diese Erkenntnis predigt Gott teils durch sein Gesetz in den heiligen zehn Geboten, teils durch Unglück, das er geschehen lässt.

Die meisten Menschen widerstreben dann dieser Predigt Gottes.

Einerseits reden sie sich selbst ein, so große, so elende, so verdammungswürdige Sünder seien sie nicht.

Andererseits laden sie noch größere Sünde auf sich, indem sie, statt sich selbst, Gott anklagen und ihn der Ungerechtigkeit bezichtigen.

Widerstrebt ein Mensch jedoch dem Heiligen Geist nicht, sondern erkennt Gottes Recht an und lässt sich durch Gottes Gebote und Gerichte noch weiter in die Erkenntnis seiner Schuld hineinführen, so ist er auf dem Weg, seine geistliche Heilung, sein Seelenheil zu empfangen.

Denn in einem solchen Zustand, in dem er seine Schuld erkennt, beginnt er sich danach umzusehen, wie er Hilfe für sein Gewissen und Heilung für seine Seele erhalten kann.

Hört er nun die Frohe Botschaft vom Heiland der Sünder, so erweckt der Heilige Geist in ihm diese Bitte: „HERR Jesus, erbarme dich über mich!”

Das ist ein glücklicher, seliger Mensch, der sich vom Heiligen Geist durch Gottes Wort so weit bringen lässt!

Ein solcher Seufzer ist schon die erste Wirkung und Offenbarung des seligmachenden Glaubens.

Ein Mensch, der den Sohn Gottes, seinen Heiland ansieht und spricht: „HERR Jesus, ich bin ein elender Sünder! Erbarme dich über mich!” – ein solcher Mensch ist ein Kind Gottes, ein Erbe des ewigen Lebens.

Zu einem solchen Menschen spricht Gott: „Gehe hin in Frieden. Dein Glaube hat dir geholfen”.

Das meint Gottes Wort, wo wir lesen: „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus” (Röm. 5,1).

Ein elender Sünder, der im Glauben dem HERRn Christus nachfolgt und weiß, dass er fortan in aller Not auf die starke Hand seines himmlischen Vaters rechnen kann.

Blickt er zurück auf sein bisheriges Leben, so könnte er weinen.

Es zerspringt ihm fast das Herz, wenn er daran denkt, mit welch schändlichem Undank er die unzähligen Wohltaten Gottes einfach hingenommen und wie er doch Gottes Gaben in seinem Leben missbraucht hat.

Mit solchem wahren Glauben an den Heiland im Herzen ist auch eine große Sehnsucht in dieses Herz eingezogen, Gott zu danken, ihn zu ehren, dass er sich nicht nur auch der geringsten Gaben in seinem Leben für ganz unwürdig erachtet, sondern auch das Kreuz, das ihm Gott zuschickt, dankbar annimmt – aus den Vaterhänden, die ihn aus allem Unfrieden, aus Sünde und Verdammnis herausgezogen haben.

Er spricht: „Das ist ein köstlich Ding, dem HERRN danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster” (Ps. 92,2) und selbst in Not und Entbehrung bekennt er mit Hiob: „Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt!” (Hiob 1,21).

So erweckt alles, die Wohltat aus Gottes Hand und auch die Trübsal in ihm die Sehnsucht nach dem Himmel und er fügt seinen Gebeten oft hinzu: „Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?” (Ps. 42,3).

Damit wir nun alle durch den wahren Glauben täglich die böse Wurzel des Undanks aus unseren Herzen ausjäten und unseren HERRn loben und preisen, darum ermahnte Gott aus lauter Liebe damals sein Volk und mit ihnen auch uns: „So hüte dich nun davor, den HERRN, deinen Gott, zu vergessen… Du könntest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir diesen Reichtum gewonnen”.

Bedenken wir zum Schluss, was Gott einst zu Israel sprach, als sie am Ziel, im Land Kanaan, angekommen waren: „Gedenke des ganzen Weges, den dich der HERR, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit kundwürde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht. Er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Manna, das du und deine Väter nie gekannt hatten, auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRn geht. Deine Kleider sind nicht zerrissen an dir, und deine Füße sind nicht geschwollen diese vierzig Jahre. So erkennst du ja in deinem Herzen, dass der HERR, dein Gott, dich erzogen hat, wie ein Mann seinen Sohn erzieht“ (5.Mose 8,2-5).

Ihm sei Dank, Ehre und Preis in Zeit und Ewigkeit. Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden