Andacht am Altjahresabend

Silvestertag, Jahresschlussandacht über Johannes 1,4
Gebete für Silvester und Neujahr

Andachtstext: In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Liebe Gemeinde!

Der Apostel und Evangelist Johannes lehrt von Christus als dem Licht – wie es auch der Prophet Jesaja getan hatte.

In der Weissagung des Jesaja heißt es: Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HErrn geht auf über dir…“.

Licht nennt der vom Heiligen Geist erleuchtete Prophet den sehnlich erwarteten Heiland, den Messias, unseren HErrn Christus.

Ja, der HErr Christus nennt sich selbst das Licht.: „Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“ (Joh. 12,46) und „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh. 8,12).

So bestätigt er: Die Weissagung ist erfüllt.

Das schreiben die Evangelisten und Apostel als Christi Zeugen.

So schreibt der Apostel Johannes gleich zu Beginn seines Evangeliums von Christus: Und das Licht scheint in der Finsternis“ (Joh. 1,5).

Über Christi Menschwerdung sagt der Apostel: „Das wahre Licht scheint jetzt (1.Joh. 2,8).

Die Vernunft, der Verstand des Menschen ist auch ein Licht, aber nicht das rechte göttliche und eigentliche Licht.

Wenn die Vernunft oder die Weisheit dieser Welt das rechte Licht wäre, so würde Christus nicht sagen: Ich bin das Licht der Welt.

Die Vernunft lehrt dich lesen, schreiben, rechnen, abwägen, planen.

Sie leuchtet über den Dingen dieser Welt wie das Flutlicht eines Stadions – und das ist sehr nützlich und das brauchen wir auch.

Christus dagegen ist die Sonne. Er ist das Licht, das uns den gnädigen Gott zeigt.

In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen

Das Wissen der Menschheit, die Weisheit dieser Welt, sind Lichter, die wir für unsere irdische Existenz benötigen.

Aber sie helfen nicht mehr, wenn der Mensch seinen letzten Atemzug tut. Sie helfen ihm nicht im Gericht vor seinem Gott!

Darum heißt es: „In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“ (Kol. 2,3).

Die Predigt von Christus erscheint im Vergleich zur Weisheit dieser Welt schwach und lächerlich.. Gottes Wort spricht: „Weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt selig zu machen die, so daran glauben“ (1.Kor. 1,21).

Wo Christus, das Licht ist, da ist Gnade und Friede mit Gott; und wo die vergebende Gnade Gottes ist, da ist Leben und Seligkeit.

Mit all seinen Werken und Worten erweist sich Christus als das Licht, das die Finsternis dieser in Sünde gebundenen Welt erleuchtet.

Was auch immer von Christus berichtet wird, sind Lichtstrahlen der Gnade Gottes, die uns Sündern das Verständnis erleuchtet über uns selbst und über Gottes Gnadentat, dass wir uns vor Gott als Verlorene erkennen und zu dem Licht der Vergebung der Sünden Gottes kommen.

Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. (Jes. 60,2)

In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen(Joh. 1,4)

Es hätte nie und nimmer licht und hell werden können, wenn Gott uns nicht selbst zu Hilfe gekommen wäre!

Wir hätten zwar Licht, nämlich menschliche Weisheit, doch fänden wir durch sie nicht den Weg zum Frieden mit Gott, müssten ewig verloren gehen und könnten nicht selig werden.

Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?“ (Luk. 6,39).

Gottfern, gefangen in den Stricken immer neuer Ungerechtigkeit und Sünde, bewacht von der Macht Satans, gebannt von mancherlei Götzendienst – so ist unsere Welt ohne Gottes Licht.

Eine große Dunkelheit erstreckt sich seit dem Sündenfall über unsere Welt und überschattet alle Völker und damit jeden einzelnen Menschen.

Diese Dunkelheit kann kein Mensch mit irdischen Mitteln vertreiben, nicht durch Klugheit, nicht durch schöngeistige Gespräche, nicht durch Gutes, das er anderen selbstlos schenkt.

Wie schrecklich, dass dann der Evangelist berichten muss: Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht“ (Joh. 3,19).

Und er berichtet über Jesus: „Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh. 1,9-11).

Die Finsternis der Sünde und des Unglaubens hat sich über die Menschheit, ja über alle Schöpfung gelegt.

Sie ist ein Fluch und trennt von Gott.

Diesen Fluch zu brechen und dafür lauter Segen und ewiges Glück zu geben hat Gott schon gegenüber Adam und Eva verheißen und hat diese Zusage seiner Barmherzigkeit durch die Propheten bestätigt.

Dass es überhaupt noch licht werden kann, ist lauter Güte und Gnade unseres Schöpfers, wie uns der Prophet Jesaja lehrt: „Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“

Zwar ging das Licht in der heiligen Nacht über ganz Israel auf, aber meistens war die Schar der Gläubigen in diesem Volk klein.

Johannes schreibt: „Die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht“ (Joh. 3,19).

Es gab, als Christus geboren wurde, nur ein kleines „geistliches Israel“, Menschen, die den zugesagten Erlöser im Glauben erwarteten.

Die Schar derer, die Christus, das Gnadenlicht Gottes, lieben, ist immer klein. Und diese Schar ist hart umkämpft!

Immer wenn wir sehen, wie die Finsternis an uns zieht, um uns wieder in ihren Bann zu bringen, wenn wir erkennen, „dass wir täglich viel sündigen und nichts als Strafe verdient haben“, hilft Christus unserer Schwachheit durch sein Wort auf, versichert uns, dass wir Gottes Kinder sind, tröstet und stärkt uns, so dass wir wieder getrost sein können und sprechen: Ich bin ja doch dein liebes Kind trotz Teufel, Welt und aller Sünd.

Er erinnert und mahnt uns: „Habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, deckt sie vielmehr auf“ (Eph. 5,11), denn „ihr seid allzumal Kinder des Lichtes und Kinder des Tages; wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis“ (1.Thess. 5,5).

So lasset uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes“ (Röm.13,12).

Die Werke der Finsternis ablegen das bringt keiner zuwege ohne Christus, aus eigener Kraft und Macht!

Der Teufel will in die Mauer der Gnade und des Glaubens, die Gott selbst um uns gezogen hat, eine Bresche schlagen – erst eine ganz kleine Lücke, die er dann größer zu machen sucht.

Das sind die Anfechtungen und Versuchungen zum Bösen, dass du in seine Verführungen zur Sünde einwilligst.

Da sind dann Worte und Handlungen, die Gott nicht hören oder sehen sollte, weil du dich dann schämen müsstest.

Da ändere dich, da lege die Werke der Finsternis ab, da ergreife die Waffen des Lichtes!

Da bete und lies Gottes Wort. Denn hell und licht wird es dort, wo Christus ist, das Licht der Welt, dein Licht.

Da heißt es: „Glaubt an das Licht, weil ihr es habt, auf dass ihr des Lichtes Kinder seid“ (Joh. 12,36).

Durch die Predigt des Evangeliums schafft Gott Orte des Lichtes.

Überall, wo Gottes Licht scheint, wird Gnade geschenkt, Sünde vergeben, der Fluch genommen, ist der Himmel geöffnet!

Christus, die Gnadensonne strahlt dir in Wort und Sakrament.

Christus erleuchtet das Herz und Gewissen, dass es ruhig und getrost wird, mitten in der Unruhe dieser Welt, mitten in Anfechtungen von innen und in einer Zeit, in der vieles ungewiss, ja beängstigend ist.

In IHM, ja im Glauben an IHN wollen wir das alte Jahr hinter uns lassen und getrost und zuversichtlich das neue Jahr beginnen.

Wir wollen das mit unserem HErrn Christus tun, damit es licht wird über dem alten Jahr und licht über der ungewissen Zukunft!

Blicken wir auf das, was vor uns liegt, so spricht er: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!” (Jes. 43,1f.).

Gebet: Ja, HErr Christus, „dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege” (Ps. 119,105). Amen.

Pfr. Martin Blechchmidt, Runkel-Steeden