Predigt am Neujahrstag

Predigt am Neujahrstag
über Johannes 17,14-17

Gebete für den Silvester- und Neujahrstag

Predigt über das altkirchliche Evangelium am Neujahrstag (Beschneidung Jesu, Lukas 2,21)

Predigttext: Ich hab‘ ihnen gegeben dein Wort, und die Welt hasset sie; denn sie sind nicht von der Welt, wie denn auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt nehmest, sondern daß du sie bewahrest vor dem Übel. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit.

Herzlich geliebte Glaubensgeschwister in Jesus Christus!

Heute ist der Tag der Beschneidung und Namensgebung Jesu.
Jesus Christus, der Mensch gewordene Gott ist unser Hoherpriester: Er opfert sich. Er tritt fürbittend für uns ein, wie Paulus lehrt: „…welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns“ (Röm. 8,34)

Vor seinem Leiden und Tod hat Christus für die Seinen gebetet – aus diesem Gebet sind unsere Verse genommen.

Der menschgewordene Sohn Gottes dient uns Sündern auf dreierlei Weise: als unser König, der uns mit seinem Wort regiert, als unser Priester, der sich selbst zu unserer Erlösung von Sünde, Tod und Teufel zum Opfer gegeben hat und als unser Prophet, der uns lehrt.

Kurz vor seinem Leiden und Sterben finden wir Christus im Gebet.

Es ist das Gebet unseres Hohenpriesters, der zwischen uns und Gott dem Vater vermittelt.

Er bittet für seine Jünger und auch für uns, denn er spricht: “Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden (Joh. 17,20).

Ja, auch an uns denkt er, wenn er spricht: “Ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir” (Joh. 17,11).

Aber nicht nur dort im Garten Gethsemane hat Jesus sich im Gebet als unser starker Heiland schützend vor uns gestellt, denn Gottes Wort lehrt uns: „Christus, ist zur Rechten Gottes und vertritt uns“ (Röm. 8,34), und „wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist“ (1.Joh. 2,1).

Zu Petrus hatte Jesus einmal gesagt: “Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre” (Luk. 22,31-32).

Ja, der HERR sah voraus, wie Petrus in schwere Sünde fallen würde!

So betet der HERR Jesus auch für dich und mich und vertritt uns.

Was für ein Trost gerade zu Beginn eines neuen Jahres, wenn wir lesen: “Daher kann er auch für immer selig machen, die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebt für immer und bittet für sie (Hebr. 7,25).

Weiß doch keiner von uns, was in diesem Jahr vor ihm liegt.

Aber dieses eine ist ganz sicher; ich darf sprechen: “Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, hilfst mir, dass ich sicher wohne” (Ps. 4,9).

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln… Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich” (Ps. 23,4).

Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott, den HERRN…” (Ps. 73,28).

In seinem hohenpriesterlichen Gebet spricht Jesus: “Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hasst sie; denn sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin”.

Was meint Jesus, wenn er spricht: “Sie sind in der Welt, aber nicht von der Welt”?

Ein Wort macht das deutlich: “Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus” (Gal. 3,26)

Als Kinder Gottes gehören wir jetzt auf die andere Seite, sind nicht mehr in der Gewalt der Finsternis, nicht mehr Feinde Gottes, sondern Bürger seines Reiches und Erben der ewigen Herrlichkeit..

So schreibt der Apostel Petrus: Dass ihr „hinfort die noch übrige Zeit im Fleisch nicht den Begierden der Menschen, sondern dem Willen Gottes lebt. Denn es ist genug, dass ihr die vergangene Zeit zugebracht habt nach heidnischem Willen, als ihr ein Leben führtet in Ausschweifung, Begierden, Trunkenheit, Fresserei, Sauferei und gräulichem Götzendienst. Das befremdet sie, dass ihr euch nicht mehr mit ihnen stürzt in dasselbe wüste, unordentliche Treiben, und sie lästern“ (1.Petr. 4,2-4)

Wie alle Christen sind auch wir dem gottfeindlichen Wesen dieser Welt entfremdet.

Wir wollen der Sünde nicht mehr dienen, vielmehr gegen sündige Sehnsüchte in uns ankämpfen und dem Willen unseres Gottes folgen.

Wir leben in der Welt, aber wir sondern uns ab von ihrem gottfeindlichen Wesen, das die Sünde liebt; damit wollen wir nichts mehr zu tun haben – obwohl wir täglich damit in Berührung kommen.

Das meint Jesus, wenn er spricht: “Sie sind in der Welt, aber nicht von der Welt”.

In dieses Spannungsfeld sind wir gekommen, weil Gottes Geist den Glauben in uns angezündet und uns wiedergeboren hat.

Er hat uns Vergebung aller Schuld geschenkt und die Gewissheit des ewigen Lebens in uns gepflanzt.

Das sagt er mit den Worten: “Ich habe ihnen dein Wort gegeben gegeben, und die Welt hasst sie!”.

Nicht so, dass uns im gewöhnlichen Leben jeder Ungläubige persönlich hassen würde.

Aber je deutlicher wir “Nein!” sagen zu allem, was Gott böse nennt, je mehr wir im Alltag dem Wort Gottes folgen, desto größer wird unser Abstand zur Welt.

Es kann schon geschehen, dass wir Spott und Hohn erfahren und plötzlich tiefe Abneigung, Benachteiligung, ja sogar Hass daraus wird.

Kinder Gottes” (Gal. 3,26), “Kinder des Lichts” (Luk. 16,8) und “Kinder des Tages” (1.Thess. 5,5) werden die Christusgläubigen genannt.

Die unerlösten Menschen, die den HERRn Christus ablehnen, nennt die Schrift im Blick auf ihre Bindung “Kinder der Welt” (Luk. 16,8), im Blick auf ihr Ende “Kinder der Hölle” (Matth. 23,15), im Blick auf ihr Tun und Lassen “Kinder der Bosheit” (Matth. 13,38) und “Kinder des Ungehorsams” (Eph. 2,2), im Blick auf ihr Verhältnis zu Gott “Kinder des Zorns” (Eph. 2,3) und im Blick auf den Herrn, dem sie dienen “Kinder des Teufels” (Apg. 13,10).

Sie befinden sich in der “Knechtschaft der Elemente der Welt” (Gal. 4,3), dienen dem Teufel, als dem “Gott der Welt” (2.Kor. 4,4) und leben in Feindschaft zu ihrem Schöpfer, wie es heißt: “Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein” (Jak. 4,4); “fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch dem Gesetz nicht untertan ist, denn es vermag’s auch nicht” (Röm. 8,7).

Wer durch den Glauben zu einem “Kind Gottes” geworden ist, wird fortan von einem anderen Geist regiert: “Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder” (Röm. 8,14).

Und weil die Christen vom Heiligen Geist, von seiner verändernden heiligenden Kraft durchpulst werden, nennt Gottes Wort sie auch “Heilige” (Eph. 1,1) [von Gott gereinigt, der Sünde feind].

Nicht etwa, weil sie in sich oder durch sich selbst ohne jeden sündigen Gedanken wären oder frei von jeder sündigen Tat, nein!

Das sind sie noch nicht; das spüren sie auch. Das alte Wesen hängt ihnen immer noch an und sie seufzen: “Ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht” (Röm. 7,18)

Vielmehr sind sie “Heilige”, weil Christus sie durch die Vergebung der Sünden heilig und unsträflich vor Gott stellt dass Gott ihnen ihre Sünde um Christi willen nicht mehr zurechnet (Ps. 32,1f.; 2.Kor. 5,19).

Solche Heilige sind z.B. die Gemeindeglieder in Korinth: Früher (schreibt der Apostel Paulus) wart ihr “Unzüchtige, Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer und Räuber”.

Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes” (1.Kor 6,11).

Weil aber der Teufel die Christen wieder binden will, ja weil auch ein jeder von uns im täglichen Glaubenskampf steht, betet Jesus: “Heilige sie in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit!” (Joh. 17,17).

Durch sein Wort und seinen Geist lässt Gott der HERR uns in der begonnenen Heiligung wachsen, rüstet uns immer völliger aus mit den Gaben des Geistes, mit Glaube, Liebe, Sanftmut, Keuschheit, Friede, Geduld, Freundlichkeit…

So kommen “Kinder Gottes” immer mehr in Gegensatz zum Wesen der Welt.

Sie wollen sich selbst von der Welt und Sünde “unbefleckt halten” (Jak. 1,27), “nicht nach dem Rat der Gottlosen zu leben und nicht zu sitzen, wo die Spötter sitzen”, ja “sie hassen die Versammlung der Gottlosen” (Ps. 26,5), wo der HERR verachtet und sein Wort verspottet wird.

Der HERR ruft ihnen zu: “Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt liebhat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit” (1.Joh. 2,15-17).

Der HErr spricht: Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes!” (Röm. 12,2a)

Zieht nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen! Denn was hat die Gerechtigkeit für Gemeinschaft mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis?” (2.Kor. 6,14).

Wo Gottes Wort in dieser Welt verachtet wird, sprechen sie: “Ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben…” (Röm. 1,16).

Das ist der Gegensatz, in den “Kinder Gottes durch den Glauben an Jesus Christus” geraten.

Und eben das Leben in der Welt, abgesondert vom Wesen der Welt bereitet uns nicht selten Not.

So geht es allen Christen und so erging es auch Lot, der inmitten der Ungerechtigkeit und Sünde der Stadt Sodom leben musste: “Ihm taten die schändlichen Leute viel Leid an mit ihrem ausschweifenden Leben. Denn der Gerechte, der unter ihnen wohnte, musste alles mit ansehen und anhören und seine gerechte Seele von Tag zu Tag quälen lassen durch ihre bösen Werke” (2.Petr. 2,7.8).

Und David seufzt: “Ich sehe die Verächter, und es tut mir weh, dass sie dein Wort nicht halten” (Ps. 119,158).

Von diesem Leiden der Christen am Wesen dieser Welt spricht Christus.

Er weiß auch, wie oft sich so mancher Christ wünscht “daheim zu sein beim HERRn” (2.Kor. 5,8b).

Ja, der Apostel Paulus sprach in seinem Glaubenskampf und in all den Anfechtungen, die er ertragen mußte: “Denn es setzt mir beides hart zu: ich habe Lust, aus der Welt zu scheiden und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre; [Er setzt jedoch hinzu: ] aber es ist nötiger, im Fleisch zu bleiben, um euretwillen” (Phil. 1,23-24).

Das ist keine irrsinnige Todessehnsucht, sondern fließt aus der festen Zuversicht zu Jesus, der uns das ewige Leben verheißen hat.

Wir lieben, arbeiten, genießen, essen und trinken – aber als Christen leiden wir auch – und wissen: Dieses Spannungsfeld gehört zum Christsein!

Diese Not, die aus dem Gegensatz zur sündigen Art der Welt entsteht, ist ein Wesensmerkmal, ein Charakteristikum, des Christseins.

Christus spricht: “Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach” (Matth. 16,24); “und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein” (Luk. 14,27).

Aber in dieser Not lässt er uns nicht allein, sondern betet für uns, steht neben uns und stärkt uns!

Womit? Er spricht: “Ich habe ihnen gegeben dein Wort”.

Als unser mächtiger Hoherpriester hat er uns das lebendige Wort des allmächtigen Vaters gegeben.

Gegen dieses Wort bäumt sich der Teufel auf, denn er weiß,

  • dass dieses Wort eine scharfe Waffe ist, der er nichts entgegensetzen kann.
  • dass durch dieses Wort verlorene Menschen aus seiner Macht gerissen und in das Reich Gottes versetzt werden.
  • dass dieses Wort ihm Einhalt gebietet und alle seine Macht zerschlägt, und dass dieses Wort dem Sünder Kräfte verleiht, die ihn überwinden.

Aus diesem Grund kämpft er mit aller Gewalt, mit aller List und Härte gegen alle, die an diesem Wort hängen und es ausbreiten.

Aus diesem Grund versucht er Zweifel an diesem Wort auch in deinem Herzen zu säen.

Sagt das Wort: “Dir sind deine Sünden vergeben!”, so wirst du ihn bald sprechen hören: “Bist du dir wirklich sicher? Ist deine Schuld nicht größer, als dass sie dir noch vergeben werden könnte?”

Offenbart dir Gott Dinge, die du sonst nicht wissen kannst, hält er entgegen: “Sollte Gott gesagt haben?”

Doch mit Christi Wort kannst du Zweifel besiegen, Anfechtungen überwinden und auch durch die Tiefen des Lebens getrost weitergehen!

Darum mahnt der Apostel: “lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen!” (Kol. 3,16).

Er hilft uns nicht nur mit seinem kräftigen Wort, sondern auch mit seinem fürbittenden Gebet: “Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Übel”.

Es ist das Wichtigste, dass wir unbeschadet an unserer Seele das himmlische Ziel erreichen.

Darum lehrt der Apostel: “Wir warten auf unseres Leibes Erlösung”, denn “wir sind selig, doch in Hoffnung” (Röm 8,23.24), “leben im Glauben und nicht im Schauen” (2.Kor. 5,7).

Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, nach seiner Verheißung, in welcher Gerechtigkeit wohnt” (2.Petr. 3,13).

Darum lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat” (Hebr. 10,23).

Was im neuen Jahr auch kommen mag -an Schönem, aber auch an Bösem- wir sind in der Hand unseres starken Heilandes!

Er spricht: “Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen” (Ps. 50,15). Amen.

Pfr. Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden