Predigt am 3. Sonntag nach Epiphanias

Predigt für 3. Sonntag nach Epiphanias

Joh. 4, 1-15

Da nun der HErr inneward, dass vor die Pharisäer kommen war, wie JEsus mehr Jünger machte und taufte denn Johannes (wiewohl JEsus selber nicht taufte, sondern seine Jünger), verließ er das Land Judäa und zog wieder nach Galiläa. Er musste aber durch Samaria reisen.

Da kam er in eine Stadt Samarias, die heißt Sichar, nahe bei dem Dörflein, das Jakob seinem Sohne Joseph gab. Es war aber daselbst Jakobs Brunnen. Da nun JEsus müde war von der Reise, setzte er sich also auf den Brunnen; und es war um die sechste Stunde. Da kommt eine Frau von Samaria, Wasser zu schöpfen. JEsus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, dass sie Speise kauften. Spricht nun die samaritische Frau zu ihm: Wie bittest du von mir zu trinken, so du ein Jude bist und ich eine samaritische Frau? (Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern.) JEsus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkennetest die Gabe GOttes, und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken, du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser.

Spricht zu ihm die Frau: HErr, hast du doch nichts, damit du schöpfst, und der Brunnen ist tief; woher hast du denn lebendig Wasser? Bist du mehr denn unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat, und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh? JEsus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinke den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.

Spricht die Frau zu ihm: HErr, gib mir dasselbige Wasser, auf dass mich nicht dürste, dass ich nicht herkommen müsse zu schöpfen.

Liebe Gemeinde,

wir haben heute den 3. Sonntag nach Epiphanias.

Die Erscheinung des Herrn“ – das ist der Gegenstand und Hauptgedanke der Wochen zwischen Weihnachten und der Passion.

Dieses Ereignis ist zu wichtig, als dass man ihn nur flüchtig betrachten sollte.

Wie haben die Gläubigen des alten Bundes sich nach diesem Erscheinen gesehnt.

Jesus spricht zu seinen Jüngern: „Selig sind die Augen, die da sehen, was ihr sehet. Denn ich sage euch: Viel Propheten und Könige wollten sehen, was ihr sehet, und haben’s nicht gesehen; und hören, was ihr höret, und haben’s nicht gehöret.“ (Luk. 10, 23-24)

Jesaja ruft betend aus: „Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab..“ (Jes. 64, 1)

Denn: „wir sind alle wie die Unreinen, und alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid. Wir sind alle verwelkt wie die Blätter, und unsre Sünden tragen uns davon wie der Wind.“ (Jes. 64, 6)

Die Sehnsucht nach dem Messias war groß, denn mit seinem Erscheinen würde Er auch die herrlichen Schätze mitbringen die wir bitter nötig hatten.

Vergebung der Sünden, Friede mit Gott und das ewige Leben sind die Gaben die wir nirgends sonst bekommen.

Nun, eben von diesen wahren und ewigen Gütern handelt unser Evangelium.
1. wie nötig wir sie haben
2. wer sie uns gibt und schenkt
3. wie wir sie erlangen.

1.

Jesus ist auf dem Weg nach Galiläa und er musste durch Samaria reisen. Es war der kürzeste Weg dorthin.

Die gesetzeseifrigen Juden mieden diesen Weg, sie nahmen lieber einen Umweg in Kauf, um bloß nicht in Berührung mit den Samaritern zu kommen.

So verhasst und verabscheut war das Mischvolk aus Heiden und Juden.

Doch in Gottes Augen gab es keinen Unterschied.

Denn es ist hier kein Unterschied; sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den sie bei GOtt haben sollten.“ (Röm. 3, 23)

Eben deshalb “musste“ Jesus auch durch Samaria reisen und die Frau am Jakobsbrunnen und nicht nur sie aufsuchen.

Auch von den Samaritern sollte es heißen: „das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen und die da saßen am Ort und Schatten des Todes, denen ist ein Licht aufgegangen“ (Matth. 4, 16)

Da kam er in eine Stadt Samarias, die heißt Sichar, nahe bei dem Dörflein, das Jakob seinem Sohne Joseph gab. Es war aber daselbst Jakobs Brunnen. Da nun JEsus müde war von der Reise, setzte er sich also auf den Brunnen; und es war um die sechste Stunde. Da kommt eine Frau von Samaria, Wasser zu schöpfen. JEsus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, dass sie Speise kauften.

Müde und hungrig von dem langen Fußmarsch setzt sich Jesus an dem Brunnen.

Wie erscheint uns hier Christus in seiner Menschheit!

Er ist wahrlich seinen Brüdern in allen Dingen gleich geworden, nur ohne Sünde.

Er ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.“ (Phil. 2, 7)

Er, der Herr des Himmels und der Erde, dem alle Engel zu Dienst stehen, sitzt auf hartem Stein ohne alle Bequemlichkeit, seine müden Glieder auszuruhen.

Dies alles nimmt er auf sich, getrieben von Liebe und einem Durst nach dem Heil der Sünder.

Wie er auch selber bekennt: „ Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.“ (Joh. 4, 34)

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Luk. 19, 10)

Zum Selig-werden gehört die rechte Sündenerkenntnis.

Dies drückt Jesus wie folgt aus: Wer von diesem Wasser (aus dem Jakobsbrunnen) trinkt, den wird wieder dürsten.“

Jesus macht klar, dass der Genuss des irdischen Wassers den Durst nicht für immer stillt.

So geht es mit allen Gaben und Gütern der Welt. Sie können unserer Seele keine wahre Befriedigung geben, ihre eigentlichen Bedürfnisse nicht stillen.

Viele Menschen verhalten sich wie der reiche Kornbauer aus den Gleichnis Jesu: „Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat auf viel Jahre; habe nun Ruhe, iss trink und habe guten Mut!“ (Luk. 12, 19)

In einem Lied heißt es:

Sie essen und sind doch nicht satt,
sie trinken und das Herz bleibt matt,
denn es ist lauter Trügen.

Bekommen wir keine anderen, bleibenden und ewigen Güter, so muss die Seele selbst bei allem irdischen Überfluss endlich verschmachten.

Die Menschen, die noch durch die Sünde von Gott getrennt sind, liegen unter Gottes Zorn und Fluch und so kann das Herz keine Ruhe finden.

2.

Doch, Gott sei Dank, es gibt einen der uns ewige Güter schenkt.

Wenn du erkenntest die Gabe GOttes, und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken, du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser.

Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.

Liebe Gemeinde,

wie klar und verständlich lehrt doch die Heilige Schrift, dass die Bekehrung des Menschen allein Gottes Werk ist.

Es ist eine Gabe Gottes und das Wasser (das Heil der Sünder) welches Er gibt.

Wie kann Gott es noch deutlicher machen, dass es allein auf sein Suchen, sein Finden und sein Geben ankommt.

Unser heutiges Evangelium ist dafür ein schönes Beispiel, wie es im Reiche Gottes zugeht.

Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los;
ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß
und hebst mich hoch zu Ehren und schenkst mir großes Gut,
das sich nicht lässt verzehren, wie irdisch Reichtum tut.

Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg; aber der HErr warf unser aller Sünde auf ihn.“ (Jes. 53, 6)

Der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gabe GOttes ist das ewige Leben in Christo JEsu, unserm HErrn.“ (Röm. 6, 23)

Das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.

Unter Gottes Gabe versteht der Herr hier eben das lebendige Wasser und unter diesem das wahre geistliche Leben, das ins ewige Leben ausläuft, das ewige wahre Heil.

Das sollte die Frau am Jakobsbrunnen bedenken, dass Gott diese Gabe den Menschen gibt, geistliches Wasser, Wasser des ewigen Lebens.

Und dass er, Jesus, der ist der diese Gabe Gottes den Menschen erworben hat und anbietet, gibt und schenkt, der Heiland und Messias.

Leben, wahres geistliches Leben, findet sich bei den Menschen nicht, sie liegen von Natur im Tode, im Tode ihrer Sünden.

Wahres geistliches Leben kann allein Gott, der Lebendige, uns geben. Seine Gabe, seine Gnadengabe ist es und Christus ist der Vermittler dieses Lebens. Er hat es den Menschen erworben, er gibt und schenkt es ihnen.

Denn aus Gnaden seid ihr selig worden durch den Glauben, und dasselbige nicht aus euch, GOttes Gabe ist es; nicht aus den Werken, auf dass sich nicht jemand rühme.“ (Eph. 2, 8-9)

Der Herr gibt uns lebendiges Wasser, die wahren Güter: Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit vor Gott, Frieden unseres Gewissens und Freude im Heiligen Geist.

Er reicht sie uns dar in seinem Evangelium und den Sakramenten.

Das ist der Brunnen, aus dem er lebendiges Wasser schöpft, welches unsere Bedürfnisse stillt.

Das sind die großen Wahrheiten, die der Herr hier ausspricht unter dem Bild des lebendigen Wassers.

3.

Als letztes wollen wir betrachten, wie wir diese Güter erlangen und uns aneignen sollen.

Wir lesen: „Spricht die Frau zu ihm: HErr, gib mir dasselbige Wasser, auf dass mich nicht dürste“

Die Frau versteht zunächst den tiefen Sinn der Rede des Herrn nicht.

So ähnlich erging es auch Nikodemus in jenen Nacht als Jesus mit ihm über die Wiedergeburt sprach.

Wenn der Heilige Geist unseren Verstand nicht erleuchtet, so tappen wir im Dunkeln.

Selbst bei uns Christen herrscht bisweilen Unverständnis und Unwissenheit über göttliche Wahrheiten.

Aber der Herr belässt es nicht dabei. Der Heilige Geist, sagt er, wird euch in alle Wahrheit leiten.

Auch wenn die Frau den rechten Sinn noch nicht ganz recht auffasste, so erkannte der Herr, der Herzenskündiger, das herzliche Verlangen nach Vergebung der Sünden.

Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebühret, sondern der Geist selbst vertritt uns aufs beste mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen erforschet, der weiß, was des Geistes Sinn sei; denn er vertritt die Heiligen nach dem, was GOtt gefällt.“ (Röm 8, 26-27)

Durch das kräftige Wort Gottes schenkt uns Gott selbst auch das herzliche Vertrauen und die Zuversicht auf sein Wort.

Durch den Glauben, als wie mit einer Hand, ergreifen wir und halten fest die Zusagen und Verheißungen Gottes.

Das drückt der Herr in unserem Text so aus: „wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“

Darin besteht der Unterschied zwischen diesen Gütern und den irdischen Gaben und Gütern.

Diese können uns wohl einen kurzen, vorübergehenden Genuss, eine augenblickliche Befriedigung gewähren.

Aber schnell schwindet das alles dahin. Bald sind sie uns überdrüssig und unsere Seele schmachtet und dürstet aufs neue.

Die Güter, die Christus uns gibt, das Heil in Christo, ist anderer Art. Wer dieses Gut hinnimmt, dessen Sehnen und Verlangen ist gestillt. Ihn wird nicht mehr dürsten.

Aus den Gütern, die Jesus uns darreicht, trinken wir immer aufs neue. Darin finden wir immer wieder wahre Freude, wahre Befriedigung unserer Seele, wahre Ruhe, wahres Glück, Heil und Leben.

Nichts kann diese Glück uns rauben. Mag ein Christ auch äußerlich viel Kummer und Herzeleid haben, mag Not und Trübsal über ihn hereinbrechen, mögen auch die irdischen Güter ihm genommen werden, diese Quelle hört nicht auf zu sprudeln.

In Christo und seinem Heil findet er reichen Ersatz für alle irdischen Güter, in ihm findet er Trost in allen Leiden, Erquickung in der brennenden Sonnenhitze aller Trübsal.

So dass er mit dem Dichter ausruft:

Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein,
ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein.
Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ;
das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.

AMEN.

Waldemar Dantschin, Pfarramtshelfer/ Diakon