Lesepredigt am 4. Sonntag nach Epiphanias

Predigt am 4. Sonntag nach Epiphanias
über Lukas 15,1 und 2

Bibeltext: Es naheten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn höreten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murreten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen.

Im Namen Jesu Christi, liebe Mitchristen!

Epiphanias heißt „Erscheinung“. Der menschgewordene Gott, Jesus Christus erscheint, wie Jesaja weissagte: „…durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.“ (Luk. 1,78.79).

Durch den Propheten Jesaja sprach Christus 7 Jahrhunderte vor seiner Menschwerdung: „Ich, ich bin der HERR, und außer mir ist kein Heiland.“ (Jes. 43,11) und der Apostel Petrus rief den Menschen zu: „in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.“ (Apg. 4,12).

Als Gottes Sohn Mensch wurde, kam er als der eine Heiland, um zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Der Evangelist berichtet: „Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören.”

Diese Worte dürfen uns niemals zur Selbstverständlichkeit werden!

Es ist nicht selbstverständlich, dass der allmächtige große Gott Mensch wird und zulässt, dass sich Sünder um ihn sammeln, die seinen heiligen Willen nicht nur in Gedanken, Worten und Werken verletzt haben, sondern deren Herzen vergiftet sind von Unglaube und Ungehorsam.

Denn aus dem Herzen kommen arge Gedanken: Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerung.“ (Matth. 15,19).

Ungeachtet dessen, ob einer dies verbirgt oder ein anderer schamlos sündig lebt, Gott der HERR spricht über beide sein Urteil: „Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.“ (Röm. 3,12).

Denn seit dem Sündenfall liegt die Welt im Argen und „die Sünde ist der Leute Verderben” (Spr. 14,34) – schon hier in diesem Leben, weil Sünde diese Welt vergiftet, Feindschaft und Hass erweckt und lauter Jammer und Leid hervorbringt.

Die Sünde ist aber auch deshalb der Leute Verderben, weil der Teufel die Menschen damit in seinem Reich bindet und kettet und Gott der HErr sein Verdammungsurteil über sie sprechen mus.

Darum gilt für jeden Menschen: „Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen” (Hebr. 10,31) …„Der HERR, dein Gott, ist ein verzehrend Feuer und ein eifriger Gott” (5.Mose 4,24).

Und wenn Gott der HERR den Erdkreis richten wird, ist die Rede vom „großen und schrecklichen Tag des HERRn” (Mal. 4,5).

Gott ist für die sündige Menschheit schrecklich, verzehrend, vernichtend, der Richter, der „auch Macht hat, zu werfen in die Hölle” Luk. 12,5).

Und Christus fragt: „Wie wollt ihr dem künftigen Zorn entrinnen?” (Luk. 3,7).

Vor Gott kann sich niemand verstecken, wie geschrieben steht: „Denn seine Augen sehen auf eines jeden Weg, und er schaut auf alle ihre Schritte. Es gibt keine Finsternis und kein Dunkel, wo sich verbergen könnten die Übeltäter“ (Hiob 34,21-22).

Gott dem HERRn kann kein Mensch entrinnen, vor ihm kann sich keiner verbergen; er zieht jeden zur Rechenschaft und weist auf sein heiliges Gesetz mit den Worten: „Verflucht sei, wer nicht alle Worte dieses Gesetzes erfüllt, dass er danach tue!” (5.Mose 27,26).

Wie entbrennt sein Zorn, wenn einer etwas anderes mehr liebt, fürchtet oder einem anderen mehr vertraut als ihm – oder wenn ein Mensch Gottes Wort und die Predigt verachtet, den Feiertag nicht heiligt!

Wie muss sich der Mensch vor Gott fürchten, wenn er sich an Leib und Leben eines anderen versündigt oder die Ehe bricht, stiehlt oder verleumdet und andere schlecht macht!

Was für ein großes Wunder, wenn berichtet wird: „Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören…”

Wie abgrundtief hasst Gott das Böse, wie brennt aber sein Herz in Liebe zu den Verlorenen!

So abgrundtief wie Gott das Böse hasst, so sehr hat er den Sünder lieb und will ihn erretten und selig machen!

So unnachgiebig wie er jede noch so geringe Sünde rächt, so kann er in seiner Gnade nicht ruhen, den Sünder zur Umkehr zu bewegen.

Aus lauter Barmherzigkeit und Güte hat er darum in diese abgefallene Welt seinen Sohn gesandt; der Heiland, der Erlöser sollte das Opfer bringen, das Gottes Zorn stillt, das jeder Sünder im Glauben ergreifen, auf das sich jeder Sünder berufen kann.

Zu ihm”, zu Jesus, zum menschgewordenen Sohn Gottes, zum Heiland „nahten allerlei Zöllner und Sünder”.

Noch vor Jesu Geburt sprach der Engel zu Joseph: Maria „wird einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen; denn er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden (Matth. 1,21) und in der Nacht seiner Geburt rief der Engel den Hirten auf dem Feld von Bethlehem zu: „Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR…” (Luk. 2,10.11).

Gott, das verzehrende Feuer, der die Sünde heimsucht und bitter rächt, in dessen Hände zu fallen schrecklich ist, hat sein Gnadenwort erfüllt.

Sie „nahten sich zu ihm”; was ist das für eine Gnade Gottes, dass Sünder sich ihm nahen dürfen!

Auch die verachteten Zöllner, bekannt für ihre Betrügereien, die im Dienst der verhassten heidnischen Römer standen, bei denen jedes gute Wort vergeblich schien, auch sie kamen mit anderen offenbar in groben Sünden lebenden Leuten ohne alle Scheu zu Jesus.

Wie wir weiterlesen: „dass sie ihn hörten”.

Sie wollten Jesu Wort hören, das war ihre Sehnsucht!

Sie wollten das hören, wovon Petrus bekennt: „Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, dass du bist Christus, der Sohn des lebendigen GOttes“ (Joh. 6,68.69)

Es sind Worte wie dieses: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! … so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen” (Matth. 11,28.29) und „wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen” (Joh. 6,37).

Und er hat sie nicht hinaus gestoßen: nicht den Ehebrecher und Mörder David, nicht die große Sünderin, nicht Zachäus den Zöllner, auch nicht Saulus, der die Christen hasste und verfolgte.

Christus ruft alle, damit sie bei ihm Vergebung, Heil und Trost finden und Ruhe für ihre Seele.

Darum heißt es: „Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören”.

Weiter heißt es: „Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen”.

Sie wollten schmähen und spotten, aber gerade das, worüber sie spotten, ist Grund der Freude für die Gläubigen.

Jesus nimmt die Sünder an! Saget doch dies Trostwort allen!

Gott weiß eben, nach seinem wunderbaren Rat, den Zorn der Gottlosen zum Segen seiner Kinder zu wandeln.

Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen”

Dieses kurze Wort ist Kern und Stern der gesamten Heiligen Schrift, ist eigentlich die ganze Frohe Botschaft, das Evangelium, von Jesus Christus: „Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen”.

Versöhnte Sünder, die im Glauben sprechen: „Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern HERRN Jesum Christum, durch welchen wir auch einen Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade darinnen wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit die Gott geben soll.“ (Röm. 5,1).

Du gehörst auch dazu! Christus hat auch mit dir Gemeinschaft: Er lässt dich seine gnadenvollen Worte hören, speist dich mit seinem Leib und Blut – und macht dich selig.

„Und es werden kommen vom Morgen und vom Abend, von Mitternacht. und vom Mittage, die zu Tische sitzen werden im Reich Gottes.“ (Luk. 13,29).

Darum ist das wohl eines der schönsten Bibelworte: „Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen”.

Jesus nimmt die Sünder an; mich hat er auch angenommen und den Himmel aufgetan, dass ich selig zu ihm kommen und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an.

Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden