Lesepredigt Sonntag Septuagesimae

Predigt für den Sonntag Septuagesimae
über Römer 12,1.2

Predigttext: Ich ermahne euch, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gotteswille.

Liebe Gemeinde!

Jeder Christ wird ziemlich geplagt. Jeder, auch von uns, wird vom Teufel zum Bösen gereizt und gelockt – und zwar dort und an der Stelle, wo er besonders angreifbar und besonders schwach ist.

Wir kennen Gottes Willen, wir hören seine Stimme: Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. Eph. 5,8-11.

Doch sind wir nicht durch und durch licht und hell, rein und ohne jeden Flecken.

Bei uns findet sich immer noch etwas von dem, was der Apostel „Werke des Fleisches“ nennt: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen. Gal. 5,19f.

Da unterscheiden wir uns kaum von den Christen in Korinth, an die Paulus geschrieben hat: Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben.

Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid rein gewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes. 1.Kor. 6,9-11.

Solche waren die Christen in der Gemeinde von Korinth.

Da waren auch Kinder Gottes, die vorher ein ganz offensichtliches Sündenleben geführt hatten!

Aber durch Gottes Gnade hatte sich da einiges geändert. Ja, auch bei uns hat jeder so seine Vorgeschichte.

Wir sehen aber an dem Wort: solche sind einige von euch gewesen, dass es durch Gottes Kraft im Glauben an Christus im Leben tatsächlich Heilung gibt.

Der HErr Christus sagt uns: Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Matth. 15,19.

Das sind nur einige Splitter des „alten Menschen“ in uns, mit denen der Teufel uns reizt, lockt und wiederum binden will. Da sind auch Dinge wie Gleichgültigkeit gegenüber dem Wort Gottes, dem Gebet, Vernachlässigung des Ehepartners, Spielsucht, Sauferei, verschwenderischer Umgang mit Geld und Gut, unbarmherziges Denken gegenüber dem Nächsten und und und…

Da kann es auch zum Rückfall in alte böse Gewohnheiten kommen, in erneute Bindung der Sünde.

Es ist sicher, dass es den korinthischen Christen, ja allen Christen seit Adam und Eva über David und Paulus ebenso erging!

Darum säuselt uns Gottes Wort nichts vor, sondern spricht, nicht zu Ungläubigen (!), sondern zu Kindern Gottes (!): So lasst nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, und leistet seinen Begierden keinen Gehorsam. Auch gebt nicht der Sünde eure Glieder hin als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern gebt euch selbst Gott hin als solche, die tot waren und nun lebendig sind, und eure Glieder Gott als Waffen der Gerechtigkeit. Röm. 6,12.13.

Und Gottes Wort mahnt: Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist und bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen.

Mitten in dieser Misere lenkt Gottes Wort unseren Blick von uns selbst weg: Die Sünde wird nicht herrschen können über euch, weil ihr ja nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade. Röm. 6,14.

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 1.Petr. 5,7-11.

Nun wird uns wohl deutlich sein, was unser heutiges Textwort meint: Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.

Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Gebt euch hin zum Opfer an Gott!“ und zeigt gleichzeitig, aus welcher Kraft, in welcher Weise und in welche Richtung dieses Opfer geschehen soll.

Das alles hat etwas damit zu tun, aus welchem Denken heraus ich Gottes Willen zu erfüllen suche.

Da gibt es 2 Wege: den Weg des Gesetzes und den Weg unter Gottes Vergebung und Gnade.

Geht ein Mensch den Weg des Gesetzes, so läuft bei ihm alles hauptsächlich äußerlich ab.

Das ist wie als würde er mit Gott eine geschäftliche Sache besprechen, wie der Pharisäer: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Luk. 18,11f.

Oder wie der ältere Sohn im Gleichnis, der zum Vater spricht: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten… Luk. 15,29.

Dieser Weg des Gesetzes hütet sich zwar vor großen Übertretungen, aber er geht völlig an dem vorbei, was Gott beabsichtigt.

Denn was ist das? So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. Röm. 13,10 und Die Hauptsumme aller Unterweisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben. 1.Tim. 1,5.

Nur wenn einer im Genuss der Gnade und Vergebung Gottes steht, wird er zu dieser Liebe befähigt und fängt an, den Willen Gottes auf dem Weg der Gnade zu erfüllen.

So handelt jeder, der Gottes Kind ist durch den Glauben an Christus.

Er gibt mehr, als von ihm verlangt wird. Er weiß, dass er gegenüber Gott und gegenüber seinem Mitmenschen in einer gewissen Schuld steht, wie Paulus, der das Evangelium predigen soll und spricht: Ich bin ein Schuldner der Griechen und der Nichtgriechen, der Weisen und der Nichtweisen. Röm. 1,14.

Aber darin ist der Christ froh und getrost, umgeben von Gottes Schutz und Schirm, hört Gott sprechen: Gib mir, mein Sohn, dein Herz Spr. 23,26 und spricht selbst: Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Phil. 4,13

In unserem Text ist die Rede vom Opfer der Kinder Gottes

Die Quelle dafür ist Gottes Gnadenwort, das Evangelium

Nur derjenige, der auf dem Irrweg des Gesetzes geht, hält Gottes Wort für eine Sammlung von Vorschriften, Verboten und daraus folgenden Lebensregeln.

Sie meinen, wenn sie diese Befolgen, so kämen sie mit Gott ins Reine.

Aber Gottes Wort legt uns ein anderes Bekenntnis in den Mund, das heißt: Aber nun sind wir alle wie die Unreinen, und alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid. Jes. 64,4 und Wer will einen Reinen finden bei denen, da keiner rein ist? Hiob 14,4.

Das Gesetz ist ein Spiegel und zeigt uns unsere Befleckung: Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. Röm. 3,20.

Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt. 2.Kor. 5,21.

Der Apostel Paulus lehrt: Gott hat den HERRn Christus „hingestellt als einen Gnadenstuhl durch den Glauben in seinem Blut, damit er die Gerechtigkeit, die vor ihm gilt, darbiete, in dem, dass er Sünde vergibt“ (Röm. 3,25).

Gnadenstuhl“ oder „Gnadenthron“ – so hieß der Deckel der Bundeslade, der heiligen Truhe, in der auch die zwei Tafeln mit den Geboten lagen.

Die heiligen zehn Gebote, das Gesetz Gottes, klagt den sündigen Menschen an; der Deckel der Bundelade, der „Gnadenstuhl“ deckt die Anklage zu.

Jesus Christus ist unser „Gnadenthron“ und deckt mit seinem eigenen Versöhnugsopfer, mit seinem Blut, die Anklage zu.

Wer im Glauben zu Christus gehört, wird nicht mehr angeklagt, dass er das heilige Gesetz Gottes verletzt und übertreten hat.

Nun lehrt Gottes Wort: „Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet“ (Joh. 3,18).

Es ist der Glaube, der Christus und die Erlösung und die Gnade Gottes ergreift und festhält.

Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern HERRn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit die Gott geben wird“ (Röm. 5,1f.).

So sprechen wir als von Gott begnadete Sünder mit Paulus: „Ich lebe aber, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohnes Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben“ (Gal. 2,20).

So wird das Herz des Menschen Gott zugeneigt!

Es fließt über vor lauter Liebe und beginnt, nun auch Gott, seinen Schöpfer und Erlöser zu lieben – und es fragt, wie es ihm danken kann.

Da antwortet Gottes Wort: „Lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch“ (Eph. 5,2).

Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Röm. 13,8.

So sagt auch unser Predigttext: „Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst“.

Das ist der Unterschied zum Weg des Gesetzes. Es ist ein harter, steiniger Weg. Da ist lauter Mühsal, Seufzen und Murren.

Auf dem Fels der Vergebung, eingehüllt in die Liebe und Gnade Gottes ist der Weg auch mühevoll und oft lauter Kampf, aber ein Gotteskind geht ihn gern: „…dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst“.

Wir dienen Gott, indem wir unsere Leiber zum Opfer geben.

Bei äußeren Opfern soll es nicht bleiben.

Wir sollen nicht irgendwelche Opfer bringen, sondern uns selbst!

Der Apostel schreibt, wir sollen „opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus (1.Petr. 2,5).

Wie ist also dieses Sich-Hingeben beschaffen?

Es geschieht „durch Jesus Christus“, d.h. im Glauben an ihn.

Was nicht aus dem Glauben heraus geschieht, ist Sünde, denn wo der Glaube an Christus fehlt, ist immer ein gottfeindliches Herz!

Darum sagt die Bibel: „Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist; ein geängstet und zerschlagen Herz wirst du, Gott, nicht verachten“ (Ps. 51,19).

Ein hochmütiges Herz erhebt sich über Gott und übertritt Gottes Gebote – offen oder auch versteckt unter dem Schleier eines frommen Wesens.

Ein Mensch jedoch, der sich vor Gott als verdammungswürdigen Sünder erkennt, ist zerschlagen und geängstet und demütigt sich vor ihm.

Das ist das rechte Gott wohlgefällige Opfer, dass du dich vor deinem Gott demütigst und all deine Selbstgerechtigeit zerschlagen lässt.

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten, Liebe über und demütig sein vor deinem Gott“ (Micha 8,8).

Heilig“ und „Gott wohlgefällig“ wird weiter erklärt: Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene“.

So wird das Gesetz Gottes uns zur Regel, nach der wir unser Leben einrichten. So beginnen wir, nach Gottes Willen zu leben.

Wir sollen uns an Gottes Willen messen, der uns in den 10 Geboten offenbart ist und uns ändern, wo wir merken, dass wir nicht mit Gottes Willen übereinstimmen.

Sich ändern, sich prüfen und nicht dieser Welt gleichstellen, die sich um Gottes Gebote höchstens äußerlich bemüht, Diebstahl, Mord, und andere grobe Sünden unter Strafe stellt.

Aber sie lebt nicht in der Liebe Christi, in der ein Mensch Gott dient und dem Nächsten ohne Aufhören Gutes zuwendet und ihm den Weg zu Gottes Gnade und zur Seligkeit weist.

Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin“ (Phil. 3,12).

Nachjagen“ heißt: Ich hab’s noch nicht, aber ich strebe danach! Ich bin noch nicht vollkommen, aber ich will es sein. Das alles, weil Gott mich als sein Kind lieb hat und ich schon „Erbe des ewigen Lebens“ bin.

Finden wir in uns die Regung zum Bösen, erkennen wir uns als Sünder, so wollen wir uns an diesem Wort trösten: Christus hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns. Gal. 3,13.

Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht. Röm. 10,4. Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden