Andacht in der Passionszeit

Passionsandacht über
Matthäus 26,36-39

Bibeltext:

Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hof, der hieß Gethsemane, und sprach zu seinen Jüngern: Setzet euch hier, bis daß ich dorthin gehe und bete. Und nahm zu sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen. Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibet hier und wachet mit mir! Und ging hin ein wenig, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch von mir; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst.

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„Er hat in den Tagen seines Fleisches Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen geopfert zu dem, der ihm von dem Tode konnte aushelfen; und ist auch erhört, darum dass er Gott in Ehren hielt“ (Hebr. 5,7)

Der HErr Christus hat Gott in Ehren gehalten, hat nicht gemurrt, sondern, wie Jesaja weissagt: „Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf“ (Jes. 53,7).

In seinem Leiden, auch in seinem Gebetskampf im Garten Gethsemane, war Christus an unserer Statt.

Von allem, was uns hier die Evangelisten berichten, gilt: „Es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung…“ (1.Tim. 2,5).

Darum steht geschrieben: Er hat in den Tagen seines Fleisches Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen geopfert…“

Das hat er als unser Mittler, Erlöser, als unser Hoherpriester getan, der versöhnend zwischen uns Sündern und dem heiligen Gott steht.

Damit ist er „die Versöhnung für unsere Sünde, nicht allein aber für die unsere, sondern auch für die der ganzen Welt“ (1.Joh. 2,2).

Auf diese Weise will Gott Sünder selig machen durch den Glauben an Christus.

Das nennt die Heilige Schrift den „Vorsatz Gottes“, was er sich vorgenommen hat, nämlich wie Menschen wieder zum Frieden mit ihm kommen vor der Verdammnis bewahrt und ewig selig werden.

„Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern HERRN Jesum Christum, durch welchen wir auch einen Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade darinnen wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit die Gott geben soll.“ (Röm. 5,2.2).

„Friede mit Gott durch den Glauben an Christus“ – das ist der Vorsatz Gottes!

Darum werden alle, die an Christus glauben, genannt: die nach dem Vorsatz berufen sind.

Sie sind nun Gottes Kinder weil Gott seinen Vorsatz ausgeführt hat, durch seinen menschgewordenen Sohn zu erretten.

Der Gebetskampf Christi im Garten Gethsemane ist ein wichtiger Teil dieses gnädigen Ratschlusses Gottes.

1. Denn dort hat Jesus gebetet als unser Hoherpriester und Mittler

Und er nahm mit sich Petrus und Jakobus und Johannes und fing an zu zittern und zu zagen” (Mark. 14,33).

Der dem Satan in allen Versuchungen widerstanden, der Teufel ausgetrieben und Menschen vom Tode erweckt hatte, sprach nun: „Meine Seele ist betrübt bis an den Tod”.

Der Sohn Gottes er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz” (Phil. 2,8).

Was sich hier im Garten abspielt hat Jesaja geweissagt: „Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen” (Jes. 53,4-5).

Stellvertretend für uns lag Christus dort im Gebet.

Die schwere Schuld aller Menschen, der angeerbte Unglaube, der Ungehorsam, die Gottesfeindschaft gegen den Allmächtigen war auf ihn geworfen: “ Der HERR warf unser aller Sünde auf ihn“ (Jes. 53,5) und er hat die Sünde der Vielen getragen“.

Er hat sich als unser Mittler unsere Sündenschuld zu eigen gemacht, wie er selbst im Psalm weissagt: „Die Schmähungen derer, die dich [Gott] schmähen, sind auf mich gefallen” (Ps. 69,10).

Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt…” (Jes 53,4).

Jesu Gebet ist ein priesterliches Opfer – uns zum Trost, denn Gottes Wort spricht: Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde” (Hebr. 4,15).

Er murrte nicht, er widersprach nicht; er war nicht ungeduldig.

In seiner Seelenangst betete er: „Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!”

Jesus spricht von seinem Leiden und Sterben als von einem Kelch voller bitteren Getränkes, bis an den Rand gefüllt mit dem Zorn Gottes!

Er hat ihn ausgetrunken bis zur Neige für uns.

Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet” (Kol. 2,14).

Er hat mit seinem Beten unser Gebet geheiligt, hat unser Unvermögen getragen, das in der Schwachheit seiner Jünger abgebildet ist.

So kann er „für immer selig machen, die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebt für immer und bittet für sie” (Hebr. 7,25).

Ja, Christus betet mit uns und für uns, denn er hat uns teuer erkauft.

Sehen wir unseren HERRn in Gethsemane beten, so wollen wir sagen: „Im HERRn habe ich Gerechtigkeit und Stärke” (Jes. 45,24).

Weil er uns den Zugang zu Gottes Ohr, zu Gottes Erbarmen und zu Gottes Reich erworben hat, versichert er uns: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben“ (Joh. 16,23).


2. Treffen uns Leid und Not, so folgen wir seinem Beten, lehnen uns daran und sprechen seine Worte nach wie Kinder die Worte, die man ihnen vorspricht.

Das ist das andere, dass Jesus uns lehrt, wie wir beten sollen.

Jesus suchte vor seiner schwersten Stunde die Stille und spricht zu uns: „Wenn du aber betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließe die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen” (Matth. 6,6).

Jesus sprach: „Vater…!”

Im Glauben an ihn dürfen auch wir zum großen, allmächtigen Gott „Vater” sagen, denn wir sind „alle Gottes Kinder durch den Glauben an Jesus Christus” (Gal 3,26).

Jesus hat dreimal zu Gott gefleht.

Auch wir wollen nicht müde werden, ihn zu bitten wie die geliebten Kinder ihren lieben Vater.

Auch wenn die Fluten der Not höher steigen, soll das Gebet nicht verstummen, denn wir haben Gottes Zusage: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen” (Ps. 50,15).

So führt uns Gottes Wort zu Jesus im Garten Gethsemane und malt ihn uns vor Augen als unseren treuen Heiland – so dass wir in unseren Nöten getrost sein können und gewiss: „…Das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns” (1.Joh. 5,14).

Darum wollen wir ihn walten lassen und uns begnügen mit dem, was er uns gibt, was er ermöglicht und auch dann zufrieden sein, wenn er Wege verschließt – denn immer meint Gott es gut mit uns.

Darum sei dies nach der Bitte um Vergebung der Sünden unsere nächst wichtige Bitte: „Herr, stärke uns den Glauben!” (Luk. 17,5).

Christus sah in seiner Allwissenheit den strauchelnden Petrus und sprach: „Simon, Simon, siehe, der Satanas hat euer begehrt, dass er euch möchte sichten wie den Weizen! Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.“ (Luk. 22,31.32).

So betet der HERR auch für einen jeden von uns. Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden