Passionsandacht über Jesu siebtes Wort am Kreuz

Passionsandacht über Lukas 23,46

Und Jesus rief laut und sprach: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt, verschied er.

Lieber Leser!

Dieser Bibelvers ist eines der 7 Worte Jesu am Kreuz: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“

Ein ähnliches Wort sprach Stephanus, als er gesteinigt wurde: HErr Jesus, nimm meinen Geist auf! (Apg. 7,58)

Stephanus rief sterbend aus: HErr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! (Apg. 7,59)

Fast wie auch der HErr Christus sterbend rief: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht was sie tun (Luk. 23,34)

Die Ähnlichkeit dieser Ausrufe erinnert an die Worte: „Wie die Augen der Knechte auf die Hände ihrer Herren sehen, … so sehen unsre Augen auf den HErrn“ (Ps. 123,2)

Und in der Tat: Christus „hat uns ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen (1.Petr. 2,21)

Wir Christen folgen den Fußtapfen unseres HErrn – im Leiden, denn er spricht: „Haben sie mich verfolgt, sie werden euch auch verfolgen…“ (Joh. 5,20).

Und wir folgen ihm auch durch Leid zur Freude, durch Kreuz und Not in die Herrlichkeit.

„Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein“ (Joh. 12,26)

So schauen wir Christen auf den HErrn, folgen ihm und hängen an ihm bis wir in der ewigen Herrlichkeit bei ihm sind.

Wir sehen auf ihn und ahmen ihn nach – wie Stephanus das getan hat, der für seine Mörder betete und der sterbend seinen Geist in die Hände des HErrn befahl.

„Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“, so rief Christus.

Wir verstehen seine Worte recht, wenn wir bedenken: „Christus …erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz“ (Phil. 2,8).

Der freie Entschluss des Sohnes Gottes, seine willige Selbstopferung an unserer Statt, wird deutlich an diesem Wort: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände”.

Das Gebet des Heilandes, der sein Leben bewusst, gern und voller Erbarmen über uns Sünder in die Waagschale geworfen hat, um uns freizukaufen, zu erlösen – nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben.

Vor seinem Leiden hatte er den Jüngern gesagt: „Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe…” (Joh. 10,12) und weiter: „Niemand nimmt mein Leben [es] von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe Macht es zu lassen und habe Macht es wiederzunehmen (Joh. 10,17.18).

Und als Pontius Pilatus zu ihm sprach: „Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und Macht habe, dich loszugeben?”, antwortete er: „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben”.

Und vorher, im Garten Gethsemane, als die Soldaten Jesus gefangen nahmen und Petrus ihn mit dem Schwert befreien wollte, sprach er: „Stecke dein Schwert an seinen Ort; denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen. Oder meinest du, dass ich nicht könnte meinen Vater bitten, dass er mir zuschickte mehr denn zwölf Legionen Engel? Wie würde aber die Schrift erfüllet? Es muss also gehen” (Matth. 26,53-54).

Unser HERR Christus ging willig in den Tod; er wollte leiden, er wollte sterben – er wollte die Menschen mit Gott versöhnen.

Das bekennen wir gemäß der Schrift auch in unseren Liedern, z.B.:
Du hast wollen sein geschlagen, zu befreien mich von Pein… Du hast dich in Not gestecket, hast gelitten mit Geduld, gar den herben Tod geschmecket, um zu büßen meine Schuld; dass ich würde losgezählet, hast du wollen sein gequälet. Tausend-, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür” (LKG 143,5.6).

Alle Gewissheit unseres Heils, dass wir wirklich und wahrhaftig im Frieden mit Gott sind durch den Glauben an Jesus Christus, dass wir vom ewigen Verderben errettet sind und einst ewig selig werden, steht auf diesem Fundament: „Es hat sich selbst der wahre Gott für mich verlornen Menschen gegeben in den Tod”

Das ist unser fester Trost, wenn Anfechtungen uns plagen, wenn Kleinglaube und Zweifel unsere Herzen lähmen wollen: Er hat sein Leben zum Schuldopfer gegeben… Er hat sein Leben in den Tod gegeben…” (Jes. 53,10.12).

Das erkennen wir auch daraus, dass er den Jüngern sein Leiden dreimal ankündigt: „Es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird verspottet und geschmäht und verspeiet werden und sie werden ihn geißeln und töten. Und am dritten Tage wird er wieder auferstehen(Luk. 18,31).

Darum lehrt Gottes Wort: Er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an…” (Phil. 2,7).

So schreit Jesus zuletzt laut: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände”.

Ich übergebe dir meinen Geist’ Das sagt er, weil er weiß, daß alles vollbracht ist (Joh. 19,28.30).

So ist auch diese Weissagung erfüllt, wo Gott spricht: „Darum will ich ihm große Menge zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben, darum daß er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleich gerechnet ist und er vieler Sünde getragen hat und für die Übeltäter gebeten.“ (Jes. 53,12).

Christi Tod ist einzigartig

Der natürliche Mensch stirbt, weil er die Folgen der Sünde, die Folgen der angeerbten Sünde und seiner eigenen tragen muss (1.Mose 3,19).

Denn es steht geschrieben: „Der Tod ist der Sünde Sold” (Röm. 6,23) und: „Wie durch einen Menschen die Sünde ist kommen in die Welt und der Tod durch die Sünde, und ist also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, dieweil sie alle gesündigt haben” (Röm. 5,12).

Aber Jesus ist ohne Sünde (Joh. 8,46; Hebr. 4,15). Er ist der einzige, „der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand“ (1.Petr. 2,22).

Er starb um der Sünde willen, aber nicht wegen eigener Schuld, sondern Gott „der HErr warf unser aller Sünde auf ihn“ (Jes. 53,6).

Darum schreibt auch Paulus: „Christus ist gestorben für unsere Sünden nach der Schrift (1.Kor. 15,3) – d.h. wie es in der Hl. Schrift, in den Propheten, geschrieben steht.

Mit dem Wort: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.” legte Jesus das Lösegeld, sein Leben, vor den Thron Gottes – zum Schuldoper für dich und mich.

Das hat Jesus weit vor seiner Hinrichtung bezeugt: „Der Menschensohn ist gekommen, dass er gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele” (Matth. 20,28).

Der Apostel schreibt: „Wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes” (Röm. 5,10) und „Er hat euch versöhnt… durch den Tod” (Kol. 1,22).

Als bei Christi Tod der Vorhang im Tempel zerriss, gab Gott dadurch klar zu erkennen: Das Opfer ist gültig, der Weg ist frei. Ich bin versöhnt, wer im Namen Jesu zu mir kommt, dringt hindurch in das Allerheiligste, dem steht der Eingang in das Himmelreich offen.

Darum schreibt Paulus: „Durch ihn haben wir den Zugang… zum Vater” (Eph. 2,18) oder „Durch ihn haben wir Freudigkeit und Zugang in aller Zuversicht durch den Glauben an ihn” (Eph. 3,12).

Und darum spricht Christus: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich” (Joh. 14,6).

So ist Christus „um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt.“ (Röm. 4,25). Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden