Lesepredigt am Sonntag Judika

Predigt am Sonntag Judika
über das Evangelium Matthäus 27,11-14

Predigttext:

Jesus aber stand vor dem Landpfleger. Und der Landpfleger fragte ihn und sprach: Bist du der Juden König? Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst es. Und da er verklagt ward von den Hohenpriestern und Ältesten, antwortete er nichts. Da sprach Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, wie hart sie dich verklagen? Und er antwortete ihm nicht auf ein Wort, also daß sich auch der Landpfleger sehr verwunderte.

Herzlich geliebte Brüder und Schwestern!

Nachdem unser HERR Christus, von seinem Jünger Judas verraten und vor den Hohenpriester Kaiphas geführt worden war, muss er sich nun vor dem römischen Landpfleger Pontius Pilatus verantworten.

Damals durften die von den Römern unterjochten Juden kein Todesurteil ohne römische Erlaubnis vollstrecken..

Vielmehr mussten sie sich an den zuständigen Statthalter wenden, der im Namen des römischen Kaisers über Tod oder Leben zu befinden hatte.

Aus diesem Grund gaben sich die Juden besonders im Fall Jesu solch große Mühe, ihn als todeswürdigen Verbrecher darzustellen.

Sie ahnten schon, dass Pilatus, der die jüdische Religion für Märchen hielt, darauf nicht eingehen wollte..

Als nun Pilatus fragt: „Was bringt ihr für Klage wider diesen Menschen?” (Joh 18,29), da antworten sie ihm zuerst einmal ausweichend: „Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir ihn hätten dir nicht überantwortet” (Joh.18,30).

So versuchen sie zuerst einmal, den Römer an der „wunden Stelle” zu treffen: „Wir haben gefunden, dass dieser unser Volk aufhetzt und verbietet, dem Kaiser Steuern zu geben, und spricht, er sei Christus, ein König” (Luk. 23,2).

Erst später fügen sie den Vorwurf der Gotteslästerung hinzu: „Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muss er sterben; denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht” (Joh. 19,7).

Nun wendet sich Pilatus an Jesus – und der HERR bekennt: „Ich bin ein König”.

Auf diese Worte wollen wir nun unser Augenmerk richten.

DAS BEKENNTNIS CHRISTI VOR PONTIUS PILATUS: ICH BIN EIN KÖNIG!

1. Wie Christus das meint und
2. wie er auch unser König sein will.

1. Wie meint Christus das, wenn er sagt: Ich bin ein König?

Ist es nicht dieses Bekenntnis, das ihm sein qualvolles Leiden eingebracht hat?

Christus hatte vor dem Hohenpriester bekannt, er sei der Messias, der von Gott versprochene Heiland – und hier bekennt er sich als den König dieses Heilandsreiches.

Denn der ungehemmte Spott der sich daraufhin über ihn ergoss, folgte doch seinem Wort: Ich bin ein König!

Er wurde mit einem purpurroten Mantel bekleidet, statt eines Zepters mit einem Rohr versehen, mit einer Dornenkrone gekrönt, und mit hämischen Verbeugungen huldigten ihm die Soldaten.

So sieht der von seinem Verstand geführte Mensch den HERRn Christus.

Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes. Es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, denn es muss geistlich gerichtet sein“.

Daß du das kannst, daß du Jesus „meinen HERRn“ nennst, kommt von Gottes Gnade, die dir gegeben ist.

Am Ende stand über dem Kreuz die Begründung seines Todes geschrieben: „Jesus von Nazareth, der König der Juden”.

Das Bekenntnis „Ich bin ein König!” war für sie ein Eingeständnis, mit dem er sich selbst das Todesurteil gesprochen hatte.

Aber hätte Jesus die Frage: „Bist du ein König?” nicht, ohne zu lügen, geschickt umgehen können?

Hätte er nicht antworten können: „Von mir hat der römische Kaiser nichts zu befürchten”?

Zwar spricht der HERR: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt”, doch er bekennt auch: „Du sagst es, ich bin ein König!” (Joh. 18,36.37).

Er ist kein irdischer König, sondern der allmächtige Gott und ruft Sünder in das Reich seiner Gnade, beschenkt sie mit der Vergebung der Sünden.

Auch hier musste die Schrift erfüllt werden, wie Christus es die Apostel nach seiner Auferstehung lehrte (Luk. 24).

Denn Gott der HERR ließ durch die Propheten und in den Psalmen vom Messias als „dem König” weissagen.

Z.B.: „Ich habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berg Zion” (Ps. 2,6).

Und weiter: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe! Wer ist derselbe König der Ehren? Es ist der HERR, stark und mächtig, der HERR, mächtig im Streit” (Ps. 24,7.8).

Auch durch den Propheten Jeremia kündigt Gott der Vater seinen Sohn als den König an: „In denselbigen Tagen und zur selbigen Zeit will ich dem David ein gerecht Gewächs aufgehen lassen; und soll ein König sein, der wohl regieren wird, und soll Recht und Gerechtigkeit anrichten auf Erden” (Jer. 33,15.16).

Darum konnte und wollte Jesus auf die Frage des Pilatus: „Bist du ein König?” nicht schweigen!

Gott selbst hat sich über uns Verlorene erbarmt und will unser König sein, König der Sünder.

Christus hat uns zugute bekannt: „Ich bin ein König!”. Ich bin der allmächtige Schöpfer und Herrscher Himmels und der Erde. Ich bin der Heiland der Elenden und Armen, der Erlöser und Seligmacher.

Christus bekennt sich vor Pilatus zu uns, die wir durch den Glauben an IHN Bürgern seines Reiches sind: „Ich bin gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist” (Luk. 19,10) und sammle Sünder durch das Evangelium in mein Reich.

So genießen auch wir die Schätze unseres Königs, von denen Gottes Wort spricht: „Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte” (Ps. 103,8).

So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe” (Hes. 33,11).

So ging Christus in sein Leiden und stand wie ein Verbrecher vor Pilatus.

So hat Gott selbst für die Abtrünnigen gekämpft, ihre Sünde getragen und dem Teufel und dem Tod die Macht über sie genommen, von der sie durch den Sündenfall Adams und Evas gebunden sind.

Er wollte den Abfall der Menschen von IHM, ihren Gott und Schöpfer, an sich selbst bestrafen lassen!

Er wollte für die Schuld Adams und Evas und die Schuld ihrer Nachkommen das Lösegeld aufbringen! Ja, „Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber…”.

Warum? Aus lauter Liebe! „Christus hat uns geliebt und hat sich selbst für uns gegeben als… Opfer” (Eph. 5,2).

„Denn es hat Gott wohlgefallen, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte und er durch ihn alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz.“ (Kol. 1,22).

Dieser Rat Gottes ist bereits bei Abraham, dem Vater des Glaubens, sehr deutlich angekündigt.

Als Abraham in sehr alter Zeit (2000 v.Chr.) in die Nähe des späteren Jerusalem kam, geschah folgendes: „Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brot und Wein hervor. Und er war ein Priester Gottes des Höchsten. Und segnete ihn und sprach: Gesegnet seist du, Abram, dem höchsten Gott, der Himmel und Erde besitzt; und gelobt sei Gott der Höchste…” (1.Mose 14,18-20).

Im Blick auf unseren HERRn Christus nun sagt die Schrift: „Du bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks” (Ps 110,4).

Jesus ist -wie Melchisedek- König und Priester zugleich, der König, der das Opfer bringt.

Jesus ist Priester und König, der Priester, der durch sein eigenes Opfer sein Volk sammelt.

Im Hebräerbrief heißt es darum über Melchisedek: „So gleicht er dem Sohn Gottes und bleibt Priester in Ewigkeit” (Hebr. 7,3).

Melchisedek war ein bloßer Mensch, doch als König und Priester in einer Person wies er auf Christus hin.

Nun steht der HERR Jesus vor seinen Jüngern und uns als Priester und König und spricht: „Nicht ihr habt mich erwählt; sondern ich habe euch erwählt…” (Joh. 15,16).

Auf diese Weise wollte sich der Sohn Gottes ein Volk in dieser verlorenen Welt sammeln und sein Gnadenreich aufrichten.

Überall, wo diese Frohe Botschaft verkündigt wird, ruft er Menschen zu sich in sein Reich der Vergebung der Sünden, in sein Reich der ewigen Seligkeit.

Jesus führt die Abgefallenen, die an ihn als ihren König glauben, durch seine Güte und Barmherzigkeit zurück in das Reich der Herrlichkeit des dreieinigen Gottes!

Damit Gott wieder unser König wird, wird Gott ein Mensch!

Er erwirbt durch sein Leiden und Sterben Gnade, stillt damit seinen eigenen Zorn, erfüllt die Gerechtigkeit, die er im Gesetz fordert und lässt diesen Gnadenratschluss verkünden.

In göttlicher Macht durch den Heiligen Geist, verborgen im Herzen, werden Menschen für den Himmelskönig gewonnen: „Deine Kinder werden dir geboren wie der Tau aus der Morgenröte” (Ps. 110,3).

So bist du in deiner Taufe ein Untertan des Himmelskönigs geworden, still hat der Heilige Geist dich dem Reich Gottes einverleibt.

Du kannst dich rühmen – und du sollst ihm danken!

Du gehörst zu dem Reich, von dem vor 3000 Jahren der König David weissagen durfte: „Der HERR ist König und herrlich geschmückt; der HERR ist geschmückt und hat ein Reich angefangen, so weit die Welt ist, und zugerichtet, dass es bleiben soll” (Ps. 93,1).

Der Sohn Gottes ist dieser geweissagte König!

Das bekennt er: „Du sagst es: Ich bin ein König!”

In diesem Moment ist seine Liebe und Sorge auf die gerichtet, die ihn als ihren Heiland erkannt haben.

Selbst in diesem erniedrigenden Verhör vor dem Heiden Pilatus sollen wir ihn im Glauben als unseren König erkennen und verstehen auch: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt!” und weiter: „Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme” (Joh. 18,37).

Der Sohn Gottes ist der König der Sünder!

Wir haben erkannt, wie Jesus das meint und sehen noch…

2. wie er auch unser König sein und bleiben will

Christus bezeugt es selbst und bestätigt es durch seine Apostel: Er ist der König der Sünder.

Wie kommt ein Mensch dahin, daß er Christus zum HERRn und König hat?

Zuerst dadurch, daß er sich zu der Erkenntnis führen läßt, daß er ein Sünder ist, denn Christus ist der König der Sünder.

Welcher Sünden sollen wir uns denn vor Gott schuldig geben?

Da sieh deinen Stand an nach den Zehn Geboten, ob du Vater, Mutter, Sohn, Tochter bist; in welchem Beruf und Dienst du stehst; ob du ungehorsam, untreu oder faul, zornig, zuchtlos oder streitsüchtig gewesen bist; ob du jemand Leid angetan hast mit Worten oder Werken; ob du etwas gestohlen, versäumt oder Schaden getan hast.

Denn „wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns” (1.Joh 1,8).

Gottes heiliger Wille, offenbart in den Geboten, überführt einen jeden Menschen seiner Schuld vor Gott.

Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns” (1.Joh 1,9-10).

Christus ist ein König der Sünder und schenkt ihnen Vergebung, Leben und Seligkeit.

Das ist das eine, dass wir uns als Sünder erkennen.

Das andere ist, dass wir ihn ihm Glauben für unseren König annehmen.

Viele nehmen Christus nicht an und verwehren ihm den Eintritt in ihre Herzen.

Das liegt vor allem daran, dass sie sich nicht als Sünder vor Gott schuldig geben wollen.

So ging es auch damals in Israel: „Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben” (Joh. 1,11.12).

Dies ist nötig, um Christus zum König zu haben: Sich als Sünder erkennen, ihn im Glauben zum König annehmen und ihm zu dienen.

Wie aber kann ich ihm dienen? Was will er von mir haben?

Er spricht: „Gib mir, mein Sohn, dein Herz!” (Spr. 23,26).

Er möchte dein Herz mit allem Sehnen, Wünschen und Denken.

Er will es reinigen und darin wohnen.

Verlangt er aber von mir auch den Kriegsdienst?

Jesus will, dass du gegen die Feinde kämpfst: gegen die Sünde, die dir noch anhängt, gegen den Teufel, der dich versucht und wieder in sein Reich zurückholen will und gegen das gottfeindliche Wesen der Welt.

Wenn du erkennst, dass du dazu im täglichen Kampf zu schwach bist, dann bedenke: Jesus ist ein König der Sünder und ein Gnadenkönig!

Er schenkt dir die nötige Kraft und hilft deiner Schwachheit auf!

Und wie steht es um diejenigen, die Christus nicht zum König haben?

Irgendeinen König hat jeder Mensch – außer der jeweiligen Obrigkeit.

Jeder folgt irgendeinem, dem er sich anvertraut, dessen Meinung er übernimmt, dem er nacheifert, dem er gehorcht und dem er dient.

Lass dich darum zum Schluss fragen: Welchem König bist du untertan?

Ist Christus schon dein König? Ist er noch dein König?

Allein in Christus ist Gott der gnädige Gott.

Allein in Christus ist Friede zwischen dir und Gott, Friede in deinem Herzen!

Es gibt kein Ende des Friedens … in seinem Königreich, es gibt auch kein Ende seiner Gnade und Barmherzigkeit über dich – solange du noch lebst: Lebenszeit ist Gnadenzeit. Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden