Lesepredigt am Sonntag Rogate

Predigt am Sonntag Rogate (d.h. Bittet!)

Predigttext: Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließe die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der in das Verborgene siehet, wird dir’s vergelten öffentlich.

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhöret, wenn sie viel Worte machen. Darum sollt ihr euch ihnen nicht gleichen. Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe denn ihr ihn bittet. Darum sollt ihr also beten: Unser Vater in dem Himmel! Dein Name werde geheiliget. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. Unser täglich Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schulden, wie wir unsern Schuldigern vergeben. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. (Matthäus 6,5-13)

Liebe Gemeinde in Jesus Christus, unserem Herrn!

Indem Gott uns mit vielen Ermahnungen und Zusagen zum Gebet auffordert, schenkt er uns ein mächtiges Mittel, denn er spricht: „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist“ (Jak. 5,16).

Obwohl er weiß, was die Seinen ersehnen, will er doch gebeten sein; ja wir sollen ihn bitten wie die geliebten Kinder ihre Eltern bitten, denn sie sind sich dessen ganz sicher: Die Eltern haben mich von Herzen lieb.

Darum fordert er uns freundlich zum Beten auf und zeigt uns, was wir tun sollen, wenn wir in Not kommen, z.B. in diesem Wort: „Er ruft mich an, so will ich ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Not; ich will ihn herausreißen…“ (Ps. 91,15).

So zeigt uns der gnädige Gott auch immer wieder unseren Heiland, führt ihn uns im Evangelium vor Augen, damit wir wieder und wieder Zutrauen fassen, denn in Christus reicht Gott uns Sündern seine Friedenshand, hält und trägt uns in Christus.

Denn „Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist…“ (Röm. 5,8).

Im Evangelium ermuntert er uns, denn da finden wir viele Berichte, wie der Sohn Gottes den Gnadenhungrigen Vergebung der Sünden geschenkt, wie er in allen Nöten geholfen hat, damit auch wir in all unserer Not im Gebet zu ihm fliehen.

Darum lehrt der HERR Christus, wie wir beten sollen und worum.

Das wollen wir heute bedenken:

1. In welcher Weise wir zu unserem Gott und HERRn beten sollen 2. und um welche Dinge wir ihn bitten sollen.

1. Wie sollen wir beten?

Der HERR Christus spricht: Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf dass sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin..

Der HERR Christus beginnt damit, dass er sagt, wie es nicht sein soll: „Seid nicht wie die Heuchler!“

Die Heuchler wollten von anderen gesehen werden, um ihren Ruf als recht fromme und gottesfürchtige Männer zu stärken.

Einfache Leute sollten zu ihnen aufsehen, sie dafür ehren und loben, sie zum Vorbild nehmen.

Schon ihre Gebetshaltung verriet das. Dazu stellten sie sich an geeigneten Orten auf, für jedermann sichtbar, in den Synagogen und an den Straßenecken.

Zwar macht Gott keinerlei Vorschriften für den Ort, wo man betet, auch nicht für die Körperhaltung oder ob man die Hände faltet oder nicht.

Doch diese Dinge setzten die Heuchler meisterhaft ein, um sich ins rechte Licht zu rücken.

Ihnen sollt ihr nicht gleichen! Wahrlich ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin.“

Ihr ersehnter Lohn beim Beten war weniger Gottes gnädige Antwort und Hilfe, sondern der äußere Schein vor anderen Menschen, dass sie als ganz fromme gottesfürchtige Leute gelten wollten.

Diesen Lohn haben sie empfangen: „Sie haben ihren Lohn dahin“.

Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen, und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten öffentlich.“

Der einzig verschließbare Ort im jüdischen Haus war damals die Vorratskammer – ohne Fenster, dunkel und ruhig.

„Unter vier Augen“ mit Gott reden als zum Vater, „denn ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christus Jesus“ (Gal. 3,26).

Wenn der HERR Christus sagt: „Bete zu deinem Vater“, so kann darüber unser Herz nur jubeln und sich freuen, denn wir sind doch elende Sünder und haben nichts von dem verdient, was wir bitten.

Den boshaften und unbußfertigen Sündern sagt Gott: „Eure Untugenden scheiden euch und euren Gott voneinander, und eure Sünden verbergen das Angesicht von euch, dass ihr nicht gehört werdet. (Jes. 59,2).

Doch durch den Glauben an unseren Erlöser sind wir alle Gottes geliebte Kinder, durch Gottes Gnade haben wir Frieden mit ihm und unsere vielfältigen Sünden und Missetaten scheiden uns nicht mehr von ihm, denn sie sind bei Gott vergeben und vergessen; und er hört und erhört unsere Gebete (Röm. 5,1).

Darum, lieber Christ, „bete zu deinem Vater“. Das ist die rechte Weise für dein Gebet.

„Gottes Kinder“ werden auch „Gerechte“ genannt, weil sie durch den Glauben an Jesu Opfer „Gott recht“ geworden sind: „Denn die Augen des HERRn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Gebet…“ (1.Petr 3,12).

So erkennen wir auch leicht, wie es nicht sein soll: „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen“.

Wir sollen beim Beten mit unseren Gedanken „dabei sein“ und ja nicht meinen, Beten sei eine gute Tat, mit der wir Gott etwas abkaufen könnten. So denken ja viele, die 10, 20, 30 Vaterunser im Stück sprechen.

Solch eine Art zeigt, wie ein Mensch, der so betet, Gott nicht zum Vater hat, für einen harten Mann hält, dem er etwas abhandeln muss. Jesus Christus widerspricht solchem Denken!

So beteten damals neben Elia die Priester zu ihrem Götzen Baal: Sie schrien Stunde um Stunde, ritzten sich zur Bekräftigung mit Messern, dass sie bluteten.

Daran sehen wir: Es ist heidnisch, Gebete für verdienstliche Werke zu halten – je mehr desto besser! Unser HER spricht: „Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet“.

Ist das nicht herrlich? Gott kennt unsere Not und will von seinen Kindern nur inbrünstig gebeten sein, weil er sich erbarmen will.

„Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören“ (Jes. 65,24).

Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel!“

Gott will uns damit locken, dass wir glauben sollen, er sei unser rechter Vater und wir seine rechten Kinder, damit wir getrost und mit aller Zuversicht ihn bitten sollen, wie die lieben Kinder ihren lieben Vater.“

Die rechte Art und Weise für das Beten erkennen wir aus der rechten Liebesbeziehung von Kindern zum Vater.

Ein liebender Vater ist doch kein grausamer Herrscher!

Selbst wenn er sein Kind um böser Dinge willen bestrafen muss, so hat er es doch von ganzem Herzen lieb.

Einem solch liebenden Vater vertraut das Kind und weiß: Es darf immer Schutz und Zuwendung bei ihm suchen.

Ja, es darf auch dann zu ihm kommen, wenn es Schlimmes gemacht hat, damit der Vater hilft und den Schaden begrenzt oder ausbügelt.

Mehr noch dürfen wir im Namen Christi an Gottes Vaterherz klopfen, ja sollen ihm unsere Verfehlungen beichten und ihn bitten, er möge uns verzeihen, Schaden begrenzen und alles gut machen.

Er möge uns helfen in aller Not der Seele und des Leibes.

So sind wir schon im anderen Teil, wo wir fragen:

2. Worum sollen wir beten?

Jesus spricht: „Darum sollt ihr also beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“

Wir sprechen ihm dieses Gebet nach, denn nun wissen wir ganz genau, was Gottes guter und gnädiger Wille an uns ist und welche Bitten er aus unserem Herzen und Mund am liebsten hört.

Dein Name werde geheiligt“
Wir sollen Gott bitten, dass sein Wort bei uns in allen Stücken so gelehrt wird, wie er es uns offenbart hat, und dass wir auch als seine Kinder danach leben.

Dein Reich komme“
Dass wir dem Wort Gottes glauben, damit wir am Ende in die ewige Seligkeit eingehen, dass aber auch andere durch unser Zeugnis von Gottes Gnade in Jesus in Gottes Reich hineingerettet und vor der Verdammnis bewahrt werden.

Dein Wille geschehe“
Wir bitten, Gott möge allen bösen Rat und Willen des sündigen Fleisches brechen und uns über alles, was seinem Willen hinderlich ist, siegen lassen.

Unser tägliches Brot gib uns heute“
Wir bitten Gott um alles Nötige für unser irdisches Leben. Wir dürfen und sollen Gott um alles bitten, was not tut für Leib und Leben.

Dazu gehören auch: Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren , gute Regierung, gutes Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht , Ehre, gute Freunde, treue Nachbarn und dergleichen.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“
Hier bestärkt Jesus uns die Zuversicht im Glauben, dass wir den Vater im Himmel bitten, er möge doch unsere Schuld nicht ansehen und uns die Bitten deswegen nicht abschlagen, sondern unser Gebet nach seiner Güte und Barmherzigkeit erhören.

Unsererseits wollen wir denen, die an uns schuldig geworden sind, herzlich gern vergeben.

Und führe uns nicht in Versuchung“
Wir bitten Gott, er möge uns trotz so vieler Anfechtungen und Zweifel dennoch in Treue und Glauben erhalten und uns über alle Verführungen durch seine Kraft siegen lassen.

Sondern erlöse uns von dem Bösen“
Ja, Gott der HERR möge uns erlösen von allem zeitlichen und ewigen Bösen, von allem, was Leib oder Seele schaden könnte; und er möge uns ein seliges Ende bescheren und uns endlich zu sich in den Himmel nehmen.

Er ist ja der lebendige, allmächtige Gott, bei dem kein Ding unmöglich ist, der alle Macht und Herrlichkeit in Ewigkeit besitzt, unser lieber Vater.

Eine noch kräftigere Versicherung kann es nicht geben, als dass der Sohn Gottes, ja Gott selbst, uns diese Bitten in den Mund legt.

Darum können wir auf solche Bitten auch ganz getrost das Amen sprechen (d.h. „Ja, ja es soll also geschehen!“), denn sie stimmen ganz gewiss mit seinem Willen überein.

In allen anderen Anliegen, wo Gott keine klaren Zusagen gemacht hat, sollen wir unseren Bitten anfügen: „Aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“

Ja, Gott lockt uns zum Bitten und Beten: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen“ (Ps. 50,15).

Mit dieser Gewissheit aus dem Wort Gottes lasst uns nun noch lieber mit Gott, unserem himmlischen Vater, sprechen, denn es steht geschrieben: „Das Verlangen der Elenden hörest du, HERR; ihr Herz ist gewiss, dass dein Ohr drauf merket“ (Ps 10,17). Amen.

Pfr. Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden