Lesepredigt am Tag der Himmelfahrt Christi

Predigt am Himmelfahrtstag
Lukas 24,50-53

Predigttext:

Er führte sie aber hinaus nach Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach  Jerusalem mit großer Freude. Und waren allezeit im Tempel, priesen und lobten Gott.

Herzlich geliebte Glaubensgeschwister!

Maria hätte Jesus am Ostermorgen wohl gern festgehalten.

Aber er sprach zu ihr: „Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“ (Joh. 20,17).

Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater.“

Er spricht davon, wie er nach seiner Himmelfahrt mit den Seinen auf eine andere Weise als bisher umgehen wird.

Diese neue Art heißt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Joh. 20,29).

Nicht mehr körperlich und sichtbar will Christus bei seinen Christen sein, nicht mehr nur an einem Ort.

Er will durch das Wort seiner Apostel und Evangelisten zu allen seinen Christen in der Welt sprechen und auf unsichtbare Weise bei ihnen sein.

So ist er als der mächtige allgegenwärtige Gott auf göttliche Weise bei uns allen: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matth. 28,20).

So hat Christus den Umgang mit seinen Christen an sein geschriebenes Wort der Bibel und an das Gebet gebunden.

Seit die Gemeinde Christi im Glauben spricht: „… aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allmäch­tigen Vaters…”, bekennt sie damit: Ihr Erlöser und HERR, ihr Freund und Bruder regiert im Himmel in göttlicher Macht, lehrt sie durch das Wort seiner Apostel und Propheten, hört alle ihre Gebete und ist unsichtbar bei einem jeden einzelnen – bis alle Gläubigen bei ihm sein werden in der Herrlichkeit.

Der Evangelist Markus berichtet: „Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes. (Mark. 16,19).

Im Alten Testament finden wir dies geweissagt, nämlich die Himmelfahrt Christi und sein Sitzen zur Rechten Gottes.

Gott fährt auf mit Jauchzen und der HERR mit heller Posaune. Lobsingt, lobsingt Gott; lobsingt, lobsingt unserm König!“ (Ps. 47,6.7).

Die beiden Engel hatten ja zu den Apostel gesagt:Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren.

Fragen wir, wie Christus wiederkommen wird.

Da antwortet er uns: Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit.“ (Matth. 25,31, vgl. 2.Thess. 1,7).

Er wird kommen:

– in seiner göttlichen Majestät und Herrlichkeit
– mit allen heiligen Engeln

Denn er selbst, der HERR, wird mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden auferstehen zuerst.“ (1.Thess. 4,16).

Er wird kommen:

– mit Feldgeschrei = Jubel nach dem Sieg
– also mit Jubel und mit der Stimme des Erzengels = mit der Posaune Gottes

„… zu der Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune schallen und die Toten werden auferstehen“ (1.Kor. 15,52).

Er wird kommen mit: Posaune und Jubelschall das ist der Jubel der heiligen Engel Gottes, der Chor der himmlischen Heerscharen.

Die eine Weissagung im Alten Testament bezieht sich auf Christi Himmelfahrt: Gott fährt auf mit Jauchzen und der HERR mit heller Posaune.“ (Ps. 47,6.7).

Die andere Weissagung spricht davon, wie er als der Menschensohn, d.h. als wahrer Gott und Mensch in gleicher Macht und Herrlichkeit erhöht ist, „zur Rechten Gottes sitzt“.

David spricht in dieser Weissagung: Der HERR sprach zu meinem HERRN: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege.“ (Ps. 110,1; vgl. (Matth. 22,44, vgl. Apg. 2,34.35).

Das ist unsere Freude und unser Trost: Unser HERR Christus, unser HERR und Heiland, unser Fleisch und Blut ist erhöht und herrscht in gleicher Majestät mit dem Vater und dem Heiligen Geist.

Mit dem, was der allmächtige Gott uns in seinem Wort von Christi Himmelfahrt offenbart, will er unsere Herzen fröhlich und kräftig machen, dass wir hier in diesem Leben ganz zuversichtlich sprechen:

Ich habe nicht nur den reichsten HERRn zum Vater, sondern auch den mächtigsten HERRn zum Heiland und Bruder.

So wie es im Psalm heißt:

Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?

Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?

Wenn die Übeltäter an mich wollen, um mich zu verschlingen, meine Widersacher und Feinde, sollen sie selber straucheln und fallen.

Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht; wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn. (Ps. 27,1ff.)

Erinnern wir uns: „Zuletzt, als die Elf zu Tisch saßen, offenbarte er sich ihnen und schalt ihres Herzens Härte, dass sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen” (Mark. 16,14).

… dass sie nicht geglaubt hatten…“ – Es ist ja leider mit unserem Verstand in allem, was mit Gott zusammenhängt, ein großer Jammer!

Wenn wir nicht sehen, fühlen, angreifen und betasten können, wenn uns die sichtbaren Beweise fehlen und wir ähnliches nicht schon einmal erlebt haben, dann ist es nicht weit zu Zweifel und Unglaube.

Seit dem Sündenfall ist das menschliche Wesen so vergiftet von Sünde und Unzulänglichkeit, dass unser Verstand für göttliche Dinge völlig unbrauchbar ist.

Da gleicht er einem fehlgeleiteten Kompass!

Als der Apostel Thomas von den anderen hörte, Jesus sei auferstanden und ihnen erschienen, sprach er: „Es sei denn, dass ich in seinen Händen sehe die Nägelmale und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, will ich’s nicht glauben” (Joh. 20,25).

Thomas wollte mit seinem Verstand erfassen, wozu der Verstand eben nicht fähig ist, zum Begreifen göttlicher Dinge.

Er wollte mit seiner Vernunft zu verstehen suchen, wie Gott handelt.

Unsere durch Sünde ungläubige Vernunft hindert uns, unsere Zuversicht unbeirrt auf Gott und sein Wort zu setzen, uns in großer Not dennoch auf seine Hilfe zu verlassen, uns in Anfechtungen allein an seiner Gnade zu trösten und uns in Leid von Herzen an ihm zu freuen.

Die Vernunft kann nicht anders als sehen und begreifen und alles, was ihr neu ist, mit bereits Erfahrenem zu vergleichen.

Das ist der Grund dafür, dass sie die Himmelfahrt Jesu als einen Verlust einschätzt.

Zu Thomas sprach Jesus nach acht Tagen: „Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (Joh. 20,29).

Jesus setzt also der Vernunft mit ihrem Sehenwollen und Mit-Händen-greifen-wollen den Glauben entgegen.

Während nun die menschliche Vernunft Christi Himmelfahrt als einen Verlust einschätzt, hält sich der Glaube an Gottes Wort und begreift sie als großen Gewinn.

In diesem gläubigen Verstehen waren die Jünger Jesu gewachsen, denn am Ende heißt es: „Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten wieder gen Jerusalem mit großer Freude.“ (Luk. 24,51f.)

Himmelfahrt bedeutet eben nicht „Jesus ist weg! Nun sind wir allein”, sondern gerade das Gegenteil!

Himmelfahrt heißt: Jesus weilt nicht mehr sichtbar unter uns, durchzieht nicht mehr nur einzelne Landstriche, kehrt nicht mehr nur hier und dort ein, sondern er ist überall dort, wo sich Menschen um sein heiliges Wort und um die Sakramente versammeln: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen” (Matth.18,20).

Daran gewöhnte Jesus seine Jünger nach der Auferstehung, wie Lukas berichtet: „Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes” (Apg.1,3).

Sie mussten lernen, sich einzig und allein auf sein Wort zu verlassen.

Er erklärte ihnen die Art und Weise des Reiches Gottes: Es hat nicht die Eigenschaften wie ein Reich in dieser Welt.

Im letzten Vers unseres Textes schriebt Lukas: „Sie waren allewege im Tempel, preiseten und lobeten Gott.“ (Luk. 25,53).

Sie sollten ja später andere lehren, den Glauben an den HERRn auf das geschriebene Wort allein zu gründen! – nicht zu sehen und doch von Herzen zu glauben.

Solchen schreibt der Apostel Petrus: „Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht.“ (1.Petr. 1,8).

Auch wir gehören mit ihnen und allen wahren Gläubigen aller Zeiten und aller Orte in das Reich Jesu Christi, in dem gilt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Joh. 20,29).

Von diesem Reich lesen wir schon im Alten Testament: „Sagt unter den Heiden, dass der HERR König sei und habe sein Reich, soweit die Welt ist, bereitet, dass es bleiben soll…” (Ps. 96,10).

Ein weltweites Reich, das der HERR baut und das, wenn diese Welt vergeht, von ihm selbst hinübergeführt wird in die ewige Seligkeit.

Ein Reich, das wir mit unseren Augen nicht sehen können.

Ein Reich, das von unserem auferstandenen und gen Himmel gefahrenen HERRn mächtig regiert und geschützt wird.

Er ist seinen Gläubigen nah und sie ihm, denn er spricht: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen(Joh. 14,23).

Und der Apostel schreibt: „Christus wohne durch den Glauben in euren Herzen” (Eph. 3,17).

Das ist die Art und Weise des Reiches Jesu Christi, das viel herrlicher ist als jedes sichtbare Reich dieser Welt, viel mächtiger, viel größer.

Es wird hier geglaubt und dort geschaut.

Auch die Apostel Jesu hatten gegen ihre Vernunft zu kämpfen.

Sie hofften immerzu, Jesus würde doch noch ein mächtiges weltliches Reich aufrichten.

Darum fragten sie ihn: „HErr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?”.

Doch Jesus lenkt sie weg von solch irdischem Denken: „Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde”.

Jesu Reich ist nicht von dieser Welt, wird nicht mit irdischen Mitteln gegründet oder erhalten, sondern durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Der Heilige Geist wirkt mächtig durch das Wort der Heiligen Schrift.

Das hatte Jesus ihnen angekündigt: „Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen… Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit” (Joh. 14,18.16)

Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden” (Joh. 16,7).

Das Gnadenreich Christi ist geistlicher Art: Es wächst und gedeiht durch die Kraft des Heiligen Geistes.

So zerschlägt Jesu Himmelfahrt alle irdisch-vernünftigen Vorstellungen davon – wie z.B. die falsche Lehre von einem sichtbaren tausendjährigen Reich Christi hier auf Erden.

Für uns birgt diese Wahrheit einen großen Trost in sich: Wenn Verfolgung über die Gemeinde Jesu hereinbricht, wenn sie in den Untergrund gehen muss, wenn sie arm an irdischen Gütern ist oder nur sehr wenige zu einer Gemeinde gehören, dann ist das mächtige Gnadenreich unseres HERRn dennoch nicht gefährdet.

Die Himmelfahrt Jesu und die geistliche Art seines Reiches bringen uns zur rechten Sicht aller irdischen Mittel: Ehre, Macht, Geld und Gut können Gemeinde nicht bauen, nicht erhalten, nicht schützen.

Sie sind lediglich Hilfsmittel, und wenn sie fehlen, kann die Gemeinde Jesu dennoch blühen und wachsen.

Reich ist sie durch Christi Wort und Sakrament und sie bekennt: „Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde” (1.Joh. 1,7; vgl. Röm. 10,12).

Die Vergebung der Sünden und die bevorstehende himmlische Seligkeit ist ihr Reichtum.

Darum sprechen selbst die irdisch gesehen ärmsten Christen: „Wir sind …als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben, und doch alles haben” (2.Kor. 6,10).

Sie alle loben und preisen den mächtigen treuen Jesus, der ihnen und uns versichert: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende” (Matth. 28,20).

Sie alle: „… warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt” (2.Petr. 3,13).

Dahin ist Christus uns vorausgegangen, denn: „Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes” (Mark. 16,19).

Kein Mensch muss auch nur einen einzigen Schritt gehen, um zu Christus zu kommen oder zu seinem Reich zu gehören.

Um Vergebung der Sünden, Gnade bei Gott, Hilfe und Rettung zu erlangen, kann jeder -wo immer er auch sei- sein gequältes Herz vor ihm ausschütten.

Dazu fordert der HErr auch auf: „Hoffet auf ihn allezeit, lieben Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus! Gott ist unsere Zuversicht.“ (Ps. 62,9) und spricht: „Tue deinen Mund weit auf, laß mich ihn füllen!“ (Ps. 81,11)

Christus und sein seligmachendes Wort sind nicht an Raum und Zeit gebunden, seine Gnade und Hilfe erreicht den Sünder an jedem Ort.

Das wollen wir uns in Erinnerung rufen, wenn sich unser Verstand manchmal daran stößt, dass die Gemeinde Jesu in oft ärmlichen Verhältnissen lebt, klein ist oder von misslichen Umständen hin- und hergeworfen wird wie ein kleines Schiff im Sturm.

Der HERR des Gnadenreiches wankt und fällt nicht.

Einmal aber wird dieses unsichtbare Reich der Gnade uns sichtbar werden: Wenn wir bei ihm sein werden in der ewigen Seligkeit!

Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen” (Joh. 17,24).

Wenn Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit” (Kol. 3,4). Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden