Pfingstpredigt zum Lesen

Pfingstpredigt über Johannes 14,23

Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.

Liebe Gemeinde!

Von Jesus Christus lehrt uns Gottes Wort: „alle Gottesverheißungen sind Ja in ihm und sind Amen in ihm (2.Kor. 1,20).

Jesus ist das große JA Gottes auf all seine gnädigen Zusagen.

In Jesus sind sie alle erfüllt – zu unserer Errettung vor Zorn und Gericht Gottes.

Setzt ein Sünder seine Zuversicht auf Christus, so „kommt er nicht ins Gericht“ (Joh. 5,24), muss sich vor Gott nicht fürchten, sondern weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!“ (Gal. 4,6).

Jesus ist Gottes ausgestreckte Hand zu uns sündigen Menschen, denn in ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden“ (Eph. 1,7), „haben Friede mit Gott“ (Röm. 5,1) und sind mit all den anderen Christusgläubigen „Gottes Hausgenossen“ (Eph. 2,19), sind nicht mehr Feinde Gottes, sondern gehören im Glauben an Christus zu Gottes Gnadenreich.

Am Pfingstfest hat Gott seine Verheißung erfüllt, die er schon durch den Propheten Joel gegeben hatte: ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch (Joel 3,1).

Darum sprach der Apostel Petrus zum erstaunten Volk: Diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage; sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Apg. 2,15f.).

So sammelt sich Gott der HErr seine Kirche, nimmt Sünder durch den Glauben an den Heiland der Sünder in sein Gnadenreich auf.

Lukas berichtet: “Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen” (Apg. 2,41).

Gott der HErr hat es so geordnet, dass er Sünder in sein Reich sammelt, indem er die Frohe Botschaft verkünden lässt: „Glaube an den HErrn Jesus, so wirst du selig!“ (Apg. 16,331.

Durch das verkündete Wort wirkt Gottes Heiliger Geist an den Herzen und erweckt dort das gläubige Zutrauen zum Erlöser.

Das bekennen wir mit den Worten:

Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten; gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen Glauben; in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünden reichlich vergibt und am Jüngsten Tage mich und alle Toten auferwecken wird und mir samt allen Gläubigen in Christus ein ewiges Leben geben wird. Das ist gewißlich wahr. [LG Anhang, S. 233]

Aber wenn einer die Kirche Christi zu suchen beginnt: Wo ist Christi Reich in dieser Welt zu finden?

Da gibt es so manchen, der bei dieser Frage ziemlich ratlos wird, existieren doch unzählig viele Kirchen und Gemeinschaften.

Zweierlei ist da wichtig:

1. Da ist zuerst das Wesen oder die Eigenart des Reiches Christi
2. und dann sind da noch Dinge, die stören oder ablenken.

1. Wie ist es mit dem Wesen oder der Eigenart des Reiches Christi?

Einer seiner Jünger fragte Jesus: “HErr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt?” (Joh. 14,22).

Uns – damit meint er die Nachfolger Jesu, die Gläubigen.

Welt – das sind die Ungläubigen.

Er fragt also: Was bedeuten es, dass die Gläubigen Christus erkennen und die Wahrheit über Christi Reich, die Ungläubigen aber nicht?

Da antwortete er: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“

Damit zeichnet Jesus ein kurzes klares Bild seiner Kirche hier auf Erden: “Wer mich liebt, der wird mein Wort halten…”

Wo das Wort Christi gehalten und behalten wird, wo es verkündet und geglaubt wird, da sind Menschen, die ihn lieben.

Da findet sich Kirche Christi – und wären es auch nur sehr wenige, wie Christus spricht: “Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen (Matth. 18,20).

Wer mich liebt, der wird mein Wort halten…”

Die Liebe zu Christus ist daran erkennbar, dass Sünder sein Wort liebhaben, in dem er ihnen Vergebung der Sünden zusagt und schenkt.

Darum versammeln sie sich um sein Wort, schöpfen Trost und Kraft daraus, Wegweisung und Ermahnung.

In Liebe zu Christus, ihrem Heiland und seinem Wort lesen und hören sie es und prüfen, was ihnen gepredigt wird, an diesem Wort.

Sie lassen Christi Wort auch zu Hause reichlich bei sich wohnen, bringen ihre Kinder zur Taufe und genießen das Heilige Abendmahl.

Christi Wort, den Quell ihres Glaubens und der Stärkung ihrer Seele halten sie rein und verteidigen es gegen alle falsche Lehre.

So spricht Christus: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.

Christus wohnt durch den Glauben in ihren Herzen, ist unsichtbar bei ihnen und spricht zu ihnen durch das Wort der Heiligen Schrift

Glaube an Christus, Liebe zu Gott sind erst einmal nicht zu sehen, fallen nicht sofort auf, denn sie wohnen im Herzen.

Darum spricht Jesus: “Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden. Man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es oder da!. Denn seht, das Reich Gottes ist inwendig in euch.” (Luk 17,20f.).

So ist also die Kirche Christi in dieser Welt beschaffen: Sie ist nicht sofort zu erkennen, nicht auf Anhieb zu sehen.

Äußerlichkeiten helfen da nicht weiter: Erkennungszeichen sind weder prächtige Gebäude, wohlklingende Musik oder recht würdevolle Leute.

Es geht darum, ob Menschen Christus in ihren Herzen lieb haben und darum sein Wort hören und bewahren.

Sein Wort, nicht mehr und nicht weniger!

Einer, der die Kirche an weltlichen Maßstäben misst, geht fehl!

Sie ist gewachsen aus dem Evangelium vom Heiland der Sünder.

Sie ist das verborgene Werk Gottes des Heiligen Geistes.

Der Apostel Paulus schreibt: “Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.” (Röm 5,5).

Der Heilige Geist erweckt aus dem geistlichen Tod, macht lebendig und gießt die Liebe Gottes in das Herz, entflammt das Herz des Menschen für seinen Heiland und Gott.

Dies vollbringt der Heilige Geist durch das Wort Gottes.

Als der Apostel Petrus den HErrn Christus predigte lesen wir: “Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten” (Apg 10,44).

Das Wirken des Heiligen Geistes, das wir nicht sehen können, ist an Gottes Wort gebunden.

Wo Gottes Wort verkündet wird, da wirkt der Heilige Geist; und wo der Heilige Geist wirkt, da ist Gemeinde Jesu – ganz gewiss (Jes 55,10.11).

Ihr Wesen ist geistlich, nicht weltlich und nicht äußerlich.

Gott der Heilige Geist ruft, sammelt und erhält Menschen bei Christus durch das Evangelium.

Achten wir noch einmal auf dieses Wort Jesu: “Wer mich liebt, der wird mein Wort halten… Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht” (Joh. 14,24).

So wie das Äußere nicht zum eigentlichen Wesen der Kirche Christi gehört, so kann auch das Äußere nicht zu einem Glied der Gemeinde Jesu machen.

Nicht die Eintragung beim Meldeamt, nicht der Name im Kirchenbuch – zum Glied der Gemeinde Jesu, zum Bürger des Gnadenreiches Gottes macht allein der Glaube an Christus, der durch Gottes Wort entsteht und dadurch auch erhalten und gestärkt wird..

Das eigentliche, das allein gültige Verzeichnis seiner Gemeinde hält Jesus selbst in seiner Hand: Der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der HErr kennt die Seinen” (2.Tim. 2,19).

Und so erfahren wir in einer Weissagung vom Jüngsten Tag: “Und wenn jemand nicht gefunden wurde geschrieben in dem Buch des Lebens, der wurde geworfen in den feurigen Pfuhl” (Offb. 20,15).

Gehöre ich zur wahren Gemeinde Jesu? Steht mein Name im Buch des Lebens? Komme ich in das ewige, selige Leben bei Gott?

Jesus spricht: “Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben” (Joh. 8,12).Spricht Jesus zu dir: “Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!” (Jes. 43,1) und du antwortest: “Ich glaube HErr; hilf meinem Unglauben!” (Mark. 9,24), dann gibt es daran keinen Zweifel!

Auf die Frage “Was muss ich tun, dass ich selig werde?” heißt die Antwort: “Glaube an den HErrn Jesus, so wirst du… selig!” (Apg. 16,30-31).

Bist du ein Sünder? Sprichst du: Ich will dennoch gern selig werden durch meinen HERRn Christus und sein Opfer für mich.

Dann sei getrost: Er ist ja gekommen, um solche wie dich zu suchen und selig zu machen! (Luk. 19,10).

Überall, wo Gottes Wort verkündet oder gelesen wird, wo Menschen getauft werden, verrichtet der Heilige Geist das Wunder und erweckt Menschen aus dem geistlichen Tod.

Obwohl der Heilige Geist dies bewirkt, selbst wenn das Evangelium von Christus an manchen Orten nur noch in Bruchstücken verkündet wird, ist es doch nötig, dass wir suchen, wo wir das Wort Gottes möglichst ganz rein und in allen seinen Teilen genießen können.

Wo Gottes Wort mit Menschenwort vermischt oder mit Unglaube vergiftet wird, besteht ja äußerste Gefahr für den Glauben.

Darum gebietet Gott: „dass ihr euch in Acht nehmt vor denen, die Zwietracht und Ärgernis anrichten entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, und euch von ihnen abwendet.“ (Röm. 16,17).

Wo Falsches gelehrt wird, wo dem Wort Gottes Menschenlehre beigefügt oder vom Wort Gottes etwas verschwiegen wird, da ist der Glaube in Gefahr.

2.

Neben diesem tödlichen Gift des Satans gibt es auch noch Dinge, die stören oder ablenken.

Ich meine nicht falsche Lehre. Bei diesen Dingen hier ist es wichtig, sie nicht weltlich zu beurteilen, sondern nach Christi Wort und Sinn.

Du merkst, dass in der Gemeinde lauter Sünder sind wie du auch einer bist – nur an anderen fällt dir das eher auf und vor allem wiederholt!

Christus spricht: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten…“

Da gilt: “ nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ (Röm. 15,7) und „Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor.“ (Röm. 12,10) „Ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ (Kol. 3,13).

Das nächste, was stört oder irritiert ist das Kreuz.

Christus spricht: “Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht”.

Christus gibt Frieden – aber keinen, wie die Welt ihn gibt.

Christus spricht vom Frieden, der “höher ist als alle Vernunft”.

Paulus schreibt auch von diesem Frieden: “Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern HErrn Jesus Christus” (Röm 5,1).

Nicht weltlicher Friede, sondern Friede mit Gott – Friede, den Jesus mit seinem Blut am Kreuz erkauft hat.

Christus ist gekommen, um zu leiden und zu sterben an unserer Statt, um durch sein Opfer Gott mit uns zu versöhnen und so Friede zu machen zwischen dem sündigen Menschen und dem heiligen Gott.

Das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.” (1.Joh 1,7).

Diesen Frieden, diesen geistlichen Frieden meint Jesus, wenn er spricht: “… meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt”.

Wer weltlichen Frieden und irdische Vorteile erwartet, wenn er die wahre Kirche Christi sucht, geht fehl.

Nun, sollen wir die Gemeinde Jesu etwa dort suchen, wo sie sich am meisten streiten?

Nein, aber wir sollen die rechtgläubige Kirche Jesu dort suchen, wo Gottes reines Wort verkündigt wird.

Dort wird allerdings Kampf und Streit sein – nicht sinnloses Gezänk.

Dort wo Gottes Wort ist, tobt der Kampf des Satans dagegen!

Darum spricht Jesus: “Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert… Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert” (Matth. 10,36-38).

Wer äußere Harmonie sucht, geht fehl.

Wo Abel im Glauben seinem Gott ein Opfer brachte, fand sich Kain ein, der ihn erschlug.

Isaak mußte sich der Bosheit des Isamel erwehren, David wurde von Saul verfolgt.

Darum ist die wahre Kirche Christi auf Erden nicht erkennbar, wenn weltliche Maßstäbe angewendet werden.

Auch hier gilt, was Paulus lehrt: „Es muss geistlich beurteilt werden“ 1.Kor. 2,14).

„Geistlich“ heißt, dass du dich von Gottes Geist belehren und anleiten lässt – dies geschieht durch das Wort Gottes.

Darauf ruht Christi Zusage: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“

Christus gibt dir klare Kennzeichen, an denen du erkennen kannst, ob hier Gemeinde Jesu ist oder nicht: Achte auf das Bekenntnis und die tatsächliche Verkündigung des Wortes Gottes, ob diese mit dem Wort der Schrift übereinstimmen

Achte darauf, ob die heilige Taufe und das heilige Abendmahl nach Christi Willen verwaltet werden.

Achte auf Wort und Sakrament! Das sind die sicheren Kennzeichen der Kirche Christi auf Erden.

Lass deine beständige Sorge sein, dass du selbst zur Gemeinde der Herzensgläubigen gehörst, deren Namen im Buch des Lebens geschrieben stehen.

Achte dann auch darauf, dass du von dort weggehst, wo Gottes Wort nicht rein gelehrt wird, und halte dich zur Schar derer, in deren Mitte du das lautere Wort des HErrn findest.

Gründe dich aber vor allem selbst auf das feste und gewisse Wort deines Heilandes, damit Gewissheit hast, Vergebung, Trost und Friede im Leben und im Sterben. Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden