Predigt am Gedenktag des Bekenntnisses von Augsburg

Christenlehre und Predigt

Zum 25. Juni, dem Gedenktag der Übergabe des Augsburgischen Bekenntnisses

 

Nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit (Ps. 119,43)

Christenlehre

Auf dem Reichstag zu Augsburg, am 25. Juni des Jahres 1530 übergaben die Lutherischen Kaiser Karl V. eine Bekenntnisschrift, die fortan die “Augsburgische Konfession” genannt wurde.

Sie ist das Grundbekenntnis der rechtgläubigen, der lutherischen Kirche; und auch unsere Gemeinde hat sie darum neben den anderen wichtigen Bekenntnisschriften auf ihr Schild geschrieben.

In unseren Bekenntnissen erklären wir offen, was wir glauben und was wir verwerfen müssen.

Glaube und Bekenntnis gehören zusammen, denn wo sich einer in rechter Zuversicht auf Gottes Wort gründet, der kann nicht anders, er muß auch davon reden.

Warum sollen wir an den Bekenntnissen der rechtgläubigen Kirche gerade auch in unserer Zeit unbeirrt festhalten?

1. weil wir damit an nichts anderem als an Gottes reinem Wort selbst festhalten und

2. weil wir uns damit am wirksamsten unsere evangelische Freiheit bewahren können.

  • Es war zu allen Zeiten dasselbe: So oft auch gegen die Wahrheit des göttlichen Wortes gekämpft worden ist, so haben die Gegner immer behauptet, sie stritten nicht etwa gegen die Wahrheit, sondern für sie; allein dem Irrtum müßten sie wehren.
    Schon als die Pharisäer und Schriftgelehrten Christus ans Kreuz brachten, gaben sie vor, dies sei nicht etwa um der Wahrheit willen die er doch auch mit gepredigt habe, geschehen, sondern er sei (neben allem Wahrem, was er verkündigt habe, dennoch) ein Verführer und Irrlehrer.
  • Grausam und blutig wurden die Christen der ersten Jahrhunderte von den Heiden verfolgt; aber nicht etwa um des christlichen Glaubens willen, sondern wegen der Halsstarrigkeit, und weil sie so düstere, sich absondernde Gegner des menschlichen Geschlechtes seien.
  • So auch die Bekämpfer der Bekenntnisse der christlichen Kirche: Nicht etwa aus Feindschaft gegen Gottes Wort, sondern aus Liebe und Eifer dafür!
    Weg mit allen Menschensatzungen – Gottes Wort allein! Soll es etwa in der Kirche heißen: So spricht Athanasius, so Augustinus, so lehrt Luther, so schreibt Johann Gerhard? Nein! sprechen sie, in der Kirche soll nur gelten: So lehrt Jesus Christus, der HERR!

So schön das auch klingen mag, und so viele sich auch gerade in unseren Tagen davon täuschen lassen, so gilt doch auch davon, was St. Petrus schreibt: “Denn sie reden stolze Worte, da nichts hinter ist” (2.Petr. 2,18).

Ja, hat den die rechtgläubige Kirche ihre Bekenntnisse verfaßt, um ihre Glieder zu solchen Lehren zu locken, die in Gottes Wort gar nicht zu finden sind?

Wäre das so, wir müßten uns noch heute von solchen Schriften trennen und sie verwerfen, verbrennen und vergessen!

Warum aber hat denn die Kirche ihre Bekenntnisse verfaßt? Doch allein darum weil sie an Gottes reinem Wort festhalten wollte!

Erinnern wir uns:

  • Als sich schon in der apostolischen Zeit falsche Lehrer in die Kirche einschleichen wollten, die sich scheinheilig zu Gottes Wort bekannten und doch Irrtümer verbreiteten, da setzte die Kirche das Apostolische Glaubensbekenntnis auf.
    Daran sollte erkannt werden, wer sich wirklich zur Wahrheit des Wortes Gottes bekennt und wer nur heuchelt.
  • Als im 4. und 5. Jahrhundert Männer aufstanden, die sich zum Apostolischen Glaubensbekenntnis bekannten, um unter diesem Deckmantel die reine Lehre von Christi Person zu bekämpfen, da setzte die rechtgläubige Kirche jener Zeit das Nicänische und das Athanasianische Glaubensbekenntnis auf.
    Daran sollte erkannt werden, wer sich wirklich zur Wahrheit des Wortes Gottes bekennt und wer bei Gottes Wort lügt und betrügt.
  • Als sich im 16. Jahrhundert das Papsttum zu Gottes Wort und auch zu den bis dahin vorliegenden Bekenntnissen bekannte und unter diesem Deckmantel unzählige Abgöttereien und Menschenlehren eingeführt hatte, da verfaßte die rechtgläubige Kirche weitere Bekenntnisschriften.
    Die Lutheraner bezeugten ihren aus der Heiligen Schrift erkannten Glauben in der Augsburgischen Konfession.
    Daran sollte erkannt werden, wer sich wirklich zur Wahrheit des Wortes Gottes bekennt und wer bei Gottes Wort lügt und betrügt.
  • Und als nach Luthers Tod viele so genannte Lutheraner sich zu Gottes Wort, zu den Bekenntnissen der alten Kirche und nun auch zur Augsburgischen Konfession bekannten und noch weiteren Bekenntnissen, und sie zum Deckmantel für ihre Menschenlehren machten, da setzten die Lutheraner die so genannte Konkordienformel auf.
    Dies geschah allein darum, daß erkannt werden könnte, wer sich noch zum alten Bibelglauben halte und wer ihn verlassen habe.

Die rechtgläubige Kirche hat also ihre Bekenntnisse nicht etwa deswegen verfaßt, weil sie ihre Glieder zur Annahme neuer Lehren bewegen wollte, die sich nicht in Gottes Wort finden, sondern im Gegenteil, um allein bei der Wahrheit des Wortes Gottes zu bleiben.

Darum heißt es zu Beginn der Konkordienformel: “Wir glauben, lehren und bekennen, daß die einige Regel und Richtschnur, nach welcher alle Lehren und Lehrer gerichtet und geurteilet werden sollen, seien allein die prophetischen und apostolischen Schriften Altes und Neues Testamentes; wie geschrieben stehet: ‚Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege‘, und ‚Wenn ein Engel vom Himmel käme und predigte anders, der soll verflucht sein‘.”

Und von der Augsburgischen Konfession heißt es in der Konkordienformel: “Zu derselben ersten ungeänderten Augsburgischen Konfession bekennen wir uns nicht derwegen, daß sie von unserer Theologie gestellet, sondern weil sie aus Gottes Wort genommen und darinnen fest und wohl gegründet ist”.

Als im Jahr 1530 die lutherischen Theologen den Kurfürsten von Sachsen, Johann den Beständigen, in Augsburg warnten, es sei zu große Gefahr vorhanden, darum wollten sie dem Kaiser das Bekenntnis nur in ihrem eigenen Namen vorlegen, da antwortete der gläubige Fürst nicht: “Nein, ich will mich doch zu Luther bekennen”, sondern er sprach: “Das verhüte Gott, daß ich aus eurer Mitte ausgeschlossen sein sollte; ich will mit euch meinen HERRn Christum bekennen.”

Seht, die Bekenner der rechtgläubigen aller Zeiten haben, um der Irrlehre zu wehren, bekannt, was in Gottes Heiliger Schrift gegründet ist: die geoffenbarte Wahrheit des Wortes Gottes.

Wollte also jemand sprechen: Weg mit den Bekenntnisschriften! Sie sind doch nur Menschensatzungen! Meine Bibel und ich, mehr darf nicht gelten! – dann heißt das nichts anderes als: Weg mit der reinen Lehre! Weg mit dem Wort Gottes!

Weil die Bekenntnisse aber nun nichts anderes sind als die aus der Heiligen Schrift erkannte und noch einmal niedergeschriebene Wahrheit des Wortes Gottes, so gilt also auch von den Bekenntnisschriften, was Paulus an Timotheus schreibt: “Halt an dem Vorbilde der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, vom Glauben und von der Liebe in Christo Jesu. Diese gute Beilage bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnet” (2.Tim. 1,13.14).

Wie wir an Gottes reinem Wort festhalten, so müssen wir daher auch an den Bekenntnissen unserer lutherischen Kirche festhalten, in denen sich die rechtgläubige Kirche zu Gottes Wahrheit bekennt.

Wir aber, die wir aus Gottes Gnade in dieser Erkenntnis stehen, können von Herzen sprechen (und auch verstehen): “Gottes Wort und Luthers Lehr vergehet nun und nimmermehr”, denn wir wissen: “Aus Gottes Wort ist Luthers Lehr darum vergeht sie nimmermehr!”

Warum sollen wir an den Bekenntnissen der rechtgläubigen Kirche gerade auch in unserer Zeit unbeirrt festhalten?

2. Weil wir uns damit am wirksamsten unsere evangelische Freiheit bewahren können

Die Gegner der Bekenntnisse bringen den Vorwurf, wer sich an die Bekenntnisschriften binde, der verletze die Freiheit der Gewissen und beuge sich unter menschliche Satzungen.

So schön, so evangelisch-freiheitlich dies nun auch klingen mag, es sind (wie Paulus schriebt) nur “süße Worte” und “prächtige Reden, zu verführen die unschuldigen Herzen” (Röm. 16,17.18).

Denn wir richten nicht neue Gesetze auf, die den Menschen knechten und von ihm etwas fordern, was Gott gar nicht geboten hat!

Vielmehr bekennen wir die herrliche Freiheit der Kinder Gottes durch den Glauben an den Heiland Jesus Christus!

Denn so lehrt die Augsburgische Konfession von der Rechtfertigung:

Der IV. Artikel. Von der Rechtfertigung.

1] Weiter wird gelehrt, daß wir Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit vor Gott nicht erlangen mögen durch unser Verdienst, Werke und Genugtuung, sondern daß wir Vergebung der Sünden bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnaden, um Christus’ willen, durch den Glauben, 2] so wir glauben, daß Christus für uns gelitten hat und daß uns um seinetwillen die Sünden vergeben, Gerechtigkeit und ewiges Leben geschenkt wird.3] Denn diesen Glauben will Gott für Gerechtigkeit vor ihm halten und zurechnen, wie St. Paulus sagt zu den Römern am 3. und 4.

Denken wir nur daran, wie die Wiedertäufer den Allerkleinsten den Himmel verschließen und lehren, Säuglinge dürften nicht getauft werden, und richten damit Gesetze auf, die dem Wort Gottes zuwider sind!

Hören wir, wie wir ihnen als Schranke die Augsburgische Konfession entgegenhalten und in der Freiheit des Wortes Gottes bestehen:

Der IX. Artikel. Von der Taufe.

1] Von der Taufe wird gelehrt, daß sie nötig sei, und daß dadurch Gnade angeboten werde, 2] daß man auch die Kinder taufen soll, welche durch solche Taufe Gott überantwortet und gefällig werden.

3] Derhalben werden die Wiedertäufer verworfen, welche lehren, daß die Kindertaufe nicht recht sei.

Hören wir zum Schluß, wie die Augsburgische Konfession einen Schutzwall gegen die reformierte Irrlehre aufwirft, die besagt, daß Brot und Wein lediglich “Zeichen” oder “Symbole” für Christi Leib und Blut seien, daß aber Christi Leib und Blut beim Hl. Abendmahl nicht empfangen werde.

Der X. Artikel. Vom heiligen Abendmahl.

1] Vom Abendmahl des Herrn wird also gelehrt, daß wahrer Leib und Blut Christi wahrhaftiglich unter der Gestalt des Brots und Weins im Abendmahl gegenwärtig sei und da ausgeteilt und genommen wird. 2] Derhalben wird auch die Gegenlehre verworfen.

So stehen unsere Bekenntnisse wie eine Wagenburg um uns zum Schutz vor falscher Lehre, und wir bewahren uns damit unsere Freiheit, die Gott uns in seinem heiligen Wort offenbart.

Wir halten sie aber auch hoch wie eine Fahne, damit sich unter ihr alle sammeln und scharen können, die mit uns die kostbare Wahrheit der Heiligen Schrift bekennen.

In all dem geht es doch um unsere Seligkeit und um diejenigen, die von uns die “heilsame Lehre” von der Erlösung durch Christus hören!

Denn wenn dieser Schatz verwässert oder verfälscht würde, dann hätten wir ein Kleinod verloren; wo bliebe dann der Trost, wo bliebe die Hoffnung auf das ewige Leben?

Darum mahnt auch der Apostel: “So jemand anders lehret und bleibet nicht bei den heilsamen Worten unsers HERRN Jesu Christi und bei der Lehre von der Gottseligkeit, der ist verdüstert und weiß nichts, sondern ist seuchtig in Fragen und Wortkriegen, aus welchen entspringet Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn, Schulgezänke solcher Menschen, die zerrüttete Sinne haben und der Wahrheit beraubt sind, die da meinen, Gottseligkeit sei ein Gewerbe. Tue dich von solchen!” (1.Tim. 6,3-5).

Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unbeweglich und nehmet immer zu in dem Werk des HERRN, sintemal ihr wisset, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem HERRN” (1.Kor. 15,58). Amen.

Predigt

Herzliche geliebte Brüder und Schwestern in Jesus Christus, unserm HERRn!

Der 119. Psalm, aus dem unser Vers stammt, ist ein einzigartiger Lobpreis auf das Wort Gottes, ein Bekenntnis zur Lehre, die Gott uns aus lauter Gnade an diesem dunklen Ort scheinen läßt.

Wird ein Herz betrübt über das Elend der Sünde, so ruft es mit einem Vers aus unserem Psalm: “Meine Seele verlanget nach deinem Heil; ich hoffe auf dein Wort. Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege” (Verse 81.105).

Hat ein Christenmensch die schwere Hand Gottes ertragen, der ihn vom Bösen zum Guten ziehen will, so bekennt er: “Ehe ich gedemütiget wurde, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort… Es ist mir lieb, daß du mich gedemütiget hast, daß ich deine Rechte lerne” (Verse 67.71).

Sucht ein Kind Gottes nach Rat und Wegweisung, so ruft es mit den Worten unseres Psalmes: “Ich habe Lust zu deinen Zeugnissen; die sind meine Ratsleute” (Vers 24).

Stürmen verwirrende Meinungen auf ihn ein, so fleht er: “Wende meine Augen ab, daß sie nicht sehen nach unnützer Lehre, sondern erquicke mich auf deinem Wege. HErr, laß deine Gnade mir widerfahren, deine Hilfe nach deinem Wort, daß ich antworten möge meinem Lästerer; denn ich verlasse mich auf dein Wort” (Verse 37.41f.).

Und blicken wir zurück! Hat unser HErr und Gott uns nicht schon unzählige Male durch sein heiliges Wort vor bösen, sündigen Wegen gewarnt und uns auch väterlich gestraft zu unserem Besten?

Hat er uns nicht, wenn wir über unserer Sünde ganz mutlos und freudlos waren unzählige Male durch sein Wort getröstet und seinen himmlischen Frieden in unsere armen Herzen gegossen?

Hat er uns nicht in Kämpfen und Wirren die Klarheit seines Wortes aufleuchten lassen, daß wir in großer Gewißheit plötzlich unterscheiden konnten, was denn nun falsch und was wirklich wahr ist?

Ja, wir bekennen es unserem HErrn und in der Gemeinde der Kinder Gottes mit dem Psalmwort: “Wenn dein Wort offenbar wird, so erfreuet es und macht klug die Einfältigen. Ich freue mich über dein Wort wie einer, der eine große Beute kriegt” (Verse 130.162).

Wie Luther von der Lehre des Wortes Gottes bekennt, so bekennen auch wir: “Sie ist ein Sonnenglanz, der vom Himmel herabkommt und uns erleuchtet, entzündet und regiert.”

Darum beten wir mit David: “Nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit; denn ich hoffe auf deine Rechte”

Er bittet nicht nur darum, daß “das Wort der Wahrheit” nicht etwa nur aus seinen Händen nehmen, sondern vor allem nicht aus seinem Munde genommen werden soll.

So wollen wir es auch als Gemeinde halten und unseren Vater im Himmel bitten: “Nimm ja nicht von unserm Munde das Wort der Wahrheit; denn wir hoffen auf deine Rechte”

Wir werden das Wort der Wahrheit nur dann behalten, wenn wir es nicht nur als Dokument in unseren Händen halten, als Theorie auf Papier, sondern wenn wir es in unseren Herzen bewahren und lieben und dann auch mit dem Munde bekennen.

 

Wir wollen darum zuerst bei dem allgemeinen und wichtigsten Grundsatz der christlichen Kirche bleiben,

– daß die kanonischen Bücher des Alten und Neuen Testamentes vom ersten bis zum letzten Buchstaben das vom Heiligen Geist inspirierte irrtumslose Wort unseres großen Gottes sind.

– daß darum alle Lehre, alle Lehrer und aller Glaube, in der christlichen Kirche nach dieser einzigen Regel und Richtschnur geführt und beurteilt werden soll.

Wir wollen bleiben bei der Lehre, die Gott uns in seinem Wort offenbart, daß die Rechtfertigung eines Sünders vor Gott geschieht allein aus Gnaden, allein um Christi willen und allein durch den Glauben an ihn.

Beten wir diesen Vers: “Nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit…”, so beten wir, daß wir dabei bleiben, daß Gottes Wort und die heiligen Sakramente die einzigen Gnadenmittel sind, durch die der Allmächtige uns vor der ewigen Höllenqual rettet, uns Leben und Seligkeit um Christi willen schenkt, und daß diese Gnadenmittel immer wirksam sind und bleiben.

Nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit…”

Wir wollen bitten, daß wir bleiben beim Wort der Wahrheit, daß die Versöhnung unseres HErrn Christus universal für alle Menschen gilt, und daß sie perfekt und vollständig ist, daß aber Sünde und Tod allein vom Teufel und vom bösen Willen des Menschen herkommen.

Nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit…”

Wir wollen bleiben an der Lehre, daß alle Menschen von Natur durch Sündenschuld der Verdammnis unterworfen sind, und daß niemand aus eigener Vernunft noch Kraft zum Glauben an den Heiland kommen kann, sondern daß dies nur durch die Frohe Botschaft in der Kraft des Heiligen Geistes geschieht.

Wir wollen bleiben bei der Lehre, daß die wahre Kirche –außer der kein Heil ist- die unsichtbare Versammlung aller Gläubigen ist, der Christus die Schlüssel des Himmelreichs gegeben hat, durch die die Kirche den Himmel aufschließt oder auch zuschließt in der heiligen Absolution oder im Bann.

Wir wollen bleiben bei der Lehre von der christlichen Freiheit, daß die Kirche und jeder einzelne Christ frei sind, nicht nur von ewigem Tod, von Sünde und verfluchendem Gesetz, sondern auch frei von Menschengebot und Menschengesetz, und daß ihr auch kein Geschöpf, kein Bischof, kein Kirchenrat, kein Synodalrat ein Gebot geben kann, das Gott nicht gegeben hat.

Nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit…” – auch nicht die Wahrheit von der “Freiheit eines Christenmenschen”.

Wir wollen bleiben bei der Lehre, daß die Kirche ein “Kreuzreich” ist und bleibt, ohne Glanz und Gloria, ohne Macht und Reichtum, und daß sie auf nichts anderes wartet, als auf die sichtbare Wiederkunft ihres HErrn, der wiederkommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.

Kurz, wir wollen bleiben bei den Lehren des Wortes Gottes, bei den Lehren, wie sie schon die alte Kirche in den ersten Jahrhunderten und wie sie die Kirche der Reformation in ihren Bekenntnisschriften niedergelegt hat.

Wir unterschreiben sämtliche Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, als reine und unverfälschte Erklärung und Darlegung des Wortes Gottes, als die allein richtige Auslegung der Heiligen Schrift und beten darum: “Nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit…”

Lutheraner waren nie der Meinung, etwas Neues erforscht zu haben, womit wir die Welt oder die Christenheit erneut erleuchten müßten.

Im Gegenteil: Wir haben uns immer gerne dafür bespötteln und kritisieren lassen, daß wir nicht vorwärts, sondern rückwärts schauen, daß uns eine Aktivität, die etwas Neues in der Kirche schafft, völlig abgeht.

Lutherische Kirche handelt getreu dem apostolischen Gebot: “Bewahre, was dir anvertraut ist… Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und was dir vertrauet ist, sintemal du weißt, von wem du gelernt hast” (1.Tim. 6,20; 2.Tim. 3,14).

Und wie geschrieben steht: “Kämpfet für den Glauben, der ein für allemal den Heiligen vorgegeben ist” (Judas 3).

Das war unser Ziel und soll es auch bleiben!

Nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit…”

Rechte christliche Kirche sucht nicht erst die Wahrheit, sondern sie ist Besitzerin der Wahrheit, die sie bewahrt und bewacht.

Und diese Kirche ist immer ein und dieselbe.

Auch heute noch ist diejenige Kirche die rechte Kirche, die weil sie aus dem Wort Gottes schöpft, auch mit der wahren Kirche der Vergangenheit, der apostolischen Kirche in Lehre und Praxis auf das genaueste übereinstimmt.

Nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit…”

David fleht zu Gott, er möge ihn bei dem Wort der Wahrheit erhalten.

So muß die Erhaltung also eine Gabe Gottes sein, die allein Gott uns Menschen geben kann, um die wir darum beten müssen, weil hier nichts in unserer Macht steht.

Er sagt nicht enfach: “Nimm nicht von meinem Munde…”, sondern er sagt: “Nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit…”

Er ruft also Gott wegen dieser Gabe besonders inständig an.

Es muß also eine sehr nötige und kostbare Gabe sein.

Es muß eine Gabe sein, die man schnell verlieren kann.

Darum nennt er auch die Gründe, warum er so eindringlich bittet und spricht: “Ich habe Lust zu deinen Zeugnissen, die sind meine Ratsleute (Vers 24).

Ein Mensch, der Gottes Wort nicht allein seinen Ratgeber sein läßt, wo er etwas nicht verstehen kann, läßt seine Vernunft über Gottes Wort regieren.

Er fragt nicht Gottes Wort, forscht nicht eifrig darin, sondern erwartet von seinem Verstand die ersehnten Antworten.

Und eben darum betet er ja: “Wende meine Augen ab, daß sie nicht sehen nach unnützer Lehre” (Vers 37a).

Aber da sind auch Spott und Lästerung, die die Herzen von Gottes Wort abwenden könnten, darum: “HErr, laß deine Gnade mir widerfahren, deine Hilfe nach deinem Wort, daß ich antworten möge meinem Lästerer, denn ich verlasse mich auf dein Wort (Vers 41f.).

Oder: “Die Stolzen haben ihren Spott an mir, dennoch weiche ich nicht von deinem Gesetz” (Vers 51).

Da ist die eigene Sünde, die Hoffart, der Stolz im eigenen Herzen, mit denen der Teufel uns von unserem Gott und Heiland abbringen will, darum betet er: “Es ist mir lieb, daß du mich gedemütiget hast, … ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich…” (Verse 71.67).

Da sind kluge Reden, menschliche Weisheit, sehr vernünftig scheinende Gedanken – und David betet: “Du machst mich mit deinem Gebot weiser, denn meine Feinde sind; denn es ist ewiglich mein Schatz” (Vers 98).

Wir wissen aus eigener Erfahrung: Es gibt so vieles, wodurch unsere Herzen und Gedanken, unser Glauben und Hoffen abgerückt werden könnten von Gottes ewigem Wort.

Darum wollen wir unseren Vater im Himmel bitten: “Nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit…”

Denn alle einzelnen Worte Gottes hängen und kleben untrennbar am eigentlichen Kern der gesamten Heiligen Schrift: an der Lehre von unserem einzigen Erlöser und HErrn Jesus Christus.

Alle Worte Gottes in der Bibel umrahmen und umgeben die eine seligmachende Wahrheit: “Jesus Christus ist die Versöhnung für unsere Sünde, nicht allein aber für die unsere, sondern auch für die der ganzen Welt” (1.Joh. 2,2)

Aus diesem Grunde spricht Luther: “Darum wollen wir alle Artikel der christlichen Lehre, sie seien groß oder klein (wiewohl uns keiner klein und gering ist), ganz rein und gewiß haben und darin nicht einen Titel nachlassen. Und das muß auch sein. Denn die Lehre ist unser einziges Licht, das uns leuchtet und führet und den Weg gen Himmel weiset: wenn wir uns dieselbe in einem Stück schwächen und matt machen lassen, ist es gewiß, daß sie ganz und gar kraftlos wird.”

Denn wer Gottes Wort nicht lieb hat und ehrt, dem ist nicht geholfen, er liebe sonst, was er wolle…” Amen.

 

Des Bekenntnisses Majestät

Nicht, weil’s die Väter gedich’t und gemacht,

wird solch Bekenntnis so hoch geacht‘;

sondern, weil hier die Bibel alleine

ist dargelegt mit hellem Scheine,

weil hier das Wort des Heilands schlicht

und mächtig auf den Blättern spricht.

Hier ist nichts erdichtet und neu erfunden,

wie’s sonst oft unter Menschen geht;

daß die Väter allein auf der Bibel stunden,

das ist des Bekenntnisses Majestät.

aus Lentz’s Betkämmerlein, Elsaß vor 1762, S. 753

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden