Lesepredigt für den 7. Sonntag nach Trinitatis

Predigt für den 7. Sonntag nach Trinitatis  über die Speisung der 4.000 aus Markus 8,1-9

Predigttext:

Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert das Volk, denn sie haben nun drei Tage bei mir ausgeharrt und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen.

Seine Jünger antworteten ihm: Wie kann sie jemand hier in der Wüste mit Brot sättigen? Und er fragte sie: Wie viel Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte und brach sie und gab sie seinen Jüngern, damit sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. Und sie hatten auch einige Fische, und er dankte und ließ auch diese austeilen. Sie aßen aber und wurden satt und sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. Und es waren etwa viertausend; und er ließ sie gehen.

Im Namen Jesu, liebe Gemeinde!

Einmal hatte Jesus seine 12 Jünger ausgesandt. Sie sollten in mehreren Ortschaften von IHM und seinem Reich predigen.

Dabei sollte ihnen eindrücklich klar werden, wie der HERR sie fürsorgend begleitet, damit sie sich nicht von Sorgen um ihr Auskommen binden und lähmen lassen.

Darum sprach er damals zu ihnen: „Ihr sollt nichts mit auf den Weg nehmen, weder Stab noch Tasche noch Brot noch Geld; es soll auch einer nicht zwei Hemden haben.“ (Luk. 9,3).

Viel später erinnert er sie daran: „Als ich euch ausgesandt habe ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr da je Mangel gehabt? Sie sprachen: Niemals.“ (Luk. 22,35).

Es ist der Wille Jesu, dass (nicht nur die Jünger damals, sondern) alle seine Christen, auch wir, täglich mit seiner Fürsorge und Güte rechnen.

Darum lehrt er uns in seinem Wort: „Seid nicht geldgierig, und lasst euch genügen an dem, was da ist. Denn der Herr hat gesagt (Josua 1,5): »Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen«„ (Hebr. 13,5).

Einerseits birgt die Gier nach noch mehr Hab und Gut große Gefahren in sich: „Die reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Verstrickung und in viele törichte und schädliche Begierden, welche die Menschen versinken lassen in Verderben und Verdammnis“ (1.Tim. 6,9).

Andererseits sucht der Satan uns Christen in den Teufelskreis der Sorgen zu führen, so dass wir Gott und seinen festen Zusagen nicht mehr trauen.

Dann geschieht, was Jesus im Gleichnis sagt: „Bei dem aber, das unter die Dornen gesät ist, das ist, der das Wort hört, und die Sorge der Welt und der betrügerische Reichtum ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht“ (Matth. 13,22).

Gott kann sehr wohl allen Hochmut niederschlagen und Reichtum in Armut verkehren, wenn es ihm gut dünkt. Darum warnt Gottes Wort vor sündigem Sorgen, vor Geiz und Habgier und spricht, es sei Götzendienst (Eph. 5,5).

Der Mensch soll nicht meinen, er sitze im Regiment und hätte Macht, sich zu versorgen, sich zu schützen; eine Weile lässt Gott den Hochmütigen gewähren: „Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall” (Spr. 16,18).

Darum betet Salomo: „Falschheit und Lüge lass ferne von mir sein; Armut und Reichtum gib mir nicht; lass mich aber mein Teil Speise dahin nehmen, das du mir beschieden hast“ (Spr. 30,8).

Euer HERR und Heiland weiß, was ihr zum Leben braucht; er wird euch versorgen und eurer Hände Arbeit segnen – traut ihm!

So gibt uns unser heutiger Bibeltext Trost und Kraft gegen die Sorgen um irdisches Auskommen.

So können wir als Kinder Gottes ganz getrost sein, denn wir haben den allmächtigen Gott zum Vater.

Der ist reich und gütig. Hat er uns das weit Größere bereits gegeben, Vergebung aller Schuld, neues Leben und die ewige Seligkeit, so wird er auch das Geringere, was uns im Irdischen nötig ist, schenken.

Wir sind geborgen in der Fürsorge des allmächtigen Gottes.

1. Unser HERR segnet das wenige Brot, dass es viele satt macht.
2. Durch sein Wort rettet er alle, die daran glauben.

1. Gottes Wort zeigt uns: Wenn Christus das Brot segnet, so können wider Erwarten tausende davon satt werden

Der Evangelist berichtet: „Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten…“

Unser Blick fällt auf eine riesige Menschenmenge: Tausende waren weit hinaus in die unbewohnte Steppe gekommen, um Jesu Wort zu hören.

Matthäus berichtet über dasselbe Ereignis: Es „waren viertausend Mann, ausgenommen Frauen und Kinder“ (Matth. 15,38).

Sie waren gekommen, weil sie an Jesus glaubten, weil sie Worte des ewigen Lebens hören wollten und um Heilung für ihre Kranken baten.

Matthäus schreibt: Es kam eine große Menge zu ihm; die hatten bei sich Gelähmte, Verkrüppelte, Blinde, Stumme und viele andere Kranke und legten sie Jesus vor die Füße, und er heilte sie, so dass sich das Volk verwunderte, als sie sahen, dass die Stummen redeten, die Verkrüppelten gesund waren, die Gelähmten gingen, die Blinden sahen; und sie priesen den Gott Israels“ (Matth. 15,30.31).

Jesus erfüllte hier die alten Weissagungen, die sein Kommen ankündigen: Er tat an ihnen die Zeichen, die Gott durch die Propheten verkünden ließ, damit die Menschen ihn als den Heiland erkennen.

Denn so steht es geschrieben im Alten Testament: Wenn der Messias kommt: „Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden. Dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch, und die Zunge der Stummen wird frohlocken…“ (Jes. 35,5.6a).

Ein solches Zeichen war auch das Wunder der Speisung so vieler Menschen durch so wenig Nahrung, denn es ist ein Zeichen der göttlichen Allmacht und ein Beweis seiner barmherzigen Fürsorge.

In diesem Wort steht Christus auch vor uns als der rechte Helfer in aller Not – eben auch in irdischer Not.

Das Volk damals war in leibliche Not gekommen, weil es dem HERRn Christus nachgefolgt war.

Auch heute geschieht es, dass Christen in irdische Not kommen, weil sie im Glauben ihrem HERRn folgen und nach seinem Willen handeln –eben nicht lügen und betrügen und vielleicht gerade darum „zu nichts kommen“ wie man sagt. Vielleicht haben sie jemandem geholfen und sind betrogen worden.

Vielfältig sind die Umstände, die Gott an uns Christen zulässt und die für uns eine Not darstellen.

Aber Gott misst zu und legt uns nur so viel an Lasten auf, wie er es in seiner Weisheit für gut für uns hält.

Wir sind nicht einem blinden grausamen Schicksal ausgeliefert, sondern Not trifft uns nur in dem Maße, wie Gott es zulässt.

Und er misst sie nicht nur zu, sondern steht uns darin auch bei, wie es im Psalm heißt: „Gelobt sei der HERR täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch“ (Ps. 68,20).

Er versichert uns, wie er Tag und Nacht in seiner Treue über uns wacht und wie kein einziger Christ von ihm vergessen wird „Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge“ (Matth. 10,29ff.).

So erweist der große Gott in Christus auch hier sein treusorgendes Vaterherz, denn Jesus spricht: „Mich jammert das Volk, denn sie haben nun drei Tage bei mir ausgeharrt und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen“.

Die Jünger wussten keinen Rat: „Seine Jünger antworteten ihm: Wie kann sie jemand hier in der Wüste mit Brot sättigen?“

Christus weiß immer Rat!

Es geht ja auch uns mitunter so, dass wir in Not ganz ratlos fragen: Wie soll das weitergehen? Woher sollen wir etwas nehmen? Wer wird uns versorgen? Wann wird mir geholfen? Was wird nur werden?

Matthäus berichtet, wie die Jünger auch sagten: „Woher sollen wir soviel Brot nehmen in der Wüste, um eine so große Menge zu sättigen?“.

Eben das ist das Problem, dass wir wie die Jünger meinen, wir sollten Unmögliches vollbringen – und werden dann ganz mutlos, weil wir unsere Grenzen kennen! Dann werden uns unsere Grenzen und unsere Machtlosigkeit bewusst.

Doch es ist Gott der HERR, in dessen Hand wir sind, und „bei Gott ist kein Ding unmöglich“ (Jer. 32,17).

Unser Vater im Himmel ist mächtig. Auf ihn sollen wir unsere Zuversicht setzen, auf seine Güte sollen wir in jeder Lebenslage vertrauen.

Denn: „Wo der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die dran bauen. Wo der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst“ (Ps. 127,1).

Darum sollen wir dies fest in unsere Herzen fassen: Wenn der gnädige Gott uns aus der viel größeren Not befreit hat, aus der Not der Gottesfeindschaft und des ewigen Verderbens, so ist es ihm ein Geringes, uns aus jeder anderen Bedrängnis zu retten!

Lehrt uns das nicht der Apostel Paulus? – wenn er schreibt: „Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ (Röm. 8,32).

Gott hat uns mit sich versöhnt und uns zu Erben seines himmlischen Reiches gemacht.

Sollte er uns dann nicht auch im Irdischen versorgen, uns aus Lebensnöten befreien können und uns in jeder erdenklichen Lage beistehen – wo er dies doch auch noch zugesagt hat?

Freilich lässt er auf uns auch Not liegen, erprobt uns im Glauben, lässt uns Geduld lernen und hilft uns mitunter nicht auf die Weise oder in der Zeitspanne, wie wir es uns wünschen.

Doch weil er uns seine treusorgende Liebe in seinem Sohn erwiesen hat, so wollen wir auch darin sicher sein, dass wir ihm wie nichts anderes am Herzen liegen und er das Kreuz uns zugute auflegt.

Auch dem Apostel Paulus hatte Gott ein schweres Kreuz auferlegt und oft hat Paulus darunter geseufzt und gefleht, Gott möge es ihm abnehmen.

Paulus schreibt: Er (Jesus) hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne“ (2.Kor 12,9).

Darum ist es das Beste für dich und mich das zu tun, was wir im Neuen Testament lesen: „So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit“ (1.Petr. 5,6).

Ja, das ist, als ob wir uns mit geschlossenen Augen in die Arme eines anderen Menschen fallen lassen würden – und darauf vertrauen, dass wir auch wirklich aufgefangen werden.

Kinder tun das! Sie tun das dann, wenn sie lieben und demjenigen vertrauen, dann lassen sie sich einfach fallen.

Wir haben allen Grund, unserem Gott und Vater von ganzem Herzen zu vertrauen, denn er hat uns lieb wie keiner uns sonst lieb hat.

Ja, es ist das Sicherste, dass wir uns in Jesu Arme fallen lassen und wissen: Er hat nur Gutes mit uns im Sinn!

Und vor allem hat er große Macht und unzählige Möglichkeiten.

Und das Beste daran ist: Diese seine Macht und all seine Weisheit setzt er ein für seine lieben Kinder. Durch den Glauben an Christus bist du Gottes geliebtes Kind!

Damit dein Vertrauen gestärkt wird, gibt es solche Berichte wie den, der unser Predigttext ist!

Beispielhaft hat Jesus in der Wüste gehandelt: „Und er fragte sie: Wieviel Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte und brach sie und gab sie seinen Jüngern, damit sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. Und sie hatten auch einige Fische, und er dankte und ließ auch diese austeilen. Sie aßen aber und wurden satt und sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. Und es waren etwa viertausend; und er ließ sie gehen“.

Einst sprach Jonathan Worte, die auch hier zutreffen: „Es ist dem HERRn nicht schwer durch viel oder wenig zu helfen“ (1.Sam. 14,6).

Wir sehen also hier zweierlei Trost: Christus speist die Seele mit seinem Wort und den Körper mit Brot.

Dies alles nach dem Wort: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, so wird euch das andere zufallen“ (Matth. 6,33).

Gott kennt auch deine Not! Er sorgt auch für dich!

Er wird uns alle versorgen und uns aus allerlei irdischer Not helfen, wenn es gut für uns ist – nach seinem Rat und Willen.

So können wir ganz getrost sein, weil wir geborgen sind in der Fürsorge des allmächtigen Gottes, denn unser HERR segnet das Brot, so dass es viele satt macht.

2. Durch sein Wort rettet er alle, die daran glauben

Wie bei der Speisung der 4.000 so ist es ja auch mit dem Wort Gottes: Es erscheint unserem Verstand unscheinbar und kraftlos.

Jesus hilft an Leib und Seele!

Die Menschen waren in die Einöde gekommen.

Es gibt aber eine noch viel grausamere Wüste: die Einöde der Gottesferne, die Wüste des Unglaubens und Götzendienstes.

Jesu Speisungswunder ist ein Fingerzeig auf den Heiland der Sünder, der aus der geistlichen Einöde, ja aus dem geistlichen Tod führt!

So steht beim Propheten Jesaja von dieser geistlichen Wüste geschrieben: „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben” (Jes. 55,1f).

So spricht der kommende Messias durch den Propheten.

Der gekommene Messias hat diese seine Zusagen erfüllt und spricht: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt” (Joh. 6,51).

Und so hat der Heiland sich selbst geopfert für unsere Sünden, „nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.” (1.Joh. 2,2).

Durch den Glauben an ihn empfangen wir Anteil an seinem Opfer und werden reingewaschen durch sein Blut von allen Sünden (1.Joh. 1,7).

Es ist ein unscheinbares Wort, zu ärmlich für unsere Vernunft – und doch macht es reich, macht selig, zeigt uns den offenen Himmel und trägt durch die dunkle Nacht des Todes in die ewige Herrlichkeit unseres himmlischen Vaters!

So sollen wir unseren von Sünde verödeten Verstand unter Gottes Wort zwingen und sprechen: „Es ist dem HERRn nicht schwer durch viel oder wenig zu helfen” (1.Sam. 14,6).

Denn unser HERR hat alle göttliche Kraft. Er führt all seine Gläubigen mit großer Macht und Herrlichkeit am Ende in die himmlischen Wohnungen.

Was auch geschehen mag: „Ich bin überzeugt, dass die Leiden dieser Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll“ (Röm. 8,18).

Dort werden wir jubeln und jauchzen in ewigem Glück – auch wenn wir noch durch den Abgrund des Todes wandern müssen.

Der Sohn Gottes spricht: „Wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, hat das ewige Leben; und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage” (Joh. 6,40).

Was aber unser irdisches Auskommen betrifft, wollen wir Jesu Wort hören: Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“ (Matth. 6,32ff.). Amen.

Pfr. Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden