Predigt für den 8. Sonntag nach Trinitatis

Predigt am 8. Sonntag nach Trinitatis
über Römer 8,18

Predigttext: „Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

Herzlich geliebte Gemeinde!

Der Predigtvers spricht von drei Tatsachen:

1. die Leiden dieser Zeit
2. dass sie gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit nicht ins Gewicht fallen
3. dass diese Herrlichkeit erst noch offenbart wird

Alles, was der Apostel Paulus hier schreibt, ist ihm vom Heiligen Geist eingegeben – wie er selbst bezeugt: „Wir reden nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt.“ (1.Kor. 2,13).

Es ist also Wahrheit Gottes, was Paulus sagt! -auch wenn es so klingt. als sei es nur seine persönliche Meinung: „Denn ich bin überzeugt…“.

Das ist eine aus dem rechten Glauben folgende Überzeugung und heißt soviel wie: Weil Gottes Verheißung von der zukünftigen Herrlichkeit fest und gewiss ist, bin ich durch Gottes Geist im Glauben überzeugt, dass dieser Herrlichkeit gegenüber die Leiden dieser Zeit unerheblich sind – so sehr sie uns auch schmerzen mögen.

Paulus spricht: „Denn…“, darum müssen wir auf den vorherigen Vers achten: „Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.“ (Vers 17).

Da hat er vom Leiden der Christen gesprochen und gesagt, dass dies zum Christsein dazugehört.

Das aber sei kein Grund dafür, den Glauben aufzugeben, denn uns erwarte eine derart unvorstellbare Herrlichkeit, dass die Leiden dieser Zeit dagegen absolut belanglos werden.

Wer in den Urlaub fährt, nimmt so manche Strapaze auf sich, Hitze, Stau, genervte Autofahrer, eine lange Strecke – aber am Ziel erwartet die ganze Familie das Meer, Entspannung und viele Freuden.

So ist das oft im Menschenleben: Wir müssen manches in Kauf nehmen, um etwas lange Gewünschtes zu bekommen.

Vom Allerwichtisgten, nämlich von der Bewahrung vor dem ewigen Verderben und dem Eingang in die ewige Seligkeit im Himmel, sagt uns der Lehrer des Wort Gottes, der Apostel: „Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“

Was meint er mit den „Leiden dieser Zeit“?

Leiden gibt es in mehrfacher Hinsicht für Christen:

a) Da sind die ständigen Angriffe des Teufels, die Versuchung zum Bösen. Es ist sein Ziel, uns zur Sünde zu verführen, uns damit zu binden und schließlich auf diese Weise von Christus loszureißen.

Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben…“ (1.Petr. 5,8).

Da sagt Gottes Wort: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens…“

b) Dazu gehört der Kampf mit sich selbst, den jeder Christ auszufechten hat: Das alte gottlose Wesen ist in unseren Herzen noch nicht ganz ausgelöscht. Auch aus unseren Herzen kommen noch viele „böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung.“ (Matth. 15,19).

Der Apostel spricht: „Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ (Röm. 7,18f.).

Das ist auch ein Kampf voller leiden, denn darin muss man sich selbst weh tun.

c) Dazu kommt als „Leiden dieser Zeit“ die Gottlosigkeit und Sünde die uns umgeben. Da ergeht es uns wie dem Lot, der in Sodom lebte, wo sich die Leute homosexueller und anderer Unzucht ergeben hatten. Petrus schreibt von ihm: „Lot, … dem die schändlichen Leute viel Leid antaten mit ihrem ausschweifenden Leben. Denn der Gerechte, der unter ihnen wohnte, musste alles mit ansehen und anhören und seine gerechte Seele von Tag zu Tag quälen lassen durch ihre bösen Werke.“ (2.Petr. 2,7).

Gott spricht: „Die Sünde ist der Leute Verderben!“ (Spr. 14,34).

Als Lot vor dem kommenden Untergang der Stadt Sodom fliehen sollte, da weigerten sich seine Schwiegersöhne mitzugehen.

Das sind auch solche „Leiden dieser Zeit, wenn geliebte Menschen den Weg Gottes nicht mitgehen wollen und in ihr ewiges Verderben laufen.

Aber auch wenn Menschen, die uns nahstehen, ganz gottlos sind oder wenn Freunde falscher, seelenverderblicher Lehre anhängen oder wenn Verwandte vom Glauben und von der rechten Lehre abfallen.

Christus spricht: „Es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen.“ (Matth. 24,11).

Das alles quält das Herz eines Kindes Gottes sehr.

d) Aber auch die vielfältige Ungerechtigkeit in dieser Welt, dass Menschen verhungern, obwohl es doch genügend Nahrungsmittel gibt, dass so viele an Krankheiten leiden, denen man mit etwas Geld leicht abhelfen könnte oder dass es so viel Krieg und Mord gibt…

Auch das zählt zu solchem Leiden, denn Christus eröffnet uns für die letzte Zeit dieser Welt: „Weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.“ (Matth. 24,12).

e) Nicht zu vergessen sind die Folgen des Sündenfalles am eigenen Leib: Krankheit, Hinfälligkeit, zunehmende Schwachheit, geistig und körperlich…

Der Apostel spricht: „ Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit…“ (Röm. 8,20a).

Niemand kann etwas dagegen tun, dass alles vergeht, dass das Leben so flüchtig ist, und dass er vor allem die schönen Dinge und das Glück nicht festhalten kann.

Paulus nennt diese vielfältige Not „Leiden dieser Zeit“. Damit ist gesagt, dass sie ein Ende haben. Sie sind zeitlich und werden einmal ganz und gar verschwunden sein, in Gottes ewigem Himmelreich!

Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (Offbg. 21,4).

Es bleibt uns Christen also in all dem der Trost, dass kein einziges Leiden ohne Ende ist. Vielmehr lehrt uns Gott: „Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; denn das Lamm mitten auf dem Thron [damit ist Christus gemeint] wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“ (Offbg. 7,16f.).

2.

Nun aber spricht Paulus weiter: „Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“

Die Leiden, die wir hier erdulden müssen, sind demnach nicht zu vergleichen mit der Herrlichkeit, die wir im Himmel erleben werden!

Wenn man die Leiden dieser Zeit in eine und die zukünftige Herrlichkeit in eine andere Waagschale wirft, so wiegen die Leiden viel weniger als das, was uns in der ewigen Seligkeit im Himmelreich erwartet!

Die Leiden dieser Zeit sind wie ein Wassertropfen gegenüber dem Meer des Glückes und der Freude, mit der uns Christus im Himmel beschenken wird!

So sollst du, lieber Christ, all die Leiden ansehen, die durch den Sündenfall in diese Welt gekommen sind, die dich bedrücken und die dein Gott an dir zulässt.

So manche Glückseligkeit aus Gottes himmlischen Schatzkammern lässt uns die Leiden dieser Zeit erträglicher werden.

Zum Beispiel die Anfechtung. Sie ist nichts Gutes. Der Teufel gebraucht sie, um uns aus den Retterarmen Jesu zu reißen.

Aber unser treuer Gott greift hier ein. Es gibt nichts, was wir erleben, erleiden oder erdulden müssen, was unser Vater im Himmel nicht vorher geprüft hat, ob wir es auch ertragen können.

Er setzt auch dem Teufel Grenzen, das sehen wir an Hiobs Geschichte.

Aber Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr’s ertragen könnt. (1.Kor. 10,13).

Warum aber verhindert Gott nicht grundsätzlich alles Leiden an seinen Kindern? –warum lässt er es zu und macht, dass auch Christen unter einer solchen Last stöhnen und weinen? – wo sie doch seine geliebten Kinder sind?

Gottes Wort spricht: „Anfechtung lehrt aufs Wort merken“ (Jes. 28,19), auf Gottes Wort zu hören und sich daran zu trösten.

So hat es schon seinen Sinn, dass unser himmlischer Vater uns nicht alle Anfechtung erspart, sondern sie als ein Mittel benutzt, um uns die Lust und Liebe zu seinem Wort zu vermehren und um uns im Glauben stärker zu machen, aber auch unser Bitten und Flehen zu stärken.

Leiden dienen dazu, dass wir den rechten Nothelfer niemals aus den Augen verlieren.

Wenn es uns zu gut geht, vergessen wir Gott schnell und vernachlässigen unsere Seele.

Mit Leiden, die Gott an uns zulässt, zieht er uns von Sünde und Bösem weg und hin zum Guten – wie auch treue Eltern ihre Kinder züchtigen und zum Guten hinziehen.

Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch“ (Ps. 68,20).

Das Kind Gottes antwortet mit dem Psalmvers: „Ehe ich gedemütigt ward, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort“ (Ps. 119,67).

Am Beispiel der Anfechtung erkennen wir, wie unser treuer Gott und Heiland aus Minus Plus macht, wie er uns in Liebe hält und trägt und in seiner Güte immer unsere Errettung in die Seligkeit zum Ziel hat.

Achte, lieber Christ, darauf, was Gott dich lehrt: „Ihr werdet aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, …Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird…“ (1.Petr. 1,5-7).

Gott macht uns die Leiden dieser Zeit erträglicher, indem er uns beisteht, in seinem Wort zu uns spricht und uns die herrliche Verheißung des ewigen Lebens gibt: „Dass alle, die an Christus glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Joh. 3,16).

3.

Davon dürfen wir schon hier einen Vorgeschmack haben!

Denn schon wenn wir das Evangelium von unserem Heiland Jesus Christus hören, werden uns Herzen weit und fröhlich.

Gottes Wort ist so kräftig, dass wir mitten in der Not mit dem Propheten Jeremia sprechen: „Erhalte uns dein Wort, wenn wir’s kriegen; und dasselbe, dein Wort ist unseres Herzens Freude und Trost; denn wir sind ja nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth“ (Jer. 15,16).

Da lässt uns Gott mitten in Angst und Leid sehen und schmecken, wie freundlich er uns ist, wie lieb er uns hat und wie reich sein Trost ist.

So dass wir rufen: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil!“ (Ps. 73,25).

Ja, gerade wenn wir unter den „Leiden dieser Zeit“ seufzen, so lässt Gott uns erfahren: „Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.“ (2.Kor. 5,7).

Aber einst werden wir all seine Herrlichkeit sehen, darin leben und Gott unseren Schöpfer und Erlöser schauen von Angesicht zu Angesicht.

Das wird unsere höchste Freude sein!

Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.“ (Kol. 3,4).

Wir werden Christus sehen, ihn leiblich umfangen und er wird uns trösten; unser Mund wird dann voll Lachens sein und mit unserem Herz und Mund werden wir ihn loben und preisen in Ewigkeit (Ps. 126).

Darum spricht Paulus von den Leiden dieser Zeit, dass sie „nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll, die dort im Himmel an uns greifbare Wirklichkeit sein wird.

So lässt uns unser barmherziger himmlischer Vater in dieser Welt durch den Glauben schon Strahlen dieses Morgenglanzes der Ewigkeit sehen.

Und der Heilige Geist erinnert uns schon hier immerzu, dass wir hier keine bleibende Stätte haben, und „wie Gott uns hab’ erbauet eine edle schöne Stadt, da Aug und Herze schauet, was es geglaubet hat“.

So zeigt uns der Geist Gottes in Stunden der Trübsal die Dächer und Türme dieser Stadt von Ferne, damit wir unsere Hoffnung darauf richten und uns dorthin sehnen.

Ja „die Leiden dieser Zeit“ dienen eben vor allem auch dazu, dass wir diese Welt immer mehr verleugnen und uns in die himmlische Heimat sehnen.

Diese Heimat hat der HERR Christus uns zum ewigen Erbe erworben, indem er unsere Sündenschuld auf sich genommen und dafür gebüßt und uns so mit Gott versöhnt hat.

Nun sind wir Gottes Kinder durch den Glauben an Christus Jesus (Gal. 3,28) und Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.“ (Röm. 8,17).

Darum sollen wir immer dann, wenn die „Leiden dieser Zeit“ uns seufzen machen, an unsere himmlische Heimat denken und sagen: „Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Amen.

Ach Herr, mein schönstes Gut, wie wird sich all mein Blut in allen Adern freuen und auf das Neu erneuen, wenn du mir wirst mit Lachen die Himmelstür aufmachen. Amen.

Martin Blechschmidt, Pfr.
Runkel-Steeden