Predigt für den 19. Sonntag nach Trinitatis

Predigt über Lukas 14,16-24

Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit! Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Denn ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.

Im Namen unseres Herrn Jesus Christus, liebe Brüder und Schwestern!

Nicht nur hier in unserem Text vergleicht Gottes Wort das Reich Christi mit einem Gastmahl, denn schon im Alten Testament lesen wir: „Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden” (Ps. 22,27).

Jedoch hat dieses Gastmahl nichts mit leiblicher Sättigung zu tun, denn wir hören ja auch: „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist.” (Röm. 14,17).

Vielmehr geht es um den großen Hunger der Seelen aller Sünder.

Diesen Hunger spürt der Mensch irgendwie in sich und versucht diesen Mangel mit allerlei Irdischem auszufüllen.

Was er dabei nicht erkennt, muss Gott ihm durch sein Wort deutlich machen: „Du sprichst: Ich bin reich und habe gar satt und bedarf nichts, und weißt nicht, dass du bist elend und jämmerlich, arm, blind und bloß” (Offbg. 3,17).

Es ist die Armut vor Gott, die Unzulänglichkeit, die Last der Sünde, das grundsätzliche Verderben, das den Menschen so arm macht: „Denn es ist hier kein Unterschied; sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den sie bei Gott haben sollten…” (Röm. 3,23).

Gott der HERR aber will diesen Mangel ausfüllen und hat darum seine Gnade, seine Vergebung, seine himmlischen Schätze greifbar in diese Welt gestellt.

Er lässt davon predigen und will durch dieses Verkünden in den Menschen Zutrauen erwecken, dass sie seinem Wort glauben; und sich durch den Glauben Vergebung, Leben und Rettung vor dem ewigen Verderben aneignen.

Wer sich jedoch gar nicht als Sünder erkennt, wer über Gottes Urteil lacht und, statt sich demütig darunter zu beugen, auf sich selbst und sein weitgehend unanstößiges Leben verweist, schließt sich selbst von der Vergebung der Sünden und damit auch vom ewigen Leben aus.

Diese Leute sehen nicht, in welch großer Gefahr sie sich befinden; darum sind ihnen irdische Dinge wichtiger als das Heil ihrer Seele.

Von solchen spricht Jesus in diesem Gleichnis und beginnt mit den Worten: „Er aber sprach zu ihm: …”.

Zu wem sprach er und wo?

Jesus kam „in das Haus eines Oberen der Pharisäer …, das Brot zu essen, und sie belauerten ihn” (Luk. 14,1).

In diese Runde war ein Kranker hereingeplatzt, ein Wassersüchtiger (Luk. 14,2-5).

Der kranke Mann hatte Jesus gesucht, denn er glaubte an ihn und wollte geheilt werden.

Den edlen Gästen war der unverhoffte Besuch sehr unangenehm.

Aber wie der HERR Christus immer Zeit hat für die Seinen, die an ihn glauben, und sich ihrer annimmt, so auch hier: Der Wassersüchtige wurde heil.

Nun wandte sich Jesus an die Tischrunde.

Als er sah, wie sich die Gäste, äußerlich immer zuvorkommend, um die Ehrenplätze rangelten, nahm er dies zum Anlass, ihnen ihre Stellung vor Gott deutlich zu machen: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.” (Luk. 14,11).

Das alles war dem Gastgeber sehr unangenehm.

Er war ein Pharisäer und dachte sehr selbstgerecht.

Über Elende und Kranke stand das Urteil der Pharisäer fest: Sie sind besonders große Sünder, darum hat Gott sie mit Krankheit gestraft.

Einer der Tischgäste ergriff das Wort, um die peinliche Lage zu beenden: „Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes!” (Luk. 14,15).

Damit deutete er den Vorrang solch frommer Leute an, wie sein Gastgeber und er selbst es waren.

Aber Jesus lässt sich nicht beirren.

Er erzählt gerade darum das Gleichnis vom großen Abendessen.

Er schildert darin die nimmermüde Liebe Gottes und wie die Menschen darauf reagieren.

Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit!”

Der einladende Gastgeber im Gleichnis ist Gott der HERR.

Der Ruf zum großen Abendessen ist die Einladung in sein Reich, und zwar die Einladung des Barmherzigen, der sich über Sünder erbarmt und sie vor der ewigen Verdammnis retten will.

Die kostbaren Speisen sind die geistlichen Schätze, Vergebung der Sünden, Leben im Frieden mit Gott und die Seligkeit im ewigen Leben.

Die zuerst Geladenen sind die vom alten Volk Israel, zu denen Gott seine Boten gesandt hat, die Propheten. des Alten Testamentes.

Wir erinnern uns daran, wie Jesus beim Anblick Jerusalems sprach: „Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt!” (Matth. 23,37).

Mit anderen Worten: „Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden” (Ps. 22,27).

Aber Israel erkannte sein Elend nicht.

Dies beschreibt Jesus mit folgenden Worten: „Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen”.

Der Erste wollte den Acker nicht etwa erst kaufen, sondern den neuen Besitz lediglich genüsslich betrachten.

Ebenso der Zweite, der seine neu erworbenen Ochsen wohlwollend und prüfend in Augenschein nehmen wollte.

Der Dritte sagt, sein Partner sei der Hinderungsgrund, er könne um seiner Frau willen der Einladung nicht folgen.

So war es um Israel bestellt, als der Heiland gekommen war.

Einmal wollten sie ihn zwar zum König machen, weil er ihnen durch ein Wunder ausreichend zu essen gegeben hatte.

Aber als er ihnen das verwehrte und sagte, sein Reich sei nicht von dieser Welt, begannen sie ihn zu verachten.

Sie wollten einen Heiland, der ihre irdischen Wünsche erfüllte, keinen solchen wie Jesus.

Darum verwarfen sie ihn und verhöhnten auch seine Apostel.

Hier besteht zwischen Israel und allen anderen Menschen kein Unterschied.

Wer sich nicht unter Gottes Urteil beugt, wer sich also nicht als ganz elenden verlorenen Sünder erkennt, dem ist Gottes Gnade, Gottes Vergebung der Sünden gar nichts wert.

Hören solche die Predigt von Gottes geistlichen Gütern, so spotten sie, denn irdische Schätze sind ihnen lieber.

Darum lehrt Gottes Wort: „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist.” (Röm. 14,17).

Ein Beispiel für Spott einerseits und große Freude über die Frohe Botschaft von der Gnade Gottes andererseits lesen wir in der Apostelgeschichte: „Am folgenden Sabbat aber kam zusammen fast die ganze Stadt, das Wort Gottes zu hören. Da aber die Juden das Volk sahen wurden sie voll Neides und widersprachen dem, was von Paulus gesagt ward, widersprachen und lästerten. Paulus aber und Barnabas sprachen frei öffentlich: Euch musste zuerst das Wort Gottes gesagt werden; nun ihr es aber von euch stoßet und achtet euch selbst nicht wert des ewigen Lebens, siehe, so wenden wir uns zu den Heiden. Denn also hat uns der HERR geboten: Ich habe dich den Heiden zum Licht gesetzt, dass du das Heil seiest bis an das Ende der Erde.

Da es aber die Heiden hörten, wurden sie froh und priesen das Wort des HERRN, und wurden gläubig, … Und das Wort des HERRN ward ausgebreitet durch die ganze Gegend” (Apg. 13,44-48).

Das waren Elende, die durch Gottes Wort ihr Elend erkannt hatten und sich demütig unter Gottes Urteil beugten.

Sie wurden reich beschenkt und froh durch Gottes Gnadenwort.

Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden!”

Mitten in dieser erbarmungslosen, gottfernen Welt ist ein einziger Ort zu finden, wo alle elenden, verlorenen Sünder sich mit Gerechtigkeit vor Gott, mit Friede durch den Heiland und mit einer allen Traurigkeiten trotzenden Freude beschenken lassen können.

Es ist das Kreuz, an dem der Sohn Gottes hing, wo er nicht eigene, sondern unsere Schuld gebüßt hat.

Sein Ruf ist noch nicht verstummt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken!” (Matth. 11,28).

Kommt, denn es ist alles bereit!”, so ruft der ausgesandte Knecht Gottes im Gleichnis.

Sobald ein Mensch Gottes Wort vernimmt, dass Gott ihn lieb hat und darum nicht sein Verderben will, sondern dass er sich bekehre und ewig lebe, hört dieser Mensch den Ruf: „Komm, denn es ist alles bereit!”.

Da heißt es: „Seht, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils.” (2.Kor. 6,2) „Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht!” (Hebr. 3,7.8).

Keiner weiß, wie oft er noch Gottes Einladung hören darf: „Wohlan, alle die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser, und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst; kommt her, und kauft ohne Geld und umsonst, beides Wein und Milch!” (Jes. 55,1).

In seiner Gnade ruft Gott, auch uns.

Aber auch in uns findet sich noch ein gehöriges Stück des alten Menschen, des selbstgerechten Pharisäers.

Wir sind Kinder Gottes durch den Glauben an Jesus Christus (Gal. 3,26).

Gerade dies macht uns in den Augen des Teufels zum „Objekt der Begierde”: Es ist ihm ein Dorn im Auge, dass wir im Glauben an unseren Heiland seiner Gewalt entrissen und Erben des ewigen Lebens sind.

Darum drängt er und will auch unser Herz wieder losreißen von Gott und Gottes Wort.

Er versucht, unseren Sinn wieder mehr auf das Irdische zu lenken.

Es wäre ihm eine große Freude, würde es von uns Christen nun auch wieder heißen: „Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen”.

Ja, das würde den Feind Gotte sehr freuen!

Da versucht und lockt der Teufel uns von Gott und Gottes Wort weg, dass wir es versäumen, also gar nicht erst unter Gottes Wort kommen; oder wir kommen und hören Gottes Wort unaufmerksam und oberflächlich.

Er probiert es auch mit irdischem Gut: Damals wie heute kann das ein „Acker”, d.h. ein Grundstück sein oder auch die Sorge und Mühe mit vorhandenem Reichtum, die also dem gleichen, der fünf Ochsengespanne zur Bestellung seiner Äcker benötigt.

Nicht selten ist es auch der Partner, um dessentwillen einer Gottes Wort versäumt.

Wie schnell können irdische Dinge unsere Herzen einnehmen!

Auch wir wissen nicht, wie oft wir die Gnadenworte Gottes noch hören dürfen.

Darum: „Stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes” (Röm. 12,2).

Im Gleichnis sind die zuerst Geladenen die vom alten Volk Israel.

In ihrer Mehrheit lehnen die Juden den HERRn Christus ab und wollen seine Gnadenschätze nicht genießen.

Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein.”

Das sind die von den Selbstgerechten Verachteten.

Sie kommen, denn sie haben erkannt, dass ihnen der Ruhm fehlt, den sie vor Gott haben sollten, nämlich dass sie vor Gott elend und arm sind.

Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde.”

Zuletzt lässt er also die Ärmsten der Armen, die Landstreicher und Obdachlosen, hereinführen – für die Pharisäer der Abschaum der Menschheit.

Gerade sie ließ der Hausherr nötigen, hereinzukommen; sie sollten die Plätze füllen, die von den zuerst Geladenen verschmäht wurden.

In Israel waren es nicht die Oberen, nicht die Angesehenen, sondern wirklich Arme, Kranke, Verachtete, die den Heiland lieb gewannen, seine Stimme hörten und ihm gern nachfolgten.

Ist es heute nicht ähnlich?

Ist es nicht so, wie der Apostel an die Korinther schreibt: „Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen. Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt… und was schwach ist… und das Geringe… und das Verachtete hat Gott erwählt, damit er zunichte mache, was etwas ist.” (1.Kor. 1,26-28).

Die Krüppel und Obdachlosen in Jesu Gleichnis musste der Knecht nicht zweimal bitten; sie ließen sich die hohe Ehre gern gefallen, kamen und labten sich an den Köstlichkeiten.

Wie gut, dass wir aus Jesu Mund dieses Wesen Gottes hören!

Wenn wir uns als elende Sünder erkennen, wenn wir unseren Mangel, unsere Schwächen und geistliche Krankheit spüren – er ist es, der uns reich bewirtet!

Keiner braucht sich zu schämen!

Wärst du auch innerlich so schmutzig wie ein Obdachloser oder Stadtstreicher es außen ist: Dennoch bist du ihm willkommen!

Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes” (Luk. 13,29).

Lieber HERR, lass auch uns dabei sein, dass wir uns vom Teufel nicht von dir und deinem Wort losreißen lassen! Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden