Predigt für den Reformationstag

Predigt am Reformationstag
über Galater 3,18.21.22

Denn so das Erbe durch das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben. Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenkt.

Wie? Ist denn das Gesetz wider Gottes Verheißungen? Das sei ferne! Wenn aber ein Gesetz gegeben wäre, das da könnte lebendig machen, so käme die Gerechtigkeit wahrhaftig aus dem Gesetze.

Aber die Schrift hat es alles beschlossen unter die Sünde, auf dass die Verheißung käme durch den Glauben an Jesum Christum, gegeben denen, die da glauben.

Im Namen Jesu, herzlich geliebte Mitchristen!

Reformation, d.h. Erneuerung, Rückbesinnung.

Rückbesinnung ist für die Kirche in jeder Zeit notwendig – Rückbesinnung darauf, was Gott in seinem Wort lehrt.

Irrige Ansichten sollen mit Gottes Wort berichtigt, falsche Lehrer als solche erkannt und ihre Lehre verworfen werden.

Der klare, gerade Weg durch dieses Leben hindurch zum ewigen Leben soll deutlich verkündigt werden – ohne Zusätze und ohne Abstriche!

Wollen wir den Beginn der Reformation an einem bestimmten Datum festmachen, so ist das der 31. Oktober.

Luther hatte 95 Thesen gegen den Ablasshandel aufgestellt.

Damals sollte frisches Geld in die päpstlichen Kassen gespült werden, um den Bau des Petersdomes in Rom zu finanzieren.

Der Dominikanermönch Johann Tetzel verkaufte „Ablassbriefe“.

Darin wurde den Leuten Vergebung von Schuld zugesichert – kleine Sünden wenig Gulden, große Sünden kosteten mehr.

Luther forderte zur Diskussion gegen diesen lästerlichen Betrug auf und schlug 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg.

Am nächsten Tag, dem Festtag „Allerheiligen“, sollten es die Professoren und Studenten der Wittenberger Universität lesen.

Würden wir am 496. Gedenktag der Reformation nur zurückblicken und die geschichtlichen Ereignisse beleuchten, so würde das wenig nützen.

Ja, wir blicken dankbar zurück, denn das wiederentdeckte kostbare Evangelium von der Gnade Gottes in Jesus Christus ist durch Gottes barmherzige Fügung bis zu uns gedrungen und in unserer Mitte bis heute erhalten geblieben.

Aber wir wissen dabei auch, wie gefährdet diese trostvolle Lehre des Wortes Gottes zu allen Zeiten ist.

Der Teufel sucht beständig Gottes Gnadenwort zu verdunkeln und zu zerstören.

So wie Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, so sucht der Teufel die Menschen in seinem Reich zu halten, ihnen die Worte Gottes aus dem Blickfeld zu rücken und die Christusgläubigen von ihrem Heiland abzuwenden.

Sprechen wir heute von Reformation, so heißt das: Es geht um Gottes Ehre und um das ewige Heil der Menschen.

Die Kernfrage Luthers war: Wie kriege ich einen gnädigen Gott?

Das ist die Hauptfrage geblieben, selbst wenn sie anders formuliert wird:

Gibt es ein glückliches Leben nach dem Tod, wenn ja, wie komme ich dahin?

Wenn es Gott gibt und ich mich vor seinem Gericht verantworten muss, wie kann ich bestehen?

Doch tief im Menschen steckt ein gewaltiger Irrtum. Es ist der Irrtum der Pharisäer: Er meint, wenn er sich ordentlich verhält, nicht stiehlt, nicht hurt, wenn er nach den 10 Geboten, nach Gottes Gesetz lebt, so müsse Gott ihn annehmen.

Diesem Irrtum tritt der Apostel entgegen: „Wenn das Erbe durch das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben; Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenkt.“

Er nennt hier das ewige Leben in Gottes Herrlichkeit „Erbe“: Wenn das Erbe durch das Gesetz erworben würde…“

Durch das Gesetz“ – d.h. durch Bemühungen nach dem Gesetz, nach den Geboten Gottes oder nach anderen frommen Vorschriften.

Das Erbe, die ewige Seligkeit, wird nicht erworben durch eigene Mühe.

Wenn das Erbe durch das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben…“

Fragt ein Mensch, wie er denn selig werden kann, so antwortet die Bibel: Keineswegs durch das Halten des Gesetzes! – nicht durch die Werke des Gesetzes, die du verrichtest!

An anderer Stelle lesen wir ähnliches: Denn wenn die vom Gesetz Erben sind, dann ist der Glaube nichts und die Verheißung ist dahin.“ (Röm. 4,14).

Auch hier wird „Gesetz“ und „Verheißung“ gegeneinander gestellt.

Verheißung“ d.i. ein Versprechen, eine Zusage Gottes.

Gesetz“ und „Verheißung“. Das sind zwei verschiedene Dinge: „verheißen“ ist etwas anderes als „fordern“, „schenken“ ist etwas anderes als „empfangen“.

Das Gesetz fordert von uns vollkommen gutes Handeln.

In der Verheißung oder Zusage, Gott wolle uns den Heiland senden, den Erlöser, bietet Gott uns seine Wohltaten an.

Was hatte der Apostel geschrieben?

Wenn das Erbe durch das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben; Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenkt.“

In sehr alter Zeit schon hat Gott seine Gnade, die Vergebung der Sünden, die ewige Seligkeit dem Abraham durch seine göttliche Zusage frei geschenkt.

Denn damals hat Gott der HERR wiederholt den Heiland verheißen und dem Abraham gesagt: „Durch deinen Nachkommen [Samen] sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden“ (1.Mose 22,18).

Indem der Apostel darauf verweist sagt er: Daran hat sich bis heute nichts geändert!

Fragt ein Sünder, wie er einen gnädigen Gott haben kann, wie er im Gericht bestehen und selig werden kann, so gibt es keine neue, sondern dieselbe herrliche Antwort, wie schon Abraham sie erhalten hat: So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“ (Röm. 3,28).

Wenn die Christen, wenn sich die Kirche immer und immer wieder darauf zurückbesinnt, irrige Vorstellungen gemäß dem Wort Gottes berichtigt, falsche Lehrer enttarnt und den bange fragenden Herzen die Gnadenbotschaft Gottes zuruft, so ist das die rechte Reformation – und das rechte Gedenken an den Thesenanschlag Luthers.

So lehrt der Apostel: „damit ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird“ (Phil. 3,9).

Wenn aber ein Gesetz gegeben wäre, das lebendig machen könnte, so käme die Gerechtigkeit wirklich aus dem Gesetz.” (Gal. 3,21).

Kein Gesetz, es sei von Gott oder von Oberen in der Kirche, kann lebendig machen.

Das Gesetz tötet. Die Werke, die ein Mensch nach dem Gesetz tut, versöhnen mich nicht mit Gott, sondern stellen mich als einen unvollkommenen Menschen und Sünder dar.

Kann aber nicht einmal das göttliche heilige Gesetz lebendig machen, wie könnten es die Regeln und Ordnungen tun, die etliche in den Gemeinden aufgerichtet haben?

So zeigt uns also das Gesetz, dass wir geistlich tot sind und predigt Gottes Zorn und Strafe über jeden, der es übertritt.

Gott hat sein Gesetz nicht gegeben, dass der Mensch durch das Halten des Gesetzes Gott recht wird, d.h. “Gerechtigkeit vor Gott erlangt”.

Nie, zu keiner Zeit, hatte Gott dem Gesetz die Aufgabe zugedacht, dass der Sünder durch sein eigenes Bemühen dadurch rein und heilig wird.

Nicht einmal ein solch großer Glaubensmann wie Abraham konnte sich Gottes Gnade und den Himmel durch das Halten des Gesetzes verdienen: “Ist Abraham durch die Werke gerecht, so hat er wohl Ruhm, aber nicht vor Gott. Was sagt denn die Schrift? Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet” (Röm. 4,2.3).

Ja, “Gott hat das Erbe [des ewigen Lebens] Abraham aus Verheißung frei geschenkt”, schreibt Paulus.

Der Glaube erfasst diese göttliche Verheißung und Zusage und ergreift damit Christus, Christi Opfer, Christi Gehorsam und hat damit aus lauter Gnade einen gnädigen Gott.

Denn „Christus hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns, … damit der Segen Abrahams unter die Heiden komme in Christus Jesus” (Gal. 3,13.14).

Darum schreibt der Apostel: „…damit die Verheißung durch den Glauben an Jesus Christus gegeben würde denen, die glauben.“ (Gal. 3,22). Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden