Lesepredigt am 21. Sonntag nach Trinitatis

Predigt am 21. Sonntag nach Trinitatis
über Matthäus 13,44-46

Abermal ist gleich das Himmelreich einem verborgenen Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand und verbarg ihn und ging hin vor Freuden über denselbigen und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker.
Abermal ist gleich das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte.
Und da er eine köstliche Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte dieselbige.

Liebe Gemeinde, im Namen Jesu Christi, unseres Heilandes!

Im Evangelium spricht Christus von den Zeichen, die dem letzten Tag dieser Welt und damit dem Jüngsten Gericht vorausgehen.

Es kommt dabei für jeden einzelnen darauf an, dass er diesem Tag und dem Gericht so entgegengeht, dass er davor keine Angst haben muss.

Nicht erst an diesem letzten Tag der Welt und im Jüngsten Gericht entscheidet sich sein ewiges Schicksal, sondern hier in seinem Leben.

Ob ein Mensch in den Himmel, in die ewige Seligkeit Gottes gelangt oder ob Gott ihn in Ewigkeit verdammen wird, hängt davon ab, ob er in seinem Leben hier Jesus Christus als seinen Erlöser erkannt und im Glauben fest an ihm gehangen hat .

So spricht Christus: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie … den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen“ (Joh. 17,3)… „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen“ (Joh. 5,24).

Christi Wort hören und dem Wort glauben – darauf kommt es an!

Denn der barmherzige Gott sammelt sich in dieser Welt durch das Wort vom Kreuz, durch das heilige Evangelium, eine Schar der Geretteten.

Die Frohe Botschaft, dass ein jeder Sünder vor dem ewigen Verderben gerettet wird durch den Glauben an den, der ihn durch sein Leiden und Sterben von Gericht und der Verdammnis erlöst hat – diese Botschaft trägt in sich die erlösende Kraft.

Alle Sünder von Adam bis hin zum letzten, der vor dem Jüngsten Tag geboren wird, stehen dann im Frieden mit Gott und brauchen sich nicht zu fürchten, wenn sie in Christus Vergebung der Sünden haben.

Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben steht; prüft euch selbst!“ (2.Kor. 13,5).

Für das ewige Heil ist es von höchster Bedeutung, dass der Mensch zu der Schar oder Gemeinde gehört, von der es heißt: „Der HERR kennt die Seinen“ (2.Tim. 2,19).

Ein jeder kann sich hierin prüfen:

Gottes Wort sagt: „Glaube an den HERRn Jesus, so wirst du selig“ (Apg. 16,31) – Glaubst du an den HERRn Jesus als an deinen Erlöser?

Und Christus spricht: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben…“.

Hältst du diesen einen Heiland im Glauben fest, so wirst du selig, kommst nicht in das Gericht, ja bist bereits vom Tode zum Leben hindurchgedrungen!

Gott gebe, dass jeder einzelne von uns diesen Schatz gefunden, diese köstliche Perle entdeckt, ausgegraben und bewahrt hat! – und durch Gottes Gnade und Kraft bewahrt bis an sein Ende!

Christus spricht: „Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben“ (Offbg. 2,10).

Redet Gottes Wort von der Schar der Erlösten, die hier durch den Glauben zum Heiland gehören, so sagt sie oft „Himmelreich“.

Das ist das Reich Gottes, die Gemeinde Christi, zu der alle wirklich wahren Christen gehören – kein Heuchler und kein Scheinchrist.

Sie alle sind vereint im Glauben an Christus: Adam und Eva, Abraham, David, Hiob, Paulus, Petrus, auch wir und alle Herzensgläubigen vor uns und neben und nach uns.

Sie alle gehören zum Himmelreich und werden von Christus hinübergeleitet in die ewige Seligkeit, in das „himmlische Himmelreich“.

Spricht Christus vom Himmelreich, so wissen wir also: Er meint alle wahren Herzensgläubigen – hier auf Erden und dort im Himmel.

Nun hatten wir gehört:

Das Himmelreich gleicht einem Schatz und einer Perle.

1. Das Himmelreich ist sehr kostbar, doch viele verachten es
2. Es ist verborgen, aber es kann entdeckt werden.
3. Und schließlich will es bewahrt werden als kostbares Kleinod.

1. Das Himmelreich ist sehr kostbar, doch viele verachten es

Das Reich der Gnade des Sohnes Gottes liegt nicht für alle sichtbar da.

Jesus spricht: „Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden” (Luk. 17,20) – also nicht so, dass man es mit den Augen sehen kann.

Es ist also verborgen und will gefunden werden.

Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker…”

Im Krieg wurden Kostbarkeiten oft vergraben.

Jesus erzählt von einem Schatz, den jemand fand, vielleicht der Pächter jenes Ackers beim Pflügen oder bei anderer Gelegenheit.

Der Mann im Gleichnis hatte den Schatz nicht gesucht, sondern zufällig gefunden.

Hierin unterscheidet er sich vom Kaufmann im anderen Gleichnis: „Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte…”

Er war ständig auf der Suche nach auserlesenen Perlen, mit denen er offenbar Handel trieb.

Schließlich fand er eine ganz bestimmte, unerhört kostbare Perle.

Beide verkaufen all ihre Habe, um allein das köstliche Kleinod zu besitzen.

Der Schatz – worin besteht er? Die Perle – Was bedeutet sie? Jesus sagt: Das Himmelreich gleicht einem Schatz… das Himmelreich gleicht einem Kaufmann, der eine kostbare Perle fand.”

In Gottes Wort finden wir das häufig: Irdische Güter werden zu Bildern für geistliche Schätze.

In der Weissagung über die Geburt des Heilandes lesen wir: „Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freuet in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilet” (Jes. 9,3).

Oder in der Weissagung vom Reich Christi spricht Gott: „…ich will die Wüste zu Wasserstellen machen und das dürre Land zu Wasserquellen. Ich will in der Wüste wachsen lassen Zedern, Akazien, Myrten und Ölbäume…” Jes 41,18.19.

Christus vergleicht die ewige Seligkeit im Himmelreich mit einer fruchtbaren Landschaft, mit einem köstlichen Abendessen, einer prachtvollen Hochzeit oder einem königlichen Gastmahl.

Und von der Vergebung aller Schuld, von der köstlichen Gnade unseres Erlösers sagt Gottes Wort: „Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden Ps. 22,27.

Da versteht man auch, warum so viele Menschen die Vergebung der Sünden, die Gnade Christi, den Frieden mit Gott nicht für einen Schatz, halten und schmählich verachten!

Sie haben noch nicht erkannt, wie elend sie vor dem allmächtigen Gott sind und wie tief sie im Verderben stecken!

Sie halten es schon für eine große Sache, wenn sie zugestehen, dass es überhaupt einen Gott gibt.

Gottes Wort sagt: „Es ist ein einziger Gesetzgeber, der kann selig machen und verdammen“ (Jak. 4,2).

Was ist der Mensch in der Hand Gottes? Asche und Staub!

Wer diese Wahrheit erkennt, ist auf dem Weg, das Himmelreich zu finden und es schließlich auch für seinen größten Schatz zu halten.

Wer sich im Spiegel der heiligen Gebote Gottes als verlorenen Sünder erkannt hat, lebt nicht mehr, als ob es keinen Tod gäbe, kein Gericht, keine ewige Verdammnis.

Der wird seine Sünde gern los sein und zum Frieden mit seinem Schöpfer und Richter kommen wollen.

Jesus Christus füllt hungrige Herzen mit seinem köstlichen Trost!

Kann es für einen Menschen einen größeren Schatz, eine köstlichere Perle geben, als ihn, den Heiland und Erlöser im Glauben zu erkennen?

Der Apostel Paulus schreibt: „In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis… In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig… er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet.” Kol. 2,3.9.14.

Versöhnung mit Gott ist der Schatz über alle Schätze!

Der eine Schatz, die eine Perle, der herrlichste Name heißt Jesus Christus, denn „von diesem bezeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen” (Apg. 10,43).

Der Heiland und sein Gnadenwort sind der Schatz und die Perle!

Aber wo ist der Schatz verborgen, der Bettler vor Gott reich macht und Sünder selig?

2. Das Himmelreich ist verborgen, aber es kann entdeckt werden.

Der Herr Christus spricht: „Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand… Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, …und eine kostbare Perle fand.”

Der Schatz im Acker, die kostbare Perle, die Versöhnung durch Jesus Christus ist verborgen, aber kann gefunden werden.

Mancher stößt ohne vorherige Absicht darauf, mancher sehnt sich verzweifelt danach.

Der Apostel Paulus schreibt: „Wir reden von der verborgenen Weisheit Gottes” (1.Kor. 2,7).

Und der Prophet Jesaja spricht: „Fürwahr, du bist ein verborgener Gott, du Gott Israels, der Heiland” (Jes. 45,15).

Verborgen ist der Schatz im Acker des Wortes Gottes, in der Heiligen Schrift.

Der Mensch, der von Natur blind ist für Gott, beurteilt hochmütig und selbstherrlich, was er von Gott hört und in der Bibel liest.

Es ist, als ob man jemandem den Acker zeigt und ihm sagt: Hier ist etwas überaus Wertvolles zu finden! und der sich an die Stirn tippt und spricht: Das ist doch alles nur Erde, Dreck!

Darum spricht die Schrift: „Denn weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt selig zu machen die, die daran glauben” (1.Kor. 1,21).

Oder man weist auf die kostbare Perle und der andere spricht: Das ist doch ein ganz gewöhnliches Ding, eben eine Perle unter Millionen anderen. Was soll daran besonderes sein?

Darum spricht Gott: „Ich habe nicht im Verborgenen geredet an einem finsteren Ort der Erde; ich habe nicht… gesagt: Sucht mich vergeblich!” (Jes. 45,19).

Einerseits liegt also der Schatz offen da, ist die Perle für jeden erreichbar – und doch für so viele verborgen.

Die Leute können sich Bibeln und christliche Bücher kaufen, dürfen Gottes Wort lesen, aber sie halten dies alles für überholt und nutzlos.

Andere meinen: Es gibt so viele Religionen, so viele Kirchen – wer soll herausfinden, welche die richtige ist?

Auch sie wollen den Schatz nicht finden, darum suchen sie nicht, vergleichen nicht, forschen nicht in Gottes Wort.

Wieder andere haben den Acker, lassen ihn aber einfach liegen.

Den Schatz, der darin verborgen liegt, haben sie nicht gesehen.

Da sind z.B. die Juden, die Gottes Wort haben, aber an Jesus Christus nicht glauben wollen.

Das sind auch alle, die meinen, sie müssten durch gute Werke selbst Schätze erarbeiten und lassen den eigentlichen Schatz liegen.

Nicht Gott ist schuld, wenn Sünder das köstliche Kleinod ihrer ewigen Errettung nicht finden, denn sie wollen nicht, sind teilnahmslos und lau.

Gottes Wort verspricht: „Ihr werdet mich suchen und finden. Denn so ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR” (Jer. 29,13f.).

Das ist auch der Trost für uns in diesen Gleichnissen: Nicht wir müssen uns einen gnädigen Gott schaffen, sondern Gottes Gnade kommt uns entgegen – sie drängt sich jedoch nicht auf.

Der Mensch kann sich seine Erlösung nicht selbst schaffen – sie ist schon da, denn Jesus spricht zweimal vom Finden.

Da gibt es einen Unterschied zwischen beiden: Der eine entdeckte den Schatz im Acker rein zufällig, vom anderen heißt es: „… der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand…”

So ist es auch im Leben.

  • Da gibt es so viele Menschen, die lange Zeit nicht nach ihrem Schöpfer, nicht nach Tod und Ewigkeit, nicht nach Himmel oder Hölle gefragt haben.

Doch Gott geht ihnen nach, sucht sie: Durch einen Todesfall, eine Gefahr, Krankheit oder Not werden sie aufgerüttelt und plötzlich fragen sie nach Gott und seinem Wort!.

Da bestätigt sich „Ich ließ mich finden, von denen, die mich nicht suchten und erschien denen, die nicht nach mir fragten” (Röm. 10,20).

  • Dann aber gibt es auch die anderen: Ihr Herz ist leer, ihr Gewissen sticht sie, ihre Sünden lassen ihnen keine Ruhe; sie wollten so gern vieles ungeschehen machen und fürchten sich vor dem Tod und dem Jüngsten Gericht.

Sie suchen die Perle, sie sehnen sich nach Frieden mit Gott; sie wollen endlich Ruhe und Trost

Christus lehrt: Der Schatz wird nicht erkämpft, sondern gefunden; auch die unübertreffliche Perle konnte vom Kaufmann nicht hervorgebracht, sondern lediglich gefunden werden.

Aber haben nicht beide all ihr Hab und Gut verkauft, um den Acker (der eine) und um die Perle (der andere) kaufen zu können? Freilich!

Es heißt doch: „…und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker… und als er eine kostbare Perle fand, …verkaufte er alles, was er hatte und kaufte sie”.

Es geht hier aber nicht um das Verdienen der Seligkeit durch eigene Anstrengungen, denn Gottes Wort spricht klar: „…und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist” (Röm. 3,24) sondern…

3. Das Himmelreich will bewahrt werden als kostbares Kleinod.

Jesus zeigt nicht, wie wir das Himmelreich kaufen, sondern wie wir es bewahren können, damit wir es für immer haben.

Als der eine Mann den Schatz, der andere die eine kostbare Perle gefunden hatte, sorgten sich beide nur noch darum, wie sie diesen Schatz auch behalten können.

Auch uns soll es das größte Anliegen sein, wie wir unser Heil in Christus behalten können, damit wir es bis an unser Ende nicht verlieren!

Wer den unschätzbar hohen Wert der Güter erkannt hat, die Gott ihm in Jesus schenkt, dem wird anderes zweitrangig oder sogar völlig wertlos.

Was waren die bisherigen Dinge für den einen gegen den neu entdeckten Schatz?

Hätte er sie behalten – er hätte den Schatz nicht haben können!

Was waren die üblichen Perlen für den anderen gegenüber der einen einzigartigen Perle? Hätte er seine früheren Schätze behalten, er hätte das Kleinod nicht haben können!

So ist es auch im Glaubensleben: Was Menschen gewöhnlich für „gute Perlen” oder einen „Schatz” halten, muss im Licht Jesu verblassen.

Wert und Bestand über den Tod hinaus hat nichts, was diese Welt zu geben vermag.

Darüber hinaus lieben alle ungläubigen Menschen Dinge, die Gott verwirft, die Sünde sind.

Wer diese behalten will, kann den größten Schatz nicht haben.

Sollten wir nicht auch bereit sein, alles aufzugeben, wenn es dazu nötig wäre, den einen Heiland und unsere Seligkeit zu behalten?

Sollten wir nicht mit Paulus rufen: „Was mir (früher) Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines HERRn…” (Phil. 3,7.8)?

Für Paulus, die anderen Apostel und alle wahren Christen ist der HERR Christus, der Heiland und seine Gnade das höchste Gut.

Die Güter dieser Welt dienen dazu, das irdische Leben zu erhalten und anderen aus Not zu helfen – sie sind zeitlich und vergehen. Was Gott in Christus schenkt, ist ewig.

So kann auch der ärmste Gläubige mit Paulus sprechen: „…als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben, und doch alles haben.” 2.Kor. 6,10.

Jesus ist der größte Reichtum; er spricht: „Wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein” (Luk. 12,34). Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden