Lesepredigt für den drittletzten Sonntag im Kirchenjahr

Predigt für den drittletzten Sonntag im Kirchenjahr
über 1.Mose 19,12-17; 24-26

Predigttext:

Und die Männer sprachen zu Lot: Hast du noch irgend hier noch einen Schwiegersohn und Söhne und Töchter, und wer dir angehöret in der Stadt, den führe aus dieser Stätte. Denn wir werden diese Stätte verderben, darum daß ihr Geschrei groß ist vor dem HERRN; der hat uns gesandt, sie zu verderben. Da ging Lot hinaus und redete mit den Männern, die seine Töchter heiraten sollten: Machet euch auf und gehet aus diesem Ort; denn der HERR wird diese Stadt verderben. Aber es war ihnen lächerlich. Da nun die Morgenröte aufging, hießen die Engel den Lot eilen und sprachen: Mache dich auf, nimm dein Weib und deine zwo Töchter, die vorhanden sind, daß du nicht auch umkommest in der Missetat dieser Stadt. Da er aber verzog, ergriffen die Männer ihn und sein Weib und seine zwo Töchter bei der Hand, darum daß der HERR sein verschonete, und führten ihn hinaus und ließen ihn außen vor der Stadt. Und als sie ihn hatten hinausgebracht, sprach er: Errette deine Seele und sieh nicht hinter dich; auch stehe nicht in dieser ganzen Gegend. Auf dem Berge errette dich, daß du nicht umkommest.

Da ließ der HERR Schwefel und Feuer regnen von dem HERRN vom Himmel herab auf Sodom und Gomorrha. Und kehrete die Städte um, die ganze Gegend und alle Einwohner der Städte, und was auf dem Lande gewachsen war. Und sein Weib sah hinter sich und ward zur Salzsäule.

Liebe Gemeinde!

Im Evangelium hatten wir vorhin Jesu Worte über die Leiden der Endzeit gehört.

Vorher hatte der HERR von den Zeichen gesprochen, die auf den bevorstehenden Jüngsten Tag hinweisen, wie Erdbeben, Seuchen, Kriege, Verführung zu falschem Glauben und Teuerung.

Auch wenn der Großteil unserer Mitmenschen nicht mit dem Ende der Welt rechnet, so sollen wir Christen doch wachsam sein.

Wir sollen uns nicht so in das Wesen und Treiben der Welt verflechten, dass wir nicht an Christi Wiederkunft denken oder gar der Sünde dienen und völlig unvorbereitet vom Jüngsten Tag überrascht werden.

Christus spricht: „Wie es geschah zu den Zeiten Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten. An dem Tage aber, da Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. Auf diese Weise wird’s auch gehen an dem Tage; wenn des Menschen Sohn soll offenbaret werden“ (Luk. 17,28-30).

Christus spricht hier ja nicht einmal von groben Sünden.

Er sagt nicht: „Sie misshandelten und töteten. Sie brachen die Ehe, raubten und verleumdeten ihre Mitmenschen.“

Und obwohl die Einwohner Sodoms für ihre große Sünhaftigkeit sogar zum Sprichwort geworden sind, nennt Jesus dies nicht, sondern spricht von ganz normalem Alltagsleben: „Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten…“.

Wie diese Leute nicht an Gott, nicht an ihre Seele, nicht an Sünde und Vergebung dachten, so wird es auch am Ende der Welt sein.

Davon lesen wir: „Es wird aber des HERRN Tag kommen wie ein Dieb in der Nacht, in welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen, die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die drinnen sind, werden verbrennen. So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt sein mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen…” (2.Petr. 3,10.11).

Unser HERR Christus stellt uns Sodom und Gomorrha als eine Mahnung an das Jüngste Gericht vor Augen.

Er zeigt uns dabei: So ernst Gott Sünde straft und so gewiss das Jüngste Gericht kommen wird, so barmherzig erbarmt er sich doch über seine bedrängten Christen.

Mit dem Hinweis auf Lot und den Untergang Sodoms mahnt Christus uns:

1. Errette deine Seele!
2. Schau dich nicht sehnsuchtsvoll um!

Der HERR und Heiland ruft seinen Christen auf der ganzen Welt diese Mahnung zu, weil das Ende der Welt nahe ist:

1. Errette deine Seele!

Nun war die Seele Lots bereits errettet, denn er glaubte an Christus.

Lot und die Seinen waren gerecht „aus seiner Gnade Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist” (Röm. 3,24) und sie waren gewiß: „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus” (Röm. 5,1).

Auch wir „sind Gottes Kinder durch den Glauben an Christus Jesus“ (Gal. 3,26) und bekennen: Der Vater im Himmel hat „uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden“ (Kol. 1,13.14).

Mit dem Wort „Errette deine Seele!“ mahnt Gott uns also, dass wir darauf achten, seine Kinder zu bleiben, den Glauben an unseren Erlöser als ein kostbares Gut zu bewahren, damit wir nicht mit den gottlosen Menschen von Gott bestraft werden und womöglich verloren gehen.

Lot hatte zwei verheiratete Töchter.

Diese zwei Töchter waren Kinder Gottes, gläubige Christinnen, aber ihre Ehemänner waren ungläubig.

Nun hatte Gott zwei Engel in Gestalt zweier Männer nach Sodom geschickt, die den Lot und seine Familie vor dem Zorngericht Gottes, vor Untergang der Stadt warnen und sie herausführen sollten.

Diese sprachen zu Lot: „ Hast du hier noch einen Schwiegersohn und Söhne und Töchter und wer dir sonst angehört in der Stadt, den führe weg von dieser Stätte. Denn wir werden diese Stätte verderben, weil das Geschrei über sie groß ist vor dem HERRN; der hat uns gesandt, sie zu verderben. Da ging Lot hinaus und redete mit den Männern, die seine Töchter heiraten sollten: Macht euch auf und geht aus diesem Ort, denn der HERR wird diese Stadt verderben. Aber es war ihnen lächerlich“ (1.Mose 19,12-14).

Letztendlich wurden die Töchter gerettet, weil sie auf den Rat der Engel, also auf Gottes Wort hörten.

Ihre Männer, die ungläubigen Schwiegersöhne Lots, denen die Warnung lächerlich war, gingen nicht nur mit der Stadt und ihren gottlosen Einwohnern unter.

Sie fielen vor allem ins ewige Verderben, so wie alle verdammt werden, denen Gottes Wort lächerlich ist und die sich nicht von ihm erretten lassen wollen.

Wie konnte das geschehen?

Diese Schwiegersöhne Lots gehörten zu denen, die „aßen, tranken, kauften, verkauften, pflanzten und bauten…“ – also ein ganz normales Leben führten.

Ihr Verderben war, dass sie sich dabei nicht um Gottes Wort, nicht um ihre Seele, nicht um den Heiland kümmerten und darum keine Vergebung der Sünden und keinen gnädigen Gott hatten.

Daran sehen wir, wie groß die Gefahr für die beiden Mädchen Lots war: Als die Engel warnten und zum Verlassen der Stadt drängten, hätten die beiden ja auch sagen können: „Wir gehen nicht! Wir bleiben bei unserem Schatz! Wenn unsere Männer sterben müssen, sterben wir auch!“

So groß ist die Gefahr auch heute, wenn jemand einen ungläubigen Menschen heiratet.

Wie gut aber, dass Lots Töchter mehr auf Gottes Wort hörten als auf ihre gottlosen Männer!

Da nun die Morgenröte aufging, hießen die Engel den Lot eilen und sprachen: Mache dich auf, nimm dein Weib und deine zwei Töchter, die hier sind, dass du nicht auch umkommest in der Missetat dieser Stadt. Da er aber verzog, ergriffen die Männer ihn und sein Weib und seine zwei Töchter bei der Hand, darum dass der HERR ihn verschonte, und führten ihn hinaus und ließen ihn erst draußen vor der Stadt wieder los.

Gott der HERR hat damals den Lot und die Seinen errettet, damit sie nicht mit der Stadt Sodom vernichtet und durch Unglaube verdammt werden.

So will Gott, dass „allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1.Tim. 2,4).

Wenn sie das nur zulassen!

Er will, dass wir, die wir durch den Glauben schon seine Kinder sind, selig werden.

Er will, dass wir uns nicht in das Wesen dieser Welt verflechten, gedankenlos werden und in aller Geschäftigkeit nicht etwa ihn und sein Wort an die zweite Stelle setzen.

Dieser Ruf Gottes ergeht an jeden Christen: „Errette deine Seele!”.

Lot war umgeben von Ungerechtigkeit, Sünde und Gottlosigkeit.

Ihm erging es nicht anders als uns.

Er war ein Christ und dennoch angefochten von Sünde, auch hin und wieder aus Schwachheit in Sünde gefallen.

Auch er und die Seinen hatten täglich die Mahnung nötig: „Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist: des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, .der bleibt in Ewigkeit” (1.Joh. 2,15-17).

Denn wer sich mit dem gottfeindlichen Wesen dieser Welt vermengt und wieder in das gottlose Leben zurückgeht, verfällt dem Gericht Gottes.

Wie Gott der HERR dem gläubigen Lot durch den Dienst der Engel mahnende Worte sagen ließ, so hat er auch uns Prediger geschenkt, die uns Gottes Wort verkünden.

Damals forderten die Engel Lot nicht nur auf, aus der Stadt zu fliehen, sie wiesen ihn auch zu einem Ort, an dem er mit den Seinen Zuflucht finden würde, das Städtchen Zoar (Verse 18-22).

Wie Gott damals Zuflucht schuf, so hat er auch uns einen sicheren Schlupfwinkel bereitet, wo wir in Sicherheit sind: „HERR, du bist unsere Zuflucht für und für…” (Ps. 90,1).

Jesus Christus ist diese Zuflucht, er spricht: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen” (Joh. 5,24).

Weil Christus den Fluch Gottes über jeden Sünder getragen und gebüßt hat, kann jeder Mensch durch den Glauben Zuflucht finden bei ihm!

Darum beten wir mit den Worten des Psalmes: „Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann, der du zugesagt hast, mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg” (Ps. 71,3).

Und wir bekennen: „Der HERR ist mein Fels und meine Burg und mein Erretter. Gott ist mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils, mein Schutz und meine Zuflucht, mein Heiland” (2.Sam. 22,2.3).

Am Abend eines jeden Tages beten wir: „Vergib uns unsere Schuld!“ oder: „Du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe…“.

So fliehen wir in unser Städtchen Zoar, in die vergebende Gnade Gottes, in die bergende Zuflucht Christi.

Lot und die Seinen waren von den Engeln aus Sodom geführt worden.

Allerdings waren sie noch nicht im sicheren Zoar.

Damit sie aber dahin kommen, sprach der Engel: „Sieh nicht hinter dich, bleib auch nicht stehen in dieser ganzen Gegend“.

Das heißt: 2. Schau dich nicht sehnsuchtsvoll um!

Sie sollten nicht zurück nach dem vergehenden Sodom blicken, sondern immer nur den Ort der Rettung vor Augen haben.

So mahnt Gott der HERR auch uns, denn auch wir sind durch den Glauben an Christus auf dem Weg in das himmlische Zoar, auf dem Weg in die ewige Seligkeit.

Auch wir sollen nicht zurückblicken, unsere Herzen nicht an die vergänglichen Güter dieser Welt hängen – auch wenn wir täglich damit umgehen in Familie und Beruf.

Vor allem aber sollen wir uns davor hüten, dem alten Adam in uns Raum zu geben, dass wir entweder der Sünde nachgeben und sie wieder lieb gewinnen oder dass wir uns durch irgendjemanden oder irgendetwas vom Glauben an Christus abbringen lassen.

Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist…” (Kol. 3,1.2).

Lass dich nicht unversehens verstricken in das sündige Wesen dieser Welt, damit du die Gnade, den Glauben, deine Seligkeit nicht verlierst!

Aber „Lots Frau sah hinter sich und ward zur Salzsäule” (Vers 26).

Sie hatte sich innerlich, in ihrem Herzen, umgewandt und auch äußerlich; ihr Herz hing an all dem, was da hinter ihr in Sodom vernichtet wurde.

So traf sie das irdische und damit auch das ewige Strafgericht Gottes.

Darum spricht Christus: „Denkt an Lots Frau! Wer sein Leben zu erhalten sucht, der wird es verlieren; und wer es verlieren wird, der wird es gewinnen” (Luk. 17,32.33).

Wenn ein Christ zurückblickt, sich zurücksehnt, sich Schritt für Schritt vom Teufel zurückholen lässt, dann nützt es ihm nichts mehr, dass er einmal der Welt entronnen war.

Dass einer getauft ist, dass er früher mal zur Kirche gegangen ist oder sich bequemt, an hohen Feiertagen wieder einmal zur Kirche zu gehen, nützt ihm nichts, wenn er doch den seligmachenden Glauben an Christus von sich gestoßen hat.

Doch solange noch Gnadenzeit ist, solange ein Mensch noch lebt, darf er wieder zurück zu Christus.

Darum mahnt Gottes Wort: „Schau dich nicht sehnsuchtsvoll um!”.

Was aber geschah dahinten?

Der Herr ließ Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorra und vernichtete die Städte und die ganze Gegend und alle Einwohner der Städte und was auf dem Lande gewachsen war” (Verse 24.25).

Uns, die wir vor dem Ende der Welt stehen, lässt Gott der HERR predigen: „So werden auch der Himmel, der jetzt ist, und die Erde durch dasselbe Wort aufgespart für das Feuer, bewahrt für den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen. Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden“ (2.Petr. 3,7).

Darum: Errette deine Seele! Schau dich nicht sehnsuchtsvoll um! Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden