Lesepredigt am Buß- und Bettag

Predigt am Buß- und Bettag
über Offenbarung 2,1-7

Und dem Engel der Gemeinde zu Ephesus schreibe: Das saget, der da hält die sieben Sterne in seiner Rechten, der da wandelt mitten unter den sieben güldenen Leuchtern: Ich weiß deine Werke und deine Arbeit und deine Geduld, und daß du die Bösen nicht tragen kannst und hast versucht die, so da sagen, sie seien Apostel, und sind’s nicht, und hast sie Lügner erfunden, und verträgest und hast Geduld, und um meines Namens willen arbeitest du und bist nicht müde worden. Aber ich habe wider dich, daß du die erste Liebe verlässest. Gedenke, wovon du gefallen bist, und tu Buße und tu die ersten Werke! Wo aber nicht, werde ich dir kommen bald und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte, wo du nicht Buße tust. Aber das hast du, daß du die Werke der Nikolaiten hassest, welche ich auch hasse.  Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt: Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Holz des Lebens, das im Paradies Gottes ist.

Im Namen des HERRn Jesus Christus, liebe Gemeinde!

Wir haben die Offenbarung St. Johannis aufgeschlagen. Es sind sieben Sendschreiben, die Johannes auf Befehl Christi an bestimmte Gemeinden und ihre Pastoren richtet: in Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia, Laodicea. Vor uns liegt heute das Sendschreiben an die Gemeinde zu Ephesus.

In Ephesus, der berühmten Hauptstadt Kleinasiens, war durch die Verkündigung des Paulus, des Timotheus und des Johannes eine blühende Gemeinde entstanden.

Noch 62 Jahre n.Chr. schrieb Paulus an die Epheser: „Nachdem ich gehört habe von dem Glauben bei euch an den HERRn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, höre ich nicht auf, zu danken für euch, und gedenke euer in meinem Gebet“ (Eph. 1,15.16)

Aber schon an dem Tag, als er die Gemeindeältesten von Ephesus das letzte Mal sah, es war im Hafen von Milet, auf der Reise nach Rom, hatte er ihnen angekündigt: „Das weiß ich, dass nach meinem Abschied reißende Wölfe zu euch kommen, die die Herde nicht verschonen werden. Auch aus eurer Mitte werden Männer aufstehen, die Verkehrtes lehren, um die Jünger an sich zu ziehen.“ (Apg. 20,29.30)

Kurze Zeit später wurde diese Ankündigung plötzlich Wirklichkeit: Es entstand die Sekte der in Ausschweifung lebenden Nikolaiten.

Die Gemeinde hatte sich von ihnen distanziert, die Christen hatten geduldig am Bekenntnis der Wahrheit festgehalten und in bitteren Glaubenskämpfen viel Trübsal erdulden müssen.

Nun, nach ungefähr 30 Jahren, erlosch das früher so lodernde Feuer der ersten Liebe im Glauben.

Es bestätigte sich an ihnen die traurige Wahrheit: Je besser es einer Gemeinde äußerlich geht, desto schlechter ist es oft in geistlicher Hinsicht um sie bestellt.

Nun ruft Christus dieser Gemeinde zu: „Ich kenne deine Werke und deine Mühsal und deine Geduld und weiß, dass du die Bösen nicht ertragen kannst; und du hast sie geprüft, die sagen, sei seien Apostel, und sind‘s nicht, und hast sie als Lügner befunden, und hast Geduld und hast um meines Namens willen die Last getragen und bist nicht müde geworden. Aber ich habe gegen dich, dass du die erste Liebe verlässt. So denke nun daran, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke…“

Mit diesen Worten meint Jesus nicht, in dieser Gemeinde gebe es keine Christen mehr; aber der größere Teil von ihnen stand nicht mehr im früheren Eifer, nicht mehr in der anfangs so brennenden Liebe zu Christus, zu seinem Wort und zu den anderen Glaubensgeschwistern!

Und weil Gottes Wort uns Christen mahnt: Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben steht; prüft euch selbst! (2.Kor. 13,5), wollen wir dies anhand des Textes tun

1. Wir wollen uns prüfen und
2. wir wollen uns helfen lassen.

1. Prüft euch selbst!

Wenn Christen beginnen, sich selbst zu prüfen, was sollen sie zum Maßstab nehmen?

Nicht ihre eigenen Gedanken und Vorstellungen, auch nicht die Ansichten anderer.

Sie sollen sich allein an Gottes Wort prüfen.

Nun spricht Christus zu den Ephesern: „Ich habe gegen dich, dass du die erste Liebe verlässt!“

Prüfen wir uns, ob wir noch in dieser „ersten Liebe“ des Glaubens an Christus stehen, so nehmen wir unsere Bibel und schlagen die Stellen auf, wo von solcher „ersten Liebe“ etwas geschrieben steht.

Da lesen wir von der noch jungen Gemeinde zu Jerusalem: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet… Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele… Und es war auch keiner unter, ihnen der Mangel hatte…“ (Apg. 2,42/4,32.34).

Die erste Liebe wohnt im Herzen der Christen.

Sie zeigt sich in brennendem Eifer zum Wort Gottes, zum heiligen Abendmahl, zum Gebet und in der Liebe zu den Brüdern und Schwestern.

Die Jerusalemer Christen stöhnten nicht: Nun muss ich wieder zur Versammlung der Gemeinde gehen, sondern wir lesen von ihnen: „Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hin und her in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott…“ (Apg. 3,46.47)

Am frischen Quell des Wortes Gottes erquickten sie sich nach den Mühen des rauhen Alltages und freuten sich auf die Gemeinschaft im Kreis der Gläubigen.

Waren sie im täglichen Arbeitsleben von lauter Ungläubigen umgeben, so sehnten sie sich nach den wenigen Stunden, die sie mit den anderen zusammen sein konnten, die wie sie den HERRn lieben und ehren.

Die Gemeinde war der Brunnen ihrer Kraft, ihre Heimat, da waren die rechten Freunde; hier erfuhren sie Rat und Trost; hier gab es offene Ohren für so manche Sorge und Beistand in Anfechtungen.

Einmütig erhoben sie ihre Stimme im Gebet zum HERRn, als man Petrus und Johannes vor den Hohen Rat zitiert hatte.

Als Petrus später wieder im Gefängnis war, „betete die Gemeinde ohne Aufhören für ihn zu Gott“ (Apg. 12,5).

In ihren Herzen wohnte die innige Liebe zum Heiland, wie im Herzen einer Braut die Liebe zum Bräutigam wohnt; er war ihr Ein und Alles.

Keiner hatte sie gezwungen, sich in ihrer kargen Freizeit täglich mit den anderen unter Gottes Wort zu versammeln und mit ihnen zu beten.

Keiner hatte ihnen gedroht: „Ihr müsst nun immer ein Herz und eine Seele sein!“

Wie von selbst floß diese Liebesglut zum Bruder, zur Schwester im HERRn – aus der unendlichen Heilandsliebe, die sie erfahren hatten.

Vergleichen wir uns mit der Jerusalemer Gemeinde, was denken wir dann?

Oder hören wir Jesu Wort: „Ich kenne deine Werke und Mühsal und deine Geduld und weiß, dass du die Bösen nicht ertragen kannst… und hast Geduld und hast um meines Namens willen die Last getragen und bist nicht müde geworden. Aber ich habe gegen dich, dass du die erste Liebe verlässt!“ -was kommt dann uns in den Sinn?

Da mag sich jeder selbst prüfen.

Kann es von uns heißen wie von den Christen zu Beröa: „Sie nahmen das Wort ganz willig auf und forschten täglich in der Schrift, ob sich’s also verhielte.“ (Apg. 17,11)

Im Feuer der ersten Liebe war vieles zweitrangig und hatte den Platz, der ihm eigentlich zusteht!

Hilft Gott aus Leiden, Trübsal und Anfechtungen, so sieht der Christ in großer geistlicher Freude die Macht des Wortes Jesu.

Er sieht als ein elender Sünder sein altes, schuldbeladenes Leben in den Fluten der Gnade des Heilandes versinken!

Da jubelt der Christ: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachten, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil“ (Ps. 73,25.26).

Nun, wenn ich mich selbst prüfen soll, so frage ich: Hat in meinem Leben etwas derart an Bedeutung gewonnen, dass es den HERRn, meinen Gott,meinen Jesus und seine Gnade von der ersten Stelle verdrängt?

In der ersten Liebe denke ich: Was ist die Welt mit allen ihren Freuden, Genüssen und Angeboten? Wenn ich nur Gottes Wort, meinen Jesus und meine Glaubensgeschwister habe – das ist ein Schatz!

Verblasst die erste Liebe, so gelingt es dem Teufel eher, mir die Fehler. Schwächen und Unzulänglichkeiten des christlichen Bruders vor Augen zu stellen – mehr und viel deutlicher als das geistliche Band, das uns aneinander bindet.

Darum soll ich von Zeit zu Zeit stehen bleiben, mich verschnaufen und mich prüfen:

Welche Rolle spielt das Irdische, die Ehre, das Ansehen, die Klugheit, das Lob? Fliehe ich die Verderben bringenden Sehnsüchte der Welt?

Halte ich mich unbefleckt; ekelt mir vor den Sünden des Hochmuts, der Heuchelei, der Habgier und des Geizes?

Ich frage mich, ob der HERR allein die Epheser meint, wenn er spricht: „Ich habe gegen dich, dass du die erste Liebe verlässt! So denke nun daran, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Wenn aber nicht, werde ich über dich kommen und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte – wenn du nicht Buße tust!“

Ich weiß, er meint auch mich.

Aber wovon bin ich gefallen, wenn ich die erste Liebe verlasse?

Erkaltet ein Christ, dann steht sein Glaube auf dem Spiel; dann erlischt auch die Freude an Gottes Wort in ihm.

Aus diesem Grund lassen auch die Werke der ersten Liebe nach.

Ärgert er sich dann noch über den ernsten Zuruf seines HERRn, dann besteht für ihn die größte Gefahr!

Der Heiland sagt nämlich: „Wenn aber nicht, werde ich über dich kommen und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte – wenn du nicht Buße tust!“

Der Leuchter ist das Wort Gottes: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege“ (Ps. 119,105).

Der HERR möge mir meine Sünde vergeben, und ich will mit dem Psalm beten: „HERR, lass mir deine Gnade widerfahren, deine Hilfe nach deinem Wort… Und nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit; denn ich hoffe auf deine Rechte“ (Ps. 119,41.43).

2. Lassen wir uns zur ersten Liebe zurückführen!

Er sagt: „So denke nun daran, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke!“

Jesus gibt keinen auf, der die erste Liebe verlassen hat – nicht die Epheser, nicht dich und nicht mich!

Sein Herz schlägt noch in heißer Liebe und Sehnsucht nach uns!

Es ist seine Liebe, dass er uns zuruft: „Tue Buße!“

Jesus hasst alle Sünde, alle Gleichgültigkeit, alle Nachlässigkeit und die Herzenskälte!

Aber er hasst uns nicht!

Als einst viele in Israel gegen den HERRn sündigten, sprach er: „Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und mein liebes Kind? Denn sooft ich ihm auch drohe, muss ich doch seiner gedenken; darum bricht mir mein Herz, dass ich mich seiner erbarmen muss, spricht der HERR“ (Jer. 31,20).

Darum ruft er auch uns zu: „Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist!“

Ja, der HERR richtet unseren Blick auf unser Ziel, auf die ewige Herrlichkeit, die unser Erlöser uns erworben hat.

Die Epheser ließen sich helfen.

Aus der Zeit 10 Jahre darauf haben wir einen Brief des Märtyrers Ignatius, darin lesen wir: „Euer aller Reinigung und Versöhnlichkeit macht die Gemeinde zu Ephesus ewig berühmt.“

Sie ließen sich helfen und reinigen von ihrer Schuld

Sind wir zum Innehalten und Nachdenken gekommen, haben vielleicht auch erkannt, wo wir die erste Liebe verlassen haben, so wollen auch wir uns von unserem HERRn Christus helfen lassen.

Er sagt: „Tue Buße und tue die ersten Werke!“.

Ja, ich will täglich umkehren und mich an jedem Tag neu mit der Kraft Gottes im Glauben rüsten, damit ich allzeit bereit bin, wenn Gottes Sohn kommt, ihn mit Freuden zu empfangen.

Das ist gewisslich wahr und ein teuerwertes Wort, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin“ (1.Tim 1,15).

Gebet: „HERR, sei mir gnädig! Heile mich; denn ich habe an dir gesündigt.“ (Ps. 41,5) „Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen; denn du bist mein Ruhm!“ (Jer. 17,14).  Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden