Lesepredigt für den 1. Advent

Predigt für den 1. Advent
über Jesaja 62,10-12

Gehet ein, gehet ein durch die Tore! Bereitet dem Volk den Weg! Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg! Richtet ein Zeichen auf für die Völker!

Siehe, der HERR lässt es hören bis an die Enden der Erde: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt! Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her!

Man wird sie nennen »Heiliges Volk«, »Erlöste des HERRN«, und dich wird man nennen »Gesuchte« und »Nicht mehr verlassene Stadt«.

Im Namen Jesu Christi, herzlich geliebte Gemeinde!

Die vier Wochen Adventszeit erinnern an die vier Jahrtausende vom Sündenfall bis zum Kommen Jesu.

In diesen 4000 Jahren ließ Gott durch die Propheten vom kommenden Heiland predigen.

In den Herzen der Menschen wurde durch diese Gottesworte die Hoffnung wach gehalten und der Glaube gefestigt.

So ließ Gott immer deutlicher predigen, immer klarer wurden die Weissagungen: wann und wo der Heiland geboren werden sollte und von wem, was er verkündigen und tun würde – und auch wem er gleichen würde, damit die Menschen ihn auch als den gekommenen Messias und Heiland erkennen!

Und 400 Jahre vor Christi Geburt ließ Gott hören, ein Vorbote würde ihm den Weg bereiten.

Kurz vor der großen Zeit bereitete Gott die Ankunft seines Sohnes noch gründlicher vor, denn 400 Jahre vorher sprach er bereits von einem Herold (einem Vorboten), der ihm den Weg bereiten würde, Johannes der Täufer.

Johannes bereitete dem Heiland den Weg, als der HERR Christus zu wirken begann.

So bereiten aber auch nach ihm alle rechten Prediger dem HERRn Jesus den Weg, wie der Predigttext sagt: Gehet ein, gehet ein durch die Tore! Bereitet dem Volk den Weg! Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg! Richtet ein Zeichen auf für die Völker!… Saget der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt! …Man wird sie nennen »Heiliges Volk«, »Erlöste des HERRN«…”

Das „heilige Volk“

Der Mensch denkt, er muss sich heilig, sündlos, fromm machen.

Gott sagt: Das kannst du nicht. Darum komme ich zu dir: Ich mache dich heilig und fromm. Ich vergebe dir Sündenschuld.

Darum nennt Gott seine Christen „heiliges Volk“, weil ER sie geheiligt hat aus lauter Liebe und Barmherzigkeit.

Das ist die Schar der Christusgläubigen, die Kirche Christi.

Damit Gott das wieder und wieder an uns tun kann, müssen Steine weggeräumt werden.

Was sind das für Steine?

Es ist alles, was das Kommen Christi und seines Wortes behindert.

in deinem Leben, wie Nachlässigkeit, das Wort Gottes zu hören und zu lesen, wo doch das dritte Gebot uns mahnt: dass wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern dasselbe heilig halten, gerne hören und lernen.

Ja, das sind solche Steine, dass die Christen meinen, wenn sie Gottes Wort genießen können, so sei das normal und selbstverständlich, so dass sie es vernachlässigen und nicht so hoch schätzen.

– im Leben einer Gemeinde oder Kirche, dass einer am anderen Unzulänglichkeiten und Sünde wahrnimmt und ihn darum meidet, statt dass er daran denkt, wie unvollkommen er selbst ist und sich an Gottes Wille erinnert: „Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst.“ (Phil. 2,3).

Wie werden die Steine weggeräumt?

Indem wir Gottes Wort hören und uns durch seine Güte das Herz abgewinnen lassen. Dass wir, die wir doch vielfältig vom Teufel zum Bösen gereizt werden, die Sünde fliehen und meiden und uns immer neu durch Gottes Wort und Willen erneuern und umformen lassen.

Das „heiligeVolk“ sind also sündige Menschen, die ihr Sündenelend erkannt haben und sich daran freuen, dass Gott der HERR sie nicht verstößt, sondern zu sich zieht und ihnen alle Sünden vergibt.

Menschen, die durch den Glauben an den Heiland Jesus Christus zum Frieden mit Gott gekommen sind, das ist die Schar der versöhnten Sündern, die Gemeinde Christi.

Die Gemeinde Christi wird in unserem Prophetenwort genannt ”Erlöste des HERRn” oder „Gesuchte” und auch „Tochter Zion”.

Durch sein Wort kommt Gott in Christus auch heute zu uns

Saget der Tochter Zion: Siehe dein Heil kommt!”

Zion” heißt der Berg in Jerusalem, auf dem neben der Davidsburg auch der Tempel stand, und nicht weit davon, auf einem anderen Hügel, wurde Jesus gekreuzigt.

Tochter Zion” – das ist also die Gemeinde der Christusgläubigen.

Oft spricht Gottes Wort von Christus, dem Bräutigam und der Gemeinde als seiner Braut.

damit meint Gottes Wort die Tochter, die Jesus sich zur Braut genommen, mit der er sich verlobt hat, mit der er im Himmel Hochzeit feiern will: Es meint seine Gemeinde, für die er „sich selbst dahingegeben” (Eph. 5,25), „die er durch sein eigenes Blut erworben hat” (Apg. 20,28).

Noch klarer wird es bei den Worten: „Richtet ein Zeichen auf für die Völker! Siehe, der Herr lässt es hören bis an die Enden der Erde.”

Darum hat Jesus den Aposteln befohlen: ”Gehet hin und lehrt alle Völker!… Siehe,. ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende” (Matth. 28,19.21).

So gilt dieses Prophetenwort auch uns neutestamentlichen Gläubigen:

Zuerst den Predigern, die Gott beauftragt: „Bereitet dem Volk den Weg! Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg!”, dann auch der ganzen Schar der schon versöhnten Sünder: „Richtet ein Zeichen auf für die Völker!” und schließlich allen, die das Evangelium hören: „Gehet ein, gehet ein durch die Tore!”

Ja, die ihr durch den Glauben an den Heiland zur „Tochter Zion” gehört, ihr, die ihr die „Gesuchte” heißt: Euch allen soll ich im Namen des Herrn Christus zurufen: „Siehe dein Heil kommt!”

Siehe!” spricht er und das lässt aufhorchen!

Siehe! Dein Heil kommt!”

Dein Heil”, deine Heilung, dein Heiland.

Es kommt derjenige hier im Wort Gottes zu dir, der sein Blut für dich vergossen hat.

Derjenige, der damit deine Schuld an deinen Schöpfer bezahlt hat: Der Sohn Gottes, Jesus Christus; derjenige, der für dich in die Bresche gesprungen ist, um dich vor der Hölle zu bewahren.

Denn „das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde” (1.Joh. 1,7).

Er ist die Versöhnung für unsere Sünde, nicht allein aber für die unsere, sondern auch für die der ganzen Welt” (1.Joh. 2,2).

Er kennt das größte Unglück aller Menschen: Er sieht die Sünde, die Feindschaft gegen Gott, das Aufbäumen gegen seinen Willen, er kennt den Egoismus, den man nur zu gern versteckt, die Ehrsucht, den Neid, Habgier und Geiz, Unzucht und Ehebruch…!

Vor ihm liegt alles Verderben und Unglück offen, die angeerbte Schuld, die täglichen Sünden – und nicht zuletzt das furchtbare Schicksal, dem jeder Mensch entgegenlebt: die ewige Verdammnis.

Darum kommt er! Er kommt aus lauter Liebe und Barmherzigkeit.

Und er kommt in seinem Wort auch heute zu dir und mir.

Er kennt auch die hintersten Winkel der Herzen derer, die an ihn glauben.

Er weiß, was echt ist und was Schein.

Er kennt Heuchelei und all die argen Gedanken in unseren Herzen.

Ja, er kennt diesen ganzen Wust, den wir so gerne los sein wollen, den wir los sein müssen, damit Friede bleibt zwischen uns und Gott!

Darum kommt er! -und darum heißt es: „Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg!”

Es ist wie bei einem Kranken, der sich vor Schmerzen krümmt. Der Arzt wird erwartet: Macht Platz! Räumt alles weg, dass er herein kann!

Das heißt nicht, dass sich ein Mensch erst selbst gut machen muss, damit Jesus zu ihm kommt.

Auch ein Kranker muss ja nicht erst gesund werden, damit der Arzt ihn besucht.

Räumt die Steine weg!” heißt, dass durch Gottes Wort, durch Aufdecken der Schuld und die Predigt vom Kreuz Christi der Weg bereitet wird.

So schließt Gott selbst die Herzen auf, dass das Heil Christi und die Heilung hineinkommen kann.

Schuld muss aufgedeckt werden!

Da sprach ja Jesus selbst zu der samaritischen Frau: „Geh hin, ruf deinen Mann und komm wieder her! Die Frau antwortete und sprach zu ihm: Ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: Du hast recht geantwortet: Ich habe keinen Mann. Fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann; das hast du recht gesagt” (Joh. 4,16-18).

Jesus hat ihr also die Sünde ihres Ehebruchs und ihrer Hurerei bewusst gemacht.

Sie sollte ihr verpfuschtes Leben erkennen, ihre verwundete Seele, ihren Ungehorsam gegen Gottes heiliges Gesetz.

Diese Frau fand schließlich in ihm ihren Frieden, die Ruhe für ihre Seele, für ihr Gewissen; sie fand in Christus Vergebung der Sünden, wahres Leben und die ewige Seligkeit.

Darum heißt es: „Siehe dein Heil kommt!”

Der Sohn des lebendigen Gottes kommt in seinem Wort zu uns elenden Sündern, weil wir aus eigener Kraft nicht zu ihm kommen können.

Darum lesen wir: „Darin besteht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden” (1.Joh. 4,10).

Jesus Christus kommt auch jetzt zu uns allen und spricht: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an“ (Offb. 3,20).

Denn er kennt auch unsere Not, die wir als Christen haben: den täglichen Kampf, die bösen Regungen, die aus unseren Herzen aufsteigen.

Darum klopft er wieder und wieder an und will Einzug halten in dein Persönlichstes: in dein Herz!

Wer aber könnte sein Herz selbst so in Ordnung bringen, sich selbst rein machen, dass es angemessen aufgeräumt ist für Gott?

Sogar der Apostel Paulus hat oft geseufzt: „Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich“ (Röm. 7,18-19).

Aber wollten wir deswegen den Besuch Jesu absagen? Nein!

Das ist ja die Barmherzigkeit Gottes, dass er kommt, weil dein Herz so schlecht ist, weil du dich abquälst und dich nicht selbst gut machen kannst!

Er kommt ja, weil er dein „Heil”, dein „Heiland” ist und dir helfen will!

Saget der Tochter Zion: Siehe dein Heil kommt!”

Ja, es ist ein Wunder, dass er kommen will – in ein solches Herz!

Darum aber sprechen wir eben von „froher Botschaft”, von einer „guten Nachricht”, was grch. „Evangelium“ heißt.

Freue dich einfach und scheue dich nicht!

Du bist nicht zu gering, zu schmutzig, zu ungebildet, zu wenig umgänglich, zu hässlich, zu schwach, zu arm oder zu niedrig!

Du bist nicht einmal zu sündig!

Keiner kann so sündig sein, dass Jesus nicht auch zu ihm kommen wollte, um ihn zu reinigen, zu befreien, und ewig selig zu machen.

Er bekräftigt das: „Ich wohne… bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen” (Jes 57,15).

Es gibt nichts, was ihn abhalten könnte, dir wieder zu helfen – es sei denn, du lässt ihn nicht herein!

2. Jesus kommt zu uns allen in Gnaden

Jesus kommt nicht nur dorthin, wo man ihn einlädt, weil man meint, man sei gut darauf eingerichtet. Nein!

Wir hören: „Siehe dein Heil kommt! Siehe, was er gewann [oder „sein Lohn”], ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her!”

Jesus kommt zu dir. Auch du bist ihm sehr wertvoll – auch wenn du in deinen eigenen Augen gar nicht wertvoll bist!

Er hat dich von Herzen lieb, denn er ist dein Gott, der dich geschaffen hat und wenn er dein Sündenelend sieht, spricht er: „Sooft ich ihm auch drohe, muss ich doch seiner gedenken; darum bricht mir mein Herz, dass ich mich seiner erbarmen muss, spricht der HERR“ (Jer. 31,20).

Ja, Christus kommt zu uns in Gnaden – wieder und wieder!

Und wir gehören durch den Glauben an ihn zur „Tochter Zion“: Er ist unser Friede! Er hat unseren Schuldbrief getilgt! Nun, da wir gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren HERRn Jesus Christus! (Eph. 2,14; Röm. 5,1).

Das war auch das Bekenntnis der Christengemeinde zu Korinth, an die Paulus geschrieben hatte: „Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben. Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes” (1.Kor 6,9-11).

Ist das nicht herrlich? -dass Gottes Sohn, unser Heil zu uns kommt in Gnaden? -dass er nicht kommt, um uns Sünder zu strafen und zu vernichten, sondern um uns durch sein Opfer mit Gott zu versöhnen?

Er kommt in Gnaden und er bleibt in Gnaden. Er schämt sich mit uns nicht. Er fühlt sich wohl unter Leuten, die das Unglück ihrer Sünde erkannt haben und sich von ihm helfen lassen. Freilich, in den Augen der Welt ist das eine abstoßende Gruppe, die sich da um Jesus schart.

Schon damals in Jericho höhnten sie: „Bei einem Sünder ist er eingekehrt!” (Matth. 19,8). Weiter will er auch nichts: Er will, bei Sündern einkehren und sie zum Frieden Gottes bringen, will ihre Kraft, ihr Trost und Beistand sein.

Er will, dass wir immer so neben ihm gehen, damit er uns führen kann – und wir sprechen: Führ uns an der Hand bis ins Vaterland!

Ihr Christen, die ihr an der Hand Christi geht, gehört schon zu der Schar, von der gesagt ist: ”Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her!”

Jesus Christus will aber auch denjenigen, der noch kein lebendiges Glied an seinem Leib ist, aus dem Todesschlaf der Sünde reißen.

Dir lässt Gott predigen: „Siehe dein Heil kommt!”

Darum zögere nicht, wenn dein Gott dich ermutigt: „Gehet ein, gehet ein durch die Tore!”

Haben wir alle miteinander nicht Grund genug einzustimmen in den Jubel: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!”? Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden