Predigt zum 4. Advent

Predigt zum 4. Advent über Psalm 40,7-9

Predigttext: Opfer und Speisopfer gefallen dir nicht; aber die Ohren hast du mir aufgetan. Du willst weder Brandopfer noch Sündopfer. Da sprach ich: Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben. Deinen Willen, mein Gott, tu ich gerne und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen.

Herzlich geliebte Gemeinde!

Eine Gruppe besichtigt eine Kirche. Plötzlich fragt ein Kind: „Warum haben sie Jesus ans Kreuz geschlagen? Hat er was Böses gemacht?“

„Nein eigentlich nicht. Er wollte etwas Gutes, wollte Frieden und Gerechtigkeit, aber die Leute haben das nicht kapiert.“, erklärt der Vater.

Was würdest du dem Kind sagen?

Du gibst nur dann die richtige Antwort, wenn du sie aus dem Wort Gottes nimmst.

Schon weit vor Christi Geburt weissagte der Prophet Jesaja: Der HERR warf unser aller Sünde auf ihn (Jes. 53,6)

Als dann Jesus sein Amt antrat, da wies Johannes der Täufer, der Vorbote des HERRn Christus, auf ihn: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt“ (Joh. 1,29).

Der Apostel Paulus schreibt: „Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt“ (2.Kor. 5,21).

Und der Apostel Johannes lehrt uns: Christus ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“ (1.Joh. 2,2).

Eben das ist Gottes Absicht mit uns Sündern, dass wir in Jesus den haben, durch den wir wieder zum Frieden mit Gott kommen, durch den wir mit Gott versöhnt werden und darum in Gottes Gericht bestehen können.

Darum warf Gott der HERR die Sünde von uns allen auf Christus.

Darum wurde Jesus gekreuzigt, denn er brachte das vollgültige Opfer an unserer Statt.

Das ist der Grund, aus dem wir nun in unseren Liedern singen können: Meine Schuld kann mich nicht drücken, denn du hast meine Last all auf deinem Rücken…

Darum spricht Christus: „Ich muss bezahlen, was ich nicht geraubt habe“ (Ps. 69,5).

Die wirklich biblische, schriftgemäße Antwort auf die Frage des Kindes heißt, wie Petrus schreibt: „Der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fandder unsre Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden (1.Petr. 2,22.24).

Das ist die wunderbare Wahrheit des gnädigen Gottes für uns verlorene Menschen: „Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.“ (1.Joh. 4,9.10)

So hat Gott alles in Erfüllung gehen lassen, was er durch die Propheten vom Kommen des Erlösers weissagen ließ.

Im Blick auf die Krippe im Stall, auf den gekreuzigten Jesus und auf seine Auferstehung: „Auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja (2.Kor. 1,20).

Jetzt wird auch deutlicher, was wir als Predigttext gehört haben.

Der gesamte 40. Psalm ist eine Weissagung; er weist in die Zukunft und zeigt auf Christus, ja er spricht selbst durch diese Psalmworte: „Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben“.

Er redet von seinem Kommen in diese Welt zu unserer Erlösung.

Wir haben einen Gott, der hält, was er verspricht, wie wir auch in Gottes Wort lesen: „Des HERRn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss“ (Ps. 33,4).

Das ist unser Halt, unser Trost, unsere Gewissheit, dass Gott unser lieber Vater ist, der mächtige Helfer, der keinen, der auf ihn vertraut, in Trübsal, Bedrängnissen und Not umkommen lässt.

So wie er 1.000 Jahre vor seiner Menschwerdung durch David sprach: „Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben“, so kommt er auch in dein Leben, kommt durch sein Wort zu dir.

Er kommt – nicht weil wir ihn eingeladen haben, auch nicht weil wir so liebenswert wären.

Er kommt, weil er uns lieb hat, weil er uns aus der Not unserer Sünde erretten und vor der ewigen Verdammnis bewahren will.

Es ist seine Liebe zu uns, die ihn sprechen lässt: „Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben“.

Das Buch“ sind die fünf Bücher Mose im Alten Testament.

Darin ist viel von ihm geschrieben.

Darum hofften die damaligen Gläubigen auf den Heiland.

Der von Gott angekündigte Erlöser war ihr Trost in der Mühsal des Lebens, in der Not ihrer Sünde, ihr Beistand in Anfechtungen und ihr Nothelfer im Sterben.

Darin unterscheiden wir uns nicht von ihnen, die wir nun an den Gekommenen glauben.

Darum führt der Apostel Paulus unseren Blick auf die Menschwerdung Jesu: Ihr kennt die Gnade unseres HERRn Jesus Christus: obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich würdet“ (2.Kor. 8,9).

Gottes Sohn wurde arm aus lauter Liebe

Hier spricht Christus von sich: „Siehe, ich komme… Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen“.

Das spricht Christus an unserer Statt! Für sich selbst hat er es nicht nötig, sich erst noch dem Willen Gottes unterzuordnen, denn er ist selbst der wahre Gott, Gott der Sohn: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh. 10,30).

Weil aber wir, vergiftet von Erbsünde, nicht aus tiefstem Herzensgrund sagen können: „Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, erfüllt Christus in völligem Gehorsam für uns den Willen Gottes.

Nun spricht er: „…und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen“.

Auch wir Sünder haben Gottes Gesetz im Herzen und wissen, was falsch oder richtig ist, denn Gott hat uns seinen Willen ins Herz geschrieben.

Dieses göttliche Gesetz klagt uns an in unserem Gewissen: Du hast nicht getan, was Gott von dir will! Gutes hast du unterlassen, Böses hast du gedacht, geredet und getan!

So muss der Sünder sagen: Ich habe dein Gesetz in meinem Herzen, aber es klagt mich an, droht mir und verdammt mich.

Darum kann der Mensch Gottes Gebote gar nicht leiden. Er widerspricht ihnen und hasst seine Mahnungen.

Spricht aber Christus: „Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen“, so spricht hier der, „der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand“.

Es sind die Worte dessen, auf den Gott unsere Sünde geworfen hat, der nun bezahlen muss was er nicht geraubt hat.

Es sind die Worte unseres Erlösers, der an unserer Statt Gottes Gesetz liebt, weil wir es hassen, der es für uns erfüllt, weil wir dazu völlig unfähig sind.

Christus hängt an unserer Stelle, beladen mit unserer Schuld am Kreuz.

Darum spricht er in unsrem Psalm: „Es haben mich umgeben Leiden ohne Zahl. Meine Sünden haben mich ereilt; ich kann sie nicht überblicken. Ihrer sind mehr als Haare auf meinem Haupt, und mein Herz ist verzagt “ (V. 13).

Er spricht von unseren Sünden, als wären es seine eigenen.

Er nimmt auf sich, was auf Erden, wir getan, gibt sich dran, unser Lamm zu werden, unser Lamm, das für uns stirbet und bei Gott für den Tod Gnad und Fried erwirbet“ (LKG 101,6).

So ist der Sohn Gottes Mensch geworden und hat Schritt für Schritt erfüllt, was bereits im Alten Testament von ihm gesagt ist.

Er erfüllt, was er selbst hat durch die Propheten weissagen lassen.

Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern“.

Und wenn es im Psalm heißt: „Siehe, ich komme…“, so hörst du daraus die unermesslich große Liebe, die Gott zu dir hat, dass er dir helfen will aus deiner Not und dich aus lauter Güte bewahren will vor Zorn, Gericht und Verderben.

Gottes Sohn wurde arm aus Liebe zu uns sündigen Menschen

Womit sollten wir Sünder Gott mit uns versöhnen können?

Womit könnten wir unsere Verfehlungen, unseren Ungehorsam und unsere ganze böse Art wieder gut machen?

Sollen wir Opfer bringen?

Im Psalm heißt es: „Denn du hast nicht Lust am Opfer, ich wollte dir’s sonst wohl geben, und Brandopfer gefallen dir nicht“ (Ps. 51,16).

Fragen wir weiter, was Gott von uns haben will, so antwortet er uns: „Meinst du, dass der HERR Gefallen habe am Brandopfer und Schlachtopfer gleichwie am Gehorsam gegen die Stimme des HERRN? Siehe, Gehorsam ist besser als Opfer und Aufmerken besser als das Fett von Widdern“ (1.Sam. 15,22)

Aber eben dieser Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes, fehlt uns!

Der Messias war dem Vater so gehorsam wie wir es hätten sein sollen.

Sein Gehorsam ist unser Heil, denn er wurde nicht arm, gering, weil er es für sich selbst nötig gehabt hätte.

Wir hören es von ihm selbst, wenn er spricht: „Opfer und Speisopfer gefallen dir nicht; aber die Ohren hast du mir aufgetan. Du willst weder Brandopfer noch Sündopfer. Da ich sprach: Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben“.

Er kommt, weil wir Gott nichts, rein gar nichts geben können, um uns vor seinem Zorn zu schützen!

Weil er dich und mich von Herzen lieb hat! Weil er uns nicht in unseren Sünden, in unserem Elend lassen, uns nicht dem ewigen Verderben preisgeben möchte!

Darum bekennt die Kirche: „Er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust, all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewusst.“

Damit der Sünder Gnad erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt, nimmst selbst an unsrer Menschheit teil, erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil.“

Diese unergründliche Liebe des heiligen Gottes zu uns Verlorenen ist unser Halt und Trost im Leben und im Sterben.

Daran halten wir uns, wenn uns diese Welt öde und fad wird, wenn wir enttäuscht werden, wenn Stress uns einnehmen will und wir nicht ein noch aus wissen.

Im Neuen Testament, im Brief an die Hebräer, finden wir unsere Verse aus dem 40. Psalm wieder.

Dort heißt es von Christus: Denn es ist unmöglich, durch das Blut von Stieren und Böcken Sünden wegzunehmen.

Darum spricht er, wenn er in die Welt kommt: ….Siehe, ich komme – im Buch steht von mir geschrieben -, dass ich tue, Gott, deinen Willen.«

Zuerst hatte er gesagt: »Opfer und Gaben, Brandopfer und Sündopfer hast du nicht gewollt, sie gefallen dir auch nicht«, obwohl sie doch nach dem Gesetz geopfert werden.

Dann aber sprach er: »Siehe, ich komme, zu tun deinen Willen.« Da hebt er das Erste auf, damit er das Zweite einsetze.

Nach diesem Willen sind wir geheiligt ein für alle Mal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi. (Hebr. 10,4ff.)

Das heißt: Gott hatte im Alten Bund (vor Christi Geburt) Opfer geboten. Und weil er sie geboten hatte, waren sie auch gut und richtig.

Aber wirklich Sünde wegnehmen konnten sie nicht. Das geschieht allein durch Gottes Gnade im Glauben an den Erlöser Jesus Christus.

Auf IHN und sein Opfer am Kreuz waren die alttestamentlichen Opfer Hinweise.

Gott wollte, dass die Leute beim Opfern an ihre Sündhaftigkeit erinnert werden und in Glaube und Zuversicht an den verheißenen Erlöser denken.

Darum heißt es im Hebräerbrief:

Denn das Gesetz hat nur einen Schatten von den zukünftigen Gütern, nicht das Wesen der Güter selbst. Deshalb kann es die, die opfern, nicht für immer vollkommen machen, da man alle Jahre die gleichen Opfer bringen muss.

Hätte nicht sonst das Opfern aufgehört, wenn die, die den Gottesdienst ausrichten, ein für alle Mal rein geworden wären und sich kein Gewissen mehr gemacht hätten über ihre Sünden?

Vielmehr geschieht dadurch alle Jahre nur eine Erinnerung an die Sünden.

Denn es ist unmöglich, durch das Blut von Stieren und Böcken Sünden wegzunehmen. (Hebr. 10,1-4).

Und dann tritt Christus in diese sündige Welt, der das vollgültige, einmalige Opfer gebracht hat.

Das ist das Ende für alle alttestamentlichen, auf IHN hinweisenden Opfer, denn nun ist er ja selbst da: Da hebt er das Erste auf, damit er das Zweite einsetze.

Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht. (Röm. 10,4). Die alttestamentlichen Opfer waren „das Erste“. Sie sind nun aufgehoben, beendet.

Christus spricht: …Siehe, ich komme – im Buch steht von mir geschrieben -, dass ich tue, Gott, deinen Willen.

Nach diesem Willen sind wir geheiligt ein für alle Mal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi“

Ja, es ist unmöglich, durch das Blut von Stieren und Böcken Sünden wegzunehmen.

Aber das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. (1.Joh. 1,7)

Diese sich opfernde Liebe Christi lässt uns Ruhe finden in ihm und seinem Wort, wenn uns bewusst wird, dass diese Welt (trotz aller Freude und Schönheit) dennoch ein Jammertal ist.

Ein Psalmwort sagt: „Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nach wandeln, die durch das Jammertal gehen und machen daselbst Brunnen“ (Ps. 84,7).

Diese Brunnen, aus denen die Mühseligen und Beladenen in der Hitze ihrer Trübsal Trost schöpfen wie frisches erquickendes Wasser, diese Brunnen sind Orte, wo man Gottes reines stärkendes Wort hören kann.

Ein solcher Brunnen im Jammertal, ist heute hier, wo wir die Worte des ewigen Lebens hören, wo unsere Seelen aufgerichtet und gestärkt werden, wo Gott seinen Schutzwall um uns baut durch die Vergebung der Sünden.

Das meint Gottes Wort, wenn es sagt: „Die Elenden sehen’s und freuen sich; und die Gott suchen, denen wird das Herz aufleben“ (Ps. 69,32).

Damit wir diese Gnadengaben Gottes haben und genießen können, darum hat Christus Advent gehalten, d.h. ist zu uns in unser Elend, in unser Jammertal gekommen.

Damit wir nach diesem Leben zum ewigen Leben gelangen, hat Christus sich erniedrigt und Gottes Willen an unserer Statt erfüllt.

Damit die Gläubigen sich schon vor tausenden Jahren daran erfreuen und trösten konnten und damit auch wir heute, wo all das erfüllt ist, dieselbe herrliche Zuversicht in ihm haben, sprach er weissagend: „Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben. Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen“.Darum, liebe Adventsgemeinde: „Freut euch in dem HERRN allewege! Und abermals sage ich: Freut euch!“ (Phil. 4,4). Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden