Lesepredigt für den letzten Sonntag nach Epiphanias

Predigt über 2.Korinther 4,6
für den letzten Sonntag nach Epiphanias

Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, daß (durch uns) entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi.

Liebe Brüder und Schwestern, im Namen Jesu Christi!

Dass ein Sünder wie du und ich in den Gnadenbund Gottes aufgenommen wird, dass es in seinem Herzen durch den Glauben an Jesus Christus licht und hell wird, dass er in der Kraft Jesu Tag für Tag lebt und die Barmherzigkeit Gottes in der Vergebung der Sünden genießt, dass er schlimme Bindungen zu überwinden lernt und sich auf die ewige Herrlichkeit Gottes im Himmelreich freut, das hat er alles allein dem gnädigen Wirken Gottes zu verdanken.

Das bekennen wir, indem wir in der Erklärung zum Glaubensbekenntnis sagen: Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten.

Davon redet unser Predigttext: „ Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben…“.

So wurden auch die Weisen aus dem Morgenland von Herzen froh, als sie zum neugeborenen Christuskind kamen.

Wenn Jesus Christus einem Menschen begegnet oder erscheint, dann ist das ein Tag, an dem der allmächtige Gott den Sünder zu sich ruft, weil er ihn heilen will, ihm Gnade anbietet und sein böses Gewissen reinigen und sein Herz stark und getrost machen will.

Dieses Erscheinen heißt auf Griechisch „Epiphanias“.

Das Epiphaniasfest (oder der Dreikönigstag) liegt hinter uns.

Aber der menschgewordene Sohn Gottes erscheint uns immer wieder – und zwar dann, wenn wir sein Wort hören, wie eben jetzt.

Da will er auch uns wieder im Glauben stark und im Herzen froh machen, dass wir ihm nachfolgen und aus seinem Reichtum Glaubensmut und Lebenskraft schöpfen, damit wir unser ewiges Ziel, die Seligkeit bei ihm im Himmel, nicht aus den Augen verlieren.

Dass es immer Gottes Handeln ist, das einen Menschen zu Heil und Glauben, zu Zuversicht, Kraft und Trost und vor allem zur Versöhnung mit Gott bringt, das hat 700 Jahre vor Christi Geburt der Prophet Jesaja geweissagt: „Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!“ (Jes. 60,1).

Und auch dass die weisen Könige aus dem Morgenland kommen werden: „Und die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht… Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des HERRN Lob verkündigen“ (Jes. 60,3.6b).

Was diese Leute bei Jesus erlebten, das haben seitdem unzählige andere auch empfangen dürfen.

Zum Beispiel der Finanzminister von Äthiopien, den wir als den „Kämmerer aus dem Morgenland“ kennen: Als Philippus ihm die Gndenbotschaft Gottes gesagt hatte, da heißt es: „Er zog aber seine Straße fröhlich“ (Apg. 8,39).

Dass auch wir „unsere Straße fröhlich“ weitergehen, das ist Gottes gnädiger Wille, wie er spricht: „Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!“ (Ps. 27,14).

Er will dich segnen, dass du sprichst: „Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?“ (Ps. 27,1).

Was immer auch dein Problem ist, welche Sorgen dich auch bedrücken, welche Last auch auf deinen Schultern liegt:

Licht und hell soll es werden, wo Sünde nur Dunkel und Verderben verbreitet.

Wo angeerbte Feindschaft gegen Gott regiert, da soll durch das Evangelium der helle Schein des Friedens die Herzen erleuchten!

Was ist das für ein barmherziger Gott, der die Mauer unserer Schuld durchbricht und dem Sünder die Hand entgegenstreckt!

Davon lehrt unser Predigttext: „Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi“ (2.Kor. 4,6).

 

Zwei Dinge sind hier besonders wichtig: Es ist Gott, der das Licht des Glaubens schenkt und es ist Gott, der das Licht weitertragen lässt.

Es ist Gott, der das Licht des Glaubens schenkt.

Vor Christi Kommen war Israel von Gott zum Volk des Alten Bundes erwählt worden, ein kleines armseliges Volk, oft der Herrschaft Gottes überdrüssig, leicht verführbar vom Götzendienst der einflussreichen Nachbarvölker.

Aus Israel sollte der Heiland kommen, ein Nachkomme aus dem Geschlecht Davids.

Durch Gottes gnädigen Ratschluss war Israel damals besonders hervorgehoben.

Darum befahl auch der Heiland später seinen Aposteln, die Frohe Botschaft immer zuerst dem jüdischen Volk zu bringen.

Als die Apostel immer mehr Ablehnung erfuhren, sprachen sie: „Euch musste das Wort Gottes zuerst gesagt werden; da ihr es aber von euch stoßt und haltet euch selbst nicht für würdig des ewigen Lebens, siehe, so wenden wir uns zu den Heiden“ (Apg. 13,46).

Wie manche Juden Jesus Christus als ihren Heiland angenommen hatten, wurden durch den Glauben nun auch Menschen aus fremden Völkern Gottes Kinder.

Da war z.B. Lydia in Philippi, einer griechischen Stadt.

Sie hörte vom Apostel Paulus, dass Jesus auch sie durch sein Opfer am Kreuz mit Gott versöhnt hat – und was geschah, als sie das Evangelium hörte: „… der tat der Herr das Herz auf…“ (Apg 16,14)?

Immer wenn ein sündiger Mensch Gottes Wort von Jesus, seinem Erlöser hört, will ihm der Heilige Geist das Herz öffnen, damit das helle Licht des Friedens mit Gott darin leuchten kann.

Paulus schreibt: „Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben“.

Wie also Gott der HERR am ersten Schöpfungstag sein allmächtiges Wort sprach: „Es werde Licht! Und es ward Licht“ (1Mose 1,1ff), so ist es auch bei der Bekehrung eines Sünders.

In beiden Fällen gibt es vorher kein Licht, es herrscht Finsternis.

Wie vor dem Wort „Es werde Licht!“ die entstehende Erde in Dunkelheit gehüllt war, so ist es auch mit der Menschheit, die durch ihre Abkehr vom wahren Gott in der Finsternis des Unfriedens mit ihrem Schöpfer lebt.

Davon spricht die Bibel mit den Worten: „Denn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert“ (Röm. 1,21).

Wie niemand anderes als Gott die Finsternis im Schöpfungsakt vertreiben konnte, so ist es auch keinem Menschen möglich, von sich selbst aus, mit eigener Kraft sein Herz Gott zuzuwenden.

Die Worte des Apostels zeigen uns: Es ist kein Spaß mit der Sünde!

Die angeerbte Feindschaft zu Gott ist unser Verhängnis!

Die angeerbte Feindschaft zu Gott hindert den Menschen, zu Gott zu kommen, macht ihm jede Regung zu Gott hin unmöglich!

Wir Menschen sind Gott ausgeliefert mit Haut und Haaren – auch wenn viele so leben, als ob es keinen Gott gäbe und keinen Tod, als ob sie ewig hier leben und alles selbst bestimmen könnten.

Die Sünde ist der Leute Verderben“ (Spr. 14,34).

Und damit sind ja nicht allein die irdischen Folgen der Sünde wie Krankheit, Leid, Tod, Streit, Krieg gemeint, sondern die Sünde stößt die Leute ins ewige Verderben!

Wenn nun der Mensch nicht einen einzigen Schritt auf Gott zugehen kann, wie machtlos ist er dann gegenüber dem Sog des Verderbens!

Gerade hier erkennen wir besonders klar, wie gnädig Gott ist, der hinein in die verlorene Welt tritt und zu den Verlorenen kommt!

Jesus spricht: „Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe“ (Joh. 12,46).

Es ist darum keineswegs nebensächlich, wenn Gott mit seiner Gnadenbotschaft an einen Menschen herantritt, denn immer dann zeigt er den Weg zur Rettung vor der ewigen Verdammnis durch sein Licht.

Das ist ein unschätzbar wichtiger Augenblick.

Da heißt es: „Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!“ (2.Kor. 6,2) und „Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht“ (Hebr. 4,7).

Denn wenn Gott nicht die Gnade zur Umkehr gibt, hat der Mensch nicht die kleinste Chance zur Umkehr!

Darum ist jeder Tag, an dem Gott in seinem Wort zu einem Menschen kommt, ein „Tag des Heils“ oder „Zeit der Gnade“.

Es ist nicht unser Erfolg, sondern Gottes Geschenk, wenn wir Christen sagen können: „In unserem Herzen ist der helle Schein des Glaubens“.

Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben..“

Ja, „Gott macht uns selig – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit…“ (Tit. 3,4f).

Der seligmachende Glaube im Herzen eines Menschen ist Gottes Schöpfungswerk.

Glaubt ein Mensch an Jesus als seinen Heiland und Erlöser, so ist das eine barmherzige Tat des liebenden Gottes.

Diese Erkenntnis wollen wir uns durch Gottes Wort heute wieder in Erinnerung rufen, wie kostbar der Glaube ist, in dem wir stehen – und wie wertvoll eine jede Gelegenheit ist, bei der wir Gottes Wort hören oder lesen dürfen.

Unser Glaube ist ein Gottesgeschenk, das wir hegen und pflegen müssen, beschützen und bewahren, damit wir ihn nicht verlieren!

Darum schreibt Paulus gleich nach unserem Predigtvers: „Wir haben aber diesen Schatz in irdenen [zerbrechlichen] Gefäßen…“ (2.Kor. 4,7).

Wie aber kann der so kostbare seligmachende Glaube verloren werden?

Ein Christ könnte in eine falsche Sicherheit geraten, in der er meint, er kenne ja Gottes Wort zur Genüge und brauche es nicht regelmäßig.

Er könnte sich an Sünde gewöhnen, weil sie ihm gefällt – und Unbußfertigkeit verdrängt den Glauben schließlich aus dem Herzen.

Er könnte sich an gottlose Leute hängen, die ihn eines Tages dazu bringen, sich von Gott und Gottes Wort abzuwenden.

Der Teufel kennt viele Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen!

Wenn wir aber nun wissen, was für ein seltenes Kleinod der rettende Glaube an den Heiland ist, dass sich daran ewiges Leben und ewiges Verderben entscheiden, wie besorgt sollten wir sein, ihn nicht zu verlieren und ihn nicht durch vorsätzliche Sünde aufs Spiel zu setzen!

Darum mahnt der Apostel: „Schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern“ (Phil. 2,12).

Das heißt: Seid besorgt um euer Heil! Fürchtet euch davor und zittert, euren wertvollen Glauben wieder zu verlieren!

Das heißt auch: Höre und bedenke so oft du kannst das Wort Gottes!

Christus spricht: „Meine Schafe hören meine Stimme… und sie folgen mir“ (Joh. 10,27).

Aber weil manche schnell sicher werden und meinen, sie wüssten schon genug von Gottes Wort, hat Gott uns im 3. Gebot die Richtschnur gegeben: Du sollst den Feiertag heiligen.

Das heißt: Es ist Gottes ausdrücklicher Wille, dass wir ohne dringende Not keinen Gottesdienst versäumen, und dass es einem jeden am Herzen liegen sollte, das Wort Gottes noch weiter zu verstehen – wozu es Bibelstunden gibt.

Es gibt ja so oft Zeiten im Christenleben, wo uns unsere Schuld schwer bedrückt und wir den Ungehorsam in unserem Leben sehen, dass wir an Gottes Barmherzigkeit zweifeln.

Dann aber ist es besonders nötig daran zu denken, dass eben Gott den „hellen Schein in unsere Herzen gegeben hat“ und ihn fort und fort erneuert.

Wir sind einerseits erlöste Kinder Gottes und andererseits noch Sünder, die täglich aus Schwachheit in Sünde fallen.

Da erweist sich Jesus als der Heiland der Sünder, als der Arzt der Kranken, als Tröster der Betrübten, als Beistand der Schwachen!

Es gibt keine andere Bedingung: Nimm aus seiner Hand Gnade und Trost! Fliehe die Sünde! Und glaube an den HERRn Jesus Christus, so wirst du selig (Apg. 16,31).

Ist das nicht wirklich ein „heller Schein“, den er uns damit in unsere Herzen gegeben hat: „Jesus Christus ist die Versöhnung für unsere Sünden“ (1.Joh. 2,2). „Er ist unser Friede“ (Eph. 2,14).

Er ist aber nicht allein unser Friede, nicht allein die Versöhnung für unsere Sünden, „sondern auch für die der ganzen Welt“ (1.Joh.2,2).

Er hat diesen „hellen Schein in unsere Herzen gegeben, damit durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi“.

Es ist Gott, der das Licht des Glaubens schenkt und…

2. Es ist Gott, der das Licht weitertragen lässt

Petrus, Paulus und die anderen Apostel waren besondere Augen- und Ohrenzeugen Christi.

Paulus schreibt: „Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.

Aber auch wir alle dürfen, ja wir sollen das kostbare Licht des Evangeliums hineintragen in diese finstere Welt.

Christus spricht: „Ich bin das Licht der Welt!“ (Joh. 8,12) und er beauftragt die Seinen: „Predigt das Evangelium… wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden“ (Mark. 16,16).

Darum sagt er auch: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Matth. 5,14), wenn wir ihn und sein Gnadenwort weitertragen.

Wir dürfen dieses Leben schaffende Wort nehmen und damit anderen Verlorenen sein Licht bringen!

Der HERR Christus schenke, dass wir auch wie die Apostel sagen: „Wir könnens ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“ (Apg. 4,20). Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden