Lesepredigt für den Sonntag Estomihi

Predigt für den Sonntag Estomihi (Sei mir ein starker Fels)
über 1.Thessalonicher 2,13

Herzlich geliebte Gemeinde,

An Gottes Segen ist alles gelegen.

Der Segen Gottes fließt aus Gottes lebendigem Wort.

Die damalige Christengemeinde in der Stadt Thessalonich ist dafür ein herrliches Beispiel.

Der Apostel Paulus schrieb an sie: „Darum danken wir auch Gott ohne Unterlass dafür, dass ihr das Wort der göttlichen Predigt, das ihr von uns empfangen habt, nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort, das in euch wirkt, die ihr glaubt.“

1. Wie das göttliche Gnadenwort nach Thessalonich kam und was dabei geschah

Paulus selbst hatte in dieser Stadt das Evangelium gepredigt, und es war für ihn und Silas ein Leben in großen Anfechtungen und Ängsten.

Bevor sie nach Thessalonich kamen, waren sie in Philippi misshandelt und in den Kerker geworfen worden.

Paulus schreibt: „Obgleich wir zuvor in Philippi gelitten hatten und misshandelt worden waren, wie ihr wisst, fanden wir dennoch in unserm Gott den Mut, bei euch das Evangelium Gottes zu sagen unter viel Kampf… weil Gott uns für wert geachtet hat, uns das Evangelium anzuvertrauen, darum reden wir, nicht, als wollten wir den Menschen gefallen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft. (1.Thess. 2,2.4).

Dann in Thessalonich hetzten die Juden das Volk gegen die Apostel auf, und Jason, der sie beherbergt hatte, wurde von ihnen vor die Oberen der Stadt geschleift (Apg. 17,1ff.).

Darum schreibt ihnen der Apostel: „Denn, liebe Brüder, ihr seid den Gemeinden Gottes in Judäa nachgefolgt, die in Christus Jesus sind; denn ihr habt dasselbe erlitten von euren Landsleuten, was jene von den Juden erlitten haben. Die haben den Herrn Jesus getötet und die Propheten und haben uns verfolgt und gefallen Gott nicht und sind allen Menschen feind“ (1.Thess. 14f.).

Weil sie an Christus gläubig geworden waren, mussten nun auch sie den Hass ihrer eigenen Landsleute erleiden.

So erging es den Christen im fernen Judäa, sagt der Apostel, und nun ergeht es euch auch so.

So schreibt Paulus auch an den niedergeschlagenen Timotheus: „Alle, die fromm leben wollen in Christus Jesus, müssen Verfolgung leiden“ (2.Tim. 3,12).

Darum lehrt Gottes Wort: „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen“ (1.Petr. 5,8f.).

Auch wenn der Teufel das Evangelium zu behindern sucht, ja den Christen an Leib und Leben geht, so kann er doch den Bau des Reiches Gottes nicht verhindern, wie Christus spricht: Ich will bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen“ (Matth. 16,18).

Trotz der Gewalt des Feindes gab es schließlich auch in Thessalonich eine Schar der mit Gott versöhnten Sünder, „die er durch sein eigenes Blut erworben hat“ (Apg. 20,28).

Sie bekannten in Glauben und Liebe zu Christus: „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade“ (Eph. 1,7).

Ja, „von diesem bezeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen“ (Apg. 10,43).

Denn „keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden (Apg. 4,12).

Vergebung der Sündenschuld aus lauter Gnade, Freude und einen festen Halt in diesem Leben, und vor allem die Gewissheit nach diesem Leben hier in ein anderes, besseres, ewiges in Gottes Himmelreich zu kommen – das ist es, woraus die Christen in Thessalonich all ihre Freude, ihre Kraft und den Trost für Leben und Sterben empfingen.

Darum schreibt Paulus: „Darum danken wir auch Gott ohne Unterlass dafür, dass ihr das Wort der göttlichen Predigt, das ihr von uns empfangen habt, nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort, das in euch wirkt, die ihr glaubt.“

Auch wir wollen Gott danken, dass sein heiliges Wort zu uns gedrungen ist, dass wir es empfangen und erkennen durften.

Das ist der Hauptsegen, an dem alles gelegen ist!

Wir haben keine wohlklingenden Kirchenglocken, keine altehrwürdige Orgel – und das ist auch gar nicht nötig!

Der Schmuck, die Würde und Ehre dieses Gebäudes ist, dass hier Sünder Zugang haben zum heiligen Wort Gottes, das uns alle miteinander „unterweist zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus“ (2.Tim. 3,15).

 

Hier hören wir vom Heiland der Welt, dem HERRn Christus, „der gekommen ist, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist“. (Luk. 19,10), der für uns Gottes heiligen Willen vollkommen erfüllt hat, der gebüßt hat an unserer Statt und uns so mit Gott versöhnt hat, so dass wir Gottes Kinder sind durch den Glauben an ihn (Gal. 3,26) und Erben des ewigen Lebens (Röm. 8,17).

Ja, hier wird dasselbe Evangelium verkündigt, wie damals in Thessalonich, durch das der Heilige Geist auch sie zum Glauben an den Heiland gerufen und wodurch er ihnen Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit geschenkt hat!

Diese Herrlichkeiten für Sünder, diesen Schatz für geängstete Herzen hat Gott der HERR uns auch im vergangenen Jahr erhalten.

Tausend-, tausendmal sei dir, liebster Jesu Dank dafür!

2. Wie die Thessalonicher das göttliche Wort aufnahmen

So hören wir es eben auch vom Apostel Paulus: „Darum danken wir auch Gott ohne Unterlass dafür, dass ihr das Wort der göttlichen Predigt, das ihr von uns empfangen habt, nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort, das in euch wirkt, die ihr glaubt.“

Die Christen zu Thessalonich waren durch die Predigt zu der vom Heiligen Geist gewirkten Erkenntnis gelangt, dass das, was der Apostel ihnen verkündigte, wirklich Gottes Wort ist.

Auch an die Galater hatte er geschrieben: „Denn ich tue euch kund, liebe Brüder, dass das Evangelium, das von mir gepredigt ist, nicht von menschlicher Art ist. Denn ich habe es nicht von einem Menschen empfangen oder gelernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi“ (Gal. 1,11.12).

Durch die dem göttlichen Wort innewohnende Kraft ließen die Hörer in Thessalonich ihren angeborenen Widerstand überwinden.

Gott hat in sein Wort, in das Wort der Propheten, Apostel und Evangelisten, seine göttliche Stärke gelegt.

Diese Stärke strömt demjenigen zu, der Gottes Wort vernimmt und gibt ihm die Kraft, dem Wort zu glauben.

So hatten die Thessalonicher das Evangelium im Glauben angenommen und daraus Jesus Christus als ihren Heiland erkannt.

Auf Gottes Wort, auf seinen Zusagen ruhte nun ihr Vertrauen, und sie empfingen daraus die Gewissheit ihrer ewigen Errettung.

Das Wort der Gnade und Liebe Gottes durchdrang ihr Leben und heiligte fort und fort ihr Denken, Handeln, ihren ganzen Lebenswandel.

Das konnte Paulus nicht in ihnen bewirken, das kann allein Gott selbst: Weder können wir uns selbst zum Glauben an Jesus bringen noch ist es uns möglich, das Vertrauen zu ihm in andere Menschen zu pflanzen.

Dass ein Mensch beginnt an Christus als an seinen Heiland zu glauben und dann auch sein Leben nach Gottes Willen einzurichten, dass er fortan nach Gottes heiligen Geboten lebt – dieses Wunder wirkt allein Gottes Heiliger Geist durch das mächtige Wort Gottes.

Eben dafür dankt der Apostel.

Es ist damals und auch heute dasselbe Wort, auf dem sich die Gemeinde zu Thessalonich erbaute und auf dem auch unsere Gemeinde steht und durch dieses Wort wächst.

So fügt Gott Menschen, die ihm fern waren, der Gemeinde der Erlösten hinzu, wie es im Petrusbrief heißt: „die ihr einst »nicht ein Volk« wart, nun aber »Gottes Volk« seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid“ (1.Petr. 2,10).

Auch den Ephesern schreibt Paulus: „Ihr seid nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist auf welchem der ganze Bau, ineinandergefügt, wächst zu, einem heiligen Tempel in dem HERRn. Auf ihm werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist“ (Eph. 2,19-22).

Darum dankt der Apostel, dass die Thessalonicher „das Wort der göttlichen Predigt… nicht als Menschenwort aufgenommen haben, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort“.

3.

Zuletzt schreibt Paulus noch: „Das in euch wirkt, die ihr glaubt“.

Er dankt Gott zum Schluss dafür, dass er in den Menschenherzen fort und fort in Treue wirkt, ihnen also durch dieses Wort seinen himmlischen und geistlichen Segen mitteilt und schenkt.

So bestätigt und versichert Gott uns, dass wir wirklich seine Kinder sind, dass wir tatsächlich mit ihm versöhnt sind und unter seinem mächtigen Schutz stehen.

So empfangen wir Kraft und Lust, dass wir immer mehr und immer völliger nach seinen Geboten leben, Sünde meiden und ihm dienen.

Durch sein heiliges Wort wirkt er in uns, so dass wir dem folgen können, wozu er uns auffordert: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, dazu du auch berufen bist“ (1.Tim. 6,12).

Da gab es wohl Tage, da liefst du Gefahr, im Glauben gleichgültig und träge zu werden; du wurdest gereizt und gelockt zu sündigen Dingen und beinahe hättest du den Kampf aufgegeben.

Dann hast du wieder das Wort deines Gottes gehört in der Gemeinschaft deiner Brüder und Schwestern – und dein HERR hat dir zugerufen: „Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. So jemand die Welt liebhat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters… Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.“ (1.Joh. 2,15.17).

Dann hast du dich besonnen, hast dich von Gottes Wort wieder zurechtbringen lassen und deinem Erlöser weiter gedient.

Gottes Wort tröstet uns in den Nöten und Trübsalen dieses Lebens, stützt und stärkt in Zeiten des Kleinglaubens und weckt in uns angesichts all des Jammers, den wir in dieser Welt auch durchstehen müssen, die Sehnsucht nach der himmlischen Heimat.

Hast du nicht auch schon Tage erlebt, in denen du mit den Gläubigen aus alter Zeit geseufzt hast: „Der HERR hat mich verlassen, der HERR hat mein vergessen“ (Jes. 49,14) – und Gott hat dann dir wie damals ihnen in seinem Wort gesagt: „Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen; siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet.“ (Jes. 49,15f.).

So hat Gott der HERR dir in deiner größten Not geholfen, in deiner Sündennot, hat dich erlöst, erworben und gewonnen durch das Blut Jesu Christi, das dich reinigt von aller Sünde.

Und er hilft dir in den Nöten des Lebens, in Leid und Weh und auch in deiner letzten Stunde, denn da ruft er dir zu: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ (Joh. 11,25.26).

Seht, was haben wir doch für einen Schatz voller Segen in unserer Mitte! Was hat der HERR uns alles geschenkt!

Darum danke ihm und bitte, dass er uns allen diese Kostbarkeiten erhalten möge, uns und unseren Kinder.

Paulus hatte den Thessalonichern geschrieben: „Darum danken wir auch Gott ohne Unterlass dafür, dass ihr das Wort der göttlichen Predigt, das ihr von uns empfangen habt, nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort, das in euch wirkt, die ihr glaubt.“

Und auch wir haben allen Grund zu rufen: „Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich“ (Ps. 126,3). Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden