Lesepredigt für den Sonntag Reminiszere

Predigt für den Sonntag Reminiszere  (= „Gedenke“) (Gedenke, HErr, an deine Barmherzigkeit)
über Johannes 12,23-26

Predigttext: Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, dass des Menschen Sohn verkläret (verherrlicht) werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es sei denn, dass das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt’s alleine; wo es aber erstirbt, so bringt’s viel Früchte. Wer sein Leben liebhat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasset, der wird’s erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

Liebe Gemeinde!

Der Mittelpunkt der ganzen Heiligen Schrift ist das Leiden und Sterben des Sohnes Gottes zur Erlösung der Sünder.

Daran werden auch die wahren Prediger als Botschafter des lebendigen Gottes erkannt, dass sie unentwegt auf den Heiland weisen: „ER ist die Versöhnung für unsere Sünde, nicht allein aber für die unsere, sondern auch für die der ganzen Welt” (1.Joh. 2,2).

Sie sprechen mit dem Apostel Paulus: „Wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der HERR ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen” (2.Kor. 4,5).

Rechte Christus-Prediger sind Botschafter des lebendigen Gottes.

Es ist ihr Ziel, dass Christus als der einzige Erlöser von Sünden, Tod, Teufel und Hölle groß wird in den Herzen ihrer Zuhörer, sie dagegen klein – als solche, die mit ihren Zuhörern am Heiland hängen und allein aus seiner Kraft schöpfen – wie Johannes der Täufer im Blick auf Jesus spricht.

Er vergleicht die Gemeinde Jesu mit einer Braut und sich selbst mit dem Freund des Bräutigams: „Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihm zuhört und freut sich sehr über die Stimme des Bräutigams. Diese meine Freude ist nun erfüllt. Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen” (Joh. 3,29.30).

Wie nun die rechten Christus-Prediger erkannt werden an der Verkündigung des Evangeliums vom Heiland der Sünder, so ist auch nur diejenige eine wahre, eine göttliche Verkündigung, die Gottes große Gnade in Christus unablässig in den Vordergrund stellt.

Wie sollten wir elenden Sünder sonst göttlichen Trost, himmlische Freude, gewissen Halt finden, wenn unser Herz sich nicht am Leiden und Sterben Jesu stärken und erquicken kann?

Wie sollten wir und andere verlorene Menschen mit uns sonst die in Christus weit offene Tür des Reiches Gottes finden können? -wenn die in das Predigtamt Berufenen nicht unentwegt auf Jesus weisen, wenn sie nicht immer und immer wieder lehren würden: „Christus ist um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt” (Röm. 4,25), wenn sie nicht predigen würden, was ihnen von Gott aufgetragen ist: „Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes” (1.Petr. 1,18.19).

Das Blut Jesu Christi, das er in seinem Leiden und Tod vergossen hat, „macht uns rein von aller Sünde” (1.Joh. 1,7), wäscht unsere Schuld ab (1.Kor. 6,11) und versöhnt uns mit Gott (Eph. 1,7).

Sein Blutvergießen und Sterben war nötig, denn „ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung” (Hebr. 9,22).

Davon spricht Christus hier vor seinem Leiden und Tod.

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Es war nach Jesu Einzug in Jerusalem, kurz vor dem Osterfest.

Auch einige Griechen aus Bethsaida waren da

Sie baten den Apostel Philippus, denn sie wollten Jesus sehen, er möge sie doch mit ihm bekannt machen.

Philippus sprach mit Andreas und beide teilten den Wunsch der Griechen dem HERRn mit.

Er spricht: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht” (Joh. 12,24).

Christus nimmt ein Beispiel aus der Natur.

Der Same bringt die Frucht hervor: Aus einem einzigen Weizenkorn sprießt eine Pflanze mit einer Ähre, an der viele neue Körner wachsen.

Das gesäte Korn, aus dem alles gewachsen ist, muss dabei absterben.

Christus vergleicht sich nun mit einem solchen Korn, das viel Frucht bringt: Er wird am Kreuz sterben; sein Tod ist die Quelle dafür, dass verlorene Sünder durch den Glauben an ihn dem Verderben entrissen und Kinder Gottes werden.

 

Christus hat viel Frucht, viel Segen für uns hervorgebracht und ist gestorben – wie ein Weizenkorn abstirbt, wenn es Frucht bringt.

Hängen wir nun im Glauben an ihm und folgen ihm nach, so hindert der Teufel uns beständig daran, indem er die Liebe zu Jesus aus unserem Herzen zu vertreiben sucht oder uns faul und träge macht, das Wort Gottes zu hören oder uns beständig reizt, Gottes Gebote zu übertreten.

Darum lehrt Christus weiter, wie auch wir durch Trübsal und Sterben schließlich zur Herrlichkeit gelangen werden.

Hängen wir doch an ihm, dem Haupt, wie die Gliedmaßen am Körper.

Der Apostel lehrt, wie wir durch die Taufe Anteil an allem erhalten, was Christus als unser Erlöser für uns getan hat und wie wir durch die Taufe dem HERRn Christus einverleibt werden.

Weil wir nun auf das engste mit Christus verbunden sind, gilt auch von uns und jedem Christen: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht“

Wie der HERR Christus uns durch seinen Tod „Frucht geschafft hat“, d.h. uns den Weg zurück zu Gott gebahnt hat, so soll auch etwas an uns und in uns sterben und „Frucht des Glaubens“ schaffen.

Da muss täglich in uns absterben, was sich hinderlich zwischen uns und unseren HERRn stellt.

Das sind nicht nur Dinge von außen wie die Versuchungen zum Bösen.

Das ist vor allem unser altes sündiges Wesen, das wir von Adam her geerbt haben, die Lust an der Übertretung der Gebote: dass wir Gott nicht „über alle Dinge lieb haben und vertrauen“, dass wir lustlos sind, uns mit Gottes Wort zu beschäftigen und fleißig zu beten.

Da sündigen wir gegen unseren Mitmenschen, entschuldigen ihn nicht, reden nicht Gutes über ihn, sondern lästern und tuscheln, machen ihn schlecht, sind auch oft neidisch, habgierig oder prahlerisch.

Was sich von all dem noch im Herzen eines jeden Christen befindet, nennt man „alter Adam“, weil es der Rest der Art ist, die uns wegen des Sündenfalles Adams und Evas noch anhängt.

So spricht Christus: „von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus böse Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft“ (Mark. 7,21.22).

Dieses Wesen, die bösen Lüste und Neigungen sollen nicht wachsen und gedeihen, sondern von uns täglich bekämpft und getötet werden!

Da gilt eben auch hier das Wort: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht“.

Dass wir auch nur als Kinder Gottes Früchte des Glaubens bringen können, wenn der alte Adam in uns kraft unserer Taufe durch tägliche Reue und Buße ersäuft wird und stirbt mit allen Sünden und bösen Lüsten und wiederum täglich herauskommt und aufersteht ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewig lebe.

Darum spricht Christus weiter: „Wer sein Leben liebhat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren…”

Wer seinen Blick einzig und allein auf das irdische Leben richtet, wird darüber das ewige Leben verfehlen, denn dann kümmert er sich nicht um Gottes Wort, nicht um seine Seele – und er wird nicht gegen das Böse in sich kämpfen, es wird vielmehr jeden Gedanken an Gott überwuchern.

Darum spricht Jesus: „Wer sein Leben liebhat, der wird’s verlieren“.

Wer sein Leben [ohne Jesus, das verlorene Leben, das er von Adam her geerbt hat] liebhat, der wird’s verlieren“, der geht am wahren Leben, das Gott ihm in Christus schenkt, vorbei, verfehlt und verliert es.

Ohne Glauben und Liebe zu Jesus wäre dein Leben ein verlorenes Leben, denn wer Jesus nicht zum Heiland hat, der hat keine Vergebung der Sünden, keinen Frieden mit Gott und wird verdammt werden.

Es kann geschehen, dass auch ein Christ sein Leben, sein verlorenes, sein von Adam her geerbtes sündiges Leben, wieder zu lieben beginnt, dass er zurückfällt in die Ketten der Sünde und unter die Herrschaft des Bösen.

Wenn er ohne Buße so weiterlebt, wird er alle Schätze, die Christus ihm geschenkt hat, verlieren: den Frieden mit Gott, das ewige Leben.

Darum: Alles, was wir ohne Christus sind, muss getötet werden, d.h. es muss untergehen, damit wir im Glauben an Christus als Kinder Gottes leben und nicht aus der Gnade Gottes fallen.

Deswegen spricht Christus: „Wer mir folgen will der verleugne sich selbst (Luk. 9,23), nicht „der verleugne dies und jenes”, sondern „sich selbst”.

Das heißt: Lass den bösen Samen in deinem Herzen nicht zur Wucherpflanze werden! -solchen Samen, von dem wir im Neuen Testament lesen: „Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen. Davon habe ich euch vorausgesagt und sage noch einmal voraus: die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben“ (Gal. 5,19ff).

Christus spricht: „Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein”.

 

Was für ein Unterschied zwischen einem, der sich im Glauben an Jesus klammert und ihm dient und dem, der ohne Jesus lebt!

Der eine liebt sein Leben ohne Jesus, ohne Frieden mit Gott, mit aller unvergebenen Sünde, die ihn einst in die Hölle treiben wird.

Er erfreut sich daran, Gottes heiligen Willen zu übertreten, denn danach verlangt sein sündiges Herz – und so betrügt er, denn er hat davon Vorteile, er hurt und bricht die Ehe, das macht ihm Spaß, er zieht andere in den Dreck, geizt und giert nach Ehre und Geld.

Der andere hat Jesus und Gottes Wort lieb, spürt in sich ebenfalls böses Verlangen, aber er hält sich vor, was Josef einst sprach: „Wie sollte ich denn nun ein solch großes Übel tun und gegen Gott sündigen?“ (1.Mose 39,9).

Er kämpft, damit die bösen Neigungen in ihm nicht noch zur Tat werden.

Darum betet er und fleht um Kraft, dieser Kampf schmerzt ihn.

Er verabscheut und hasst das Leben, zu dem ihn sein alter Adam und der Teufel zwingen will; er kämpft und bittet Jesus um Beistand, denn er will die Vergebung der Sünden, den Frieden mit Gott und die ewige Seligkeit nicht verlieren.

Er weiß also, was Jesus meint: „Wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein“.

Der Christ folgt seinem HERRn nach und trägt sein Kreuz, damit er mit Christus auch zur Herrlichkeit kommt.

Davon redet der Apostel, wenn er schreibt: „Die Leiden dieser Zeit sind der Herrlichkeit nicht wert sei, die an uns soll offenbart werden” – oder anders gesagt: Was ein Christ hier in seinem Leben leiden muss, weil er nach Gottes Willen lebt, wird bedeutungslos (auch wenn es manchmal sehr hart wird), wenn er die Herrlichkeit bedenkt, die ihn nach diesem irdischen Leben bei Christus im Himmel erwartet.

Darum spricht der HERR vor seinem Leiden und Sterben diese Worte zu seinen Jüngern und auch zu den Griechen, die ihn gern sehen wollten.

Christus lehrt uns damit, das Wesen seines Leidens recht zu erkennen.

Denn wer Jesus sehen will, dem zeigt er sich als der leidende Knecht Gottes, der die Sünde der Welt trägt – und dem wir durch Leiden zur Herrlichkeit folgen: „Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein“.

 

Wer durch Jesus dem Reich des Teufels entrissen ist, wird wie Jesus vom Bösen angegriffen.

Wer an Jesus glaubt und ihm täglich nachfolgt, der wird auch mit ihm in der ewigen Herrlichkeit sein.

Darum blicken wir als Christen im täglichen Kampf des Glaubens stetig zu ihm, danken und bekennen: „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade” (Eph. 1,7).

Wer sich sein Herz durch diese Opferliebe des Heilandes der Sünder entflammen lässt, der erkennt im leidenden Sohn Gottes die wahre Herrlichkeit und den Fürsten des Lebens.

Dessen Herz erfasst immer tiefer, was es an IHM hat.

So gilt auch für unser Leben: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht”.

Darum werden die Gläubigen in der Bibel auch „Arme” genannt; denn wer ist ärmer als der, welcher sich bemüht, dass er sich selbst verleugne?

Das Volk Jesu Christi ist im Urteil der Welt arm und gering.

Aber die Kirche Christi weiß, dass die Welt mit all ihren Freuden im Grunde arm und gering ist, weil sie einmal vergehen wird – und nichts mehr bleibt als Gericht, die Verdammnis und das ewige Verderben.

Darum folgt die Schar der Kinder Gottes dem HERRn Christus nach, auch wenn sie davon in der Welt keinen Ruhm hat.

Ein Kind Gottes aber weiß, wohin es geht: „Denn sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so Wenn wir denn mit leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden” (Röm. 8,17). Amen.

Pastor Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden