Predigt am Karfreitag

Predigt am Karfreitag
über 1.Petrus 1,18-21

Predigttext: Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. Er ist zwar zuvor ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt wurde, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen, die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn auferweckt hat von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben, damit ihr Glauben und Hoffnung zu Gott habt.

Eine Kern- oder Hauptaussage der Heiligen Schrift über die Errettung eines Sünders vor dem drohenden Gericht Gottes ist:

So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“ (Röm. 3,28).

Erliegen aber nicht gerade hier viele einem folgenschweren Irrtum?

Sie meinen, wenn sie sprechen „Ich glaube auch an Gott“ – aber damit nur andeuten, auch sie hielten es für möglich, dass es einen Gott gibt, so sei dies der seligmachende Glaube.

Davon spricht die Bibel: „Du glaubst, dass nur einer Gott ist? Du tust recht daran; die Teufel glauben’s auch und zittern“ (Jak. 2,19).

Aber der rechte seligmachende Glaube ist das nicht.

Der rechte seligmachende Glaube vertraut Christus, dass er mein Erlöser ist und für meine Sündenschuld an meiner Statt gebüßt hat.

Dieser Glaube ist nicht ein unsicheres Hoffen.

Vielmehr gründet er sich auf Gottes Wort, das wahr und gewiss ist.

Und je mehr ein Christ seine Seele mit Gottes Wort nährt, desto sicherer und unerschütterlicher wird sein Glaube, also sein Zutrauen zu Christus.

Beispiele und Vorbilder eines solchen auf Gottes festes Wort gegründeten Glaubens finden wir zahlreich in der Heiligen Schrift, z.B. Hiob.

Er musste viel Leid und Not erleben, und als er im größten Elend saß, rief er aus: „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebet; und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken…“ (Hiob 19,25).

Er hätte zweifellos statt „Ich weiß“ auch rufen können: „Ich glaube, dass mein Erlöser lebet!“

Wenn es um göttliche Dinge geht, ist kein Unterschied zwischen „glauben“ und „wissen“, denn Gottes Zusagen können nicht trügen!

Wenn wir bekennen: Ich glaube, dass Jesus Christus… mich verlornen und verdammten Menschen erlöst hat…“, so heißt das nichts anderes als: Ich weiß, dass Jesus Christus mich verlornen und verdammten Menschen erlöst hat…“

Nun sprichst du: „Mein Glaube ist aber oft sehr schwach“

Bedenke: Der Glaube ist das herzliche Zutrauen zu IHM, gegründet auf Gottes Wort und all das, was mir Gott darin zusagt.

Und wir bekennen im dritten Artikel: „…dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen HERRn, glauben…kann.“

Der Glaube ist das Werk des Heiligen Geistes – etwas, was Gott selbst in meinem Herzen anfängt und befestigt – sobald ich sein Wort lese oder höre.

Sagst du von dir selbst: „Mein Glaube ist aber oft sehr schwach“, so liegt das nicht an Gott.

Er hat dir darum sein drittes Gebot gegeben, dass du die Predigt und sein Wort nicht verachtest, sondern gerne hörst und lernst.

Gehe fleißiger mit Gottes Wort um, lies es in der täglichen Andacht, gehe zur Bibelstunde, versäume ohne Not keinen einzigen Gottesdienst!

Der Heilige Geist will an dir wirken, deine Zweifel besiegen, dich im Zutrauen zu Christus stärken, deinen Glauben unerschütterlich machen.

Aber wie kann er das, wenn du dich ihm entziehst?

Die ganze Heilige Schrift ruft uns zu: „Des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss“ (Ps 33,4).

Er hat versprochen, den Heiland zu senden, er hat es getan.

Er hat zugesagt, unsere Sündenlast auf ihn zu werfen, es ist so gekommen.

Er hat uns Friede und Freude, Trost und Hoffnung in IHM zugesagt, er hat sein Wort gehalten.

Die Propheten des Alten Bundes haben von der Gnade Gottes im verheißenen Erlöser geweissagt, die Apostel und Evangelisten bezeugen uns die Erfüllung.

Und nun ruft uns der Apostel als Augen- und Ohrenzeuge Christi zu: Wisset, dass ihr erlöst seid!“

Das ist die Wahrheit aus Jesu Wort: „Es ist vollbracht!“ (Joh 19,30).

Das ist Frucht von Karfreitag, die Siegesbeute aus dem Leidenskampf Jesu: Wisset, dass ihr erlöst seid!“

1. Zuerst fragen wir: Wovon sind wir erlöst?

Der Apostel ruft uns zu: „Wisset, dass ihr erlöst seid …von eurem eitlen Wandel nach väterlicher Weise.

Wenn wir in der Heiligen Schrift „eitel“ lesen, dann ist damit „nichtig“ gemeint.

Wisset, dass ihr erlöst seid von eurem nichtigen Lebenswandel.“

Was ist ein „nichtiger“, ein „eitler Wandel“?

Es ist ein Menschenleben, das nach dem Urteil Gottes völlig nichtig ist, das er nach seinem heiligen Willen verwerfen muss.

Es ist ein Leben, das von Anfang an durch die Erbsünde vergiftet ist, wo der Mensch den Schöpfer nicht ehrt, nicht anbetet, sondern anfeindet.

Wegen der angeerbten Sünde heißt ein solches Leben „eitler Wandel nach väterlicher Weise oder eben „nichtiger Wandel nach der Weise der Väter.

Die Väter haben uns Nichtiges vererbt: ein Herz, das nicht anders kann, als gegen Gott sündigen, das immerzu das Böse will und bei dem der Mensch schließlich in ewigem Verderben endet.

Das ist Gottes Urteil über jedes Menschenleben: „Sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig geworden. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer“ (Röm. 3,12).

Das reicht zurück bis zum ersten Vater aller Menschen, zu Adam und zu seiner Frau Eva.

Sie haben durch die Verführung des Teufels, durch Ungehorsam und Sünde die Brücke zu Gott abgebrochen, die Beziehung vergiftet, die Gemeinschaft zerstört.

Dieses Gift haben sie ihren Kindern und Kindeskindern vererbt.

Denn es ist hier kein Unterschied; sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten…“ (Röm 3,23).

Das ist der Grund, aus dem Gott über die ganze Welt, über jeden Menschen, auch über dich und mich sein Urteil fällt: Schuldig!

Gottes Vorwurf an jeden Menschen heißt: „Denn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert“ (Röm. 1,21).

Es gibt keine Ausnahme: Dem Urteil „Schuldig!“ folgt unweigerlich der Richterspruch des lebendigen Gottes: „Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!“ (Matth. 25,41).

Solange wir unter diesem Urteil Gottes stehen, befinden wir uns unter der Macht der Sünde, im Bannkreis des Teufels – vor dem Abgrund der ewigen Verdammnis.

Die Gnadenbotschaft Gottes vom Karfreitag heißt: „Wisset, dass ihr erlöst seid von eurem eitlen Wandel nach väterlicher Weise“.

Das Wort „erlöst“ bedeutet „freigekauft“: Wisset, dass ihr freigekauft seid von eurem nichtigen Leben nach der Weise der Väter.

2. Zum Zweiten fragen wir: Womit sind wir erlöst?

Der Apostel antwortet: „Wisset, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöset seid von eurem eitlen Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes…“

„…nicht mit Gold oder Silber“

Viele versuchen, Gott einen Handel anzubieten: Sie suchen in ihrem Leben nach der Lösung, nach dem Lösegeld.

Es fällt ihnen Gutes ein, das sie getan haben, und sie nehmen sich vor, noch viel mehr Gutes zu tun, damit sie einmal vor Gottes Richterstuhl bestehen können.

Andere hoffen auf Philosophen, Gurus und Lehrmeister, die ihnen beibringen, sich durch Meditation zu reinigen und Gott zu nähern.

Der Mensch sucht die Lösung, das Lösegeld, entweder in sich oder in dieser Welt!

In allen Religionen dieser Welt suchen Menschen das Lösegeld im Irdischen: in Opfern, in Entbehrungen, auch in Ehelosigkeit oder Einsamkeit.

Doch Gottes Wort spricht: Was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?“ (Matth. 16,26).

Und Gott spricht weiter: „Und wenn du dich gleich mit Lauge wüschest und nähmest viel Seife dazu, so gleißt doch deine Untugend desto mehr vor mir, spricht der HERR HERR. Wie kannst du denn sagen: Ich bin nicht unrein…?“ (Jer. 2,22).

Ja, es ist Lösegeld nötig, aber solches, das kräftig genug ist, Sünde zu sühnen, Gottes Zorn zu stillen, ein ausreichend gültiges Opfer.

Darum sandte Gott seinen Sohn und ließ ihn für uns das Lösegeld bezahlen: nicht Gold oder Silber, nicht das Teuerste und Kostbareste dieser Welt.

Paulus schreibt: „An… [Jesus Christus] haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden…“ (Eph. 1,7).

Es ist „teures Blut“, kostbares, überaus wertvolles Blut, denn es ist das Blut des menschgewordenen Sohnes Gottes, das Blut eines „unschuldigen und unbefleckten Lammes“.

Das Lösegeld kam von außen in unsere Welt herein.

Davon ließ Gott seit Beginn der Menschheitsgeschichte weissagen.

Jesus Christus ist das Opferlamm, auf den alle Opfer im Alten Testament hinwiesen.

Darum zeigte Johannes der Täufer auf Jesus Christus: „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt“ (Joh. 1,29).

Das sündlose Opferlamm Gottes vergießt sein Blut als Lösegeld für die durch Sünde und Ungehorsam Befleckten.

Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde“ (1.Joh. 1,7).

Blicken wir nach Golgatha auf den Gekreuzigten, so sollen wir immerzu denken: „Wisset, dass ihr erlöst seid!“

Der heilige Gott, dein Schöpfer, hat aus lauter Güte und Barmherzigkeit das Gericht zurückgehalten und den Weg der Erlösung geschaffen.

Er will nicht, dass jemand verlorengehe, sondern dass jedermann zur Buße finde.

Wäre die Erlösung von uns selbst, von guten Werken oder Opfern abhängig, wir könnten uns nie sicher sein, ob es denn schon genüge.

Nun aber hat Gott hat den Preis gesetzt, das Lösegeld festgelegt – Gottes Sohn hat ihn bezahlt: ausreichend gültig, kräftig genug, die Sünde zu sühnen, Gottes Zorn zu stillen.

Es steht fest und ist gewiss: „Wir werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christum Jesum geschehen ist“ (Röm. 3,24).

Der hohe Preis lässt keinen Zweifel: „Wisset, dass ihr erlöst seid!“

3. Zum Dritten fragen wir: Wozu sind wir erlöst?

Der Apostel antwortet: „Auf dass ihr Glauben und Hoffnung zu Gott haben möchtet“.

Alle unsicheren Gedanken über Gott und die eigene Ewigkeit haben ein Ende!

Gottes Wort lehrt uns die Wahrheit über uns selbst, die Wahrheit über unser Verderben – und vor allem die Wahrheit über unsere Erlösung!

Gott offenbart sie uns, damit wir durch Jesus Christus „an Gott glauben“, das heißt, damit wir durch unseren Erlöser rechtes Vertrauen zu Gott haben.

Wir sollen nicht in Ungewissheit leben, nicht in Angst vor dem Gericht, nicht verzweifeln, wenn wir unsere Schuld erkennen und wenn es mit uns zu Ende geht!

Wir dürfen los sein vom bösen Gewissen, in kindlicher Zuversicht auf die Hilfe Gottes, unseres himmlischen Vaters, leben und sterben.

Denn ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christum Jesum“ (Gal. 3,26).

Gott zieht uns in Christus an sein Vaterherz: Sehen wir den für uns Gekreuzigten, so erkennen wir Gottes Barmherzigkeit an uns, seine Geduld mit uns, seine Liebe zu uns.

Das fasst der Apostel in die Worte: „…die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn auferweckt hat von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben, auf dass ihr Glauben und Hoffnung zu Gott haben möchtet“.

Mit der Auferstehung Jesu Christi von den Toten hat Gott selbst das Opfer seines Sohnes bestätigt: „Christus ist um unserer Sünde willen dahingegeben und um unsrer Gerechtigkeit willen auferweckt“ (Röm 4,25).

Nun spricht Christus: „Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein“ (Joh 12,26).

Wisset, dass ihr erlöst seid“ heißt darum auch: Hat Gott der HERR unseren Stellvertreter und Erlöser auferweckt, so wird er auch uns, die wir durch den Glauben an Christus hängen, in das ewige Leben führen. Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden