Predigt am Himmelfahrtstag

Predigt am Himmelfahrtstag
über Markus 16,19

Predigttext: Und der HERR, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel und sitzet zur rechten Hand Gottes. Sie aber gingen aus und predigten an allen Orten.

Liebe Gemeinde!

Über Christi Himmelfahrt berichtet der Evangelist Lukas: „Er führte sie aber hinaus gen Bethanien und hub die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten wieder gen Jerusalem mit großer Freude. Und waren allewege im Tempel, priesen und lobten Gott.“ (Luk. 24,50-53).

Und der Evangelist Markus: „Und der HERR, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel und sitzet zur rechten Hand Gottes. Sie aber gingen aus und predigten an allen Orten.“ (Mark. 16,19.20a)

Bevor Christus gen Himmel fuhr, sprach er zu den Aposteln: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matth. 28,18-20).

Er sprach zu seinen Jüngern: „Ihr werdet meine Zeugen sein”.

Die Apostel Jesu sind Augen- und Ohrenzeugen seines Lebens und Wirkens, seines Todes, seiner Auferstehung und Himmelfahrt.

Nach Christi Willen sind sie auch sein Mund: „Wer euch hört, der hört mich…“ (Luk. 10,16) „Der Heilige Geist… wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh. 14,26).

Durch Eingeben des Heiligen Geistes schrieben sie die heiligen Schriften des Neuen Testamentes.

Auf ihr Zeugnis gründet sich unser Glaube, nährt und stärkt sich daran.

Es ist wie bei einer Pflanze: Sie braucht Licht, Luft, guten Boden, Nahrung und natürlich Wasser.

Das ist Gottes Wort für uns Sünder: Es lässt uns atmen und wachsen, denn es schenkt geistliches Leben. In Gottes Wort wurzeln wir, finden Halt und Nahrung, damit unser Glaube nicht verkümmert. Wir ziehen daraus den Saft des Lebens und können in dieser Kraft Früchte des Glaubens hervorbringen.

Das Wort, das Christus uns durch seine Apostel und Evangelisten geschenkt hat, wo er zu uns redet, uns warnt, uns Wege weist und uns tröstet, meint der Psalmensänger: „Und nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit… Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege“ (Ps. 119,43.105)

Das Wort Gottes zeigt uns den Weg dorthin, wohin Christus uns in seiner Himmelfahrt vorangegangen ist.

Himmelfahrt heißt: Unser HERR, unser Erlöser will uns in Ewigkeit bei sich haben, denn er hat gesagt: „Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein (Joh. 12,26).

Und er hat gebetet: „Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen…“ (Joh. 17,24).

Darum ist mitten in unserem Leben, im Alltag, in Arbeit und Mühen, in Freude und schwerer Zeit unser Blick dahin gerichtet, wo Christus ist.

Das meint der Apostel, wenn er schreibt: Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, und nicht nach dem, was auf Erden ist!” (Kol. 3,2f).

Denn das neue Leben, das wir nun als versöhnte Kinder Gottes führen, wird mit unserem irdischen Tod übergehen in das ewige Leben in Christi Herrlichkeit.

Weil wir aber Menschen sind, weil wir leicht irren können und kleingläubig werden, und weil wir eben in einer von Gott abgewandten Welt leben, haben wir es nötig, dass Gottes Wort uns stärkt und unseren Glauben an Christus bestätigt.

Da zeigt uns unser Predigttext, wie überaus wichtig die Himmelfahrt des HERRn für unseren Glauben ist:

1. Sie bestätigt nämlich, dass der Glaube an Jesus Christus der einzig richtige ist, und
2. zeigt uns gleichzeitig, wie wichtig der Glaube bleibt, solange wir hier leben.

1. Der Glaube an Jesus Christus ist der einzig richtige.

Da sind die Weltreligionen – und der Zeitgeist versucht es so darzustellen, als ob doch alle an denselben Gott glauben, ihn nur eben anders nennen.

Aber es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen dem rechten Glauben an den dreieinigen Gott und jedem anderen Glauben in dieser Welt: „Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt” (2.Kor. 5,21); „aus Gnade seid ihr selig geworden…, Gottes Gabe ist es” (Eph. 2,8).

Mit anderen Worten: Gott hat sich uns geschenkt, uns mit sich versöhnt und das Opfer der Erlösung selbst vollbracht!

Das ist der Unterschied zu allen anderen Religionen dieser Welt, der Unterschied zu Irrglauben und Werkgerechtigkeit.

Denn in allen anderen Religionen muss der Mensch das Opfer bringen, um selig werden zu können.

Darum versucht der Teufel den rechten biblischen Glauben durch Verfälschungen die Kraft zu nehmen und ihn so zu zerstören.

Er streut Irrlehre wie die, dass der Mensch gute Werke tun müsse, um eigene Sünde zu tilgen, denn Christus hätte nur die Erbsünde gebüßt, und gebe nun Kraft, damit der Sünder sich selbst völlig mit Gott versöhnen könne.

Wäre das wahr, dann wäre das Christentum nichts anderes als eine Religion unter vielen, wäre Irrglaube und Götzendienst.

Dagegen spricht Gottes Wort: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden”.

So antworteten Paulus und Silas dem Gefängnisaufseher von Philippi auf dessen Frage: „Liebe Herren, was muss ich tun, dass ich selig werde? Sie sprachen: Glaube an den HERRn Jesus, so wirst du… selig” (Apg. 16,30f.).

Das ist der feste Grund unseres Glaubens, das ist unser Trost in allen Anfechtungen.

Gott der HERR bestätigt es uns mit zwei Tatsachen, dass der Glaube an den gekreuzigten Heiland wirklich der allein seligmachende ist.

  • Die erste Bestätigung besteht in vier Worten: „Gott hat ihn auferweckt” (Apg. 2,24).

Es ist derselbe gen Himmel gefahren, der um unserer Missetat willen verwundet wurde, der sich selbst zum Opfer gegeben hat und am dritten Tag auferstanden ist.

Damit, dass Gott unseren Stellvertreter, mit unseren Sünden beladen, in den Tod dahingegeben und ihn am dritten Tage auferweckt hat, ist uns die Bestätigung gegeben: Jesus ist frei und mit ihm sind es alle, die im Glauben an ihm hängen.

Denn „Christus ist um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt” (Röm. 4,25).

  • Die zweite Bestätigung ist: Die Weissagungen aus alter Zeit sind mit Christi Himmelfahrt erfüllt.

Gott fähret auf mit Jauchzen und der HERR mit heller Posaune. Lobsinget, lobsinget GOtt; lobsinget, lobsinget unserm Könige!“ (Ps. 47,6.7)

Im Psalm lesen wir:Der HErr sprach zu meinem HErrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege.“ (Ps. 110,1).

Im Neuen Testament weist der Apostel auf diese Weissagung und lehrt: „Gott hat Christus von den Toten auferwecket hat und gesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Fürstentümer, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Und hat alle Dinge unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt zum Haupt der Gemeinde über alles…“ (Eph. 1,20-22).

  • Die dritte Bestätigung dafür, dass der Glaube an Jesus Christus der einzig richtige ist, ist seine Himmelfahrt.

Mit ihr versichert uns Gott der HERR: Wenn euer ganzes Vertrauen, euer Sehnen und Hoffen auf Jesus, den Gekreuzigten und Auferstandenen gerichtet ist, dann ist eure Zuversicht nicht vergeblich.

Denn es heißt: „Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes ist und vertritt uns (Röm. 8,34).

Und eben das lehrt die Schrift von der Himmelfahrt Jesu „Christus hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe” (Hebr. 1,3) oder wie es in unserem Predigttext heißt: Und der HERR, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel und sitzet zur rechten Hand Gottes”.

Unser Erlöser und Bruder in gleicher Majestät und Ehre mit Gott dem Vater und dem Heiligen Geist.

Das war auch der Trost des Märtyrers Stephanus, als er seinen Heiland mit dem Tod preisen sollte: „Er …sah auf gen Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus stehen zur Rechten Gottes und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen” (Apg. 7,55).

Zu ihm, dem gen Himmel gefahrenen HERRn betete er im Sterben: „HERR Jesus, nimm meinen Geist auf!” (Apg. 7,59).

Dahin ist die Sehnsucht aller Kinder Gottes gerichtet, und sie sprechen mit dem Apostel: „Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll” (Röm. 8,18).

Das ist der Trost, wenn wir im Glauben alle Zuversicht auf IHN setzen und Gott uns in seinem Wort bestätigt: Jesus Christus ist euer Bruder geworden, als euer Bruder euer Stellvertreter und Bürge, als euer Bürge euer Vorläufer!

Er ist der Erste, wer an ihn glaubt, den nimmt er mit sich.

Gottes Wort sagt davon: Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten und der Erstling worden unter denen, die da schlafen (1.Kor. 15,20) und „Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, damit er in allem der Erste sei.” (Kol. 1,18).

Christus, wahrer Gott und Mensch, ist gen Himmel gefahren. Er ist der erste Mensch, der als unser Haupt und Vorläufer hindurchgedrungen ist durch die Mauer der Schuld und Gottesfeindschaft.

Jesus ist in allem der Erste, und die an ihn glauben, also durch den Glauben mit ihm auf das engste verbunden sind, die folgen ihm nach, durch den Tod, in der Auferstehung und werden im Himmel bei ihm sein alle Zeit.

Denn Jesus sagt ja: „Und wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen” (Joh. 12,32).

So haben wir in der Himmelfahrt Jesu die kostbare Bestätigung Gottes, das sichere Pfand dafür, dass auch wir nach unserem irdischen Leben in die ewige Herrlichkeit Gottes gelangen werden, wie Christus spricht: „Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein” (Joh. 12,26).

Darum schreibt Paulus, dass Gott uns durch Jesus aus dem Todesschlaf der Sünde auferweckt und in das himmlische Wesen eingesetzt hat durch Christus (Eph. 2,5f.).

Nun haben wir Bürgerrecht im Himmel (Phil. 3,20).

Zwar leben wir noch im Glauben und nicht im Schauen (2.Kor. 5,7), aber wer an den gekreuzigten, auferstandenen und zum Himmel gefahrenen Heiland glaubt, wird vom Glauben zum Schauen gelangen.

Bis wir dahin kommen, dass wir Gottes Angesicht schauen und beim HERRn Christus sind, ist es für den einen eine weitere, für den anderen eine kürzere Wegstrecke.

Noch leben wir in dieser Welt, darum ist auch das andere wichtig:

2. Die Himmelfahrt Jesu zeigt uns gleichzeitig, wie wichtig der Glaube bleibt, solange wir hier leben.

Gott sei es geklagt: Wir Christen des 21. Jahrhunderts unterscheiden uns nicht von den damaligen.

Jesus „…schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härte, dass sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen” (Mark. 16,14).

Auch unsere Herzen sind oft sehr hart, trauen dem Wort Christi nicht, lassen sich verführen und fallen in Kleinglaube und Zweifel.

Vielleicht meinen auch wir manchmal, es wäre besser, wenn Christus noch sichtbar bei uns wäre, dann würde uns der Glaube viel leichter fallen.

Aus diesem Grund haben wohl auch die Sekten so großen Zulauf, weil sie greifbare Erfahrungen versprechen und manche von ihnen auch von einem tausendjährigen sichtbaren Reich Christi hier auf Erden reden.

Was Jesus damals zu Thomas sprach, zeigt uns den rechten Weg: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!” (Joh. 20,29).

Gerade vor seiner Himmelfahrt bestätigt er dies noch einmal: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden”.

Der Glaube gründet sich auf Gottes geschriebenes Wort, nicht auf Erfahrungen, und auf die Sakramente, die unser HERR gestiftet hat: die heilige Taufe und das heilige Abendmahl.

Dadurch weckt, stärkt und erhält Gott den Glauben – bis er in der Seligkeit zum Schauen gelangt.

So zeigt Jesus uns mit seiner Himmelfahrt: Sein Reich ist nicht von dieser Welt; es ist für uns nicht sichtbar, auch werden da unsichtbare Güter ausgeteilt.

Sein Reich ist ein unsichtbares Reich der Gnade durch den Glauben.

Nicht auf Sichtbares sollen wir unsere Hoffnung setzen, uns nicht vom natürlichen Denken leiten lassen, das immer begreifen, erfahren, sehen und fühlen möchte.

Vielmehr bindet uns Christus an sein Wort, das er uns in den Schriften der Bibel hinterlassen hat.

Durch dieses Wort will er uns stärken, wenn wir kraftlos werden, Freude schenken, wenn wir traurig sind und uns die Vergebung unserer Sünden versichern, wenn der Teufel uns die Hölle heiß macht.

Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende” (Matth. 28,20).

Greift Christus nicht mit euren Hände; haltet ihn nicht mit euren Armen, sondern im Glauben in euren Herzen fest! Amen.

Pfr. Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden