Lesepredigt am Sonntag Exaudi

Predigt über einen Vers aus der altkirchlichen Epistel
zum Sonntag Exaudi 1.Petrus 4,8

Predigttext: Vor allen Dingen aber habt untereinander eine brünstige Liebe; denn die Liebe deckt auch der Sünden Menge.“

Herzlich geliebte Gemeinde!

Im 1. Psalm wird einer, der im rechten Glauben steht und mit Gottes Wort umgeht, mit einem Baum verglichen: „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern hat Lust am Gesetz des HERRN und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht! Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, / der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl.“ (Ps. 1,1-3).

Daneben ist unser heutiger Predigttext eine Ermahnung zu einem eben solchen christlichen Leben, aus dem heraus auch Früchte wachsen.

Wer nun durch seinen Glauben an Christus Vergebung der Sünden hat, ein Kind Gottes ist und ein Erbe der himmlischen Herrlichkeit, der soll so leben, dass an ihm auch erkennbar ist, dass er im Besitz dieses großen Schatzes ist.

Wer in das Reich der Gnade Gottes versetzt ist, an dem soll spürbar sein, dass er ein neuer Mensch geworden ist.

Der Apostel Petrus lehrt vor unserem Text von guten Werken, die aus dem rechten Glauben folgen und ermahnt die Christen, sich von groben Sünden weit entfernt zu halten: „Denn es ist genug, dass ihr die vergangene Zeit zugebracht habt nach heidnischem Willen, als ihr ein Leben führtet in Ausschweifung, Begierden, Trunkenheit, Fresserei, Sauferei und gräulichem Götzendienst.“ (1.Petr. 4,3).

Er beschließt diese Ermahnung mit den Worten: „Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet.“ (Vers 7).

Damit wir Christen nun von heidnischen, gegen Gottes Willen gerichteten Dingen (die uns doch umgeben und zu denen wir auch versucht werden) ablassen und zu einer rechten Mäßigkeit und Nüchternheit kommen, erinnert er uns daran, dass unser HERR und Gott etwas anderes von uns will.

Wir sollen andere Leute werden und fleißig mit Gottes Wort umgehen.

Dadurch nämlich sind wir nicht allein wiedergeboren und Gottes Kinder geworden, sondern damit werden wir auch in diesem Gnadenstand erhalten.

Denn wir sollen nie vergessen: Wir haben einen Feind, das ist der Teufel und unser eigenes Fleisch, das voller böser Sehnsüchte ist, so dass wir kämpfen müssen solange wir auf Erden leben.

In diesen Kampf hat unser Gott uns gesetzt als wir Christen wurden.

In diesem Kampf sollen wir wachsam, besonnen und nüchtern sein, d.h. vernünftig und sachbetont – nicht gedankenlos, faul und schläfrig.

Denn diese beiden gehören als Waffen ins Christenleben: Erstens Fleißig Gottes Wort hören, lernen und sich darin üben, sich damit unterrichten, trösten und stärken.

Zum anderen wenn der Kampf beginnt, den Versuchungen des Teufels und der bösen Lust des eigenen Fleisches widerstehen, sich von Gottes Wort stärken und leiten lassen und mit Bitten und Flehen zu Gott im Gebet rufen um Beistand und Hilfe.

So ist das Leben des Christen ein beständiges Gespräch zwischen ihm und seinem Gott: Entweder dass Gott mit uns redet und wir still sitzen und zuhören oder dass wir mit ihm reden, ihn bitten und er uns zuhört.

Der Teufel schläft nicht und ruht nicht, aber weder das eine noch das andere kann der er leiden: Wenn Gott zu uns spricht oder wir mit ihm, so muss der Satan mit seinen Versuchungen weichen; und auf diese Weise wird auch in uns selbst unser alter, zur Sünde geneigter Mensch zu Boden gezwungen und vorübergehend zum Schweigen gebracht.

Fragen wir, warum diese Ermahnung so nötig ist, so antwortet der Apostel: „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben…“ (1.Petr. 5,8.9a).

Weil ihr zu denen gehört, die von Christus zu diesem Kampf verordnet sind, müsst ihr auch gut bedenken, wie ihr dem Feind widerstehen könnt.

Das geschieht allein durch Gottes Wort, den Glauben und das Gebet.

Nun lehrt der Apostel weiter: Vor allen Dingen aber habt untereinander eine brünstige Liebe…“ (Vers 8).

Hat er vorher davon gesprochen, wie die Christen sich für ihre Person verhalten sollen, so geht es jetzt darum, wie sie sich gegenüber anderen stellen sollen.

Er fasst die gesamte zweite Tafel der Gebote (wo es um unser verhalten gegenüber unserem Nächsten geht) in das Wort „inbrünstige Liebe“: „Hegt innige Liebe zueinander!“

Gegen den Teufel und gegen eigene böse Neigungen zu kämpfen wird verhindert, wo nicht Liebe und Einigkeit regieren, sondern Zorn, Missgunst und Widerwille.

So lehrt Christus ja auch im Vaterunser: Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern.

Wie könnten wir füreinander bitten, uns gegen seitig beistehen und innige Liebe zueinander hegen, wenn einer dem anderen abgeneigt oder gar feind ist und ihm nichts Gutes gönnt?

Wo die Herzen gegeneinander sind, ist keine Lust und Liebe mehr zu Gottes Wort, und das Gebet ist versiegt und erloschen.

Vor allen Dingen aber habt untereinander eine brünstige Liebe!“

Es soll unter uns Christen nicht ein abgekühlt-höflicher Umgang sein, sondern ein innig-glühende christliche Liebe.

Es soll nicht ein Schein der Liebe sein, sondern eine recht ernsthafte, die sich nicht so leicht auslöschen lässt – wie eine Liebe zwischen Mann und Frau oder Eltern und Kindern.

Denn wo rechte eheliche Liebe oder Vater- und Mutterliebe ist, da hört sie nicht auf, auch wenn einer von ihnen gebrechlich, schwach, voller Geschwüre oder tödlich krank ist.

Je größer die Not ist, in je größerer Gefahr der andere schwebt, desto mehr wird das Herz bewegt und desto mehr und inniger brennt in dem einen die Liebe zum anderen.

Solche eine herzliche Liebe soll zwischen den Christen auch sein, weil sie alle Kinder eines Vaters im Himmel und untereinander Schwestern und Brüder sind, ja von Gott ermahnt, auch ihre Feinde zu lieben, keinem Menschen Böses zu gönnen, sondern jedem gern helfen und dienen sollen wie und wo sie nur können.

Mit diesem schönen roten Gewand (im Bild gesprochen) sollen wir Christen vor aller Welt angezogen sein (über dem weißen Gewand der Gnade Gottes, das wir in der Taufe empfangen haben).

So folgen wir dem Beispiel unseres HERRn Christus, der auch gegenüber uns schwachen sündigen Menschen, ein solches rotfarbenes Kleid der Liebe trägt, mit seinem Blut besprengt und sein Herz uns gegenüber brennt in unaussprechlich großer Heilandsliebe.

Ja, es ist sein Wille, wie er selbst spricht: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Joh. 13,34.35)

Darüber hinaus lässt der HERR uns durch seine Apostel wieder und wieder daran erinnern, eines Sinnes zu sein, herzliche Liebe zu haben und einer den anderen höher zu achten als sich selbst (Phil. 2,2.3).

 

Warum ist diese Erinnerung und Ermahnung so wichtig?

Weil unter den Christen, was die herzliche Liebe betrifft, noch viel Schwachheit und Mangel ist.

Fallen doch hin und wieder auch zwischen Eheleuten oder den besten Freunden Worte und geschehen Dinge, die den anderen ärgern oder verletzen.

Es ist, als ob man sich stößt, mit dem Hammer auf den Finger schlägt oder sich selbst in die Zunge beißt.

Es ist leichter, sich etwas Gutes zu tun als das Böse zu ertragen.

So ist es auch mit der christlichen Liebe: Es ist schwer, etwas zu ertragen und sich nicht von Zorn, Rachgier und ungeduld überwinden zu lassen.

Die Liebe, die unser HERR bei uns sucht ist eine solche, die sich am stärksten zeigt im Leiden und Ertragen – stärker als im Tun.

Darum spricht er: Vor allen Dingen aber habt untereinander eine brünstige Liebe; denn die Liebe deckt auch der Sünden Menge.“

Nun ist die christliche Liebe kein gutes Werk, durch das ein Mensch sich die Aufnahme in Gottes Reich oder gar die Seligkeit verdienen könnte.

Lehrt die Schrift: „Aus Gnaden seid ihr selig worden durch den Glauben, und dasselbige nicht aus euch, Gottes Gabe ist es“ (Eph. 2,8), so kann an keiner Stelle der Bibel das Gegenteil richtig sein.

Darum irren alle die meinen, wenn ich Liebe übe, decke ich durch dieses Tun meine eigenen Sünden zu.

Nein! Spricht der Apostel: „Die Liebe deckt auch der Sünden Menge, es geht um Sünden und Verfehlungen meines Nächsten. Die soll meine Liebe zudecken und nicht hervorheben.

Diese Worte hat er aus den Sprüchen Salomos genommen, und dort heißt es: „Hass erregt Hader [d.h. Zank und Streit]; aber Liebe deckt zu alle Übertretungen.“ (Spr. 10,12).

Der Zwietracht wird in diesem Spruch also die Liebe gegenübergestellt.

Denn wo Hass und Neid, Hass und Groll die Herrschaft in einem Herzen gewinnen, so folgen daraus giftige Worte – entweder hinter dem Rücken oder öffentlich, üble Nachrede und Missgunst.

Hört er etwas Gutes über seinen Nächsten, so deutet er es zum Schlechten, hört er, ihm sei ein Unglück widerfahren, so hält er es für eine gerechte Strafe.

So wird der andere auch erbittert, beginnt zu hassen, zu lästern und gönnt dem ersteren auch nichts Gutes.

Dagegen lehrt uns Gottes Wort von der Liebe, sie sei eine ganz reine und köstliche Tugend, die vom Nächsten nichts Böses redet oder denkt, sondern sogar Sünde zudeckt – nicht eine oder zwei Sünden, sondern „die Menge der Sünden“, wie einen großen Haufen oder einen ganzen Wald oder ein Meer voller Sünden.

Die rechte Liebe will sich nicht sonnen in den Sünden des Nächsten, ihn schlecht machen, um selbst als ein Heiliger zu erscheinen.

Die rechte geistliche Liebe entschuldigt den Nächsten vor anderen, hilft bessern so viel sie kann und macht das Übel nicht durch Hochmut und Abneigung ärger.

Willst du als ein Christ leben, dann strebe danach, dass du nicht wie die anderen handelst als ein Gottloser und ein solcher, der Christi Liebe nicht am eigenen Leib und Leben erfahren hat.

So lehrt auch der Apostel Paulus: „Die Liebe ist langmütig und freundlich; die Liebe eifert nicht; die Liebe treibt nicht Mutwillen; sie blähet sich nicht; sie stellet sich nicht ungebärdig; sie suchet nicht das Ihre; sie lässet sich nicht erbittern; sie trachtet nicht nach Schaden; sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit; sie freuet sich aber der Wahrheit; sie verträget alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles.“ (1.Kor. 13,4-7)

Das ist also die Eigenart der Liebe, dass sie sich nicht erbittern lässt nicht aufhört zu lieben und Gutes zu tun und das Böse zu erdulden.

Liebe kann nicht hassen und dem Nächsten feind sein.

So böse kann es keiner machen, dass sie aufgibt und aufhört zu lieben – sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, erduldet alles.

Die Liebe verhält sich nicht anders als eine Mutter gegenüber ihrem Kind, das schwach ist oder krank oder ungeschickt oder voller Kot.

Die Mutter sieht es und sieht es doch nicht, denn sie hat ihr Kind lieb.

Darum übersieht sie das Ungeschick oder die Unreinheit, sieht nur ihr Kind als eine schöne Frucht ihres Leibes durch Gottes Gnade.

Sie ist blind vor Liebe, so das sie auch einen Makel, eine Warze oder sonst etwas gern übersieht.

Das ist „Sünde zudecken durch die Liebe“.

So ist die Liebe eine ganz besondere Tugend am Christen, die er nicht von sich selbst hat.

Die Liebe ist vielmehr eine „Frucht des Geistes“, d.h. ein Gnadengeschenk Gottes durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist, wie Paulus schreibt: „Die Frucht aber des Geistes ist: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit.“ (Gal. 5,22).

Darum heißt es: „Die Liebe freut sich nicht über Ungerechtigkeit; sie freut sich aber an der Wahrheit.“ (1.Kor. 13,6).

Wir sollen die Sünden des Nächsten nicht vertuschen und verschleiern.

Vielmehr so, wie es in der Erklärung zum 8. Gebot heißt:

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsern Nächsten nicht fälschlich belügen, verraten, afterreden1 oder bösen Leumund machen, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren. (Luther, Kl. Katechismus)

Freilich, das Böse, wie ein gottloses Leben und falsche Lehre soll nicht zugedeckt und auch nicht verharmlost werden.

So muss nach Gottes Willen die Obrigkeit Unrecht verfolgen und bestrafen.

Prediger und alle Christen sollen den Nächsten ermahnen, seine Sünde „Sünde“ nennen und ihm zurecht helfen.

Aber es ist ein großer Unterschied zwischen zornig sein über Unrecht und Sünde, sie nach Gottes Willen aufdecken und den Nächsten ermahnen und auf der anderen Seite rachgierig sein, boshaft, Böses wünschen und nicht vergeben wollen.

Es ist nicht gegen die Liebe Sünde zu strafen, denn die rechte Liebe lässt den Nächsten nicht in Irrtum und auf dem Weg zum Verderben, denn „sie trachtet nicht nach Schaden“.

Sie sieht nicht gern Sünde und Schande am Nächsten, sondern will ihm helfen und ihn zum Willen Gottes weisen und damit zu seinem Heil.

Darum ist es nötig, dass er seine Schuld erkennt und einsieht.

Aber Groll auf ihn haben oder ihn hassen ist nicht recht.

Die Liebe ist brennend und trachtet danach, wie sie einem jeden aus allem Bösen helfe.

Es tut ihr weh, wenn der Nächste, den sie liebt, Böses gegen Menschen oder Gott tut; darum hegt sie herzliches Erbarmen – auch wenn sie, weil er hartnäckig beim Bösen bleibt für einen Ungläubigen halten muss.

Dennoch sucht sie seine Besserung und will ihn zur Erkenntnis der Wahrheit verhelfen.

Die Liebe ist zornig dem Nächsten zugute, darum kann sie nicht schweigen. Aber sie trägt und leidet und lässt nichts unversucht.

Sie kann den rechten Unterschied machen: Sie ist der Sünde feind und liebt doch die Person.

Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist: »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren«, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.“ (Röm. 13,8-10).

Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ (Röm. 15,4).

So seid nun Gottes Nachfolger als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.“ (Eph. 5,1.2).

Und wenn du an dir erkennst, wie schwach doch deine Liebe ist und wie oft du doch im Blick auf deinen Nächsten den Willen Gottes missachtet hast, so höre dieses Wort:

Die Gnade deines Erlösers erstreckt sich auch auf diese deine Verfehlungen, denn es ist der HERR „der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen… Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte… Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.“

Euch aber lasse der Herr wachsen und immer reicher werden in der Liebe untereinander und zu jedermann, wie auch wir sie zu euch haben“ (1.Thess. 3,12). Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden

Ein wahrer Glaube Gotts Zorn stillt, daraus ein schönes Brünnlein quillt,
die brüderliche Lieb genannt, daran ein Christ recht wird erkannt.

Christus sie selbst das Zeichen nennt, daran man seine Jünger kennt;
in niemands Herz man sehen kann, an Werken wird erkannt ein Mann.

Die Lieb nimmt sich des Nächsten an, sie hilft und dienet jedermann;
gutwillig ist sie allezeit, sie lehrt, sie straft, sie gibt und leiht.

Ein Christ seim Nächsten hilft aus Not, tut solchs zu Ehren seinem Gott.
Was seine rechte Hand reicht dar, des wird die linke nicht gewahr.

Wie Gott lässt scheinen seine Sonn, und regnen über Bös und Fromm,
so solln wir nicht allein dem Freund dienen, sondern auch unserm Feind.

Die Lieb ist langmütig, freundlich, sie eifert nicht, noch bläht sie sich,
glaubt, hofft, verträgt alls mit Geduld, verzeiht gutwillig alle Schuld.

Sie wird nicht müd, fährt immer fort, kein saurer Blick, kein bitter Wort
gibt sie. Was man sag oder sing, zum Besten deut‘ sie alle Ding.

O Herre Christ, deck zu unser Sünd und solche Lieb in uns anzünd,
dass wir mit Lust dem Nächsten tun, wie du uns tust, o Gottes Sohn.

Nikolaus Herman 1562

1hinter dem Rücken reden; in seiner Abwesenheit Schlechtes über ihn reden