Predigt am 4. Sonntag nach Trinitatis

Predigt am 4. Sonntag nach Trinitatis
(Am Tag Johannes des Täufers, 24. Juni)

über Johannes 1,35-49 

Predigttext:

35 Am nächsten Tag stand Johannes abermals da und zwei seiner Jünger; 36 und als er Jesus vorübergehen sah, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm!

37 Und die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach. 38 Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister -, wo ist deine Herberge? 39 Er sprach zu ihnen: Kommt und seht! Sie kamen und sahens und blieben diesen Tag bei ihm. Es war aber um die zehnte Stunde.

40 Einer von den zweien, die Johannes gehört hatten und Jesus nachgefolgt waren, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus. 41 Der findet zuerst seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden, das heißt übersetzt: der Gesalbte. 42 Und er führte ihn zu Jesus. Als Jesus ihn sah, sprach er: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas heißen, das heißt übersetzt: Fels. 43 Am nächsten Tag wollte Jesus nach Galiläa gehen und findet Philippus und spricht zu ihm: Folge mir nach!

44 Philippus aber war aus Betsaida, der Stadt des Andreas und Petrus.

45 Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, Josefs Sohn, aus Nazareth. 46 Und Nathanael sprach zu ihm: Was kann aus Nazareth Gutes kommen! Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh es!

47 Jesus sah Nathanael kommen und sagt von ihm: Siehe, ein rechter Israelit, in dem kein Falsch ist.

48 Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich.

49 Nathanael antwortete ihm: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel!

Liebe Gemeinde!

Am heutigen 24. Juni ist der Gedenktag an die Geburt Johannes des Täufers.

Johannes war Herold, Vorbote, des verheißenen Messias.

Wir lesen über ihn: „Johannes der Täufer war in der Wüste und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.“ (Mk 1,4).

Viele Menschen kamen zu ihm, bekannten ihre Sünden und ließen sich taufen.

Wie war das, als Johannes dem Herrn Christus begegnete?

Matthäus berichtet es uns: „Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s geschehen.“ (Mt 3,13-15).

Seine Zuhörer wies der Täufer zu Jesus und sprach: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“ (Joh 1,29).

So war Johannes ein Wegweiser zu Christus, von Gott dazu berufen.

Er bezeugte, dass Jesus der Heiland ist, den Gott in die Welt gesandt hat; er bezeugte ihn als das gültige Opferlamm zur Versöhnung aller Menschen mit ihrem Schöpfer.

Er ist im Alten Testament als Vorbote des HERRn Christus angekündigt

Als Johannes gefragt wurde: „Wer bis du denn?… Was sagst du von dir selbst?“, da antwortete er: „Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des HERRn! wie der Prophet Jesaja gesagt hat.“ (Joh. 1,22f.).

Und was hatte 700 Jahre zuvor Jesaja geweissagt? Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem HErrn den Weg; machet auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm GOtt! (Jes. 40,3).

Noch einmal ließ Gott den Täufer Johannes ankündigen – und zwar durch den Propheten Maleachi.

Da spricht Gott: „Siehe, ich will meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der HErr, den ihr suchet, und der Engel des Bundes, des ihr begehret. Siehe, er kommt! spricht der HErr Zebaoth.“ (Mal. 3,1).

Der vergleicht ihn mit dem Propheten Elia aus alter Zeit, weil der Inhalt der Predigt des Täufers „Tut Buße!“ und sein ganzes Erscheinungsbild dem des Elia gleichen: „ Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe denn da komme der große und schreckliche Tag des HErrn.“ (Mal. 4,5).

Und das Erscheinungsbild? Von Johannes heißt es: „Er aber, Johannes, hatte ein Kleid von Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber war Heuschrecken und wilder Honig.“ (Matth. 3,4).

Und von Elia: „Wie war der Mann gestaltet, der euch begegnete und solches zu euch sagte?
„Sie sprachen zu ihm: Er hatte eine rauhe Haut an und einen ledernen Gürtel um seine Lenden. Er aber sprach: Es ist Elia, der Thisbiter.“
(1.Kön. 1,8).

So ist Johannes der Täufer im Alten Testament als der ganz besondere Vorbote Christi angekündigt.

Er weist auf ihn und spricht: Dieser ist das Opfer für die Sünden der Welt

Johannes predigte Christus als das Opferlamm: „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!“

Warum aber „Lamm“?

Jahrhunderte hindurch waren die alttestamentlichen Opfer der eigentliche Gottesdienst der Gläubigen.

Alles im und um den Gottesdienst war von Gott befohlen und wies auf den kommenden Erlöser hin, auf Christus:

Das Gottesdienstzelt, später der Tempel, die Lesungen der heiligen Worte Gottes, die vielfältigen Opfer, die Bundeslade im Allerheiligsten, das Priestertum, besonders der Hohepriester usw. – eben auch die Opferlämmer des großen Versöhnungsopfers, alles Hinweis auf den Heiland, der für die Sündenschuld aller Menschen sich selbst zum Opfer geben würde.

Damals wurde das Blut der Opfertiere über die Bundeslade gesprengt, in der ja die anklagenden Gebote Gottes lagen.

Dabei sollten die Gläubigen daran denken: Das Opferblut weist auf den verheißenen Heiland, dessen Blut die Anklage des göttlichen Gesetzes bedeckt und den Zorn Gottes über Sündenschuld stillt.

Das Blut eines Lammes, mit dem die Türbalken bestrichen waren, bewahrte auch die Kinder Israels beim Auszug aus Ägypten vor dem Zorngericht Gottes.

So bewahrt Christi Blut jeden, der an diesen Heiland glaubt, vor Gottes Zorn und Gericht, denn „das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde.“ (1.Joh. 1,7).

Er ist das Opfer, von Gott gesandt, in dem aller alttestamentlicher Gottesdienst erfüllt ist.

Johannes der Täufer predigte Gottes Gesetz und Willen, damit die Menschen ihre Sünde erkennen.

Er rief: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ (Matth. 3,2).

Er musste ihnen zuerst die Wahrheit über sich selbst und über ihren Stand vor Gott bewusst machen. Wie sollten sie mit ihrer Sünde vor ihm bestehen können?

Darum verkündigte er ihnen das Gesetz des Allerhöchsten. So brach er die harten Herzen auf wie ein Bauer mit dem Pflug das verkrustete Erdreich.

Denn von sich selbst denkt der Mensch zu gut, in sich selbst ist er selbstgerecht und hochmütig.

Sünde und Ungerechtigkeit fällt ihm am Nächsten auf, weniger an sich selbst.

Er entschuldigt seine eigenen Verfehlungen und stellt die seines Nächsten ins Licht, ja wie oft bläst er sie Freunden in die Ohren, um sich selbst gut, andere aber schlecht darzustellen.

Er sieht seinen Mitmenschen betrügen, huren, stehlen oder den Feiertag entheiligen und vergisst doch, wie sich dieselben Sehnsüchte in seinem eigenen Herzen regen.

Dazu spricht Gott: „Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der du richtest. Denn worin du den andern richtest, verdammst du dich selbst, weil du ebendasselbe tust, was du richtest.“ (Röm 2,1).

So wies Johannes der Täufer seine Zuhörer zu Jesus.

Auch seine eigenen Mitarbeiter und Schüler, die Johannes-Jünger hörten auf seine Predigt.

Wir lesen: „Und die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach. Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister -, wo ist deine Herberge? Er sprach zu ihnen: Kommt und seht! Sie kamen und sahen’s und blieben diesen Tag bei ihm. Es war aber um die zehnte Stunde.“

Einer von den zweien, die Johannes gehört hatten und Jesus nachgefolgt waren, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus.“

Wer war der andere?

Es war Johannes der Evangelist, der diese Worte niedergeschrieben hat.

Bescheiden schreibt er von sich selbst von „dem Jünger, den Jesus lieb hatte“ oder einfach von „dem Jünger“ oder es heißt „der andere Jünger“.

Die beiden Jünger des Täufers, Johannes der Evangelist und Andreas zögerten nicht und folgten Jesus nach.

Das war die größte Freude für den Täufer: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Joh 3,30).

Was nach menschlichem Ermessen wie Misserfolg aussehen mag, nämlich dass seine Jünger ihn verließen und nun bei Jesus sein wollten, das war der Wunsch seines Lebens, der Lohn für seine harte Predigerarbeit.

Er ist ein Vorbild für alle Prediger Jesu Christi

Die beiden Jünger Andreas und Johannes fragten Jesus am nächsten Tag: „Meister, wo ist deine Herberge?“

Diese Frage muss jeder stellen, dem das Heil, dem seine Seligkeit am Herzen liegt: „Meister, wo ist deine Herberge?“ – wo können wir dich treffen, dein Wort hören und bei dir sein?

Auch heute gibt es Orte, wo der Heiland wohnt und sein Wort hören lässt.

Diese Orte wollen wir aufsuchen, damit wir im festen beständigen Glauben bei dem bleiben, der uns reinwäscht von aller unserer Sünde mit seinem heiligen und teuren Blut.

Der Evangelist Johannes schriebt: „Es war aber um die zehnte Stunde.“

Nach unserer Zeiteinteilung nachmittags 16.00 Uhr.

Er wusste es noch ganz genau, denn diese Stunde war für ihn der Wendepunkt!

Er und Andreas hatten wohl ähnliches erfahren wie die beiden Emmausjünger, die später sagten: „Brannte nicht unser Herz, als er mit uns redete…?“ (Luk. 24).

So sollen wir uns auch fragen: Was wäre aus mir geworden, wenn es diese Stunde nicht gegeben hätte?!

Nicht jeder Christ kann diese Stunde genau bestimmen, das ist auch gar nicht nötig. Hauptsache, diese Stunde hat es gegeben!

So mancher hat diese Stunde unbewusst, als Säugling erlebt, als der HERR ihn in der Heiligen Taufe zu seinem Eigentum gemacht hat.

Doch ab und an geschieht es im Leben eines jeden Christen, dass er in einem besonderen Augenblick die Liebe seines Herrn so tief erkennt, dass Jesus ihn seine Gnade und Hilfe so greifbar erleben lässt, dass man diese Stunde nicht mehr vergessen kann!

Sie konnten nicht schweigen, die Freude war zu groß: „Einer von den zweien, die Johannes gehört hatten und Jesus nachgefolgt waren, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus. Der findet zuerst seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden, das heißt übersetzt: der Gesalbte. Und er führte ihn zu Jesus. Als Jesus ihn sah, sprach er: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas heißen, das heißt übersetzt: Fels. Am nächsten Tag wollte Jesus nach Galiläa gehen und findet Philippus und spricht zu ihm: Folge mir nach! Philippus aber war aus Betsaida, der Stadt des Andreas und Petrus.“

Zuerst Freunde und Verwandte sollten es erfahren: „Wir haben den Messias gefunden! Jesus von Nazareth ist es! Wir waren bei ihm! Er hat mit uns geredet!“

Nun führten sie Simon zu Jesus.

Er sollte das alles selbst erleben, mit eigenen Augen sehen und Jesu Worte hören.

Nur Nathanel zögerte, als er hörte, Jesus aus Nazareth in Galiläa wäre der Messias: „Was kann aus Nazareth Gutes kommen?“

Philippus sucht keine Argumente, versucht auch nicht, die Bedenken des Nathanael mit eigenen Gedanken zu zerstreuen, sondern sagt einfach: „Komm und sieh‘ es!“

So ist es auch heute!

Viele Menschen haben große Bedenken, lehnen Jesus ab, ohne ihn und sein Wort wirklich zu kennen; wie viele sträuben sich gegen die biblisch-lutherische Glaubenslehre und wissen kaum etwas darüber!

Hier können kluge Einfälle ebensowenig ausrichten wie ausgeklügelte Überredungskünste.

Hier kann allein Gottes Wort helfen.

Jesus sah Nathanael kommen und sagt von ihm: Siehe, ein rechter Israelit, in dem kein Falsch ist. Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich. Nathanael antwortete ihm: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel!“

Nathanael war ein geradliniger Mensch, der erst sorgfältig prüfen wollte. Er ließ sich von Christus und der göttlichen Wahrheit aus seinem Mund überwinden.

Liebe Gemeinde!

Morgen begeht die lutherische Kirche den Gedenktag an die Übergabe und Verlesung des Bekenntnisses auf dem Reichstag zu Augsburg (25.Juni 1530).

Johannes dem Täufer und ihnen, aber auch den vielen anderen Zeugen Jesu Christi ist eins gemeinsam: Im lebendigen Glauben an den Herrn weisen sie andere auf ihn und sprechen: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Joh 3,30).

Das ist allezeit der Inhalt biblische Predigt: Jesus Christus ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt; und rechte Prediger führen ihre Zuhörer zu ihm.

Dass Jesus Christus in den Herzen der Menschen groß wird, das ist der Wunsch aller rechten Prediger, aber auch das eigentliche Ziel ihrer Predigt: „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!“

Die gesamte Augsburgische Konfession, die im Juni 1530 vor Kaiser und Reich in Augsburg verlesen wurde, hat diesen einen Mittelpunkt:

Nicht durch gute Werke, nicht durch selbstgerechtes Denken, nicht durch Heuchelei und Schönfärberei wird Gott versöhnt.

Es ist allein das Blut Jesu Christi, das uns vor dem ewigen Verderben erretten kann: In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade.“ (Eph 1,7).

ER ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“ (1.Joh 2,2). Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden