D. Martin Luthers Gebet in der Pestzeit

O HErr GOtt, du weißt, was für arme und schwache Geschöpfe wir sind. Lass uns doch nicht bezahlen wegen unseres schwachen Glaubens und wegen der großen Undankbarkeit gegenüber deinem heiligen Wort. Mache du uns doch fromm und stärke unseren Glauben und erbarme dich über uns und handle um unserer Bosheit willen dennoch in Barmherzigkeit und nimm von uns gnädig die wohlverdiente Strafe der Pest (Seuche), damit dein armes Häuflein (die Gemeinde) nicht so jämmerlich möge zerstreut werden und dass sich deine Feinde nicht mögen freuen über die Schwachheit unseres Glaubens und dadurch [womöglich] dein Wort und deine Strafe verachten. Das gib uns du aller barmherzigster Vater durch Jesum Christum deinen Sohn, unseren HErrn, Mittler und Fürsprecher. Amen.

Original: O Herr Gott du weyssest/ was wir für eine arme schwache creatur sind/ Laß vns doch nicht entgelten/ vnsers schwachens glaubens/ vnd grosser vndanckbarkeyt für dein heyligs wort/ Mach du vns doch frumb/ vnd stercke vnsern glauben/ vnnd erbarm dich doch vnser/ vnnd straffe vnsere boßheyt mit barmhertzigkeyt/ vnnd nym von vnns gnedigklich/ die wol verdiente straffe der Pestilentz/ Auff das dein armes heüfflein/ nicht so jemmerlich müge zerstrewet werden/ vnd das sich deine feinde nit mügen frewenn vber vnnsers glaubens schwacheyt/ vnd da durch dein wort vnd straffung verachten/ Das gib vns du aller barmhertzigister vater/ durch Jesum Christum deinen lieben Sun vnsern Herrn/ mitler vnnd vorsprecher/ Amen.

Aus „Feürzeüg Christenlicher andacht.“ 1537 Gedrückt zu Nüremberg durch Jobst Gutkencht.

Quelle: www.glaubensstimme.de || https://www.glaubensstimme.de/doku.php?id=autoren:l:luther:e:ein_gebet