Euch ist heute der Heiland geboren!

Eine Predigt für Weihnachten – Die Weihnachtsgeschichte

Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet; denn er glaubt nicht an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes.

Johannes 3,18

Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein. jeglicher in seine Stadt.

Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids die da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe des HErrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des HErrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HErr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten GOtt und sprachen: Ehre sei GOtt in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der HErr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kind gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegete sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehreten wieder um, preiseten und lobten GOtt um alles, was sie gehöret und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Lukasevangelium 2,1-20

Fröhlich soll mein Herze springen dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen. Hört, hört, wie mit vollen Chören alle Luft laute ruft: Christus ist geboren!

Er nimmt auf sich, was auf Erden wir getan, gibt sich dran, unser Lamm zu werden, unser Lamm, das für uns stirbet, und bei Gott für den Tod Gnad und Fried erwirbet.

Die ihr schwebt in großem Leide, sehet, hier ist die Tür zu der wahren Freude; fasst ihn wohl, er wird euch führen an den Ort, da hinfort euch kein Kreuz wird rühren.

Wer sich fühlt beschwert im Herzen, wer empfindt seine Sünd und Gewissensschmerzen, sei getrost: hier wird gefunden, der in Eil machet heil die vergift’ten Wunden.

Meine Schuld kann mich nicht drücken, denn du hast meine Last all auf deinem Rücken. Kein Fleck ist an mir zu finden, ich bin gar rein
und klar aller meiner Sünden.

Paul Gerhardt

In der Krippe liegt der herrliche Heiland

Der Evangelist schreibt: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit…“. Sein Evangelium beginnt mit den Worten: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ (Joh. 1,1).

Die Apostel sind Augen- und Ohrenzeugen von Jesu Predigt und von seinem Wirken, Leben, Sterben, Auferstehen und seiner Himmelfahrt. „Das da von Anfang war, das wir gehört haben, das wir gesehen haben mit unsern Augen, das wir beschaut haben, und unsere Hände betastet haben, vom Wort des Lebens…“ (1.Joh. 1,1). Darum bezeugt Johannes: „und wir sahen seine Herrlichkeit“, d.h. seine göttliche Herrlichkeit, die Strahlen der Herrlichkeit Gottes: Jesu Gnadenworte, seine Wunder.

Er lenkt unseren Blick auf den armseligen Stall, auf das Kind in der Krippe und bezeugt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort… Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist… Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns…“. Er nennt unseren Heiland hier „das Wort“, durch das und mit dem die Welt geschaffen wurde. „Gott war das Wort“ – der ewige, allmächtige Gott, der dreieinige Schöpfer, wie wir auf der ersten Seite der Bibel lesen: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde…“ (1.Mose 1,1).

Das Kind in der Krippe ist der große herrliche Heiland, denn es ist der wahrhaftige Gott, mit dem Vater in einerlei Wesen, der HERR. So steht es geschrieben, so spricht er selbst: „Der HERR hat mich gehabt im Anfang seiner Wege; ehe er was machte, war ich da. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit, von Anfang vor der Erde. Da die Tiefen noch nicht waren, da war ich schon bereitet… da war ich der Werkmeister bei ihm … und meine Lust ist bei den Menschenkindern“ (Sprüche 8,22f; 30.f).

So spricht Gott durch den Propheten: „Und du, Bethlehem Ephrata, … aus dir soll mir der kommen, der in Israel HERR sei, welches Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist“ (Mi. 5,1). Das Kind in der Krippe ist Gott von Ewigkeit, daran gibt es keinen Zweifel, wie auch Jesus selbst später bestätigt: „Ehe denn Abraham ward bin ich“ (Joh.8,58) und wie es die Apostel vielfach bestätigen: „Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“ (1.Joh. 5,20).

Ja, das Neue Testament ist voll von Zeugnissen von der Herrlichkeit des Heilandes: „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes… In ihm wohnet die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ (Kol. 1,15; 2.9). Petrus schreibt: „Wir sind nicht klugen Fabeln gefolgt, …wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen.“ (2.Petr. 1,16). Das Kind in der Krippe ist der große herrliche Gott. Darum stoße dich nicht an seiner äußeren Niedrigkeit, an seiner scheinbaren Schwachheit und Armut, denn: „Ihr wisset die Gnade unseres HERRn Jesu Christi, dass, ob er wohl reich ist, ward er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet“ (2.Kor. 8,9).

Alles musste so geschehen, wie Gott es beschlossen und durch seine Propheten verheißen hat. Gott musste sich erniedrigen, von einer Jungfrau durch den Heiligen Geist empfangen und als ein Menschenkind geboren werden – ein einzigartiger Mensch, der zugleich wahrer Gott ist, mit Macht und Kraft zum Sieg über unsere Feinde: Sünde, Tod und Teufel. Die Herrlichkeit Jesu ist himmlischer und geistlicher Natur. Von menschlichen Augen allein kann sie nicht wahrgenommen werden, erst in der neuen Natur, in der Seligkeit. Darum sahen damals viele den Herrn Christus und glaubten doch nicht an ihn.

Der Glaube aber sieht die Herrlichkeit Jesu. Einem gläubigen Menschen sind vom Geist Gottes die Augen geöffnet. Er sieht die herrliche Erlösung, die Christus ihm am Kreuz erworben hat, die Vergebung der Sünden, die Hoffnung des ewigen Lebens. Er freut sich auf die selige Herrlichkeit, die er im Himmel schauen darf.

In der Krippe liegt der einzige Heiland

Der Engel sprach zu den Hirten in der heiligen Nacht: „Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren…“ (Luk. 2,10f). Er ist der Heiland, der einzige – der einzige Heiland für alles Volk, d.h. für die ganze Welt.

In unserer Zeit der geistlichen Unwissenheit, der Verbrüderung und Gleichmacherei mit heidnischen Religionen, mag man nicht mehr hören: Christus ist der einzige Heiland. Da heißt es: Wie kann man so anmaßend sein! Doch Gott der HERR spricht: „Ich bin der HERR, und außer mir ist kein Heiland“ (Jes. 43,11).

Es gibt außer dem Kindlein in der Krippe auf dieser Welt keinen anderen Heiland, keinen anderen, der „selig machen kann von Sünden“ (Matth. 1,21), keinen anderen, der dem Satan die Macht nehmen, den Tod besiegen, den Menschen mit Gott versöhnen kann. Das bezeugt Johannes: „… eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“ (Joh. 1,14). Das Kind ist der einzige Heiland, weil allein dieses Kind voller göttlicher Gnade und Wahrheit ist.

Das Kindlein ist nämlich, wie Gottes Wort uns zeigt, das Leben. Der Apostel Johannes legt Zeugnis ab: „…und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater und ist uns erschienen); was wir gesehen und gehört haben: das verkündigen wir euch“ (1.Joh. 1,2.3). Und Christus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich“ (Joh. 14,6).

Wer sich vor diesem Kind demütigt, es als seinen HERRn anbetet, ja wer sich von diesem Kind im Glauben beschenken lässt, der findet das Leben, das wahre Leben, das aus Gott ist. Das Jesuskind erweckt aus dem geistlichen Tod, öffnet die Augen für die Wahrheit des Wortes Gottes und führt durch den irdischen Tod zum ewigen Leben, während alle Ungläubigen durch den Tod in das Gericht und danach in die ewige Verdammnis gelangen.

Aber das Kindlein ist noch mehr: Es ist auch das Licht der Menschen. Johannes legt Zeugnis ab: „Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat&rsquos nicht ergriffen“. Jesus spricht: „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolget, der wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh. 8,12). Er ist es, von dem der Prophet geweissagt hat: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über die da wohnen im finstern Lande scheint es helle“ (Jes. 9,2). Er ist das „Licht zu erleuchten die Heiden“ (Luk. 2,32). Das Jesuskind führt aus der Finsternis der Sünde, aus der Finsternis der Seele heraus in das Licht Gottes und führt alle, die durch den Glauben mit ihm verbunden sind, in das Licht der ewigen Seligkeit, während alle Ungläubigen der ewigen Finsternis ausgeliefert bleiben.

Aber noch mehr schenkt dieses Kindlein: Es gibt Macht. Johannes schreibt: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben.“ (Joh. 1,11f). „Ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christum Jesum“ (Gal. 3,26). Über der Krippe steht geschrieben: „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, daß wir Gottes Kinder sollen heißen!“ (1.Joh. 3,1). Gottes Kinder sind auch Erben der Herrlichkeit im Himmel, die Gott für seine Kinder bereitet hat, während alle Ungläubigen als „Kinder des Zorns“ davon ausgeschlossen bleiben.

Christus ist der einzige Heiland, den es auf dieser Welt gibt. Auch wenn viele Religionsstifter sich als Heilande ausgegeben haben und immer noch als solche anpreisen: „Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden“ (Apg. 4,12). Selig bist du, der du mit den Hirten vor diesem herrlichen und einzigen Heiland niederkniest! Wäre deine Sünde noch so groß, wäre dein Glaube noch so klein, wärest du der Geringste und Verachtetste unter allen Menschen: Das Jesuskind ruft dich und spricht zu dir: „Komme her zu mir, der du mühselig und beladen bist, ich will dich erquicken!“ (Matth. 11,28).

Vertraue dich mir an! Bei mir bist du ewig geborgen! Ich führe dich durch alle Tage deines Lebens; ich stütze und trage dich, wenn du zu schwach wirst und halte dich, wenn du strauchelst. Du bist ein Sünder, aber ich bin der HERR dein Gott, der dir deine Schuld vergibt. Du bist schwach, aber meine Kraft ist in den Schwachen mächtig! Ich bin der HERR, und außer mir ist kein Heiland!

Ist es nicht die schönste und tröstlichste Wahrheit, die der Engel da den Hirten zuruft: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren…“ (Luk. 2,10f) – der keinen von sich stößt, der zu ihm kommt (Joh. 6,37), der herrliche, der einzige, aber auch der…

In der Krippe liegt der gnädige Heiland

Johannes schreibt „… voller Gnade und Wahrheit“. Haben wir nicht schon so oft von seiner GNADE gehört, sie geschmeckt und gefühlt? -und seine WAHRHEIT Sonntag für Sonntag gehört? Hat er uns nicht durch sein Wort getröstet, gestärkt, uns neue Hoffnung und Zuversicht geschenkt? Hat er uns nicht immer wieder hören lassen, dass wir durch sein Opfer am Kreuz wirklich wieder Gottes Kinder und Erben des ewigen Lebens geworden sind?

Ja, „barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte“ (Ps. 103,8). Die große Gnade Gottes wird greifbar in der Menschwerdung seines Sohnes – nicht majestätisch, nicht prunkvoll und mit äußerer Macht kommt er, sondern gering und arm. Er lässt sich finden, überall dort, wo Gottes Wort verkündigt wird und sich der Gnadenstrom durch Taufe und Heiliges Abendmahl in die hungrigen Seelen ergießen kann: „Denn also spricht der Hohe und Erhabene, der ewiglich wohnt, des Name heilig ist: Der ich in der Höhe und im Heiligtum wohne und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen…“ (Jes. 57,15).

Das ist Gnade, dass Gott der HERR, an dem wir uns versündigt haben, mit dem wir Menschen in Feindschaft leben, als unser Heiland zu uns gekommen ist. Das ist Gnade, dass Gott selbst unsere Sünde trägt und büßt und nur das eine will: dass wir unsere Zuversicht auf ihn setzten, ihm glauben. Die Propheten des Alten Testamentes weisen auf ihn; die Evangelisten und Apostel legen Zeugnis ab: „Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben!“ (1.Joh. 5,20).

Das ist die Wahrheit Gottes über das Kind in der Krippe, über dem schon das Kreuz schwebt. Es gibt keinen größeren Trost für uns Menschen als den: Gott ist offenbart im Fleisch“ (1.Tim. 3,16) „und wohnte unter uns“. Schaue im Geist in den Stall von Bethlehem, knie mit den Hirten nieder und du wirst wieder und wieder Ruhe finden für deine Seele! Wir werden diese Worte bis an unser Lebensende nicht genug ausbuchstabieren könne, was das heißt: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“. Aber an jenem Tag werden wir IHN sehen von Angesicht zu Angesicht, dann wird wieder und noch viel mehr unser Herz voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein (Ps. 126,2).

Dazu helfe uns der herrliche, einzige und gnädige Heiland. Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Johannes 3,16