Für Klüglinge und Besserwisser, die sich über Gottes Wort stellen

Luther in einer Predigt am Neujahrstag, dem Fest der Beschneidung und Namensgebung Christi

»Aber wenn man an die Frage kommt, warum GOtt dies oder anderes befohlen habe, so hat der Teufel schon gewonnen; wie man sieht an der Eva im Paradies. Die hatte den Befehl, sie sollte von dem verbotenen Baum nicht essen. Da sie aber solchen Befehl aus den Augen ließ, und hörte dem Teufel zu, warum doch GOtt solches sollte verboten haben, , da ging sie dahin, fiel in den greulichen Ungehorsam, da wir noch alle (dar-) an tragen müssen.

Darum sollen wir aus solchem Befehl der Beschneidung fleißig lernen und uns stracks danach richten: Wenn GOtt etwas heißt (gebietet) sagt oder tut, so sollst du dein Maul zuhalten und auf die Knie fallen, weiter nichts fragen noch sagen, sondern tun, was er dir heißt, hören, was er dir sagt, und dir gefallen lassen, was er tut. Denn GOtt will von uns ungemeistert (unbelehrt) sein, die wir von Natur Kinder des Zorns, Sünder und Lügner sind.

Derhalben sein Rat, Wort und Werk uns viel zu hoch ist, dass wirs verstehen sollten. Noch (dennoch) sind wir so blinde, vermessene Narren, die sich dünken lassen, dass sie es nicht allein verstehen, sondern auch wohl besser könnten machen. Darum sagt Jeremias wohl: »Des Menschen Herz ist so, heillos und tückisch, dass es niemand ausgründen (ergründen) kann.« Weil wir nun solcher Unart von Natur sind, so sollten wir unsere Weisheit beiseits legen und in Gottes Sachen und Geboten also denken: Siehet es mich närrisch an, so ists in der Wahrheit keine andere Ursache, denn dass ich ein großer Narr bin, der die göttliche Weisheit nichts verstehen noch fassen kann; denn meine Torheit und Blindheit hindert mich.«
Walch2 XIIIa, col 106 (Abs. 10f.)