Herzliche Grüße zum heiligen Christfest!

Wir wünschen Ihnen von Herzen ein frohes Christfest, den reichen Segen unseres Gottes, Gewissheit im Glauben an den Heiland und seinen gnadenvollen Trost!

Es ist erschienen die heilsame Gnade GOttes allen Menschen. Titus 2,11

In unserm Text sehen wir den heiligen Apostel wie auf einer hohen Kanzel vor dem Stalle zu Bethlehem stehen, von der er der ganzen Welt eine Weihnachtspredigt halt. Und wie beginnt er diese? Er sagt nicht: „Es ist erschienen die strenge Gerechtigkeit GOttes,“ Nein, er spricht: „Es ist erschienen die heilsame Gnade GOttes.“ Wenn der Apostel sagen würde“ Es ist erschienen die strenge Gerechtigkeit GOttes, so wäre dies für uns Menschen keine freudeweckende, sondern eine erschreckende Predigt. Denn sind wir nicht alle Sünder, und ist nicht Gottes Gerechtigkeit diejenige Eigenschaft, nach der GOtt alle Sünden hassen und alle Sünder strafen muss?…

Doch wohl uns! Des Apostels Weihnachtspredigt lautet: „Es ist erschienen die heilsame Gnade GOttes.“ Gnade – das ist also das Thema und, mit einem Wort ausgedrückt, der ganze Inhalt der apostolischen Weihnachtspredigt. Das ist auch die Predigt, die wir Menschen brauchen.

Aber muss nicht oft selbst die Gnade schweigen, wenn ihr die Gerechtigkeit entgegensteht? Was hilft es z.B. einem Schuldner, der seine Schuld nicht bezahlen kann, wenn er einen noch so gnädigen Richter hat? Kann nicht auch ein gnädiger Richter (wenn er nicht ungerecht richten will) einen Schuldner erst dann von seiner Schuld lossprechen, wenn er auch den letzten Pfennig seiner Schuld bezahlt hat? Ja freilich! Aber der Apostel spricht nicht bloß: „Es ist erschienen die Gnade“, sondern: „Es ist erschienen die heilsame Gnade GOttes.“ Was will er damit sagen? nichts anderes als dies: Es ist in Christus eine Gnade erschienen, die zugleich die Sündenschuld des Menschen bezahlt und darum Heil und Seligkeit bringt. Denn wer ist das Kindlein, das dort im tiefsten Elend in der Krippe liegt? Ist es nicht GOtt der Herr selbst, der Herr der Herrlichkeit? Was bedeutet das aber, dass dieser große GOtt ein elender Mensch, dass dieser Herr aller Herren ein Knecht aller Knechte geworden ist? Es bedeutet: So tief musste GOtt sich erniedrigen, um so unsere Sündenschuld selbst zu bezahlen. Zwar hat er in der Krippe nur angefangen sie zu bezahlen; aber er hat nicht geruht bis er nach unsagbaren Leiden von GOtt verlassen am Kreuze hing und so auch den letzten Pfennig unserer Schuld bezahlt hatte. Dann konnte er triumphierend ausrufen: „Es ist vollbracht!“ Das heißt: die Sündenschuld ist bezahlt, die Sünderwelt begnadigt. Darum kann auch der Apostel in unserm Text triumphierend ausrufen:. „Es ist erschienen die heilsame Gnade GOttes.“

„Der Apostel sagt aber nicht: Allen frommen Menschen, ja nicht einmal: Allen bußfertigen oder allen gläubigen Menschen. Nein, er jubiliert: „Es ist erschienen die heilsame Gnade GOttes allen Menschen!“ Es ist also kein Mensch von dieser heilsamen Gnade GOttes ausgeschlossen.

So lasst uns im Geist nach Bethlehem gehen und anbetend auf unsere Knie sinken vor der Krippe; denn hier bietet sich uns das schönste Schauspiel im Himmel und auf Erden dar; hier liegt die Gnade GOttes, ja noch mehr, hier liegt die „heilsame, das heißt, uns Heil und Seligkeit mitbringende „Gnade GOttes“ selbst. Halleluja!

P. C.F.W. Walther

So fass ich dich nun ohne Scheu,
du machst mich alles Jammers frei,
du trägst den Zorn, du würgst den Tod,
verkehrst in Freud all Angst und Not.
Halleluja! Amen.