Lesepredigt für den 13. Sonntag nach Trinitatis

Predigt von Diakon Waldemar Dantschin über das altkirchliche Evangelium vom 13. Sonntag nach Trinitatis

Predigttext:

23 Und er wandte sich zu seinen Jüngern und sprach insonderheit: Selig sind die Augen, die da sehen, was ihr sehet. 24 Denn ich sage euch: Viel Propheten und Könige wollten sehen, was ihr sehet, und haben’s nicht gesehen; und hören, was ihr höret, und haben’s nicht gehöret.

25 Und siehe, da stund ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?
26 Er aber sprach zu ihm: Wie stehet im Gesetz geschrieben? Wie liesest du?
27 Er antwortete und sprach: Du sollst Gott, deinen HERRN, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt und deinen Nächsten als dich selbst.
28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tue das, so wirst du leben.
29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein Nächster?
30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder; die zogen ihn aus und schlugen ihn und gingen davon und ließen ihn halbtot liegen. 31 Es begab sich aber ohngefähr, daß ein Priester dieselbige Straße hinabzog; und da er ihn sah, ging er vorüber. 32 Desselbigengleichen auch ein Levit: da er kam zu der Stätte und sah ihn, ging er vorüber. 33 Ein Samariter aber reisete und kam dahin; und da er ihn sah, jammerte ihn sein, 34 ging zu ihm, verband ihm seine Wunden und goß drein Öl und Wein und hub ihn auf sein Tier und führete ihn in die Herberge und pflegete sein. 35 Des andern Tages reisete er und zog heraus zwei Groschen und gab sie dem Wirt und sprach zu ihm; Pflege sein; und so du was mehr wirst dartun, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36 Welcher dünket dich, der unter diesen dreien der Nächste, sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war?
37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin und tue desgleichen!

Liebe Gemeinde!

Das Amt des Heiligen Geistes ist „durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchten, im rechten Glauben heiligen und bei Jesus Christus erhalten“.

So kann man die 27 Trinitatissonntagen in 5 Gruppen aufteilen, Berufung oder Sammlung, Erleuchtung, Bekehrung, Heiligung und Vollendung.

Seit dem vorletzten Sonntag wäre man bei dem Thema der Bekehrung.

Im Evangelium des 11 S.n.T. hörten wir von dem Zöllner im Tempel.

Wir hörten ihn bekennen:

GOtt, sei mir Sünder gnädig.

An ihm sahen wir ein rechtes Beispiel der Bekehrung, denn Jesus bekannte:„Dieser ging hinab gerechtfertigt, nicht jener (selbstgerechte Pharisäer).“

Jesus machte deutlich, dass die Bekehrung in erster Linie nicht etwas Äußerliches ist, sondern vor allem die Änderung des Sinnes.

Ein neues Denken und Wollen bestimmt nun das gläubige Kind GOttes.

Die Schrift sagt:

Welchem ihr euch begebt zu Knechten in Gehorsam, des Knechte seid ihr, dem ihr gehorsam seid, es sei der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit.“

Nicht die falsche pietistische Vorstellung der Bekehrung, mit dem inszenierten und emotionalen Sündenbekenntnis, hat der HErr im Sinn.

Der Prophet ermahnt zurecht:

Zerreißet eure Herzen und nicht eure Kleider und bekehret euch zu dem HErrn, eurem GOtt!“

Auch die Pharisäer legten großen Wert auf die äußerliche Frömmigkeit, doch ihnen ruft der Heiland zu:

Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen. Aber mit ungewaschenen Händen essen macht den Menschen nicht unrein.

Das Evangelium des letzten Sonntags lehrte uns, wer bei der Bekehrung wirkt.

Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war; und sie baten ihn, dass er die Hand auf ihn legte.

Und er nahm ihn von dem Volk besonders und legte ihm die Finger in die Ohren und spützete und rührete seine Zunge. Und sah auf gen Himmel, seufzete und sprach zu ihm: Hephatha! das ist: Tu dich auf! Und alsbald taten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los und redete recht.“

Es ist und bleibt wahr was wir gemeinsam bekennen:„Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Kraft an Jesus Christus, meinen HErrn, glauben oder zu Ihm kommen kann, sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen etc.“

Wir bekennen mit dem Apostel Paulus:

da wir tot waren in den Sünden, hat er uns samt Christo lebendig gemacht (denn aus Gnaden seid ihr selig worden) und hat uns samt ihm auferwecket und samt ihm in das himmlische Wesen gesetzt in Christo JEsu“

Nun, diese göttliche Wahrheit ist der gefallenen Vernunft recht verhasst.

Sie will nicht so entblößt da stehen, es muss nach ihrer Meinung doch etwas anderes geben.

Und so stellt sich in unserem heutigen Evangelium ein selbstgerechter Schriftgelehrter Jesus entgegen mit der Frage:„Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?“

Diesbezüglich lehrt unser heutiges Evangelium:

1) Von der Unmöglichkeit durch die Werke des Gesetzes selig zu werden.

2.) Von dem einzigen Weg zur Seligkeit durch Jesus Christus

Wir lesen:

Und Jesus wandte sich zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen allein: Selig sind die Augen, die sehen, was ihr seht. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und habens nicht gesehen, und hören, was ihr hört, und habens nicht gehört.

Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?“

Überall dort wo Vergebung der Sünden um Christi willen allein aus Gnaden gelehrt wird, erhebt sich der lautstarke Widerspruch der gottfeindlichen Vernunft.

Und so tritt ein Schriftgelehrter an Jesus mit der Frage heran:

Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?

Er stellt diese Frage nicht, weil er in Sorge um seine Seligkeit ist.

Die Antwort hat er längst parat.

Vielmehr beabsichtigt er Jesus in seinen Worten zu fangen.

Für ihn steht sonnenklar fest, allein die strenge Beachtung des Gesetzes ist der Weg zum Himmelreich.

Deshalb antwortet der HErr nicht, wie der Apostel Paulus:

Glaube an den HErrn JEsum Christum, so wirst du selig.“

Jesus geht auf den Fragenden ein:

Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du?“

Da der Schriftgelehrte seine Sündhaftigkeit und Schuld vor GOtt nicht erkannte, war das das einzig Richtige für diesen Menschen.

Jesus zwingt ihn das Gesetz genauer anzuschauen.

Er sollte seinen Blick von Menschengeboten und Aufsätzen der Ältesten hin zu den heiligen zehn Geboten GOttes wenden.

Da der Schriftgelehrte gut unterrichtet war, antwortet er völlig richtig:

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.“

Mit der schlichten Antwort:„tu das, so wirst du leben“, überführt er diesen selbstgerechten Mann.

Jesu Antwort hat einen doppelten Sinn.

Zunächst sagt der HErr die Wahrheit.

Wenn man das Gesetz so befolgt wie oben beschrieben, dann ist man gerecht vor GOtt.

Doch wo ist ein solcher Mensch, der das je tun könnte?!

GOtt schaut vom Himmel auf die Menschen Kinder, dass er sehe, ob jemand klug sei, der nach GOtt frage. Aber sie sind alle abgefallen und allesamt untüchtig. Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer.“

Jesus wollte mit seiner Antwort auch sagen:

„Fange an das zu tun, denn bisher hast du es nicht getan. Dein bisheriger religiöser Wahn ging an diesen 2 Geboten vorbei.“

Dem Schriftgelehrten werden alle seine Verdienste und gute Taten abgesprochen.

Alles, worauf er sich verließ, stößt der Heiland um und lässt es vor GOtt nicht gelten.

Der Herr macht deutlich wie wir das Gesetz richtig gebrauchen sollen.

Das Gesetz ist uns von GOtt nicht dazu gegeben worden, damit wir durch Befolgung des Gesetzes vor GOtt gerecht werden.

Das Gesetz ist in erster Linie da, uns als Sünder zu entlarven.

Es soll schonungslos vor Augen führen, wie wir alle ohne Ausnahme der Verdammnis wert sind.

Wenn aber ein Gesetz gegeben wäre, das da könnte lebendig machen, so käme die Gerechtigkeit wahrhaftig aus dem Gesetze.

Aber die Schrift hat es alles beschlossen unter die Sünde, auf dass die Verheißung käme durch den Glauben an JEsum Christum, gegeben denen, die da glauben.“

Wenn wir also uns die Frage stellen:

Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?“

So lesen wir in unserem heutigen Evangelium:

Und Jesus wandte sich zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen allein: Selig sind die Augen, die sehen, was ihr seht. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und habens nicht gesehen, und hören, was ihr hört, und habens nicht gehört.“

Darin bestand die Seligkeit der Jünger, dass sie glaubten was sie gesehen und gehört haben.

Es ist völlig klar, dass Jesus nicht bloß das leibliche Sehen mit den Augen und das Hören mit den Ohren meint.

Denn sonst müssten alle Augen-und Ohrenzeugen selig sein, was aber nicht der Fall war.

Hinge die Seligkeit wirklich vom leiblichen Sehen und Hören der Heilandes, so könnten wir ja gar nicht selig werden.

Jesus sagt ausdrücklich:

Weil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“

Es muss das gläubige Vertrauen da sein, denn:

ohne Glauben ist es unmöglich, GOtt zu gefallen.“

Was die Apostel mit den rechten Propheten und gläubigen Königen des Alten Testamentes verbindet, ist der Glaube an den Heiland, den Sündentilger.

Die Apostel haben den Vorzug, dass sie den Heiland leiblich gesehen und gehört haben.

Hingegen von den Gläubigen des Alten Testamentes lesen wir:

Diese alle sind gestorben im Glauben (an den kommenden Heiland) und haben die Verheißung nicht empfangen, sondern sie von ferne gesehen und sich der vertröstet und wohl genügen lassen und bekannt, dass sie Gäste und Fremdlinge auf Erden sind.

Darum schämt sich GOtt ihrer nicht, zu heißen ihr GOtt; denn er hat ihnen eine Stadt zubereitet.“

Uns, den Gläubigen des Neuen Testamentes gilt was Jesus betet:

Ich bitte aber nicht alleine für sie (die Apostel), sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden, auf dass sie alle eins seien gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir, dass auch sie in uns eins seien, auf dass die Welt glaube, du habest mich gesandt.

Und ich hab‘ ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind.“

Liebe Gemeinde!

Auch uns beschäftigt die Frage: „Was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?“

Der „alte Mensch“, „der Schriftgelehrte und Pharisäer“ in uns, ist schnell mit der Antwort parat: „Tue das, so wirst du leben.“

Begeben wir uns auf diesen Weg, so werden wir bald erfahren wie unbeständig unsere Seligkeit, oder besser gesagt das Gefühl unserer Seligkeit, sein wird.

Haben wir an einem Tag uns vor offensichtlichen Sünden, wie Mord, Hurerei, Ehebruch, Diebstahl und Lügen zurück gehalten, so empfindet man Genugtuung.

Erwacht das Gewissen am nächsten Tag und wir erinnern uns an die Worte Jesu: „Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha! der ist des Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr! der ist des höllischen Feuers schuldig.“, so ist der Friede mit GOtt aus dem Herzen entschwunden.

Wer so sein “Glaubenshaus“ gebaut hat, der hat auf Sand gebaut.

Da nun ein Platzregen fiel, und kam ein Gewässer, und wehten die Winde und stießen an das Haus, da fiel es und tat einen großen Fall.“

Wollen wir wirklich selig werden und sicher die Stürme der Anfechtung und der Zweifel überstehen, so müssen wir auf den sehen und den hören „der mich verlorenen und verdammten Menschen erlöst hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold und Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben“.

Geht es um unsere Seligkeit so muss das Evangelium deutlich vom Gesetz getrennt werden.

In diesem Fall gilt besonders was Jesus sagt:

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir. Und ich gebe ihnen das ewige Leben; und sie werden nimmer mehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen.“

Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, dass wir durch den Glauben gerecht würden.

Nun aber der Glaube kommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Denn ihr seid alle GOttes Kinder durch den Glauben an Christum JEsum.“

AMEN