Lesepredigt für den Sonntag Kantate (10.05.2020)

Singt dem HErrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!

Predigttext: Psalm 96 (Lutherübersetzung 1546 – Vers 10!!!)

Hier ist noch etwas für dein persönliches Bibelstudium

1 Singet dem HERRN ein neues Lied; singet dem HERRN, alle Welt!
2 Singet dem HERRN und lobet seinen Namen; prediget einen Tag am andern sein Heil!
3 Erzählet unter den Heiden seine Ehre, unter allen Völkern seine Wunder!
4 Denn der HERR ist groß und hoch zu loben, wunderbarlich über alle Götter.
5 Denn alle Götter der Völker sind Götzen; aber der HERR hat den Himmel gemacht.
6 Es stehet herrlich und prächtig vor ihm und gehet gewaltiglich und löblich zu in seinem Heiligtum.
7 Ihr Völker, bringet her dem HERRN, bringet her dem HERRN Ehre und Macht!
8 Bringet her dem HERRN die Ehre seinem Namen; bringet Geschenke und kommt in seine Vorhöfe!
9 Betet an den HERRN in heiligem Schmuck; es fürchte ihn alle Welt!
10 Sagt unter den Heiden, daß der HERR König sei und habe sein Reich, soweit die Welt ist, bereitet, daß es bleiben soll, und richtet die Völker recht
11 Himmel freue sich, und Erde sei fröhlich; das Meer brause, und was drinnen ist;
12 das Feld sei fröhlich und alles, was drauf ist; und lasset rühmen alle Bäume im Walde
13 vor dem HERRN; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich. Er wird den Erdboden richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit.

Die Predigt

Liebe Gemeinde in Jesus Christus!

Unser heutiger Sonntag hat den Namen „Cantate!“ – das heißt „Singet“! „Cantate“ ist das erste Wort unseres heutigen Einganspsalmes (Introitus), und zwar auf lateinisch.

„Singet dem HErrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“ Aber was ist mit dem „neuen Lied“ gemeint? Sollen wir statt der alten Choräle lieber moderne Lieder singen? Nein, aber dieses „neue Lied“, von dem wir heute hören, ist etwas ganz besonderes, denn „neu“ ist es nicht um seiner äußeren Form willen, sondern auf den Inhalt kommt es an.

Wenn Gottes Wort uns auffordert, ein „neues Lied“ zu singen, muss es vorher ein „altes Lied“ gegeben haben. Aber was ist das für ein neues Lied?

Unser Psalm lehrt uns, 1. Wie es heißt, 2. wer es singt und 3. wer es hören soll.

1. Wie heißt dieses neue Lied?

Es heißt: „Der HErr ist König! Er hat ein Reich, so weit die Welt ist! (V.10) Der HErr tut Wunder! (Ps. 98,1) Du, HErr, bist der Höchste und bleibest ewiglich! HErr, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief!“ (Ps. 92,9.6).

Das Lied erklingt für Gott den HErrn und handelt gleichzeitig von ihm!

Es ist ein einziger Lobpreis an den dreieinigen, allmächtigen Gott, „Denn der HErr ist groß und hoch zu loben, … Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist; das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; es sollen jauchzen alle Bäume im Walde.“ (V. 4.11.12)

Singet dem HErrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“

Werden wir aufgefordert, GOtt zu loben um der schönen Schöpfung willen? Angebracht wäre es, gerade jetzt im Frühling, wo alles so schön ist!

Grund, ein Loblied -gerade jetzt im Frühling- zu singen, gibt es genug!

Mit ihrer Schönheit preist und ehrt die Natur den lebendigen Gott!

So singt der König David 35 Verse lang in Psalm 104 Gott dem Schöpfer ein großes Loblied und bekennt: „Du hast das Erdreich gegründet auf seinen Grundfesten, dass es bleibt immer und ewiglich.“ (Ps. 104,5).

Aber genau an dieser Stelle erkennen wir, dass DAS NEUE LIED nicht nur ein Lobgesang auf Gottes Schöpfungswerk sein kann.

Zwar bleibt es unumstößliche Wahrheit: Gott hat die Erde ganz wunderbar geschaffen.

Eingangs hatten wir gesagt: Wenn wir ein „neues Lied“ singen sollen, dann muß es ein „altes Lied“ geben – und das gibt es auch!

Die vollkommene Schönheit wurde ja durch den Sündenfall zerstört, und mit ihm kamen Vergänglichkeit und Tod.

Darum müssen wir in einem anderen Psalm (102, 26.27) lesen: „Erde und Himmel… werden vergehen… Sie… werden veralten wie ein Kleid…“

Nachdem die Sünde in die Welt gekommen ist, bleibt die Erde nicht mehr ewig, sondern wird ihr Ende finden!

Das ALTE LIED hat folgenden Text: Mit dem ersten Ungehorsam der ersten Menschen ist die Sünde mit all ihren schrecklichen Folgen über die gesamte Menschheit gekommen: Streit, Leid, Schmerzen, Krankheit, Tod und die ewige Höllenstrafe in der Verdammnis!

Und diesem ALTEN LIED hat Gott der HErr in seinem Sohn Jesus Christus DAS NEUE LIED entgegengesetzt.

Dieses NEUE LIED, von dem wir auch in unserem Predigtpsalm hören, handelt von der Rettung, vom „Heil“.

Der Sohn Gottes, unser Heiland, hat es von seinem Kreuz herab gesungen, als er rief: „Es ist vollbracht!“ Alle, die an mich glauben, werden nicht verlorengehen, sondern das ewige Leben haben!

Er hat es uns Menschen zur Freude am Ostermorgen aus seinem Grab hervorgebracht und zuerst den Jüngern gesungen: „Friede sei mit euch!“.

Der Heiland selbst sprach ja durch die Propheten: „Der HErr… hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unsern Gott. Das werden viele sehen und sich fürchten und auf den HErrn hoffen.“ (Ps 40,4).

Darauf antworteten die Gläubigen schon in alter Zeit: „Mein Herz dichtet ein feines Lied, einem König will ich es singen… Ich will deinen Namen kundmachen von Kind zu Kindeskind; darum werden dir danken die Völker immer und ewig.“ (Ps 45,2.18).

Das heißt: Gott der HErr hat aus lauter Liebe dem alten Lied von Sünde und Jammer das neue Lied von Vergebung und Freude entgegengesetzt, dem Lied von Schuld und Strafe, das Lied von Erlösung und Seligkeit!

Allen, die es hören, lieben und daraus ihre Kraft schöpfen, werden die Herzen weit, dass sie nun Antwort geben: Sie singen das „Echo des neuen Liedes“ – d.i. die Antwort des Glaubens.

Dass mit dem „neuen Lied“ wirklich das Evangelium gemeint ist und alles, was an Gutem daraus für uns Sünder fließt, erkennen wir auch aus Worten der Offenbarung.

Da heißt es: „Und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen… die sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.“ (Offbg. 5,9.12).

Nun erschallt DAS NEUE LIED in aller Welt.

Eingangs hatten wir gesagt, dass DAS NEUE LIED schon sehr alt ist.

In der allerersten Zusage GOttes, er werde den Erlöser senden, hörten es die ersten menschen bereits nach dem Sündenfall: „…derselbe wird dir (Satan) den Kopf zerttreten…“ (1.Mose 3,15).

An diesem LIED DER FROHEN RETTUNGSBOTSCHAFT IN JESUS CHRISTUS haben sich schon die Gläubigen zur Zeit des Alten Testaments… erfreut, getröstet, aufgerichtet und sind im Glauben an den Heiland selig gestorben.

Er war verheißen, er sollte kommen; das war ihr Trost.

Schon den ersten Menschen gab Gott der HErr die Hoffnung und ließ sie das LIED DES EVANGELIUMS hören.

Seitdem tröstete er ihre Nachkommen immer wieder und sprach durch Jesaja: „Siehe, was kommen soll, verkündige ich zuvor und verkündige Neues; ehe denn es aufgeht, lasse ich’s euch hören. Singet dem HErrn ein NEUES LIED! …Ich bin der HErr, dein Gott, der Heilige in Israel, dein Heiland… Ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.“ (Jes. 42,9f/ 43,3.25)

Auch wir und viele andere haben das NEUE LIED gehört, es im Glauben angenommen und sind dadurch Gottes Kinder und Bürger des ewigen Reiches Gottes geworden – die meisten von uns schon seit ihrer Taufe.

Denn GOtt hat das NEUE LIED und all seine wunderbare Kraft in die heilige Taufe gelegt: Da ist die Macht deiner angeerbten Sünde und Gottlosigkeit gesprengt, da bist du ein gläubiges Kind GOttes geworden.

Da hat GOtt der HErr dich aus lauter Gnade in sein Reich geholt.

Darum heißt es in unserem Psalm: „Der HErr ist König und hat ein Reich, so weit die Welt ist, bereitet, dass es bleiben soll.“

DAS NEUE LIED der Frohen Botschaft erklingt für diese arme Welt und in all ihrer Trostlosigkeit.

Es will aus Sündenschuld retten, vor der ewigen Verdammnis bewahren, Licht und Trost in diese von Vergänglichkeit, Leid und Tod gezeichnete Welt bringen.

Denn es erzählt von Gottes Güte und Barmherzigkeit in Jesus Christus.

ER hat für uns den Zorn Gottes am Kreuz ertragen.

Am Ostermorgen durchbrach er die Schranken des Todes, damit wir ihm durch den Glauben zum ewigen Leben folgen können.

DAS NEUE LIED bittet alle verlorenen Menschen: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2.Kor. 5,20)

Fragen wir also die Heilige Schrift: „Was ist das neue Lied?“, dann antwortet sie uns mit dem Evangelium von Jesus.

Und nun folgt auch das, was wir eingangs vermutet hatten: In das neuen Lied wird auch die Schöpfung einbezogen – aber eben in der richtigen Reihenfolge!

Die Gemeinde Jesu besingt nicht in erster Linie die Schöpfung, sondern ihren Heiland.

Der Heiland aber hat den Grund gelegt – auch für alles Geschaffene.

Die Gläubigen freuen sich und singen: „Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.“ (2.Petr. 3,13)

2. Wer singt dieses neue Lied?

Der Psalm fordert doch einfach nur auf: „Singt dem HErrn ein neues Lied; singt dem HErrn alle Welt! Singt dem HErrn und lobt seinen Namen; verkündet von Tag zu Tag sein Heil!“

Zuerst sangen es die Gläubigen in Israel und alle, die mit ihnen an denselben wahren Gott glaubten: „Halleluja! Singet dem HErrn ein neues Lied; die Gemeinde der Heiligen soll ihn loben.“ (Ps 149,1).

Andere konnten es nicht singen, denn „niemand kann Jesus den HErrn nennen außer durch den Heiligen Geist.“ (1.Kor. 12,3) – ja, der gottlose Mensch muss zuerst durch die Macht des Heiligen Geistes zum Glauben erweckt werden. Das geschieht, wenn er die Frohe Botsschaft von seinem Heiland Jesus Christus hört!

Auch heute ist das nicht anders: Die Aufforderung: „Singt dem HErrn ein neues Lied!“ ist an diejenigen gerichtet, die ihren Schöpfer und Erlöser für ihre Rettung loben können und wollen. Sie haben sein Heil an sich selbst erfahren und wollen es nun auch „von Tag zu Tag verkünden“.

Ihre Herzen sind voller Dank, der sich Bahn brechen und nach außen dringen will, wie Jesus sagt: „Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über.“ (Matth. 12,34).

Da kannst du von kleinen Kindern lernen, die von etwas überwältigt und begeistert sind!

DAS NEUE LIED, der Lobpreis an Gott den HErrn für seine wunderbaren Taten, soll auch in unserer Zeit von uns, die wir zu seinem Volk gehören, gesungen werden.

WAS ABER, wenn jemand nicht singen kann?

Unser Predigttext kennt viele Möglichkeiten, das NEUE LIED zu singen: „Singt dem HErrn und lobt seinen Namen; verkündet von Tag zu Tag sein Heil! Erzählt unter den Heiden seine Ehre, unter allen Völkern seine Wunder… Bringet her dem HErrn die Ehre seinem Namen; bringtGeschenke und kommt in seine Vorhöfe!“

Nicht nur durch Singen erklingt das NEUE LIED DER FROHEN BOTSCHAFT, sondern auch dadurch, dass du in deinem und mit deinem Leben deinen Heiland ehrst und lobst, dass du ihn vor anderen bekennst, sein Heil verkündest auf alle nur erdenkliche Weise oder dass du ihm Geschenke bringst, d.h. zur Ausbreitung seines Reiches mit deinen Gaben beiträgst.

Viele sind darüber traurig, dass sie nicht so schön wie andere singen können.

Sie dürfen ganz getrost sein, denn der HErr sieht und hört nicht, was vor Augen ist, sondern sieht das Herz an.

Darum heißt es auch: „Singet und spielet dem HErrn in euren Herzen.“ (Eph. 5,19).

Viele meinen auch, sie könnten anderen nicht von Jesus erzählen, ihnen „das Heil verkündigen“; das wollten sie lieber den Studierten und Begabten überlassen.

Doch gerade aus diesem Grund spricht unser Psalm vom „Erzählen“.

Schon wer in Leid und Kummer, in Schmerz und Krankheit andere die Zuversicht seines Herzens und den Trost im HErrn spüren lässt oder auch nur mit einem Satz sagt, woher er die Kraft zum Tragen hat, bekennt seinen Gott und singt bereits DAS NEUE LIED.

Dem schenkt Christus auch weitere Kraft und den Mut, noch lauter zu singen.

Und wer meint, er sänge nur ganz allein; wer die Einsamkeit spürt und im Blick auf Gemeinde und Kirche mit Elia seufzt: „Ich bin (oder: Wir sind) allein übriggeblieben!“, der soll wissen: Mit ihm loben, preisen und singen Millionen, die Gott der HErr am Jüngsten Tag offenbar machen wird.

Mit ihm singen das NEUE LIED alle vollendeten Gerechten im Himmel mit den heiligen Engeln Gottes vor dem Thron des Lammes: „Heilig, heilig, heilig ist der HErr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!“ (Jes. 6,3).

Fragen wir zuletzt:

3. Wer soll das neue Lied hören?

„Singt dem HErrn ein neues Lied! … Singt dem HErrn und lobt seinen Namen!“

„Dem HErrn“ soll das Loblied für seine großen Wunder, die er an uns armen Menschen tut, zuerst und vor allem gesungen werden.

Müssen wir uns nicht eingestehen, dass wir vor lauter Bitten und Anliegen oft gar nicht zum Preisen, Loben und Ehren und Danken kommen?

Lassen wir uns so recht zu Herzen gehen, wie wunderbar unser Gott in Treue an uns gehandelt hat, dann werden Lob und Dank wieder ihren rechten Platz, den ersten, erhalten: „Lobe den HErrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den HErrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat, der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine Gebrechen, …“ (Ps 103,1.2).

Dass Gott der HErr diese Wohltat auch an den vielen anderen verlorenen Menschen getan hat und weil sie das immer noch nicht wissen, darum wollen wir DAS NEUE LIED gerade auch ihnen singen: „Erzählt unter den Heiden seine Ehre, unter allen Völkern seine Wunder! Denn der HErr ist groß und hoch zu loben, wunderbar über alle Götter. Denn alle Götter der Völker sind Götzen; aber der HErr hat den Himmel gemacht.“

Der Schöpfer Himmels und der Erde ist der wahre Gott, alles andere, worauf sich Menschenherzen sonst verlassen, worauf sie ihre Hoffnungen gründen und wo sie Trost suchen, sind nichtige Götzen; sie können nicht helfen, nicht trösten und vor allem nicht vor dem Gericht Gottes retten.

Darum wollen wir in der Gemeinde und auch im persönlichen Leben das Werk fortführen, ja nach Kräften ausdehnen.

Und wenn jemand unter uns von Leid und Not, von Kummer oder Krankheit betroffen wird, dann wollen wir einander die Frohe Botschaft zurufen und uns gegenseitig aufrichten an den Worten unseres

Erlösers! „… der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit auch wir trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.“ (2.Kor. 1,4).

Wer also soll das „neue Lied“ hören?

Im Psalm antwortet Gott uns: „… dass es die Elenden hören und sich freuen.“ (Ps 34,3).

Wir kennen und lieben das NEUE LIED der Rettung und des Trostes im Heiland! Wer sollte es sonst singen? Amen.

Pastor Martin Blechschmidt