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Zum Gedenktag am 25. Juni

Nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit (Ps. 119,43)

Auf dem Reichstag zu Augsburg, am 25. Juni des Jahres 1530 übergaben die Lutherischen Kaiser Karl V. eine Bekenntnisschrift, die fortan die “Augsburgische Konfession” genannt wurde.

Sie ist das Grundbekenntnis der rechtgläubigen, der lutherischen Kirche; und auch unsere Gemeinde hat sie darum neben den anderen wichtigen Bekenntnisschriften auf ihr Schild geschrieben. In unseren Bekenntnissen erklären wir offen, was wir glauben und was wir verwerfen müssen. Glaube und Bekenntnis gehören zusammen, denn wo sich einer in rechter Zuversicht auf Gottes Wort gründet, der kann nicht anders, er muß auch davon reden.

Warum sollen wir an den Bekenntnissen der rechtgläubigen Kirche gerade auch in unserer Zeit unbeirrt festhalten?

1. weil wir damit an nichts anderem als an Gottes reinem Wort selbst festhalten und

2. weil wir uns damit am wirksamsten unsere evangelische Freiheit bewahren können.

  • Es war zu allen Zeiten dasselbe: So oft auch gegen die Wahrheit des göttlichen Wortes gekämpft worden ist, so haben die Gegner immer behauptet, sie stritten nicht etwa gegen die Wahrheit, sondern für sie; allein dem Irrtum müßten sie wehren.
    Schon als die Pharisäer und Schriftgelehrten Christus ans Kreuz brachten, gaben sie vor, dies sei nicht etwa um der Wahrheit willen die er doch auch mit gepredigt habe, geschehen, sondern er sei (neben allem Wahrem, was er verkündigt habe, dennoch) ein Verführer und Irrlehrer.
  • Grausam und blutig wurden die Christen der ersten Jahrhunderte von den Heiden verfolgt; aber nicht etwa um des christlichen Glaubens willen, sondern wegen der Halsstarrigkeit, und weil sie so düstere, sich absondernde Gegner des menschlichen Geschlechtes seien.
  • So auch die Bekämpfer der Bekenntnisse der christlichen Kirche: Nicht etwa aus Feindschaft gegen Gottes Wort, sondern aus Liebe und Eifer dafür!
    Weg mit allen Menschensatzungen – Gottes Wort allein! Soll es etwa in der Kirche heißen: So spricht Athanasius, so Augustinus, so lehrt Luther, so schreibt Johann Gerhard? Nein! sprechen sie, in der Kirche soll nur gelten: So lehrt Jesus Christus, der HERR!

So schön das auch klingen mag, und so viele sich auch gerade in unseren Tagen davon täuschen lassen, so gilt doch auch davon, was St. Petrus schreibt: “Denn sie reden stolze Worte, da nichts hinter ist” (2.Petr. 2,18).

Ja, hat den die rechtgläubige Kirche ihre Bekenntnisse verfaßt, um ihre Glieder zu solchen Lehren zu locken, die in Gottes Wort gar nicht zu finden sind?

Wäre das so, wir müßten uns noch heute von solchen Schriften trennen und sie verwerfen, verbrennen und vergessen!

Warum aber hat denn die Kirche ihre Bekenntnisse verfaßt? Doch allein darum weil sie an Gottes reinem Wort festhalten wollte!

Erinnern wir uns:

  • Als sich schon in der apostolischen Zeit falsche Lehrer in die Kirche einschleichen wollten, die sich scheinheilig zu Gottes Wort bekannten und doch Irrtümer verbreiteten, da setzte die Kirche das Apostolische Glaubensbekenntnis auf.
    Daran sollte erkannt werden, wer sich wirklich zur Wahrheit des Wortes Gottes bekennt und wer nur heuchelt.
  • Als im 4. und 5. Jahrhundert Männer aufstanden, die sich zum Apostolischen Glaubensbekenntnis bekannten, um unter diesem Deckmantel die reine Lehre von Christi Person zu bekämpfen, da setzte die rechtgläubige Kirche jener Zeit das Nicänische und das Athanasianische Glaubensbekenntnis auf.
    Daran sollte erkannt werden, wer sich wirklich zur Wahrheit des Wortes Gottes bekennt und wer bei Gottes Wort lügt und betrügt.
  • Als sich im 16. Jahrhundert das Papsttum zu Gottes Wort und auch zu den bis dahin vorliegenden Bekenntnissen bekannte und unter diesem Deckmantel unzählige Abgöttereien und Menschenlehren eingeführt hatte, da verfaßte die rechtgläubige Kirche weitere Bekenntnisschriften.
    Die Lutheraner bezeugten ihren aus der Heiligen Schrift erkannten Glauben in der Augsburgischen Konfession.
    Daran sollte erkannt werden, wer sich wirklich zur Wahrheit des Wortes Gottes bekennt und wer bei Gottes Wort lügt und betrügt.
  • Und als nach Luthers Tod viele so genannte Lutheraner sich zu Gottes Wort, zu den Bekenntnissen der alten Kirche und nun auch zur Augsburgischen Konfession bekannten und noch weiteren Bekenntnissen, und sie zum Deckmantel für ihre Menschenlehren machten, da setzten die Lutheraner die so genannte Konkordienformel auf.
    Dies geschah allein darum, daß erkannt werden könnte, wer sich noch zum alten Bibelglauben halte und wer ihn verlassen habe.

Die rechtgläubige Kirche hat also ihre Bekenntnisse nicht etwa deswegen verfaßt, weil sie ihre Glieder zur Annahme neuer Lehren bewegen wollte, die sich nicht in Gottes Wort finden, sondern im Gegenteil, um allein bei der Wahrheit des Wortes Gottes zu bleiben.

Darum heißt es zu Beginn der Konkordienformel: “Wir glauben, lehren und bekennen, daß die einige Regel und Richtschnur, nach welcher alle Lehren und Lehrer gerichtet und geurteilet werden sollen, seien allein die prophetischen und apostolischen Schriften Altes und Neues Testamentes; wie geschrieben stehet: ‚Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege‘, und ‚Wenn ein Engel vom Himmel käme und predigte anders, der soll verflucht sein‘.”

Und von der Augsburgischen Konfession heißt es in der Konkordienformel: “Zu derselben ersten ungeänderten Augsburgischen Konfession bekennen wir uns nicht derwegen, daß sie von unserer Theologie gestellet, sondern weil sie aus Gottes Wort genommen und darinnen fest und wohl gegründet ist”.

Als im Jahr 1530 die lutherischen Theologen den Kurfürsten von Sachsen, Johann den Beständigen, in Augsburg warnten, es sei zu große Gefahr vorhanden, darum wollten sie dem Kaiser das Bekenntnis nur in ihrem eigenen Namen vorlegen, da antwortete der gläubige Fürst nicht: “Nein, ich will mich doch zu Luther bekennen”, sondern er sprach: “Das verhüte Gott, daß ich aus eurer Mitte ausgeschlossen sein sollte; ich will mit euch meinen HERRn Christum bekennen.”

Seht, die Bekenner der rechtgläubigen aller Zeiten haben, um der Irrlehre zu wehren, bekannt, was in Gottes Heiliger Schrift gegründet ist: die geoffenbarte Wahrheit des Wortes Gottes.

Wollte also jemand sprechen: Weg mit den Bekenntnisschriften! Sie sind doch nur Menschensatzungen! Meine Bibel und ich, mehr darf nicht gelten! – dann heißt das nichts anderes als: Weg mit der reinen Lehre! Weg mit dem Wort Gottes!

Weil die Bekenntnisse aber nun nichts anderes sind als die aus der Heiligen Schrift erkannte und noch einmal niedergeschriebene Wahrheit des Wortes Gottes, so gilt also auch von den Bekenntnisschriften, was Paulus an Timotheus schreibt: “Halt an dem Vorbilde der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, vom Glauben und von der Liebe in Christo Jesu. Diese gute Beilage bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnet” (2.Tim. 1,13.14).

Wie wir an Gottes reinem Wort festhalten, so müssen wir daher auch an den Bekenntnissen unserer lutherischen Kirche festhalten, in denen sich die rechtgläubige Kirche zu Gottes Wahrheit bekennt.

Wir aber, die wir aus Gottes Gnade in dieser Erkenntnis stehen, können von Herzen sprechen (und auch verstehen): “Gottes Wort und Luthers Lehr vergehet nun und nimmermehr”, denn wir wissen: “Aus Gottes Wort ist Luthers Lehr darum vergeht sie nimmermehr!”

Warum sollen wir an den Bekenntnissen der rechtgläubigen Kirche gerade auch in unserer Zeit unbeirrt festhalten?

2. Weil wir uns damit am wirksamsten unsere evangelische Freiheit bewahren können

Die Gegner der Bekenntnisse bringen den Vorwurf, wer sich an die Bekenntnisschriften binde, der verletze die Freiheit der Gewissen und beuge sich unter menschliche Satzungen.

So schön, so evangelisch-freiheitlich dies nun auch klingen mag, es sind (wie Paulus schriebt) nur “süße Worte” und “prächtige Reden, zu verführen die unschuldigen Herzen” (Röm. 16,17.18).

Denn wir richten nicht neue Gesetze auf, die den Menschen knechten und von ihm etwas fordern, was Gott gar nicht geboten hat!

Vielmehr bekennen wir die herrliche Freiheit der Kinder Gottes durch den Glauben an den Heiland Jesus Christus!

Denn so lehrt die Augsburgische Konfession von der Rechtfertigung:

Der IV. Artikel. Von der Rechtfertigung.

1] Weiter wird gelehrt, daß wir Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit vor Gott nicht erlangen mögen durch unser Verdienst, Werke und Genugtuung, sondern daß wir Vergebung der Sünden bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnaden, um Christus’ willen, durch den Glauben, 2] so wir glauben, daß Christus für uns gelitten hat und daß uns um seinetwillen die Sünden vergeben, Gerechtigkeit und ewiges Leben geschenkt wird.3] Denn diesen Glauben will Gott für Gerechtigkeit vor ihm halten und zurechnen, wie St. Paulus sagt zu den Römern am 3. und 4.

Denken wir nur daran, wie die Wiedertäufer den Allerkleinsten den Himmel verschließen und lehren, Säuglinge dürften nicht getauft werden, und richten damit Gesetze auf, die dem Wort Gottes zuwider sind!

Hören wir, wie wir ihnen als Schranke die Augsburgische Konfession entgegenhalten und in der Freiheit des Wortes Gottes bestehen:

Der IX. Artikel. Von der Taufe.

1] Von der Taufe wird gelehrt, daß sie nötig sei, und daß dadurch Gnade angeboten werde, 2] daß man auch die Kinder taufen soll, welche durch solche Taufe Gott überantwortet und gefällig werden.

3] Derhalben werden die Wiedertäufer verworfen, welche lehren, daß die Kindertaufe nicht recht sei.

Hören wir zum Schluß, wie die Augsburgische Konfession einen Schutzwall gegen die reformierte Irrlehre aufwirft, die besagt, daß Brot und Wein lediglich “Zeichen” oder “Symbole” für Christi Leib und Blut seien, daß aber Christi Leib und Blut beim Hl. Abendmahl nicht empfangen werde.

Der X. Artikel. Vom heiligen Abendmahl.

1] Vom Abendmahl des Herrn wird also gelehrt, daß wahrer Leib und Blut Christi wahrhaftiglich unter der Gestalt des Brots und Weins im Abendmahl gegenwärtig sei und da ausgeteilt und genommen wird. 2] Derhalben wird auch die Gegenlehre verworfen.

So stehen unsere Bekenntnisse wie eine Wagenburg um uns zum Schutz vor falscher Lehre, und wir bewahren uns damit unsere Freiheit, die Gott uns in seinem heiligen Wort offenbart.

Wir halten sie aber auch hoch wie eine Fahne, damit sich unter ihr alle sammeln und scharen können, die mit uns die kostbare Wahrheit der Heiligen Schrift bekennen.

In all dem geht es doch um unsere Seligkeit und um diejenigen, die von uns die “heilsame Lehre” von der Erlösung durch Christus hören!

Denn wenn dieser Schatz verwässert oder verfälscht würde, dann hätten wir ein Kleinod verloren; wo bliebe dann der Trost, wo bliebe die Hoffnung auf das ewige Leben?

Darum mahnt auch der Apostel: “So jemand anders lehret und bleibet nicht bei den heilsamen Worten unsers HERRN Jesu Christi und bei der Lehre von der Gottseligkeit, der ist verdüstert und weiß nichts, sondern ist seuchtig in Fragen und Wortkriegen, aus welchen entspringet Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn, Schulgezänke solcher Menschen, die zerrüttete Sinne haben und der Wahrheit beraubt sind, die da meinen, Gottseligkeit sei ein Gewerbe. Tue dich von solchen!” (1.Tim. 6,3-5).

Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unbeweglich und nehmet immer zu in dem Werk des HERRN, zumal ihr wisset, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem HERRN” (1.Kor. 15,58). Amen.