Predigt am Buß- und Bettag

Andacht am Buß- und Bettag über Jesaja 48,17 und 18

Bibeltext: So spricht der HERR, dein Erlöser, der Heilige Israels: Ich bin der HERR, dein Gott, der dich lehrt, was dir hilft, und dich leitet auf dem Wege, den du gehst. O dass du auf meine Gebote gemerkt hättest, so würde dein Friede sein wie ein Wasserstrom und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen.

Liebe Gemeinde!

Der Buß- und Bettag ist in den meisten Bundesländern als Feiertag abgeschafft. Er ist auch kein kirchlicher Gedenktag, sondern ein staatlicher.

Er wurde von Obrigkeiten festgesetzt, nachdem sie Kriege angezettelt, millionenfaches Leid über die Bevölkerung gebracht und viel Unrecht begangen hatten.

Das ist typisch für die Welt, dass sie erst dann trauert, wenn sie irdische Folgen ihres sündlichen Verderbens tragen muss – die wirkliche Buße, die rechte Umkehr der Herzen zu Gott, im Glauben an den einzigen Heiland, eine solche Buße hatten die gottlosen Obrigkeiten nicht im Blick.

Aber es gibt keine Buße, die Wert vor dem allmächtigen Gott hat, außerhalb des seligmachenden Glaubens an Jesus Christus.

Ohne Glauben ist Buße nur ein klägliches Jammern, ein oberflächliches Bereuen vor dem eigenen Gewissen und nicht vor dem heiligen Gott!

Menschen, die aufgrund von irdischem Leid und Not irgendwie zum Guten kommen wollen, aber eben nur in äußerlichen Dingen, dass sich Zerstörung in Aufbau, Abschlachten in Friede und Armut in Wohlstand wandeln, gehen an der Buße, die Gottes Wort uns lehrt, vorbei!

Und eben das ist auch typisch für die Welt, dass wenn Werkgerechte, Humanisten und Politiker in die Belange und Aufgaben der Kirche und des Glaubens greifen und da etwas bestimmen wollen, die falsche Lehre gestärkt und dem Willen des Teufels die Bahn gebrochen wird.

Man meint, einmal im Jahr einen Bußtag zu feiern, damit werde man der Sache gerecht und dann könne man so weitermachen wie vorher.

Das ist kennzeichnend für das menschliche Denken außerhalb des rettenden Glaubens an Christus!

Diese ganz unchristliche Meinung hat auch Luther bekämpft, indem er in der ersten der 95 Thesen gegen den Ablass schrieb: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße usw., will er, dass das ganze Leben seiner Gläubigen auf Erden eine ständige Buße sei.“

Buße ist „Umkehr“, Umkehr des Herzens zu Gott, Umkehr veranlasst durch Gottes Ruf in seinem Wort, stetige Umkehr durch die Kraft und den Beistand des Heiligen Geistes.

Außerhalb davon ist es dem Menschen nicht möglich, Buße zu tun, so dass sie Gott wohlgefällig ist!

700 Jahre vor Christus predigte der Prophet Jesaja diese Worte Gottes: „So spricht der HERR, dein Erlöser, der Heilige Israels: Ich bin der HERR, dein Gott, der dich lehrt, was dir hilft, und dich leitet auf dem Wege, den du gehst. O dass du auf meine Gebote gemerkt hättest, so würde dein Friede sein wie ein Wasserstrom und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen (Jes. 48,17-18).

Es gibt ja im Neuen Testament einen Vers, der uns den heiligen Gott vor Augen stellt und aus dem wir erkennen, dass Gott seine gnädige Gesinnung zu uns Sündern seit dem Sündenfall nicht geändert hat.

Dieser Vers lautet: „Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1.Tim. 2,4).

Es ist nicht die Androhung von irdischer und ewiger Strafe, die uns von bösen Wegen umkehren lässt.

Es ist nicht Gottes Gesetz, nicht sein Drohen, das uns bessert.

Dadurch wird uns lediglich Schuld bewusst und wir erkennen, dass wir Hilfe von außen, Hilfe von Gott selbst, ja dass wir den Heiland brauchen!

Aufrichtige Umkehr geschieht allein im glaubenden Vertrauen zu Christus.

Wahre Buße entsteht, wo das Evangelium erklingt und der Sünder in all seinem Jammer und seiner Sündennot von Gottes liebender Gnade hört – wo der Reichtum der Vergebung in den Schoß seiner Armut fällt.

So schreibt der Apostel: „Weißt du nicht, dass dich GOttes Güte zur Buße leitet?“ (Röm. 2,4).

So gnädig, gütig, barmherzig hat Gott schon in alter Zeit sein Volk zu sich gerufen.

Zuerst musste er ihnen jedoch ihre Sünde und Halsstarrigkeit vor Augen halten; er musste ihnen Strafe androhen und sie schließlich durch seine Gnade ermuntern, damit sie in seine offenen Vaterarme fliehen.

Darum : „So spricht der HERR, dein Erlöser, der Heilige in Israel

So ließ er von Jesaja predigen, noch bevor das Volk zur Strafe für seinen jahrelangen Ungehorsam in die Gefangenschaft nach Babel geführt wurde.

In die Fremde nahmen sie dies Wort mit; und dort gab ihnen der HErr wieder Prediger, die ihnen Gottes Ruf zur Umkehr in Erinnerung riefen.

Sie sollten dort in Babel zur Einsicht kommen, dass sie das schwere Los um ihrer hartnäckigen Sünde willen ereilt hatte.

Über viele Jahre hin hatten sie Gottes Warnungen in den Wind geschlagen und seine Mahnungen missachtet: „Bekehrt euch, ein jeder von seinem bösen Wege und von euren bösen Werken… Folgt nicht anderen Göttern, ihnen zu dienen und sie anzubeten, und erzürnt mich nicht durch eurer Hände Werk, damit ich euch nicht Unheil zufügen muss“ (Jer. 25,5.6).

Sie hörten nicht, darum gab sie der HERR 70 Jahre in die Hände der feindlichen Babylonier.

Er wollte sein Volk vom Irrweg bekehren und vor der Verdammnis bewahren.

In all dem ließ Gott die Worte seiner Güte und Gnade nicht verstummen, sondern berief den Propheten Jeremia, der ihnen Gottes Wort zurief: „Der HERR verstößt nicht ewig; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Denn nicht von Herzen plagt und betrübt er die Menschen“ (Klagl. 3,31-33).

Gott ist unwandelbar, was er gesagt hat gilt.

Er ist heilig und gerecht; darum muss er Sünde bestrafen.

Und doch gilt: „HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue“ (2.Mose 34,6).

Das Leben des Gottesvolkes damals war ein ständiges Auf und Ab.

Hatte Israel erst noch über seinen Gott gejubelt und ihm ewige Treue geschworen, so vergaßen sie das doch bald wieder und wurden untreu.

Sie verehrten die falschen Götter der heidnischen Nachbarn.

Wie sehnten sich die Kinder Jakobs in alter Zeit nach Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens!

Als es dann soweit war, dass Gott den Mose berufen hatte, der das Volk nach Kanaan führen sollte, murrten sie schon bald auf dem Weg dorthin: „Wären wir doch bei den Fleischtöpfen Ägyptens geblieben! Die Strapazen sind uns zu groß!“

Immer wieder Ungehorsam, Undank, immer wieder Sünde, immer wieder Treulosigkeit! – der dann aufrüttelnde Strafe folgte.

Aber auch immer wieder der Ruf Gottes zur Umkehr, neue Hilfe, das Angebot zur Erlösung, zum Frieden mit Gott.

Gleicht der Weg Israels nicht unserem Leben?

Hat Gott nicht auch an uns seine Treue bewiesen, uns geholfen und uns aus Not errettet?

Er hat uns in der heiligen Taufe als seine Kinder angenommen.

Aber wie oft haben wir den Bund gebrochen!

Gilt nicht von manchem unserer Lebenstage auch: „Sie taten, was dem HErrn übel gefiel“?

Wenn wir unser Leben bedenken, haben wir nicht Grund, uns über Gottes Langmut und Güte zu wundern?

Müssen wir nicht mit Jeremia bekennen: „Die Güte des HERRN ist’s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß“ (Klagel. 3,22.23).

Ja, Gott ruft uns in seiner Güte zu: „Ich bin der HERR, dein Gott, der dich lehrt, was nützlich ist und dich leitet auf dem Weg, den du gehst. O dass du auf meine Gebote gemerkt hättest!“

Jeremia bringt es auf den Punkt: „Was murren denn die Leute im Leben? Ein jeder murre wider seine Sünde! Lasst uns erforschen und prüfen unseren Lebenswandel und uns zum HErrn bekehren! Lasst uns unser Herz samt den Händen aufheben zu Gott im Himmel!“ (Klagel 3,39.40). Eigentlich heißt das nichts anderes als: „Lasst uns Buße tun! Lasst uns umkehren zu Christus!“.

Darum fügt Gott eine Zusage an: „O dass du auf meine Gebote gemerkt hättest, so würde dein Friede sein wie ein Wasserstrom und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen“ – so reich, so kräftig!

Ja, Gottes Barmherzigkeit hat noch kein Ende.

Wenn wir in unserem Herzen keinen Frieden haben, wenn unsere Gewissen uns quälen, wenn wir unseres Heils nicht mehr gewiss sind: All das kann wieder gut werden!

Gott will durch sein Gnadenwort den „Frieden, der höher ist als alle Vernunft“ in unsere Herzen senken.

Lassen wir uns zu Christus und zur Vergebung rufen, so gedenkt er nicht mehr an unsere Sünden.

Gott wohlgefällig begehen wir einen Bußtag dann, wenn wir uns durch sein Wort zur Abkehr von Sünde bewegen lassen… täglich! Amen.

Pastor Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden