Predigt am Hirtensonntag

Predigt am Sonntag Misericordias Domini (die Barmherzigkeit des HErrn)

über Johannes 10,12-16

Ich bin ein guter Hirte; ein guter Hirte lässet sein Leben für die Schafe. Ein Mietling aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, siehet den Wolf kommen und verlässet die Schafe und flieht; und der Wolf erhaschet und zerstreuet die Schafe. Der Mietling aber flieht; denn er ist ein Mietling und achtet der Schafe nicht. Ich bin ein guter Hirte und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen, wie mich mein Vater kennet, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle. Und dieselben muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Herde und ein Hirte werden.

Gott gebe euch viel Gnade und Friede durch die Erkenntnis Gottes und Jesu Christi, unseres HErrn.

Herzlich geliebte Gemeinde!

In seiner Gnade hat GOtt uns seinen Sohn gesandt – nicht als einen neuen Gesetzesgeber, sondern als Heiland und Erlöser.

In Jesus Christus „haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden“ (Eph. 1,7).

Christus hat uns geliebt und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer…“ (Eph. 5,2) – so hat er uns mit GOtt versöhnt.

Der Apostel Paulus schreibt: „Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus… Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber…“ (2.Kor. 5,19f.)

Die Schuld der ganzen Welt ist getilgt. Für die ganze Welt, für alle Menschen von Adam an, ist die Schuld bezahlt.

Damit der einzelne Sünder zur Vergebung der Sünden kommt, lässt GOtt die Frohe Botschaft der Gnade in Christus predigen.

Darum spricht der Apostel: „So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“ (2.Kor. 5,20f.).

Wie kommt ein Sünder zur Vergebung der Sünden und damit zum Frieden mit GOtt? „Glaube an den HErrn Jesus, so wirst du… selig“ (Apg. 16,31).

Nun spricht der HErr Christus: Ich bin der gute Hirte….“, damit ein jeder erkennt und weiß, was er für uns Sünder ist und wie er an uns handelt – nämlich als ein guter Hirte.

Er selbst sagt: „Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“

Weit bevor GOtt in Jesus Mensch wurde, ließ er durch die Propheten vom guten Hirten weissagen.

Der eine „Hirte“ im Alten Testament

In einem der bekanntesten Psalmen, Psalm 23, heißt es von Christus: „Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“

Schon die Gläubigen des Alten Testamentes (also vor Jesu Geburt) schauten auf diesen von GOtt verheißenen kommenden guten Hirten.

Sie glaubten an IHN und empfingen in IHM Vergebung der Sünden.

Denn die Propheten weissagten, dass eben dieser verheißene gute Hirte sein Leben zum Schuldopfer geben würde (Jes. 53).

Der Prophet Jesaja weissagte: „Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.“

Der gute Hirte Jesus Christus trägt unsere Schuld und büßt sie am Kreuz. Er ist der Stellvertreter der sündigen Menschen, unser Stellverterter.

Vom diesem stellvertretenden Leiden und Sterben zu unserer Erlösung ließ Gott weissagen: Schwert, mache dich auf über meinen Hirten und über den Mann, der mir der nächste ist! spricht der HERR Zebaoth. Schlage den Hirten, so wird die Herde sich zerstreuen, so will ich meine Hand kehren zu den Kleinen“ (Sach. 13,7).

Christus bestätigt: Von mir sagt das der Prophet!

Kurz vor seiner Gefangennahme sprach er: „In dieser Nacht werdet ihr euch alle ärgern an mir; denn es steht geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen (Matth. 26,3).

In dieser Weissagung spricht GOtt: Schlage den Hirten, so wird die Herde sich zerstreuen, so will ich meine Hand kehren zu den Kleinen (Sach. 13,7) oder „Ich will meine Hand den Geringen zuwenden!“

Das sind die Gläubigen in Christus, die im Urteil der Welt Kleinen und Geringen – die nach Einschätzung der Leute „dummen Schafe, die das in der Bibel noch glauben“.

So sprach Gott schon damals von den wenigen wahrhaft Christusgläubigen in Israel: „Ich will in dir übrig lassen ein armes und geringes Volk; die werden auf des HERRN Namen trauen“ (Zeph. 3,12) und nannte sie „Würmlein Jakob“ unddu Häuflein Israel!“ (Jes. 41,14).

Dass nur wenige auf die Gerechtigkeit Jesu Christi trauen und ihm folgen, das war damals zur Zeit des Alten Testamentes so und ist so geblieben und wird auch so bleiben.

So schreibt der Apostel an die Gemeinde in Korinth: „Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen. Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist;

und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, damit sich kein Mensch vor Gott rühme“ (1.Kor. 1,26.27).

Zu Ihnen spricht Christus: „Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden, und die nach dem HErrn fragen, werden ihn preisen“ (Ps. 22,27) und „Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zugeben“ (Luk. 12,32).

So ruft der HErr Christus uns Menschen voller Gnade und Liebe zu sich – wie ein Hirte, der seine verirrten Schafe zu sich ruft.

Er ruft zur Vergebung der Sünden und damit zum ewigen Leben – zum Leben im Frieden mit GOtt – hier zeitlich und in GOttes Himmelreich ewig!

So hat der lebendige GOtt voller Barmherzigkeit seine Verheißungen erfüllt – wie er z.B. durch den Propheten Hesekiel sprach: „Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen… Ich will das Verlorne wieder suchen und das Verirrete wiederbringen und das Verwundete verbinden“ (Hes. 34,11).

Und weiter sprach Gott: Ich will ihnen einen einzigen Hirten erwecken, der sie weiden soll, nämlich meinen Knecht David. Der wird sie weiden und soll ihr Hirte sein.“ (Hes. 34,23).

Als der Prophet diese Worte verkündigte, war der König David schon gestorben – und zwar schon 400 Jahre zuvor.

Hier ist auch Christus gemeint, der nach seiner menschlichen Natur aus dem Geschlecht Davids herkommt.

Jesus ist der geweissagte gute Hirte, kein Mietling

ER spricht: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! …so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen“ (Matth. 11,28ff).

Kein Mensch muss sich vor ihm fürchten, kein noch so schuldbeladener Sünder wird von ihm abgewiesen: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Joh. 6,37).

Daran erinnert der Name des heutigen Sonntages: „Miserikordias Domini”, die Barmherzigkeit des HERRn.

Diese Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes strahlt uns aus den Worten vom guten Hirten entgegen: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe… und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen” (Joh. 10,11.28).

Ich bin der gute Hirte!” – er sagt damit gleichzeitig, dass es auch andere Hirten gibt, nämlich böse unfähige Hirten.

Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht; und der Wolf erhascht und zerstreut die Schafe. Der Mietling aber flieht; denn er ist ein Mietling und achtet die Schafe nicht… Ich lasse mein Leben für die Schafe”.

Der HERR nennt drei, die mit den Schafen zu tun haben: sich selbst, als den guten Hirten, den Mietling und den Wolf.

Der Mietling ist der Tagelöhner, dem die Schafe nicht gehören.

Sie liegen ihm nicht am Herzen

Viel Mühe will er nicht haben – er versorgt sie notdürftig.

Er will ja nur sein Geld verdienen.

Droht Gefahr, greift ein Raubtier die Schafe an, so ist ihm seine eigene Sicherheit wichtiger als die Herde, und er flieht.

Solche „Mietlinge“ achten die Herde nicht als etwas Wertvolles.

Was heißt das für uns?

Mietlinge predigen den Christen um des eigenen Vorteils willen, damit sie Ehre und Ruhm empfangen oder reich werden oder weil sie Macht und Herrschaft erstreben.

Sie predigten aus dem Gesetz, wie wir leben und Gutes tun sollen, aber weisen nicht auf Christus – so wie die Schriftgelehrten und Pharisäer.

Und da ist der Wolf, das ist der Teufel, der ist ein Mörder von Anfang an, wie Christus spricht (Joh. 8,44).

Der hat auch seine Prediger, die, wie Paulus schreibt „in heuchlerischem Schein (Luther: Gleisnerei) Lügen reden“ (1.Tim. 4,1ff.), „und verbieten, ehelich zu werden und zu meiden die Speisen, die Gott geschaffen hat“.

Sie verführen die Seelen durch falsche Lehren, verfolgen die Schafe Christi und trachten danach, ihre von Christus erretteten Seelen unter ihre Gewalt zu bekommen.

Wo nicht der gute Hirte, Christus, hütet, leitet und führt, da hilft und nützt keine andere Predigt – auch wenn sie noch so schön und gut klingt.

Denn gegen den Teufel, gegen Not und Tod und vor allem gegen die zerstörende Macht der Sünde hilft nichts als allein Christus und sein göttliches Wort; ohne ihn findet keiner Trost und Rettung vor Gottes Zorn und dem ewigen Verderben in der Hölle.

Denn wenn der Teufel kommt und an deinem Herzen und Gewissen nagt, und spricht: dies und das hättest du nicht tun dürfen und dies und jenes, hättest du tun müssen, hast es aber nicht getan – du bist verloren!, dann hat ein Schäflein Christi seine Zuflucht bei Christus und spricht zum Teufel: Es ist wahr, ich habe gesündigt. Geh, Satan, zu Christus und leg dich mit ihm an! Der ist um meiner Sünde willen dahingegeben und um meiner Rechtfertigung willen auferstanden!

Er spricht: Ich bin gekommen, dass sie das Leben und volle Genüge haben sollen! Ich bin der gute Hirte! ”.

Menschen brauchen jemandem, dem sie folgen. Aber wen sie auch wählen: Immer sind es nur Menschen wie sie, begrenzt, sündig, unvollkommen.

Vergeblich versuchen sie, sich selbst das Licht der Wahrheit anzuzünden, sich aus den Ketten der Schuld zu befreien, sich eine gültige Gerechtigkeit vor Gott zu verschaffen.

Sie lassen sich auf Mietlinge ein und erkennen es nicht.

Immer neue Abgründe öffnen sich – und gerade heute lebt die Menschheit “verschmachtet und zerstreut wie Schafe, die keinen Hirten haben”.

Gegenüber dem Teufel, dem reißenden Wolf, sind alle machtlos denn Sünde, Gottes Zorn, Not, Tod und Hölle sind zu mächtige Feinde!

Nur einer konnte die Menschenherde dem Feind entreißen: derjenige, der von Anfang ihr Hirte gewesen war, GOTT selbst!

Ich, ich bin der HERR, und ist außer mir kein Heiland“ (Jes. 43,11).

Im Neuen Testament lesen wir: „Als Jesus das Volk sah, jammerte es ihn, denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben” (Matth. 9,36).

Dies zeigt uns das Herz und die Gesinnung des HERRn Christus.

Er spricht: „Ich bin der gute Hirte und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen…”.

Wenn nun der Sohn Gottes uns als die Seinen erkennt – wovor sollte uns grauen? Wie könnte uns etwas, was uns zustößt, zum Bösen dienen? Wie sollte uns etwas fehlen, was wir nötig haben?

Er ermutigt uns, in jeder Not bei ihm Hilfe und Zuflucht zu suchen und zeigt uns im Evangelium, wie er ein Herz für Verirrte hat:

Als Jesus Christus in das Haus des Sünders Zachäus trat, der andere unzählige Male betrogen hatte und diesem Mann, alle Sünden vergab, murrten die Selbstgerechten: „dass er bei einem Sünder einkehrte” (Luk. 19,7).

Aber Jesus sprach: „Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist” (Luk. 19,10).

Als die stadtbekannte Sündern (wahrscheinlich hatte sie als Hure gelebt) bußfertig zu Jesus kam, sprach er zu ihr: „Dir sind deine Sünden vergeben“ (Luk. 7,48); und als die Pharisäer darüber murrten, sprach er noch einmal zu der Frau: „Dein Glaube hat dir geholfen; gehe hin mit Frieden!“ (Luk. 7,50).

So sucht der HERR Christus die Sünder, um sie selig zu machen.

Er ruft auch dich und mich, damit wir bei ihm bleiben und rechtzeitig von bösen Wegen umkehren und nicht zurückfallen – etwa wieder Sklaven der Sünde werden!

Schnell geschieht es, dass Gläubige durch die Verführungslist des Teufels in alte Sünden einwilligen und sich immer weiter von Christus entfernen – äußerlich noch als Christen leben, ihm aber im Herzen entfremdet sind.

Christus aber gibt keinen auf! Er droht und straft, er ruft und lockt.

Hat er nicht auch schon uns so manches mal zurückgerufen – mit einem Wort, das uns ins Herz traf und mit dem er uns wieder zu sich zog?

Auch wenn du mit Kain sprichst: „Meine Sünde ist größer, als dass sie mir vergeben werden könnte!”, so will dein HERR Christus dich noch!

Er hat dich nicht aufgegeben! Er ruft dich: Ich bin der gute Hirte! Ist deine Schuld auch noch so groß, meine Gnade über dich ist noch größer!

Da muss keiner im Ungewissen bleiben, ob er sich für einen Christen halten darf oder nicht, ob er einst selig wird oder verdammt.

Christi Opfer und Vergebung ist ein weites Meer.

Darin muss auch ein noch so großer Berg von Schuld versinken!

Folge du nur, wenn er dich durch die Predigt seines Wortes ruft!

Mitten im Elend unseres Lebens lehrt uns Christi Wort: „Wenn uns unser Herz verdammt, so ist Gott doch größer als unser Herz” (1.Joh. 3,20). Amen.

Pastor Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden