Predigt am Karfreitag

Der HErr warf unser aller Sünde auf IHN. Jesaja 53

Predigt am Karfreitag über Lukas 23,45+46

Und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels zerriß mitten entzwei. Und Jesus rief laut und sprach: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt, verschied er.

Herzlich geliebte Brüder und Schwestern, im Namen Jesu!

Christus sprach vor seinem Leiden und Sterben: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“ (Joh. 15,13) und „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe“ (Joh. 10,11).

Es gibt keinen, der dich so lieb hat, wie Gott der HERR, dein Schöpfer dich in seinem Sohn Jesus Christus liebt!

Paulus lehrt: „Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist“ (Röm. 5,8).

Siehst du deinen Erlöser am Kreuz, so denke immer daran: Jesus ist die Mensch gewordene Gnade Gottes. Er hat mich so von Herzen lieb, dass er, um mich selig zu machen, so leidet, seufzt und stirbt.

Der Apostel ruft uns zu: „Christus hat uns geliebt und hat sich selbst dahingegeben für uns zur Gabe und Opfer…“ (Eph. 5,2).

Gottes Wort lehrt uns: „Christus …erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz“ (Phil. 2,8).

Später schreibt der Apostel Johannes: „Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns gelassen hat“ (1.Joh. 3,16).

Der freie Entschluss des Sohnes Gottes, seine willige Selbstopferung an unserer Statt, wird deutlich im siebten Wort, das er sterbend am Kreuz gesprochen hat: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände”.

Der Heiland hat sein Leben gewollt und gezielt in die Waagschale geworfen, um uns durch sein Opfer zu freizukaufen.

Er hatte gesagt: „Niemand nimmt mein Leben von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe Macht es zu lassen und habe Macht es wiederzunehmen (Joh. 10,17.18).

Und als Pontius Pilatus zu ihm sprach: „Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und Macht habe, dich loszugeben?”, antwortete er: „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben”.

Und vorher, im Garten Gethsemane, als die Soldaten Jesus gefangen nahmen und Petrus ihn mit dem Schwert befreien wollte, sprach er: „Stecke dein Schwert an seinen Ort; denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen. Oder meinst du, ich könnte meinen nicht Vater bitten, dass er mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schickt? Wie würde aber die Schrift erfüllt, dass es so geschehen muss?” (Matth. 26,53-54).

Unser HERR Christus ging willig in den Tod; er wollte leiden, er wollte sterben – er wollte die sündige Welt mit Gott versöhnen.

Er erfüllte damit die trostvollen Weissagungen, die einem jeden Sünder versichern: „Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt… der HERR warf unser aller Sünde auf ihn” (Jes. 53,5.6).

Die Gewissheit unseres Heils, die unzweifelhafte Sicherheit, dass wir Sünder im Glauben an IHN ganz gewiss vor der Hölle bewahrt bleiben und ewig selig werden, steht auf diesem Fundament:

Das ist der Trost, den du im Glauben dein eigen nennen darfst: „Es hat sich selbst der wahre Gott für mich verlornen Menschen gegeben in den Tod”.

Wäre das ein Trost, wenn einer für uns gezwungen, widerwillig und widerspenstig als Bürge aufgetreten wäre?

Was wäre das für ein Erlöser, der sich unfreiwillig für andere dahingibt?

Nein! Vielmehr erfüllt Jesus voller Liebe zu uns, was Gott durch den Propheten weissagen ließ: Er hat sein Leben zum Schuldopfer gegebenEr hat sein Leben in den Tod gegeben…” (Jes. 53,10.12).

Das erkennen wir auch daraus, dass er den Jüngern sein Leiden dreimal ankündigt: „Es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird verspottet und geschmäht und verspeit werden und sie werden ihn geißeln und töten. Und am dritten Tage wird er wieder auferstehen(Luk. 18,31).

Darum lehrt Gottes Wort: Er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an…” (Phil. 2,7).

So schreit Jesus zuletzt laut: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände”.

Ich befehle…” – d.h.: ‚Ich übergebe dir meinen Geist’ oder ‘Ich vertraue dir meinen Geist an’.

Das sagt er, weil er weiß, dass alles vollbracht ist (Joh. 19,28.30).

Nun übergibt er seinen Geist freiwillig dem Vater; Jesus will sterben.

Das ist der Unterschied zum Tod eines gewöhnlichen Menschen!

Der natürliche Mensch stirbt, weil er die Folgen der Sünde, die Folgen der angeerbten Sünde und seiner eigenen tragen muss (1.Mose 3,19), wie geschrieben steht: „Der Tod ist der Sünde Sold” (Röm. 6,23).

Er wird alt, gebrechlich, seine Kräfte nehmen ab und schließlich haucht er seinen letzten Atem aus, das alles um seiner Sündhaftigkeit willen.

Denn so steht geschrieben: „Wie durch einen Menschen die Sünde ist kommen in die Welt und der Tod durch die Sünde, und ist also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben” (Röm. 5,12).

Jesus starb, weil der dreieinige Gott den Opfertod des Messias zu unserer Seligkeit beschlossen hatte.

Darum schreibt auch Paulus: „Christus ist gestorben für unsere Sünden nach der Schrift (1.Kor. 15,3) – d.h. wie Gottes Wort es seit der allerersten Verheißung im Alten Bund ankündigt hat, so ist es geschehen.

Mit dem Wort: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.” legte Jesus das Lösegeld für uns vor den Thron Gottes.

Das hat Jesus weit vor seiner Hinrichtung bezeugt: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele” (Matth. 20,28).

So stehen wir im Glauben vor seinem Kreuz und hören aus seinem Mund diese herrlichen Worte: „Niemand nimmt mein Leben von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe Macht, es zu lassen und habe Macht, es wiederzunehmen” (Joh. 10,17.18) „Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde…” (Joh. 15,13.14).

Wenn Gott ein so kostbares Gut, ja sich selbst, in die Waagschale wirft, wie sollte auch nur ein Sünder (und hätte er alle schweren Sünden dieser Welt vielfach begangen) noch den leisesten Zweifel haben, dass der Allmächtige ihn um Jesu willen dennoch in Gnaden annehmen will?

Darum ist nicht allein wichtig, dass Jesus für uns Sünder willig und aus lauter Liebe sich selbst zum Opfer brachte, sondern auch das andere: Jesu Tod war ein wirklicher Tod!

Jesus hat selbst seinen Tod bekannt gegeben: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände”.

Auch in seinem Tod gilt: „Er ward gleich wie ein anderer Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden.” (Phil. 2,7).

Sein Herz hörte auf zu schlagen, seine Augen brachen, seine Lippen erblassten; er hauchte seinen letzten Atem aus, der Geist schied sich vom Leib.

Jesus übergab seine Seele in die Hände Gottes des Vaters.

Gottes Wort lehrt: „Wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes” (Röm. 5,10) und „Er hat euch versöhnt… durch den Tod” (Kol. 1,22).

Der Tod Jesu Christi ist das Opfer an Gott zur Versöhnung aller Sünder: „Jesus… hat …für alle den Tod geschmeckt” (Hebr. 2,9).

Er ist das Opferlamm, welches die Sünden der Welt trägt (Joh. 1,29).

Als unser Heiland am Kreuz seine Seele in die Hände des Vaters übergab, zerriss der Vorhang im Tempel.

Der Vorhang trennte das Volk vom Allerheiligsten, in das allein der Hohepriester im Jahr einmal gehen durfte.

Als Gott den Vorhang im Tempel durch ein Wunder zerreißen ließ, gab er dadurch klar und unmissverständlich zu erkennen: Das Opfer ist gültig, der Weg ist frei. Ich bin versöhnt, wer im Namen Jesu zu mir kommt, dringt hindurch in das Allerheiligste, dem steht der Eingang in das Himmelreich offen.

Darum schreibt auch Paulus: „Durch ihn haben wir den Zugang… zum Vater” (Eph. 2,18) oder „Durch ihn haben wir Freudigkeit und Zugang in aller Zuversicht durch den Glauben an ihn” (Eph. 3,12).

Darum spricht Christus: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich” (Joh. 14,6).

Was heißt das für uns?

Es heißt: Wenn uns unsere Sündenschuld erschreckend bewusst wird, wenn der Satan uns die wohlverdienete Verdammnis androht und uns unser eigenes Herz verurteilt und verdammt, ja wenn wir in schweren Stunden des Kleinglaubens und Zweifels nicht mehr aus noch ein wissen, dann sollen wir daran denken:

In der Waagschale liegt der Tod des Sohnes Gottes!

Darum zerriss der Vorhang im Tempel!

Nun gilt:

Wir sind frei, zu dienen dem lebendigen Gott als gerechtfertigte, versöhnte, begnadete Sünder!

Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.“ (Röm. 8,31-34) Amen.

Pastor Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden