Predigt am Neujahrstag

Vom Namen „Jesus“

Text: Und da acht Tage um waren, dass das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genannt Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er in Mutterleibe empfangen ward. (Lukas 2,21)

Liebe Gemeinde!

Gestern haben wir von der Beschneidung Christi gehört, durch die er uns zeigt, dass er sich um unsertwillen unter das Gesetz gegeben hat, damit wir vom Fluch des Gesetzes frei und GOttes Kinder werden.

Nun folgt der zweite Teil des Evangeliums vom Namen »Jesus«. Dieser Name ist nicht von Menschen gewählt, sondern von GOtt selbst gegeben und vom Engel gesagt, bevor das Kind im Mutterleib empfangen war.

Der Name »Jesus« heißt auf Deutsch »Heiland« oder »Seligmacher«, denn der Engel sprach zu Joseph: »Maria wird einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen; denn er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden.« (Matth. 1,21).

Das JEsuskind ist ein Heiland, der gekommen ist, um uns aus der größten Not zu helfen, aus der Not der Feindschaft zu GOtt!

Nun ist auch viel andere Not in dieser Welt: Machtgier, Ruhmsucht, Geiz und Bosheit, wodurch Menschen gegeneinander aufgehetzt werden, ja ganze Völker in Krieg und Zerstörung enden.

Es gibt ungeheuer viel Armut neben Reichtum und Verschwendung, viel Ungerechtigkeit.

Millionen Menschen enden an Krankheiten, wobei mit wenig Geld so manchem geholfen werden könnte.

Ist JEsus gekommen, um all diese irdische Nöte zu beseitigen? um die Welt von Unrecht, Krankheit und Not zu reinigen?

So verkünden es unzählige Prediger, allen voran die römische Kirche in Südamerika, woher der derzeitige Papst stammt.

Sie nennen es »Theologie der Befreiung« und stellen JEsus auf eine Stufe mit Revolutionären wie Fidel Castro und Che Guevara.

Das ist auch eine List des Teufels. Weil die Not in dieser gefallenen Welt so groß ist, suchen viele bei JEsus Rückhalt für die Bewältigung von Leid und Elend.

Damit aber überhören sie die Stimme des Sohnes GOttes, der die mühseligen und beladenen Sünder zu sich ruft, um ihnen aus der noch viel größeren Notlage zu helfen: aus Zorn und Gericht GOttes und der drohenden ewigen Verdammnis!

GOtt hat für die weltliche Ordnung und Wohlfahrt die Obrigkeit gegeben und verordnet. »Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung;« (Röm. 13,1f.).

Die Obrigkeit soll ihr Volk vor Feinden schützen, die Väter und Mütter sollen ihre Kinder ernähren und erziehen, die Ärzte sollen bei Krankheit Rat geben und helfen.

Aber sie sind alle nur irdische Helfer, gering und schwach im Vergleich zu dem, der die Menschen von Sünden errettet.

Wer an Christus glaubt, der achte ihn, dass er der Nothelfer ist – nicht besonders für dieses Leben, sondern zum ewigen Leben, dass er von Sünden und aus dem Tod helfen will und kann.

Wo die Sünde vergeben ist, da hat der Tod keine Macht mehr. Wie? Die Schrift lehrt klar und deutlich: »Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen und der Tod durch die Sünde, und so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben« (Röm. 5,12). Und weiter lehrt die Schrift: »gleichwie sie in Adam alle sterben, also werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.« (1.Kor. 15,22).

Darum soll ein jeder bedenken, was er von Christus erwartet und was er für ein Helfer und Heiland ist.

Wer will von GOtt nur eben so viel Gutes erwarten wie er von Obrigkeiten und Wohlfahrtsverbänden erwartet?

Und wer nicht glaubt, dass es nach diesem Leben hier ein anderes, ein ewiges Leben gibt, der hat an Obrigkeiten, an Lehrern, Ärzten und Eltern genug Helfer und Fürsorger. Dazu braucht er JEsus nicht.

Du glaubst, dass es nach diesem Leben hier das ewige Leben in GOttes Seligkeit gibt? Dann brauchst du diesen Heiland, den GOtt dir geschenkt hat.

Er hilft dir, wo dir weder Präsident noch Parlament, weder Ärzte, Eltern oder sonst ein Mensch helfen kann!

Es ist wohl wahr: Wo Obrigkeiten versagen, wo Vater und Mutter die Ihren vernachlässigen und wo die Kunst der Ärzte nichts nützt, da will der HErr den Seinen beistehen und kann auch große Wunder tun.

Aber das ist etwas, was er darüber hinaus tut, wozu er eigentlich gekommen ist: »des Menschen Sohn ist kommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.« (Luk. 19,10).

Darum verkündigen wir Prediger ihn nicht zuerst als den Helfer aus irdischer Not.

Sein Amt ist eben ein anderes: Er will seinem Namen alle Ehre machen und will sich vor uns Sündern erweisen als der rechte »JESUS«, nämlich als der HELFER und HEILAND von Sünde, Tod, Teufel und Verdammnis.

Wenn es keine Hölle, kein Reich des Teufels, keine ewige Strafe und Pein gäbe, wozu brauchte die Welt dann den HErrn JEsus?

Wer glaubt, dass es GOtt gibt, der muss auch schließen, dass es das ewige Leben gibt.

Und wir erfahren in unserer Lebenszeit, dass GOtt sich nicht überwiegend um dieses Leben hier kümmert. GOtt will nicht diese Welt in den Zustand vor dem Sündenfall versetzen und hat Christus nicht gesandt, damit er den Menschen zeigt, wie sie da mitwirken können.

Wir sehen, dass GOtt den Bösen viel Spielraum und sie ihren Mutwillen weit treiben lässt.

Und mitten hinein in dieses teuflische Chaos dieser Welt sendet er seinen Sohn, und dieser sein Sohn, JESUS, ruft die Sünder zu sich, sammelt sie ins Reich seiner Gnade, um sie am Ende hinüberzuführen in die ewige Seligkeit.

Und was ist mit meiner irdischen Not? Luther sagt dazu: »Zum ewigen Leben soll das Kindlein JEsus unser Heiland und Helfer sei. Und wenn er uns dazu hilft, so hat er genug geholfen Und liegt nichts daran, auch wenn er uns in diesem zeitlichen Leben lässt herumwaten als hätten wir keinen GOtt, der uns helfen wollte oder könnte.Denn seine Hilfe soll eine ewige Hilfe sein; daran sollen wir uns genügen lassen, es gehe mit dem zeitlichen wie es wolle.« W2 XIIIa, 116 (Abs. 7)

So müssen wir zusehen, wie das Papsttum seinen Mutwillen mit GOttes Wort treibt, wie Sekten überhandnehmen – und GOtt stellt sich, als sehe er es nicht, lässt es geschehen.

Aber du sollst dich davon nicht beirren lassen.

Gerade weil GOtt die rechte und starke Hilfe zum ewigen Leben in seinem Sohn JESUS zusagt und schenkt, lässt er uns in diesem Leben hier, als habe er nichts mit uns zu schaffen. Daraus sollen wir lernen und glauben, wir haben in dem Kindlein JEsus einen solche Helfer und Heiland, der uns zu eben der Stunde helfen will und kann, wo sonst niemand uns schützen oder helfen kann. Das ist die Stunde, in der die Sünde uns vor Augen steht und sie uns verklagt und dem ewigen Verderben preisgeben will.

Luther sagt: »Außerhalb dieses Stündleins sehen wir leider, dass wir diesen Heiland nicht sehr begehren noch nach ihm fragen. Denn wer gesund ist und den Kasten voll Gulden hat, der braucht den HErrn JEsus dazu nicht, dass er etwas kaufe, denn er kann’s mit Geld ausrichten.«

So ist es ja auch mit anderen irdischen Dingen, mit Vernunft, Weisheit, Einfluss und Macht.

Aber wenn dieses zeitliche Leben zu Ende geht und das Gewissen vor GOtt seine Sünden nicht leugnen kann und deshalb in großer Not und Sorge ist, da ist die zeit, dass dieser eine Heiland helfe.

Darum heißt er JESUS, HILFE, weil er da sein und helfen will all denen, die ihre Not erkennen und Hilfe bei ihm suchen.

Wer in dieser Not seine Gewissens und in der Gefahr des Gerichtes GOttes einen anderen Heiland sucht, von sich selbst und seinen Werken, von Heiligen oder gar von Götzen, der geht ganz und gar fehl und bleibt ohne Hilfe und ohne Erretter!

Es gibt keinen anderen als nur das Kindlein der Jungfrau Maria, das JESUS heißt. Denn so predigte Petrus vor dem Hohenpriester: » Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden.« (Apg. 4,12).

Darum musst du alles weit von dir weisen, worauf die Leute hoffen und was außerhalb von JESUS ist, dass es zur Vergebung der Sünden diene und zum ewigen Leben helfe.

Hier kann auch allein GOttes Wort Antwort geben. Darum heißt es: »Verlass dich auf den HErrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand« (Spr. 3,5)

»Es ist gut auf den HErrn vertrauen und sich nicht verlassen auf Menschen. Es ist gut auf den HErrn vertrauen und sich nicht verlassen auf Fürsten.« (Ps. 118,8f.; vgl. Ps. 146,3)

…auch nicht auf Kirchenfürsten, denn z.B. die Prediger des Papsttums lehren, der Glaube helfe nicht allein, wenn du selig werden willst, musst du gute Werke tun – das ist so viel gesagt wie »Gute Werke sind und heißen Jesus«.

GOttes Wort dagegen lehrt: »Glaube an den HErrn JEsus, so wirst du selig! /// durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht.« (Apg. 16,31/ Gal. 2,16).

Auch wir stehen in der Gefahr, anders zu denken und zu glauben, nämlich dann, wenn wir uns vor unserer Sünde mehr erschrecken, als dass wir uns von JESUS trösten lassen.

Das ist, wenn wir denken: Wenn ich dies oder jenes nicht getan hätte, dann könnte ich in GOttes Gericht bestehen.

Ein solches Denken ist dem Heiligen Geist ganz zuwider. Er will, dass dieses Kind allein den Namen JESUS haben und behalten soll.

Wir dagegen sollen an unseren eigenen Werken und an jeglicher anderen Hilfe verzagen und uns im festen Glauben an GOttes Wort allein an dieses Kindlein halten.

GOtt schenke, dass wir im Leben und Sterben daran festhalten, dass dieses Kindlein der einzige Heiland ist gegen Sünde, Teufel und Tod.

Ist uns die Welt darum feind, so sei sie es.
Will sie dieses Kind nicht zum Heiland, so lasse sie es und sehe, wer ihr hilft, wenn der Tod anklopft – ob gute Werke, Fasten, Beten, Bußkampf, Almosen geben, Wallfahrten, Verzicht auf Genuss, auf schöne Kleider, auf Fernsehen usw. hier helfen und Trost geben können.

Wir dagegen wollen all unseren Trost allein auf dieses Kindlein bauen, dem GOtt selbst den Namen JESUS, HILFE, gegeben hat und wollen es gern für unseren Heiland bekennen.

Da wissen wir, dass GOtt ein großes Wohlgefallen daran hat.

So feiern wir dieses Fest der Beschneidung und Namensgebung JEsu recht, wenn wir bedenken: Der ewige GOtt ist in JEsus Christus Mensch geworden, hat sich unter das Gesetz begeben, damit er es für uns erfüllte und uns erlöste vom Fluch des Gesetzes.

So hat GOtt dem menschgewordenen Sohn den Namen gegeben und zeigt uns, wofür wir nihn halten sollen: für die einzige HILFE, den einzigen HEILAND, der uns Sünder selig macht. Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden


D. MARTIN LUTHER ml/mb W2 XIIIa, 114ff.