Predigt am Sonntag Jubilate (12.05.2019)

Predigt über Johannes 14,1-6

Und er sprach zu seinen Jüngern: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubet ihr an Gott, so glaubet ihr auch an mich. In meines Vaters Hause sind viel Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, so wollt‘ ich zu euch sagen; ich gehe hin euch die Stätte zu bereiten. Und ob ich hinginge, euch die Stätte zu bereiten, will ich doch wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe, das wisset ihr, und den Weg wisset ihr auch.
Spricht zu ihm Thomas: HERR, wir wissen nicht, wo du hingehest; und wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Im Namen des HErrn Christus, herzlich geliebte Gemeinde!

Nach allem Leiden, nach Tod und Grabesruhe zeigte sich der HErr Christus den Seinen als der Auferstandene.

Da mussten Furcht und Schrecken, Traurigkeit und Bangen weichen.

Da erinnerte er sie an das, was er ihnen vor seinem Leiden gesagt hatte: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. Luk. 24,44

Unser heutiger Predigtabschnitt ist der Anfang dieser Reden Jesu vor Gefangennahme und Kreuzigung.

Er lehrte sie, gab ihnen Trost im Voraus und zeigte ihnen den Sinn und Zweck von allem, was nun kommen musste.

Er beschloss diese Worte mit dem Satz: Und jetzt habe ich’s euch gesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es nun geschehen wird. Joh. 14,29

Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!

Eure Herzen sind von Angst und Schrecken ergriffen, weil ich euch angekündigt habe, dass ich leiden und durch die Hände der Sünder einen schrecklichen Tod erdulden muss.

Aber setzt euer Vertrauen ganz auf Gott und auf mich, euren Heiland, dann wird alle Furcht schwinden müssen und ihr werdet euch freuen, dass ich durch Leiden und Sterben zum Vater gehe – denn das geschieht euch zu Trost und Heil.

Wir Christen sind auch vielem ausgesetzt, das uns mit Furcht erfüllt, das uns traurig macht oder ganz und gar ratlos.

Es gibt einfach vieles in dieser Welt, worüber wir erschrecken, nicht nur äußere Nöte, sondern auch schwere innerliche Anfechtungen, böse Versuchungen und harte Kämpfe.

Der HErr Christus ruft auch uns und allen seinen Gläubigen zu: Euer Herz erschrecke nicht!

Haltet euch nur im Glauben an Gott, der durch mich euer himmlischer Vater ist, dann wird alle Furcht und alles verzagte Bangen schwinden.

Ja, liebe Christen, euer Herz erschrecke nicht!

Der HErr Christus spricht: (1) im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen und ich habe euch dort die Wohnstätte bereitet. (2) Ich bin allezeit bei euch und führe euch sicher zum Ziel.

1.

In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen, sagt Christus.

Er richtet die Herzen und Gedanken der Jünger über dieses Zeitliche hinaus – hin zur seligen Ewigkeit.

Ja, er hatte ihnen keine ruhigen Zeiten angekündigt: Ihr müsst gehasst werden von jedermann um meines Namens willen. Wer aber bis an das Ende beharrt, der wird selig. Matth. 10,22

Der Knecht ist nicht größer denn, sein HERR. Haben sie mich verfolgt, sie werden euch auch verfolgen… Joh. 15,20

Das haben z.B. auch die Salzburger Lutheraner erfahren müssen: Weil sie das Bekenntnis zur Wahrheit nicht verleugneten und sich nicht wieder unter das Joch des Papsttums zwingen ließen, mussten sie ohne Hab und Gut binnen weniger Stunden ihre Heimat verlassen.

So sagt Christus: Wenn euch in der Welt kein Raum gegönnt wird, auch wenn ihr um meines Namens willen aus eurer Heimat gehen müsst: In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten?

Ihr habt ein Vaterhaus, ihr habt eine Heimat.

Das sagt Christus auch uns.

Doch wir sind oft kleingläubig. Vieles stürmt auf uns ein an Pflichten, an Problemen und Sorgen.

Was Christus uns sagt, das sehen wir nicht. Er spricht: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Joh. 20,29

Es ist sein Wort, an das wir uns klammern müssen, um den Trost zu empfangen, den er schenkt!

Darum spricht er nicht nur: In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen, sondern fügt hinzu : Wenns nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten?

Er, der die Wahrheit in Person ist, der die Wahrheit spricht, in dessen Mund sich kein Betrug findet, hätte es doch nicht gesagt, wenn es nicht so wäre!

Des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss. Ps. 33,4.

Er ist ja Gott selbst, der nicht irrt, der nicht lügt, der uns nicht hinters Licht führt!

Er spricht: Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen. Matth. 24,35.

Darum wissen wir Christen ganz gewiss: Es gibt ein Vaterhaus im Himmel, es gibt ein anderes, ein ewiges Leben in der Seligkeit.

Und wenn die ungläubigen Menschen darüber spotten, wenn sie Gott aus Geschichte und Wissenschaft völlig ausschließen und behaupten, mit dem Tod sei alles aus, so wissen wir doch: Die vermeintliche Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die vermeintliche Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind. 1.Kor. 1,25.

Obwohl doch das Wort Gottes kräftig und gewiss ist, obwohl Gott doch treu und seine Zusage wahrhaftig ist, steigt doch hin und wieder im Christenherzen die bange Frage auf: Sind die Wohnungen, die Christus den Seinen im Himmel bereitet hat, auch für uns und wirklich auch für mich da?

Besonders in Zeiten der Not und Anfechtung hören wir laut die Stimme unseres Gewissens, das uns anklagt – und wir müssen ihm recht geben!

Du bist ein Sünder und hast den Willen deines Gottes oft übertreten! Du tust es fort und fort! Du beleidigst Gott! Du ziehst seinen Zorn auf dich!

Gott ist heilig und gerecht. Er hasst Sünde! Wird er mich am Ende annehmen? Muss er mich nicht gerechterweise ewig verstoßen?

Da kommt dein HErr Christus und tröstet dich: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten!

Was er da den Jüngern versprochen hat, das hat er unmittelbar danach ausgeführt!

Ihr wisst es ja alle, wie Christus das getan hat: Er hat es durch sein Leiden, durch seinen Tod, durch seine Auferstehung und Himmelfahrt getan.

Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Jes. 53,5.

Er hat durch sein Opfer unsere Schuld getilgt und die Scheidewand weggenommen, die uns von unserem Gott und Schöpfer trennt!

Christus um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt. Röm. 4,25.

Indem Gott unseren Stellvertreter vom Tode auferweckt hat, hat er erklärt und bestätigt: Das Opfer Christi zur Erlösung der sündigen Menschenwelt ist vollgültig.

Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Joh. 3,18.

So ist Christus, der keine Sünde in sich und an sich hatte, auf den Gott aber all unsere Schulden warf, ist als der Erste und Heilige den Weg aus dieser sündigen verlorenen Welt gegangen – hin in das ewige Reich Gottes.

So hat er uns den Weg gebahnt, und wir folgen ihm im Glauben.

Alles, was der HErr Christus der ganzen sündigen Welt erworben hat, das gehört uns: Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit.

Wenn wir uns das Wohlwollen Gottes, Ablass der Sünden und Versöhnung, ja die Wohnstatt im Himmel, selbst verdienen müssten durch unser Kämpfen, und Ringen, wie die römische Papstkirche es lehrt, dann freilich gäbe es für uns keinerlei Gewissheit, und wir müssten an unserer ewigen Errettung zweifeln.

Darum, weil all unser Heil auf Christus, dem Sohn Gottes ruht, haben seine Worte auch die große Kraft, den stärksten Zweifel zu vertreiben: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!

In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen.

Das Wort „Wohnungen“ heißt eigentlich „Ruhestatt“ oder „Bleibestätte“.

Dort, liebe Mitchristen, ruhen wir aus, dort dürfen wir bleiben.

Ein winziges Stück dieser friedvollen Herrlichkeit durften die Apostel Petrus, Johannes und Jakobus auf dem Berg erleben, als Jesus verherrlicht wurde.

Da rief Petrus: HErr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Matth. 17,4.

Diese Herrlichkeit werden im Himmel alle ohne Ende genießen, die hier in ihrem irdischen Leben Gottes Gnade im Glauben an Christus angenommen haben – auch du, obwohl du dich täglich als Sünder erkennst!

Und wenn du auch Krankheit, andere Nöte, psychisches Leid und manche Entbehrung ertragen musst: Du hast ein herrliches Ziel vor Augen, denn du gehst mit jedem Tag dem Vaterhaus entgegen.

Dort wirst du erkennen, wie doch Gottes Güte so weit reicht wie der Himmel ist und wie seine Gnade und Wahrheit über dir jeden Morgen neu war.

Dort werden wir ausruhen von allem. Gott spricht: Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Offbg. 7,16.17.

Ist es neben all der Freude und dem Guten, das wir hier erleben, auch mitunter schwer und mühevoll – und sind die Täler, die wir durchwandern müssen auch dunkel und bedrohlich, hören wir doch Jesu Worte, richten uns daran auf und sprechen die Worte nach: Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Röm. 8,18.

2.

Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge. 1.Petr. 5,7.

Da fragt sich doch mancher: Werde ich diesem Feind, dessen Attacken ich täglich erlebe, bis an mein Ende widerstehen können?

Werde ich standhalten, wo doch mein eigenes Fleisch und Blut so sehr zum Bösen geneigt ist und auch aus meinem Herzen viele arge Gedanken und bösen Sehnsüchte aufsteigen?

Es ist wahr: Wären wir allein auf uns selbst und auf unsere Kraft angewiesen, so müssten wir jämmerlich aufgeben.

Doch Christus spricht auch hier: Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!… Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin.

Er selbst ist bei uns, wie er spricht „alle Tage bis an der Welt Ende“.

Er ist bei uns durch sein Wort und Sakrament mit all seiner Macht und Gnade.

Da spricht er mit uns, da wirkt sein mächtiger Geist an unseren Herzen, da richtet er auf, da tröstet und stärkt er, da warnt er und führt.

So und nur so wird es uns möglich sein, den Versuchungen zum Bösen, dem Denken, Reden und Handeln gegen Gottes Willen zu widerstehen.

So und nur auf diese Weise können wir den Teufel und seine listigen Angriffe zurückschlagen.

Wir fliehen zu Christus im Gebet und in sein Wort. Da finden wir wieder den Willen und die nötige Kraft, unser Fleisch zu kreuzigen mit allen bösen Lüsten und Begierden.

Darum spricht Christus: Und wo ich hingehe, das wisst ihr, und den Weg wisst ihr auch. Spricht zu ihm Thomas: HERR, wir wissen nicht, wo du hingehst; und wie können wir den Weg wissen?

Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Mit aller Geduld antwortet der HErr seinem Jünger. Thomas hatte nach dem Weg und dem Ziel gefragt und ER antwortet ihm: Sieh auf mich, Thomas, ich bin der Weg, durch mich kommst du zum Ziel. Es gibt keinen anderen Weg zum Vater.

Klar und scharf spricht der HErr dies aus, dass es nur einen einzigen Weg gibt, IHN!

Menschen erdenken sich in ihrer ungläubigen Torheit viele Wege.

Doch alle menschlichen Gedanken davon laufen auf das Eine hinaus: dass wir uns selbst mit Gott versöhnen, selbst selig machen müssen – durch Opfer, durch Büßen, durch gute Werke, Fasten und Entbehrung – mit einem Wort: durch unser Tun und unseren Verdienst.

Dagegen spricht Christus: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Das heißt:

Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm. Joh. 3,36.

In keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden. Apg. 4,12.

Wir werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Röm. 3,24.

Christus ist nicht nur der einzige Weg zum Frieden mit Gott und zur ewigen Seligkeit, sondern er ist auch der einzige gewisse und sichere Weg dorthin.

Sein Wort ist, wie der Psalm lehrt, nichts als Wahrheit, ja er selbst ist die Wahrheit und das Leben.

Alles, was er sagt und tut, ist Wahrheit. Darum wissen wir, dass er uns das rechte Ziel lehrt, den gangbaren Weg dorthin und vor allem, dass er uns Gott recht vor Augen stellt, wie er ist, was er an uns tut und wie er mit uns in seiner Barmherzigkeit umgeht.

Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt. Joh. 1,18

Wer Christus im Glauben hat, der hat mit ihm und in ihm auch das wahre Leben, schon hier.

Denn Christus ist, wie der Apostel uns sagt, der wahrhaftige Gott und das ewige Leben 1.Joh. 5,20.

Darum steht dieses Wort fest und gewiss: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!Amen.

Pastor Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden