Predigt am Sonntag nach Neujahr

Am Mikrofon: Waldemar Dantschin

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Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst. Jesaja 9,6

„Und er heißt …Kraft-Held“

Liebe Gemeinde!

Jakob war 20 Jahre lang im Dorf Haran in Mesopotamien bei seinem Onkel Laban gewesen. Er war dorthin vor seinem Bruder Esau geflohen, den er betrogen hatte. Allein und völlig ohne Mittel war er damals in Haran angekommen, als Familienvater und reicher Mann kehrte er zurück; zwei große Viehherden nannte er sein eigen.

Nun kam er an die Grenze seines Vaterlandes, und bevor er einen Fuß hineinsetzte, hielt er einen kurzen Rückblick und sprach: „HERR, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Knechte getan hast; denn ich hatte nicht mehr als diesen Stab, als ich hier über den Jordan ging, und nun sind aus mir zwei Lager geworden“ (1.Mose 32,11)

Jakob wusste im Glauben: Das kommt von Gottes Güte und Gnade. Gottes Segen hatte ihn begleitet; Gottes Kraft hatte ihm zur Seite gestanden. Jetzt aber stand er an der Grenze zu seinem Heimatland und fürchtete sich vor seinem Bruder Esau, den er damals betrogen hatte. Er betete, Gott möge alles gut machen.

So erfuhr Jakob, wie der HERR dunkle Täler licht werden lässt, Menschenherzen lenken und aus Fluch Segen machen kann: „Esau aber lief ihm entgegen und herzte ihn und fiel ihm um den Hals und küsste ihn, und sie weinten“ (1.Mose 33,4).

Wir stehen nicht an der Grenze zweier Länder, sondern zweier Jahre. Schon haben wir das alte verlassen und unseren Fuß in das neue gesetzt.

Auch wir beten: HERR, wir sind zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du im vergangenen Jahr an uns getan hast…“

Vielleicht beschleicht mitunter auch uns Furcht vor dem, was vor uns liegt: „Was kommt auf uns zu? Was wird das neue Jahr bringen? Freude oder Leid, Leben oder Tod? Wir wissen es nicht!“

Doch auch wir wollen in diesem Jahr den Weg gehen, den Gott der HERR uns führt und das himmlische Ziel fest im Blick behalten.

Sagt uns Gottes Wort nicht: „Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen“ (Apg. 14,22)?

Dass wir noch nicht vom Glauben zum Schauen gelangt sind, wird sich auch im neuen Jahr deutlich zeigen.

Auch was der Apostel Petrus uns Christen schreibt, wird sich wieder bewahrheiten: „Seid nüchtern und wachet, denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge…“ (1.Petr. 5,8)

Und so haben wir allen Grund, Gott den HERRn um Beistand und Durchhilfe zu bitten – eben wie auch Jakob das getan hat.

Wir wollen bedenken, dass unser HERR Jesus Christus uns zugesagt hat, er wolle täglich über uns wachen und uns beschützen.

Ja, wir setzen aller Ungewissheit, allen möglichen Gefahren, allem zu erwartenden Kampf entgegen, was uns zu Weihnachten verkündet wurde: „Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben… und er heißt Wunderbar, Rat, Kraft-Held…“

Der menschgewordene Sohn Gottes, der Kraft-Held versichert uns:

1. Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.
2. Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Das ist die Zusage unseres HERRn an seine Kirche und an jeden einzelnen Christen:

1. Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden

Kraft-Held – so wird Christus schon 700 Jahre vor der Christnacht in der Weissagung des Propheten Jesaja genannt.

In dem Gottes Wort unseren Heiland „Kraft-Held“ nennt, malt es den HERRn Christus vor unsere Augen als einen, der an Stärke und Macht alle anderen übertrifft und dem sich alles unterwerfen muss.

Im Neuen Testament wird dies mit anderen Worten wiederholt: „… dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind“ (Phil. 2,10 ).

Ja, wir haben den zum HERRn, dem sich am Ende alle beugen müssen.

Er sprach zu den Aposteln: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“.

Er ist ja der allmächtige Gott und besitzt alle Gewalt, Macht und Herrschaft von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Gegeben“ ist ihm „alle Gewalt“ nach seiner menschlichen Natur.

Gottheit und Menschheit in Christus vereint – so steht der HERR in seinem Wort vor uns.

Aber was ist das für eine Gewalt, über die Christus verfügt?

Welche Feinde sind das, die er beherrscht?

Wird es uns nicht zu großem Trost dienen, wenn wir bedenken, über welche Mächte der Sohn Gottes seine Gewalt ausübt?

Blicken wir zurück auf den Anfang der Weltgeschichte, so tritt uns im Bericht über den Sündenfall der mächtigste aller Feinde entgegen.

Es ist sein Hass gegen Gott, der die ersten Menschen verführte und all das Unglück über sie und ihre Nachkommen brachte, auch über uns!

Er ist die Ursache dafür, dass in unserer Welt Millionen den Tod lieber Menschen betrauern, dass sich Hass und Zwietracht zwischen den Völkern erhebt.

Seine Bosheit ist der Grund für Krankheit und Leid, für jegliche Bosheit, für Lüge und Mord, für Ehebruch und Diebstahl, für giftige Worte, für Untreue, Lieblosigkeit, Neid, Habgier und Geiz.

Aber nun ist Gottes Sohn in unsere Welt getreten, hat die menschliche Natur angenommen: „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre“ (1.Joh.3,8).

Als wahrer Mensch, als einer von uns, lebt er ein Leben vollkommen nach dem Willen Gottes, ordnet sich dem Gesetz unter, das Gott den Sündern gegeben hat, stellt sich der Versuchung und widersteht ihr, setzt sich dem Hass seiner Gegner aus und überwindet das Böse mit Gutem.

Alles, was von Christus und seinem Heil gesagt ist, geschah nicht um seinet-, sondern um unsertwillen, dient uns zum Trost und ist uns geschenkt.

Seht, wir feiern am Neujahrstag das Fest der Beschneidung und Namensgebung Jesu.

Wir haben im Evangelium gehört, wie der HERR Christus sich am 8. Tag nach seiner Geburt beschneiden ließ – so wie es das Gesetz fordert.

Damals vergoss er sein erstes Blut als unser Erlöser und Heiland und gab damit die Anzahlung für sein großes Opfer am Kreuz.

Wie sollten wir das neue Jahr beginnen, ohne den Trost dieser großen Gnade Gottes?

Wie sollten wir getrost in die Ungewissheit der Zukunft hineingehen können, ohne den Beistand dessen, der die Macht besitzt über alles, was bedrohlich vor uns liegt?

Keiner von uns weiß, ob er den nächsten Neujahrstag noch erlebt.

Keiner weiß, ob er später von 2021 sagen kann: Das war ein glückliches Jahr! oder ob er sprechen muss: Ich bin froh, dass es vorbei ist!

Eins aber wissen wir: Wir haben den zum HERRn, zum Bruder und zum Freund, der seine göttliche Allmacht erwiesen hat: Er gebietet den tobenden Elementen Stille! (Mk. 4,35ff), sein Befehl: „Sei sehend!“ öffnet den Blinden die Augen; sein Ruf: „Tue dich auf!“ den Tauben die Ohren (Mk. 7,34).

Er gab großen Trost denen, die in Angst und Verzweiflung zu ihm kamen: „Sei getrost!“ (Matth. 9,2), in ihrer Sündennot flehten: „Sei gtrost, deine Sünden sind dir vergeben!“

Den toten Jungen in der Stadt Nain ruft er nur mit den Worten: „Junge, ich sage dir, steh auf!“ und der Tod muss seine Beute hergeben!

Der Tochter des Jairus gaben die zwei Worte: „Talitha kumi!“ (Mk. 5,41) das Leben wieder und den Lazarus entreißt er der begonnen Verwesung: „Lazarus, komm heraus!“ (Joh. 11,43).

Wir hatten gesagt: Alles, was von Christus und seinem Heil gesagt ist, dient uns zum Trost und wird uns geschenkt.

Alle seine Gläubigen wird Christus sein Allmachtswort am Jüngsten Tag hören lassen.

Da werden sie aus ihren Gräbern auferstehen und alle Krankheiten und Leiden werden wie weggewischt sein, wenn er spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offbg. 21,9).

Ja, wie sollten wir das neue Jahr beginnen, ohne uns dieser großen Gnade Gottes zu erinnern?

Liebe Mitchristen, wir haben den zum HERRn, der Kraft-Held heißt und dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden.

Er versichert uns:

2. Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Der Prophet lehrt: „…er wird nicht müde noch matt… Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug den Unvermögenden“ (Jes.40,28.29)

Gerade diese Wahrheit ist besonders wertvoll, wo wir doch in ein neues, noch so ungewisses Jahr hineingehen.

Denn der Sohn Gottes behält seine göttliche Stärke nicht für sich.

Er lässt sie vielmehr uns zugute kommen, die wir durch den Glauben zu ihm gehören.

Dabei bleibt er uns nicht fern, sondern spricht: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“.

Christus spricht: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Joh. 16,33).

Wie sich ein kleines Kind hinter seinen Eltern versteckt, so ist Christus der Schutz seiner Kirche und jedes einzelnen Gläubigen.

Aber nicht allein das, sondern es bleibt wahr: Alles, was von Christus und seinem Heil gesagt ist, dient uns zum Trost und wird uns geschenkt.

Heißt es vom menschgewordenen Sohn Gottes: „Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN“ (Jes. 11,2), so ist ganz gewiss, dass der Heilige Geist auch unserer Schwachheit mit seinen Gaben aufhilft

Er ist es, der uns durch das Evangelium zu Christus gerufen hat.

Er ist es, der uns bis hierher im Glauben erhalten hat.

Er ist es, der uns in Versuchungen Gottes Wort ins Gedächtnis ruft, das wir als Waffe gegen den Teufel gebrauchen sollen.

Er ist es, der uns in Anfechtungen an die Seite tritt und uns in Schwermut tröstet.

Er ist es auch, der uns Rat, Stärke und Erkenntnis schenkt, damit wir auf dem Weg zum himmlischen Ziel bleiben.

So steht uns Christus an jedem neuen Tag bei als unser Kraft-Held.

Es ist nur überaus wichtig, dass wir ihn auch unseren HERRn bleiben lassen, d.h. dass er auch über unser Leben bestimmt, dass wir -wenn wir eine wichtige Entscheidung treffen müssen- danach fragen, ob sie denn mit seinem Wort und Willen übereinstimmt.

Er hat uns zugesagt, er wolle bei uns sein an jedem Tag.

Lassen wir ihn nur auch bei uns sein und weisen wir ihn nicht ab, wenn wir erkennen müssen, dass unser Wille seinem heiligen Willen widerspricht!

Wenn du betest: „Dein Wille geschehe!“, so betest du, dass Gottes Wille auch bei dir geschehen soll.

Das geschieht, wenn Gott allen bösen Rat und Willen bricht und hindert – nämlich auch deinen bösen Willen, der sich dir und deinem Heil hindernd in den Weg stellt.

So leitet uns der Kraft-Held durch sein Wort und seinen gnädigen Willen alle Tage unseres Lebens bis zu dem Tag, an dem er uns aufnimmt in die ewige Seligkeit.

Wenn nun auch das neue Jahr für uns noch im Nebel der Ungewissheit liegt, so wissen wir doch das eine: Unser HERR sagt uns zu, er wolle bei uns sein alle Tage bis an der Welt Ende.

Gebet am Neujahrstag

Allmächtiger gnädiger Gott und Vater! Das alte Jahr liegt hinter uns, und wir beginnen unter deinem Schutz und Segen eine neues.

HERR, wie groß ist deine Güte, die du uns als unser Vater bis hierher erwiesen hast, da wir doch mit unseren Sünden vielmehr Strafe verdient haben! Wie oft hätten wir in Not, Unglück und Jammer elend vergehen müssen! Aber deine treu sorgende Hand hat uns gehalten, errettet und beschirmt! Wir sagen dir dafür von Herzen Preis, Ehre, Lob und Dank! Verzeihe uns alle Sünde und Missetat!

Fange mit diesem neuen Jahr an, uns aufs neue zu segnen und erneuere deine väterliche Liebe und Treue zu uns! Erhalte uns dein reines seligmachendes Wort und die Sakramente gemäß deiner Einsetzung! Erleuchte alle christlichen Lehrer und Prediger, stärke die Obrigkeit, damit sie ihr Amt in Gerechtigkeit und Friede ausführen möge! Segne die Familie und stehe den Alleinstehenden bei! Bewahre uns vor Krieg und Aufruhr, wende von uns ab Seuchen und teure Zeit! Gib Friede im Land, Freude den Herzen, Gesundheit und Zufriedenheit! Erbarme dich aller Menschen. Wo Krieg und Unruhe herrscht, gib Frieden, wo deine christliche Gemeinde verfolgt und bedrückt wird, schenke Zeiten der Ruhe und Erbauung!

Lieber HERR Christus, sei du von uns Sündern gepriesen um all deiner Liebe und Wohltaten willen, die du an uns getan hast! Und weil du bei deiner Beschneidung dein heiliges Blut um unsertwillen vergossen hast, so bitten wir dich: Bleibe als unser treuer Heiland bei uns bis an unser Ende und schenke uns in Ewigkeit den Anblick deiner unendlichen Liebe zu uns. Schenke auch, dass wir uns alle Tage unseres Lebens an deiner Erlösungstat für uns trösten und aufrichten, besonders in Not und Sterben.

Heiliger Geist, wir danken dir für deinen Beistand, für deine Hilfe und den Trost, den du uns hast genießen lassen! Regiere und leite uns auch ferner durch deine Gnade, dass wir unser Leben nach deinem Willen führen und mit diesem neuen Jahr auch alte Sünden hinter uns lassen und neu beginnen!

Um Jesu Christi willen. Amen.