Predigt am Sonntag Reminiscere (17.03.2019)

Predigttext: Matthäus 15,21-28

Und Jesus ging aus von dannen und entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon. Und siehe, ein kanaanäisch Weib ging aus derselbigen Grenze und schrie ihm nach und sprach: Ach HERR, du Sohn Davids, erbarme dich mein! Meine Tochter wird vom Teufel übel geplaget. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir; denn sie schreiet uns nach.


Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlornen Schafen von dem Hause Israel. Sie kam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: HERR, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, HERR; aber doch essen die Hündlein von den Brosamen, die von ihrer HERREN Tisch fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Weib, dein Glaube ist groß; dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter ward gesund zu derselbigen Stunde.

Liebe Leser!

Du gibst mir den Schild deines Heils, und deine Rechte stärket mich; und wenn du mich demütigest, machst du mich groß” (Ps. 18,35).

Luther hat gesagt: Not und Kreuz sollen dem Christen Beine machen, dass er unserem HERRn Christus in die Arme läuft!

Wer in Trübsal kommt und schwere Not erfährt, soll sich nicht zurückziehen, sondern dorthin gehen, wo er den Helfer aus aller Not trifft: in die Gemeinde, unter Wort und Sakrament!

Alleine die Anfechtung lehret aufs Wort merken” (Jes. 28,19).

Das ist der Sinn alles dessen, was unser Gott an Trübsal und Not an uns zulässt: Dass wir von Sünde ablassen, sie meiden, sein Wort suchen und nur noch stärker daran festhalten.

Wenn Gott der HERR seine Kinder „züchtigt” oder erzieht, so hat er damit nicht ihr Verderben im Sinn.

Vielmehr ist es seine Absicht, dass wir uns an seine Gnadenzusagen klammern, ihn, als den Helfer in aller Not noch klarer erkennen.

So stärkt Gott unser Beten und kräftig unseren Glauben.

Stecken wir aber mitten in solcher Trübsal, so erfahren wir: „Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünkt sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit sein; aber danach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind” (Hebr. 12,11).

Da empfinden wir nicht Freude, sondern fühlen nur Tod und Verderben, als wolle Gott uns ganz und gar vernichten.

Da empfinden sie so, wie es im Psalm heißt: „Wird denn der HERR ewiglich verstoßen und keine Gnade mehr erzeigen? Ist’s denn ganz und gar aus mit seiner Güte? und hat die Verheißung ein Ende? Hat denn Gott vergessen, gnädig zu sein, und seine Barmherzigkeit vor Zorn verschlossen?“ (Ps. 77,8-10).

Der treue Vater im Himmel aber will uns damit zeigen, wie mächtig seine Kraft in uns wirkt und was für eine überwindende Macht er seinen Kindern durch den Glauben gibt – so dass sie schließlich bekennen: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen“ (Röm. 8,28).

Sie lernen dann: „Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ (1.Joh. 5,4).

Wie das? Weil sich unser Glaube an GOttes mächtige Verheißungen klammert (und nicht an unser Fühlen), weil er sich auf Christus erbaut (und nicht auf die eigene Frömmigkeit oder Würdigkeit)!

Wer sich auf solche Weise von seinem himmlischen Vater geführt weiß, wird die Worte des Psalms nachsprechen: „Es ist mir lieb, dass du mich gedemütigt hast, dass ich deine Rechte lerne” (Ps. 119,71).

Lässt unser himmlischer Vater also Schweres über uns kommen, so ist seine wahre Absicht, dass er uns damit leitet und führt, ja uns letztlich in den Genuss seiner Gnade und Hilfe bringen will – und wir diese seine Barmherzigkeit wieder schätzen und lieben lernen.

Auf diese Weise lässt er unseren vertrauenden Glauben zu ihm erstarken, wie wir es auch im heutigen Evangelium sehen:

Drei schwere Anfechtungen, die allein der rechte Glaube an den HERRn Christus überwinden kann

1. Wenn der HERR auf unser Gebet nichts antwortet

2. Wenn der HERR auch die Fürbitte anderer nicht zu beachten scheint

3. Wenn der HERR einem seine Sünde und Unwürdigkeit vorhält

1. Wenn der HERR auf unser Gebet nichts antwortet

Und Jesus ging weg von dort und zog sich zurück in die Gegend von Tyrus und Sidon. Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird vom Teufel übel geplagt. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach.”

Aus heidnischem Gebiet kam sie und wollte zu Jesus!

Ja, es gibt oft suchende Seelen, wo man sie gar nicht vermutet hätte!

Was für eine Freude für den HERRn Christus, wo so viele seines eigenen Volkes nichts von ihm wissen wollen!

Aber wie verhält er sich nur!

Die Frau schreit ihm ihre Bitte entgegen: Ach HERR, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird vom Teufel übel geplagt”

Sie nennt nicht die spezielle Not ihrer Tochter, ob der Teufel ihren Körper mit Besessenheit plagt oder ob es mehr seelische Leiden sind.

So sollen auch wir uns an ihn wenden, nicht allein in eigener Not, sondern auch in der Not, die unseren Nächsten bedrückt.

Besonders wenn wir erkennen müssen, wie unsere Verwandten oder Kinder „vom Teufel übel geplagt werden” – wenn sie ungläubig sind, in seine Verführung einwilligen, in Sünden leben oder unter schweren Trübsalen zu leiden haben.

Die Frau wendet sich an Jesus, von dem es heißt: „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre” (1.Joh. 3,8) – den GOtt dem Adam und der Eva verhieß als dem, der dem Teufel die Macht nimmt, ihn besiegt und unterwirft (1.Mose 3,15).

Ist er doch gekommen, um unserer größten Not abzuhelfen, für uns Gottes Zorn zu leiden, damit wir im Glauben an ihn „nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben” (Joh. 3,16).

Warum aber hören wir: „Er antwortete ihr kein Wort”?

Es scheint, als ob Jesus allen anderen helfen wollte, nur ihr nicht!

Das ist große Not, schwere Trübsal, harte Anfechtung!

Sie aber geht nicht weg und lässt sich nicht beirren.

Ihr großer Glaube an ihn hält sie und lässt sie weiter hoffen.

Bei Markus lesen wir von ihr: „Denn ein Weib hatte von ihm gehört… und sie kam und fiel nieder zu seinen Füßen” (Mark. 7,25a).

Durch alles, was sie über Jesus gehört hat, wurde ihr Herz so stark von großer Zuversicht auf ihn durchglüht, dass ihr Glaube sich nicht abweisen lässt.

Das will unser Gott: Der Glaube, das Zutrauen zu ihm, das er doch erst in uns angezündet hat, soll noch stärker werden, sich nicht auf Äußeres, sondern auf Gottes Wort gründen.

Sie soll trotz allem darauf vertrauen, was sie von Jesus gehört hatte, obwohl der HERR sich vorerst wie taub stellt.

So ist das ja auch bei uns: Auch wir kommen zu Jesus und schreien ihm unsere Not entgegen, weil wir von den Aposteln und Evangelisten von ihm gehört haben.

Auch wir glauben an Jesus und setzen alle Zuversicht auf ihn: dass er uns mit Gott versöhnt, für unsere große Sündenschuld bezahlt hat und uns durch den Glauben Gottes Kinder sein lässt.

Ja, wir glauben auch fest, dass er uns in aller irdischen und körperlichen Not helfen kann, wenn es sein Wille ist.

Aber auch uns gegenüber stellt sich der HERR mitunter, als wollte er allen anderen helfen, nur uns nicht, als sei er taub.

Es geht einem dann wie dem frommen Hiob, der sprach: „Wenn ich ihn schon anrufe, und er mich erhört, so glaube ich doch nicht, dass er meine Stimme höre” (Hiob 9,16).

Oder wie der Prophet Jeremia klagt: „Du hast dich mit einer Wolke verdeckt, dass kein Gebet hindurch konnte” (Jer. 3,44).

Und doch: Der Glaube verzagt nicht, sondern überwindet auch die andere Anfechtung:

2. Wenn der HERR die Fürbitte anderer nicht zu beachten scheint

Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Lass sie doch von dir; denn sie schreit uns nach”

Hilf ihr doch und lass sie dann gehen…”

Jesus hatte zum gemeinschaftlichen Fürbitten gemahnt: „Weiter sage ich euch: Wo zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen” (Matth. 18,19.20).

Aber er zögert seine Hilfe hinaus.

Die Fürbitte der Apostel scheint vergeblich zu sein.

Auch die Antwort Jesu an seine Jünger (die die Frau ja hört) ist ein neuer Schlag: „Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel”.

Es scheint, als ob Christus nicht ihr, der Heidin, sondern allein den Israeliten helfen wolle.

Aber sie lässt sich dadurch nicht irre machen.

Ihr Glaube sagt ihr: So wie es klingt, kann es nicht gemeint sein – nach all dem, was ich von Jesus gehört habe.

Denn „der Sohn Davids”, der von den Propheten geweissagte Heiland aus dem Geschlecht Davids, war für alle verlorenen Schafe gekommen.

Und Christus spricht ja selbst: „Ich habe andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle. Und dieselben muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Herde und ein Hirte werden” (Joh. 10,16).

Sie achtet nicht auf das, was sie sieht und fühlt, sondern bleibt mit ihrem Herzen an dem, was sie über Jesus gehört hat und darum fest glaubt.

Darum geht sie ihm nach, bittet und fleht weiter.

So sollen auch wir uns verhalten, wenn die Anfechtung, statt abzunehmen, größer wird.

Christus will, dass wir gleichsam mit ihm „kämpfen” und ihn mit der Zuversicht auf ihn und seine Hilfe überwinden; dass wir wie Jakob sagen: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn” (1.Mose 32,26).

Dabei sollen wir bleiben, auch…

3. Wenn der HERR uns unsere Sünde und Unwürdigkeit vorhält

Sie kam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: HERR, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht fein, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde”

Die Kinder sind die Juden, die Hunde die Heiden.

Das heißt doch: Die Heiden sind von allem Heil ausgeschlossen!

Das Brot des Lebens ist für Gottes Volk da; soll man das Brot nehmen und es den Unreinen, den Hunden, den Heiden geben?

Das ist die schwerste Anfechtung, wenn uns der HERR unsere Sünde, und Unwürdigkeit vor Augen hält.

Dann wird uns bewusst: Wir haben nichts, wir sind vor ihm nichts; wenn er nicht Gnade erweist, sind wir verloren!

Die Frau kann nicht glauben, dass Jesus es wirklich so meint, denn sie glaubt an ihn als ihrem Heiland, der fest zugesagt hat: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaus stoßen” (Joh. 6,37).

So gibt sie ihm in ihrem Glauben eine Antwort, auf die sein liebendes Heilandsherz die schwere Anfechtung beendet: „Ja, HERR; aber doch essen die Hündlein von den Brosamen, die von ihrer Herren Tisch fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.”

Der HERR hielt ihr ihre Unwürdigkeit vor Augen, und sie ließ sich demütigen: „Ja, HERR!” Ich bin unreinaber doch erhalten die Hunde Brotkrümel von ihren Herren, und du bist mein HERR.

Sie nahm Christus gleichsam das Wort aus dem Mund und überwand ihn damit.

Das hat der HERR am liebsten, wenn wir durch alle Not hindurch auf seine Gnade, Güte und Barmherzigkeit vertrauen.

Stellt er sich anfangs anders, so heißt es, im Glauben weiter zu kämpfen: „Und so jemand auch kämpft, wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht” (2.Tim. 2,5).

Der von Gottes Geist gewirkte Glaube vertraut -trotz allem- auf Gottes Wort, in dem er seine Hilfe zusagt: „Und soll geschehen, ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören” (Jes. 65,24).

Denn so lehrt uns Gottes Wort: „Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit” (2.Kor. 4,17).

Es ist wahr: „Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünkt sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit sein; aber danach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind” (Hebr. 12,11).

In all dem bleibt es dabei: „Gelobet sei der HERR täglich! Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch” (Ps. 68,19).

Gott ist getreu, der euch nicht lässt versuchen über euer Vermögen, sondern machet, dass die Versuchung so ein Ende gewinne, dass ihr’s könnet ertragen” (1.Kor. 10,13).

Darum, wenn Gott der HERR uns durch Anfechtung im Glauben stählen und im Beten kräftigen will, ruft er uns gleichzeitig zu: „Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben” (Jak. 1,12).

Einer, der sich demütig unter das beugt, was Gott an Anfechtungen an ihm zulässt, wird reich gesegnet werden und erkennen, dass das Reich Gottes wirklich „Friede und Freude im Heiligen Geist” ist (Röm. 14,17).

Und er wird die Wahrheit des Wortes erkennen: „Ein Geduldiger ist besser denn ein Starker” (Spr. 16,32).

Der große TROST LUTHERS war: Ich bin getauft!

Gottes Wort lehrt, dass ein jeder Mensch als Nachkomme Adams und Evas zur Welt kommt, hineingeboren in die Ketten der Sünde, schon von Anfang an gefangen in der Macht des Teufels – ohne Aussicht auf Erlösung, wenn Gott nicht ein Wunder tut! ER tut es!

Auch wir wurden zu Jesus gebracht, weil er gesagt hat: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn ihnen gehört das Reich Gottes!“ (Mk. 10,14) und rufen zu ihm: „Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich! Meine Tochter wird vom Teufel übel geplagt“.

Und Gott tut das ersehnte Wunder: In seiner Gnade schenkt er, was er zugesagt hat: Denn was gibt oder nützt die Taufe?

Sie wirkt Vergebung der Sünden, erlöst vom Tod und Teufel und gibt die ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißungen Gottes lauten: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“ (Mk 16,16).

Zu einem jeden von uns spricht Jesus: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken… Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaus stoßen” (Matth. 11,28/ Joh. 6,37). Amen.

Pastor Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden