Predigt am Sonntag Septuagesimae

Predigt am Sonntag Septuagesimae (70 Tage vor Ostern)
über Hebräer 12,14

Jaget nach dem Frieden gegen jedermann und der Heiligung, ohne welche wird niemand den HERRN sehen.

Im Namen unseres HERRn Jesu Christi, liebe Brüder und Schwestern!

Die Heilige Schrift lehrt zwei Arten der Heiligung: Die eine ist, dass wir durch GOttes gnädigen Willen, durch seine Gnade Christen werden.

Im Brief an die Hebräer heißt es: Nach diesem Willen sind wir geheiligt ein für alle Mal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi. (Hebr. 10,10).

Hier bedeutet Heiligung die Berufung und Rechtfertigung, mit der GOtt uns Sünder von der Welt absondert und in sein Reich nimmt.

Daneben fordert GOtt nun seine Christen auf, sich täglich von allem Bösen, nämlich von Sünde abzusondern, z.B. hier: Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Hurerei. (1.Thess. 4,3).

Einmal sind wir geheiligt – da hat allein GOtt an uns gehandelt.

Und weiterhin sollen wir der Heiligung nachjagen – da haben wir etwas zu tun durch die Kraft, die GOtt uns darreicht.

In der einmaligen Heiligung sind wir passiv, in der täglichen Heiligung sollen wir aktiv sein: Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. (Röm. 12,2).

Nichts anderes meint unser Predigtvers: Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird.

Wer von GOtt geheiligt und damit errettet ist und ein Erbe der ewigen Herrlichkeit, aber in Sünde beharrt, nicht umkehrt, sondern sie liebt und entschuldigt, verliert den seligmachenden (rettenden) Glauben, fällt aus der Gnade und kann nicht selig werden.

Beachte:

Der feste Grund, das einzige Fundament unserer Seligkeit ist in diesem Bibelwort zusammengefasst: „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“ (Röm. 3,28).

Wir werden „ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist“ (Röm 3,24).

Nur dann können wir uns unserer ewigen Rettung wirklich sicher sein, wenn wir nichts erhoffen von unseren guten Taten, unserer Frömmigkeit, unserer Treue oder unseren Opfern.

Sehen wir uns den Vers noch weiter an: Jaget nach …der Heiligung, ohne die niemand den HERRn sehen wird?

Vor allem steht die einmalige Heiligung. GOtt schenkt sie aus lauter Barmherzigkeit durch das Evangelium, durch die Gnadenbotschaft in Christus: In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade… (Eph. 1,7).

–> Da heißt heilig“, dass GOtt selbst dich absondert aus dem Reich des Teufels und aus der Gewalt der Sünde befreit.

Du bist erlöst, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tod und von der Gewalt des Teufels – „durch Christi Blut erlöst“, „von Sündenschuld befreit“, der Herrschaft des Bösen entrissen“.

Vorher ist kein Mensch heilig – nur der, der sich von Christus helfen lässt, der nun im Glauben an den Heiland steht und sprechen kann: „An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd’. Was Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert“.

Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das fleißig wäre zu guten Werken. (Tit. 2,14).

Hier setzt die tägliche Heiligung ein.

–> Da bedeutet „der Heiligung nachjagen“, als ein Christ zu leben und sich nach Kräften zu bemühen, nicht in Sünde einzuwilligen – und wo ich feststelle, dass ich sündige, mich schnell und konkret davon abzusondern.

Beides, GOttes Heiligung am Sünder und die nachfolgende tägliche Heiligung sind in diesem Spruch zusammengefasst: Wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, dass wir darinnen wandeln sollen. (Eph. 2,10).

Wenn einer der „Heiligung nachjagt“, so ist er immerzu bestrebt, nach dem Willen des heiligen Gottes zu leben und ihm in allem zu dienen. Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.   (Kol. 3,17)

Gott spricht: „Ihr sollt heilig sein; denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott” (3.Mose 19,2).

„Heilig”, d.h. sich von Gottes Heiligem Geist und heiligem Wort nach seinem Willen erneuern zu lassen.

„Heiligung“ ist darum nichts anderes als das Bestreben, immer freier von Sünde und dem Willen Gottes immer ähnlicher zu werden.

Der Heiligung jagt also derjenige nach, der seine Sünde immer besser zu erkennen sucht, der sich an Gottes Wort prüft, wie sein Herz beschaffen ist, welche Falschheiten sich darin verstecken, was für böse Wünsche in ihm wachsen, welch böse Begierden sich in ihm regen.

Reinigt die Hände, ihr Sünder, und macht eure Herzen keusch (rein), ihr Wankelmütigen! (Jak. 4,8).

Jaget nach der Heiligung!“ heißt also zuerst einmal: Sei bestrebt, deine Sünde zu erkennen! Nimm die 10 Gebote wie einen Spiegel und prüfe dich: Nun ihr aber seid von der Sünde frei und Gottes Knechte worden, habt ihr eure Frucht, dass ihr heilig werdet, das Ende aber das ewige Leben. (Röm. 6,22).

So kommst du dahin, dass du mit David bekennst: „Ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir“ (Ps. 51,5); „Ich bekenne meine Missetat und sorge mich wegen meiner Sünde.“ (Ps. 38,19).

Die 10 Gebote sind das einzige Mittel, wodurch Sünde erkannt werden und als solche bezeichnet werden kann.

Pharisäer fordern: Du sollst das nicht anfassen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anrühren? (Kol. 2,21) – hat den Schein von Weisheit, ist aber selbsterwählte, selbsterdachte Frömmigkeit und Demut.

Setzt jemand (wie z.B. die Pharisäer) andere Dinge zum Maßstab und verlangt dies von sich oder anderen, der lügt und betrügt bei Gottes Namen.

Ein solcher Mensch jagt nicht etwa der Heiligung nach, sondern seinem eigenen Willen oder menschlichen Satzungen und Vorstellungen, die in Gottes Wort keinen Grund haben, die ihn in Selbstsicherheit und geistlichen Hochmut führen, dass er sich über andere erhebt, über sie Urteile fällt, richtet und verdammt und seinen Nächsten verachtet.

Ein solches Denken, das sich auf diese Weise über Gottes Wort und Willen erhebt, bewirkt gerade das Gegenteil von wirklicher Heiligung.

Als Potiphars Frau den Joseph zum Ehebruch verführen wollte, sprach er: „Wie sollte ich ein solch großes Übel tun und gegen Gott sündigen?“ (1.Mose 39,9) – das war etwas von seiner täglichen Heiligung, nachdem er schon ein Gläubiger, ein von GOtt Geheiligter war.

Darum betet David: „Weise mir, HERR, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte“ (Ps. 86,11).

Und Paulus schreibt: „Darin übe ich mich, allezeit ein unverletztes Gewissen zu haben vor Gott und den Menschen“ (Apg. 24,16).

Dass dies nicht nur das Äußere betrifft, lehrt GOttes Wort auch: Dieweil wir nun solche Verheißung haben, meine Liebsten, so lasset uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen und fortfahren mit der Heiligung in der Furcht Gottes. (2.Kor. 7,1)

Befleckung des Geistes: Zweifel an der Gnade Gottes, Murren gegen Gott, Ungeduld, unvollkommene Erkenntnis des Willens GOttes, Befleckung durch Irrlehre
Befleckung des Fleisches: Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, Rotten, Haß, Mord, Saufen, Fressen und dergleichen (Gal. 5,19)

Bisher hat man bei „Heiligung“ vorwiegend an die äußerlichen Werke gedacht, dass man sich vor Diebstahl, Hass und Ehebruch hütet.

Aber was ist mit der „Befleckung des Geistes“?

David betet im Psalm: Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist. (Psalm 51,12)

Das ist ein Gebet gegen die Unreinheit, die von der menschlichen Vernunft nicht erkannt wird: dass die Herzen unbefleckt und rein sein sollen von falschen Meinungen über Gott und Gottes Willen.

Gott ist gütig, gnädig und barmherzig. Er hat kein Gefallen am Tod des Gottlosen, sondern will, dass der Gottlose sich bekehre und lebe (Hes. 33,11).

Denn wenn das Herz fühlt, dass Gott zornig ist, dann folgt entweder ein falscher Glaube, dass wir uns einreden, Gott sei ein anderer als in Wirklichkeit (er sei nicht gnädig und barmherzig) und suchen dann andere Heilmittel, die im Wort Gottes ausgeschlossen oder verboten sind oder wir verzweifeln ganz und gar.

Gegen diese „Befleckungen des Herzens“ betet das gläubige Herz und bittet, das es von Gott so denken möge, wie Gottes Wort es lehrt, dass es Gott fassen kann als seinen Heiland und Erretter von Sünden. Denn auch diejenigen, die die rechte Erkenntnis haben, stehen in der Gefahr, dennoch vom Teufel auf mancherlei Weise zu falschen Meinungen über Gott verführt zu werden.

Er betet dass die Erkenntnis der göttlichen Güte in uns täglich gemehrt werde, damit wir in allen Dingen, die wir tun oder leiden, fröhlichen Mutes seien und wissen, dass wir um Christi willen bei Gott in Gnaden sind, und dass Gott wohlgefällt, was wir tun, dass wir essen und trinken, unsere Arbeit verrichten. Hierin soll das Herz rein bleiben in beständiger und rechter Erkenntnis und in Zuversicht zu Gott.

Nun steht es nicht in unserer Macht, uns selbst ein solches reines Herz zu schenken. Es ist Gottes Schöpfung und eine Gabe der Gnade Gottes. Darum gebraucht der Heilige Geist das Wort „schaffen“: Schaffe in mir Gott ein reines Herz… So, wie es nicht in unseren Kräften steht, ein solches Herz selbst hervorzubringen, so steht es auch nicht in unserer Macht, diese Gabe Gottes gegen die listigen Anschläge des Teufels zu erhalten und so werden wir oft „befleckt“ durch plötzliche Anfechtung und Traurigkeit. Darum darf das Gebet um ein solches reines, in Zuversicht zu Gott lebendes Herz, niemals aufhören.

In diesem Sinne ist auch der zweite Teil des Verses zu verstehen: „Und gib mir einen neuen beständigen Geist.“ Er bittet um einen standhaften und festen Geist, der gegen Zweifel und Kleinglaube sowie gegen Versuchungen zum Bösen gewappnet ist. Dieser Geist soll das Herz festigen, damit es nicht „befleckt“ wird. Christus nennt ihn den „Geist der Wahrheit“ (Joh. 14,17; 15,26 und 1.Joh. 4,6).

Das gehört zur Heiligung, dass wir dem Teufel mit GOttes Wort und Gebet entgegentreten, wenn er uns an GOtt irre zu machen sucht.

So ist also die tägliche Heiligung ein Streben des Christen danach, nach Geist und Fleisch immer mehr nach dem Ebenbild erneuert zu werden, zu dem GOtt einst den Menschen erschaffen hat, das aber durch den Sündenfall verloren gegangen ist.

as meint der Spruch: Ziehet den neuen Menschen an, der da erneuert wird zu der Erkenntnis nach dem Ebenbilde dessen, der ihn geschaffen hat. (Kol. 3,10) und: Zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. (Eph. 4, 24).

Wir werden, solange wir hier in der Welt leben, nicht vollkommen sein.

Darum heißt es Jagt nach der Heiligung!“

Wir sollen mit Paulus sprechen: „Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin (Phil 3,12).

Beachte:

Die tägliche Heiligung lässt niemanden einen Christ werden, sondern ist nötig, damit einer ein Christ bleibt.

Du bist nicht deswegen ein Christ, weil du der Heiligung nachjagst, sondern weil du an Christus als an deinen Erlöser glaubst.

Die Heiligung gehört zum Christen wie das Licht zur Sonne.

Die Gewissheit deiner Errettung findest du nicht in deiner Heiligung, sondern in der Zusage GOttes: Sei getrost! Um Christi willen sind dir deine Sünden vergeben.

So ruht deine Gewissheit, selig zu werden, auf dem festen Wort GOttes, auf deiner Rechtfertigung aus lauter Gnade um Christi willen.

Ein fröhlicher Christ kannst du dann sein und in Gewissheit deiner Seligkeit leben, wenn du nicht die Heiligung, sondern das Evangelium und die Gnade GOttes dein Herz und Denken erfüllen lässt.

Die Heiligung ist nicht das Fundament unserer Seligkeit!

Der feste Grund unserer Seligkeit ist allein die Gnade Gottes, die wir durch den Glauben an Jesus Christus ergreifen!

Sobald aber ein Mensch durch den Glauben seinen Heiland ergreift, dann wohnt Christus durch den Glauben in seinem Herzen.

Doch der Glaube und Christus und der Heilige Geist werden aus einem Herzen verdrängt, wo es die Sünde mehr liebt als IHN und darum gar nicht von der Sünde lassen will!

Wie also kann einer ein Christ sein und der Heiligung nicht nachjagen?

Wo der wahre Glaube ist, da ist auch Heiligung; da ist Sündenerkenntnis und da ist der Wille, von Sünde zu lassen und dem Wort GOttes gehorsam zu sein.

Da entsteht Kampf, Kampf gegen die Sünde und Freude über jeden Sieg!

Wo einer Glaube und Hoffnung auf das ewige Leben in sich trägt, da will er sich reinigen von allem, was dem widerstrebt, wie der Apostel Johannes schreibt: „Und ein jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich, wie auch jener rein ist.“ (1.Joh. 3,3).

Darum sollen wir uns nicht täuschen lassen: „Ohne die Heiligung wird niemand den HERRn sehen!“, ohne Abscheu vor Sünde und ohne die Sehnsucht und das ehrliche Bemühen, davon los zu kommen, kann keiner selig werden.

Darum ermuntert uns der gnädige HErr: „Darum richtet wieder auf die lässigen Hände und die müden Knie und tut gewissen Tritt mit euren Füßen, dass nicht jemand strauchle wie ein Lahmer, sondern vielmehr gesund werde“ (Hebr. 12,12.13).

Hast du erkannt, dass du der Heiligung nicht so nachgejagt bist, wie du es hättest tun sollen, dann fliehe nicht vor Jesus, sondern zu ihm!

ER spricht: „Bleibt in mir und ich in euch. Gleichwie die Rebe kann keine Frucht bringen von ihr selber, sie bleibe denn am Weinstock, also auch ihr nicht, ihr bleibet denn an mir… denn ohne mich könnt ihr nichts tun” (Joh. 15,4.5b).

Jesus Christus ist der Heiland, er will dich heilen: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken… Und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaus stoßen“ (Matth. 11,28/ Joh. 6,37).

Erkennst du an dir Sünde über Sünde, möchtest du sie so gern los sein und sehnst du dich danach, besser zu werden, dann stehst du in der Heiligung, denn solche Sehnsucht weckt der Heilige Geist in dir.

Wirkt der Heilige Geist an dir, so stehst du untrüglich im wahren Glauben, durch den du gewiss selig und den HERRn sehen wirst!

Meine Kindlein, solches schreibe ich euch, auf dass ihr nicht sündiget. Und ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist. Und derselbige ist die Versöhnung für unsere Sünde, nicht allein aber für die unsere, sondern auch für die der ganzen Welt” (1.Joh. 2,1.2). Amen.

Pastor Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden