Predigt für das Weihnachtsfest

Predigttext 1.Johannes 3,1-5

Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, dass wir Gottes Kinder sollen heißen! Darum kennt euch die Welt nicht, denn sie kennt ihn nicht. Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder, und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, dass wir ihm gleich sein werden; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
Und ein jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reiniget sich, gleichwie er auch rein ist.

Wer Sünde tut, der tut auch Unrecht; und die Sünde ist das Unrecht. Und ihr wisst, dass er ist erschienen, auf dass er unsere Sünden wegnehme; und ist keine Sünde in ihm.

Liebe Leser!

Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen!” so rufen wir und preisen Gott den HERRn, sehen wir die Krippe des Jesuskindes.

In großer Gnade beugt sich der barmherzige Schöpfer zu uns armen Sündern herab.

Aus lauter Liebe zu seinen Geschöpfen hatte Gott der HERR die erste Verheißung dem Adam und der Eva gegeben, die durch ihren Ungehorsam “Kinder des Zorns” geworden waren.

Aus lauter Liebe zu uns Menschen hat Gott diese und die vielen anderen Weissagungen erfüllt und uns schließlich seinen Sohn zum Heiland gesandt.

Aus lauter Liebe zu uns ist Christus als ein Mensch geboren, arm, gering im Stall zu Bethlehem, hat die Gestalt eines Knechtes angenommen, “damit wir durch seine Armut reich würden” (2.Kor. 8,9).

Die Weihnachtsbotschaft lässt uns Gottes Liebe greifbar werden:
Alle Verheißungen von Adam bis zum Ende des Alten Testamentes waren auch Botschaft der Liebe Gottes, aber was der Engel am heiligen Abend Bethlehems Hirten zurief, das ist Nachricht der Erfüllung.

Gott verheißt nicht nur, sondern erfüllt auch; Gott verspricht nicht nur, sondern hält in Treue, seine Zusagen, wie Paulus schreibt: “Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einerFrau…damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste” (Gal. 4,4.5).

Die Kunde von der Liebe Gottes am Christfest hat zum Inhalt, wie Gott der HERR erfüllt, was er verheißen hat: “Christ ist erschienen, uns zu versöhnen! Freu dich, freue dich, o Christenheit!”

Auf IHN weisen die Apostel und Evangelisten und sprechen: Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lob (2.Kor. 1,20).

Auch wir stimmen ein, loben Gott und sprechen mit dem Apostel: Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder!

Darum geht es in unserem Textabschnitt, dass wir nun wirklich Gottes Kinder sind.

1. Wir sind es durch den Glauben an Jesus

2. im Glauben an ihn haben wir eine lebendige Hoffnung

3. und empfangen Kraft, als Kinder Gottes zu leben.

1. Durch den Glauben an Jesus Christus sind wir Gottes Kinder

Wir dürfen nie außer acht lassen: Ohne den lebendigen Glauben an Christus sind wir nicht Kinder, sondern Feinde Gottes.

Außerhalb des Glaubens an Christus kann niemand ein Kind Gottes werden.
Ohne ihn kommen wir aus der angeerbten Feindschaft zu Gott nicht heraus!

Ja ohne Christus lebten auch wir noch “nach dem Lauf dieser Welt”, wären von Schuld gebunden und von Widerwillen gegen Gott und Gottes Wort durchdrungen – ohne Hoffnung auf Befreiung.

Ohne Christus wären auch wir noch “Kinder des Unglaubens” und “Kinder des Zorns von Natur wie auch die anderen” (Eph. 2,2.3).

Und nun schreibt Johannes: “Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen!”

Gott der Vater hat uns seine große Liebe erwiesen, dass wir genannt werden sollen “Kinder Gottes” – und das das auch sind.

Der griechische Grundtext setzt hier das Wort der hingebungsvollen Liebe.

Das ist die Liebe, die sich gerade an den richtet, von dem nichts zu erwarten ist, der bettelarm vor einem steht und den man nur arm bleiben lassen oder beschenken kann, weil er nichts hat.

Wenn wir also lesen: „Gott ist die Liebe“ (1.Joh. 4,8), so heißt das: Gottes Wesen ist ganz und gar durchdrungen von der Liebe, die sich über den erbarmt, der nichts dafür geben kann.

So ist das gemeint, wenn wir hören: “Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen!”

Wir sind durch den Glauben an Jesus Gottes Kinder, ohne dass wir etwas dafür hätten tun oder geben können.

Darum schreibt Johannes wenig später: Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden. (1.Joh. 4,10).

Diese Liebe hat Gott der Vater uns erwiesen, sie ist da; sie ist bereits erschienen: Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. (1.Joh. 4,9).

Wir haben durch den Glauben an den Heiland das herrliche Recht, dass wir “Kinder Gottes” genannt werden und uns so nennen dürfen: “Ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christus Jesus.” (Gal. 3,26).

Jesus Christus das einzigartige heilige Kind in der Krippe, und unser Blick wandert weiter zu unserem Heiland am Kreuz!

Krippe und Kreuz gehören zusammen! – durch seine Geburt ist für alle Sünder der Weg in die ewige Seligkeit bereitet; durch seinen Tod am Kreuz das Tor zum Himmel geöffnet.

Die Weihnachtsbotschaft endet nicht ohne uns an den Hügel Golgatha zu erinnern, auf dem Christi Kreuz stand:

Er nimmt auf sich, was auf Erden wir getan, gibt sich dran, unser Lamm zu werden, unser Lamm, das für uns stirbet, und bei Gott für den Tod Gnad und Fried erwirbet.” [LKG 101,6]

Wer sollte da noch ohne Trost und ohne Gewissheit bleiben?

Wer sollte sagen können, für ihn gebe es keine Hoffnung?

Seht das Kind in der Krippe! Seht euren Erlöser!

Für keinen ist es zu spät: “Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen!”

Und doch klagt unser Herz uns an; und wir wissen, dass es recht hat: Wir sündigen täglich viel und übertreten den heiligen Willen unseres Gottes.

Und eben deswegen lesen wir in Gottes Wort: Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.(1.Joh. 1,8.9).

Gerade wenn dich dein Herz verdammt, so ruft Christus dich zu sich.

Gerade wenn du dich als sündig und elend erkennst, wenn du mit deinem bösen Gewissen vor dem heiligen Gott fliehen möchtest, darfst du zu deinem HERRn laufen, denn er ist der Heiland der Sünder.

Denn der Engel sprach zu den Hirten: “Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird…” (Luk. 2,10).

Allem Volk hat er gesagt! Zu allem Volk gehörst auch du!

Wie dürfte dein zagendes Herz dieses Wort Lügen strafen oder in Zweifel ziehen?

Und wenn der Apostel schreibt: Christus ist die Versöhnung für unsere Sünde, nicht allein aber für die unsere, sondern auch für die der ganzen Welt.” (1.Joh. 2,2), wie, darf dann der Satan dir den Frieden Gottes absprechen?

Der ganzen Welt hat er gesagt! Da gehörst du auch dazu!

Wenn dich dein eigenes Herz verdammt, dir der Satan den HERRn Christus nicht als den Heiland, sondern als zornigen Rächer vor Augen stellt, wenn du in deinem Herzen beschwert bist, arm und elend, dann schau zur Krippe!

Ja, dir ist der Heiland geboren! -von dem der Engel dem Joseph sagte: “Maria wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden” (Matth. 1,21).

JESUS – der Helfer und Heiland der Sünder, also auch dein Helfer und Heiland!

Darum spricht der Apostel so eindringlich: “Seht!”

Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen!”

Gottes Wort besiegt deinen Kleinglauben, dein Misstrauen, deine Zweifel und versichert dir, “dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben” (Joh. 3,16).

Wir sind durch den Glauben an Jesus Gottes Kinder und

2. haben eine lebendige Hoffnung

Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.”

Der Apostel weist hier in die Zukunft, über dieses irdische Leben hinaus.

Die “Kinder Gottes” werden im Himmel IHN sehen von Angesicht zu Angesicht, ihren himmlischen Vater, der sie erschaffen hat, den Sohn, ihren HERRn Jesus Christus, der für sie Mensch geworden ist und den Heiligen Geist, der sie zum Glauben gebracht und darin erhalten hat.

Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort, dann aber von Angesicht zu Angesicht.” (1.Kor. 13,12).

Wir werden dann also “Kinder Gottes” sein, die zur völligen Erlösung hindurchgedrungen sind, zur Erlösung von allem Übel, die durch das Blut des Lammes überwunden haben, die aller Gefahr, aller Trübsal und Anfechtung enthoben sind.

Paulus schreibt: “Sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi…” (Röm. 8,17).

Wir werden dann “vollendete” Kinder Gottes sein, die zu dem Ebenbild erneuert sind, wie Gott den Menschen einst geschaffen hat: heilig, völlig ohne Sünde, in vollkommenem Einklang mit Gott, in ewiger Gemeinschaft mit IHM – so, auf diese Weise, werden wir ihm gleich sein.

Doch die Herrlichkeit dieser Kindschaft ist hier in diesem Leben noch verborgen unter vielerlei Leiden, unter Schwachheit und Trübsal.

Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit.” (Kol. 3,3.4).

Bis dahin aber erbauen und trösten wir uns an eben dieser herrlichen Hoffnung und lassen es uns von Gottes Wort wieder und wieder versichern, dass wir durch den Glauben an Christus wirklich Gottes Kinder sind und durch IHN ganz gewiß zur Vollendung gelangen werden.

Wie hatte der Apostel geschrieben?

Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen! Darum kennt uns die Welt nicht, denn sie kennt ihn nicht.”

Die Welt kennt unseren himmlischen Vater nicht, erkennt ihn auch nicht als ihren Gott und Vater an und will mit dem Heiland der Sünder nichts zu tun haben.

Weil wir uns aber als Gottes Kinder bekennen, darum kennt sie auch uns nicht, kennt uns nicht als die Ihren an, sondern verspottet, verhöhnt, ja verfolgt die Christen.

Gerade eben weil wir Gottes Kinder sind, haben wir in diesem irdischen Leben oft viel zu leiden, zu erdulden und stehen oft abseits.

Unser HERR spricht: “Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater” (Matth. 10,32).

In Spott und Leid, in Trübsal und Benachteiligung – schau in den Stall von Bethlehem: “Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen!”

Wir sind es durch den Glauben an Jesus im Glauben an ihn haben wir eine lebendige Hoffnung

3. und empfangen Kraft, als Kinder Gottes zu leben.

Durch Christus haben wir Kraft, trotz Spott und Verachtung, ja zu besonderen Zeiten auch trotz Verfolgung und Tod, als Kinder Gottes zu leben.

Wenn nämlich Trübsale um des Glaubens willen über uns kommen, dann sprechen wir durch die Kraft Gottes mit dem Apostel: “Denn ich halte dafür, dass dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht wert sei, die an uns soll offenbart werden.” (Röm. 8,18).

Unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.” (2.Kor. 4,18.18).

Aber nicht allein in Bedrängnis von außen gibt der HERR Christus uns Kraft, dennoch fröhlich als Kinder Gottes zu leben.

Und ein jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich, wie auch jener rein ist.”

Auch in Anfechtungen und Versuchungen, die der Teufel in unseren Herzen aufsteigen lässt und zu denen wir von der Welt verführt werden, haben wir allein in IHM die Stärke.

Christus hat uns ja nicht nur vom Fluch, sondern auch von der Herrschaft der Sünde erlöst.

Er reicht dir die nötige Stärke, dass du das Gute, das er in dir gepflanzt hat, zum Sieg führen kannst, dass du von Herzen gern diesem Guten, dem Gott Wohlgefälligen (statt des Bösen) nachjagst.

Gerade auch hier, wo der Satan dich verführen will, gilt: Gottes Kraft “ist in den Schwachen mächtig” (2.Kor. 12,9).

Wo du aber gefallen bist, fliehe zur Vergebung deines HERRn!

Das alles nun ist in dem Freudenwort des Apostels zusammengefaßt: “Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen!” Amen.

Pastor Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden